Werdet “awesome” Volksbanken


LandlebenNeulich im Zeitungskiosk am Berliner Hauptbahnhof. Eine ganzes Regal voller Landleben: Landlust, Landidee, Servus, Landfee, Landhaus, Land & Berge, usw..Zu kaum einem anderen Thema sind in den letzten Jahren mehr neue Zeitschriften entstanden. Sehnsucht nach dem Land oder im übertragenen Sinne Sehnsucht nach einem anderen – vielleicht ruhigerem oder natürlicher getaktetem – Leben. Die Menschen flüchten in die Stadt aber sehnen sich nach dem Land. Selbst auf dem Land sehnt man dich nach dem Land. So etwas nennt man wohl Schizophren und es lässt sich schwer identifizieren wonach die Menschen sich wirklich sehnen? Schlager und ländliche Traditionen boomen übrigens auch: Helene Fischer, Der Alpen Elvis, Die Zillertaler Bergzigeuner, Almabtrieb, Oktoberfest, Hüttensause in the city, Erntefeste, etc. Sagt mal geht’s noch?

Volksbanken Raiffeisenbanken gehören auch zum Land(leben). Es gibt sie auch in der Stadt, aber die Marktanteile sind dort meistens unbedeutend. Lässt sich daraus was machen? Oder lesen wir Städter bzw. Stadtrandbewohner der Zukunft nur noch in den Landzeitschriften von der Idylle der Volksbanken Raiffeisenbanken, zum Beispiel über die Raiffeisenbank GAMMELSFELD?

Auf der anderen Seite hilft den immer weiter und Druck geratenden Fililalbanken vielleicht auch die Handlungsmaxime: Abwarten und Tee trinken! Denn steigende Mieten und Lebenshaltungskosten werden den Trend zur Landflucht ohnehin irgendwann umkehren, was aber, aufgrund der demographischen Situation und des schleichenden Endes des Wachstums, nicht zu blühenden Landschaften führen dürfte. Lokale Banken müssen sich darauf einstellen. Gerade im ländlichen Raum werden ganz neue Bedürfnisse entstehen, für die es noch keine Anbieter gibt.

„Jeder muss es sich einprägen, um  sich mit dem echten genossenschaftlichen Geist zu erfüllen: Mit vereinten Kräften im engen brüderlichen Zusammenschluss den großen Fragen und Interessen des Menschendaseins gegenübertreten“

Klingt das nach einer Bank? Der Satz stammt von einem der Gründungsväter einer Bankengruppe, allerdings – behaupte ich – hatte dieser Gründungsvater nie die Idee eine Bank moderner Provenienz zu gründen.

Klingt dieses Zitat von Hermann Schultze-Delitzsch wie ein Programm, welchem eine moderne Bank wie es die Volksbanken Raiffeisenbanken sind, folgen könnte?

Was würde Hermann Schultze-Delitzsch wohl heute tun?

Das Bedürfnis der Menschen nach Organisationen und Unternehmen denen sie vertrauen können, wird immer größer. Menschen beginnen sich mit dem einfachen Leben zu arrangieren. Weniger ist Mehr, die meisten von uns werden mit weniger auskommen müssen und dieses weniger ist sogar gut für uns.

gesten bei Arte http://www.arte.tv/guide/de/048214-000/weniger-ist-mehr?autoplay=1

Landzeitschriften sind auch ein Ausdruck dieses Bedürfnisses. Die Rückkehr zu genossenschaftlichen Ursprüngen, zu einer Bank die den Menschen und der Gemeinschaft hilft, z.B. auch mit weniger auszukommen,  ist deshalb eine Chance für die genossenschaftliche Bankengruppe. Dies bedeutet nicht auf moderne Errungenschaften zu verzichten und zu einer Art „Nostalgiebank“ zu werden, die am Wochenende Touristenströme aus den Städten anzieht.

Es geht – wie Brian Solis es formuliert – darum, eine starke Vision zu entwickeln, für einen kurzen Moment alles auf null zu stellen und die Genossenschaftsbank neu zu erfinden, ohne alles was gut war und ist über den Haufen zu schmeißen. Beantwortet die Fragen:

  • Welches Kundenerlebnis möchten wir haben bzw. erzeugen?
  • Welche Rolle möchten wir spielen und was möchten wir nicht mehr tun?
  • Wie können wir uns verändern?
  • Welche Chance liegt in der Digitalisierung?

Die Genoidee ist eigentlich das absolute Gegenmodell zu dem, was wir heute unter banking verstehen. Dieses Gegenmodell muss ausgebaut und als klarer Mehrwert für alle Menschen erkennbar werden. Genossenschaftsbanken sollten sich nach dem Prinzip der „Awesomeness“ weiter entwickeln. Awesomeness – erfunden von Umair Haque- ist eine andere neue Art von Innovation: Kreative Menschen, die lieben was sie tun, schaffen reale bedeutsame Werte und – in Anlehnung an Brian Solis – Erlebnisse. Sie zerstören dabei nicht – wie der liebe Herr Schumpeter – alles  Alte und scheinbar obsolete. Sie suchen auch im Alten den Fortschritt und nutzen die Digitalisierung, um dieses Alte zu modernisieren und besser zu machen.

Crowdfunding, Regionale Vernetzung, Time Banking, die Bank als Plattform, Sharing Economy, Intensivierung der Kundenbeziehung durch Social Media, Cradle to Cradle, Steady state economy. In all diesen Stichwörtern liegen Chancen für die genossenschaftliche Bankengruppe. Nur emotional bewegende Unternehmen haben eine Zukunft. Wenn banking zur Technologie verkommt und zur commodity wird, dann braucht es wirklich keine Banken mehr und dann gibt es vielleicht noch nicht einmal mehr banking als Funktion, weil diese Handlung in unserem Bewusstsein zwischen all den Impulsen und Einkaufsereignissen gar nicht mehr präsent ist.

Interessante Ergänzungen  zu diesem Blog Beitrag:

Awesomeness Manifest von Umair Haque

Eine regionale Plattform für Reparaturen

Four oldschool ways to thrive in any economy

 

Banken und die “collaborative Economy” (Teil 1)


Banken und die "collaborativve Economy"Ein Wirtschaftssystem in dem Eigentum und Zugang zwischen Menschen, Startups und Unternehmen geteilt wird, das ist die Collaborative Economy. Einem solchen Wirtschaftsmodell nähern wir uns gerade an und diese Entwicklung wirft vor allem für die klassischen, etablierten und nicht digitalen Unternehmen einige Fragen auf. Nach Social Media und der Demokratisierung von Information und Interaktion, werden nun auch Produkte und Dienstleistungen geteilt und Unternehmen, welche dieses Teilen organisieren, gewinnen an Bedeutung mit entsprechenden Konsequenzen für Unternehmen, deren Geschäftsmodelle darauf ausgerichtet sind.

Nun ist das Teilen unter Menschen keine neue Entwicklung und keine Errungenschaft der Digitalisierung. Teilen ist  – so schreibt GDI Forscherin Karin Frick in der aktuellen  Ausgabe der GDI – Impuls – das Fundament menschlichen Zusammenlebens. Wir haben das Teilen mit der Zunahme unseres Wohlstandes ganz einfach verlernt (vielleicht ist uns auch systematisch entlernt wurden?) und durch den einsamen Konsum, der uns nicht nur vereinsamt sondern auch von unseren sozialen Verbindungen entfremdet, ersetzt. Das nun die kollaborative oder teilende Ökonomie entsteht, hat verschiedene Gründe. Diese sind sozialer, ökonomischer und technologischer Natur.

Was die kollaborative Ökonomie treibt

In vielen Volkswirtschaften verschlechtern sich die ökonomischen Verhältnisse. Die bisherige Unvereinbarkeit von wachsenden Volkswirtschaften und dem gleichzeitigen Schutz und  Erhalt des Ökosystems in Verbindung mit einer weiter wachsenden Weltbevölkerung führen bei vielen, vor allem den jüngeren über soziale Medien weltweit vernetzten, Menschen zu neuen Denk- und Verhaltensweisen, die durch neue Technologien erst ermöglicht werden.

Teilen, Nachhaltigkeit, eine andere Einstellung zu und andere Erwartungen an Unternehmen und Marken stehen auf der Tagesordnung. Jüngere Generationen entwickeln auf der Suche nach Verortung, Zugehörigkeit und Identität andere Ideen vom zusammen leben und der Organisation von Arbeit und Zusammenarbeit. Viele Unternehmen entstehen nicht  nur, um dem Gründer und seinen Mitarbeitern ein Einkommen zu sichern sondern auch  weil die Gründer eine andere Vorstellung von Ökonomie haben und den etablierten Unternehmen zeigen möchten, dass wirtschaften nicht unbedingt aus Raubbau an Natur und Mensch, Egoismus und rücksichtslosem Profitstreben bestehen muss.

Die Ökonomie der Zukunft könnte wieder eine Ökonomie des Teilens werden, die – so schreibt Karin Frick – den Zusammenhalt in der Gesellschaft stärken und suffiziente Verhaltensweisen fördern werde. Die Geschäftsmodelle der „collaborative Economy“ stellen dabei eine Herausforderung für die alte Ökonomie dar. Natürlich auch für Banken

Die Altimeter Group spricht von einer nicht mehr aufzuhaltenden Bewegung und hat ca. 200 Unternehmen der Sharing Economy genauer betrachtet. Im Banken Markt sind dabei Trends wie crowdfinance, p2p lending und auch Social Banking zu erkennen, bei denen Banken als Mittelsmann ersetzt werden, bzw. dort wo es regulatorisch noch erforderlich ist, in den Hintergrund gedrängt werden. Als herausragendes Beispiel nennt die Altimeter Group lending Club, die inzwischen mehr als 2 Milliarden Dollar an Krediten vergeben – sagen wir besser- vermittelt haben. Auch weiß die Altimeter Group von ersten Banken zu berichten, die zumindest in Kooperation mit Unternehmen der kollaborativen Ökonomie getreten sind. Zum Beispiel citi:

http://citibikenyc.com/

Die Säulen der kollaborativen Ökonomie

Die Geschäftsmodelle der Unternehmen der collaborative Economy beruhen auf drei Säulen, die teilweise einzeln und teilweise auch in Kombination vorkommen. Diese Säulen sind:

  • Company as a service
  • Motivate a Marketplace
  • Provide a Platform

Um die Bank als Servicedienstleister zu verstehen bzw. zu betreiben gilt es auf die Tatsache zu reagieren, dass Verbraucher verstärkt Zugang zu Produkten und Dienstleistungen wünschen, ohne diese zu besitzen. Unternehmen müssen also die Beziehung zum Verbraucher verändern und neue Leistungen wie die Möglichkeit zum Mieten, zum Abonnieren oder kurzfristigem Leihen anbieten.

Beim zweiten Modell “Motivate a Marketplace” geht es darum einen Marktplatz zu managen oder zu organisieren, den man nicht mehr selber besitzen kann. Das Ziel besteht also darin den Menschen dabei zu helfen, die erwünschten Aktionen untereinander abzuwickeln. Man könnte also sagen sich selbst zu helfen und der aufmerksame Genossenschaftsbanker sollte an dieser Stelle aufhorchen. Für die Bank geht es dann also darum in einen Marktplatz einzusteigen, der sich in der Sharing Economy bereits entwickelt hat bzw. sich gerade entwickelt.  Hier gibt es eine Menge von Aktivitäten, die auch die Bank als Betätigungsfeld prüfen könnte. Es geht grundsätzlich um die Weiterveräußerung von Produkten, Mitinhaberschaft, der Tausch von Waren, die Kreditvergabe oder auch die Förderung gegenseitiger Schenkungen. Gerade in ländlichen Regionen wird der Bedarf nach dieser Art von Marktplatz wachsen.

Und schließlich – in der dritten Phase – kann das Unternehmen oder die Bank eine Plattform anbieten, welche das Ziel verfolgt die eigenen Kunden bzw. die Verbraucher zu stärken und diese dazu führt zukünftige Produkte und Services selbst zu erstellen. Stichworte wären: Kollaboration, Cofunding, Cobuilding, Codesign, Coselling, CoRevenue Sharing usw.

Ende Teil 1

Lesen Sie am Montag den zweiten Teil: WAS BANKEN TUN KÖNNEN

Warum gibt es eigentlich keine Volksbanken Raiffeisenbanken Mitglieder Community?


Die genossenschaftliche Finanzgruppe hat mehr als 17 Millionen Mitglieder. Einschränkung: Die Mitglieder gehören eigentlich zu regionalen Genossenschaftsbank. Es gibt als 17 Millionen Mitglieder, zwischen denen zunächst einmal keine Verbindung besteht, außer, dass sie Kunde einer genossenschaftlichen Bank sind und zusätzlich mindestens einen Mitgliedschaftsanteil gezeichnet haben. Die Frage: Warum sie diesen Genossenschaftsanteil gezeichnet haben? kann ich nur spekulativ beantworten. Gibt es hierzu vielleicht Umfragedaten?

Jede Genossenschaftsbank weist durch die Mitgliedschaft aber einen gewaltigen und einzigartigen Unterschied gegenüber jeder anderen Bank in Deutschland auf, denn diese haben nur Kunden. Die Mitgliedschaft ist also ein einzigartiger USP der Gruppe, der allerdings nicht hinreichend genutzt wird.

Mitglieder sind mehr als nur Kunden

Auf den sozialen Plattformen und hier vor allem bei Facebook kann man bereits spüren, dass dieser Unterschied wirklich einen Unterschied macht. Viele genossenschaftliche Banken – vor allem jene, die auch den Online Dialog strategisch und nachhaltig betreiben – machen ihre Sache recht gut und sie sind – obwohl ihnen weniger finanzielle und personelle Ressourcen zur Verfügung stehen – als den meisten Wettbewerbern – recht erfolgreich in der Gewinnung von Fans und der Initiierung von Engagement. Es wäre zwar noch mehr möglich, aber die Anfangserfolge sind schon ganz beachtlich.

Ob es sich bei den Fans bereits um Kunden oder Mitglieder handelt, vermag ich nicht zu sagen und leider werden auch nur wenige Volksbanken hier Zahlen nennen können. Was sehr schade und auch ein strategischer Fehler ist, der einerseits den Erfolg der Social Media Aktivitäten der ganzen Gruppe bremst und andererseits bisher verhindert, dass die These bewiesen werden kann, dass Mitglieder sich mit der Bank identifizieren, engagierter und bereit zur Mitarbeit sind.

Wie lautet die Schnittmenge?

Neben den 17 Millionen Mitgliedern gibt es schätzungsweise etwas über 100.000 Fans, die sich auf die Facebook Seiten der aktiven Volksbanken Raiffeisenbanken verteilen. Was – erlauben Sie mir diesen kleinen Taschenspielertrick – nicht einmal 1 % der Mitglieder ausmachen würde. Interessant wäre es – wie gesagt – auch einmal zu erforschen, ob es eine Schnittmenge zwischen den aktuellen Mitgliedern und den Facebook Fans gibt. Oder ob die Facebook Fans eventuell ein Versprechen auf die Zukunft sind, weil – wie zu vermuten wäre – mehr jüngere Menschen unter den Facebook Fans der Banken sein dürften.

Was müsste wohl passieren, damit mehr jüngere Menschen vom Fan zum Mitglied werden? Wie könnte ein Konzept einer Mitgliedschaft 2.0 aussehen? Und – soviel sei gesagt – dieses Konzept ist mehr als ein Mitgliedermehrwertprogramm, welches sich in konsumistischen Aktivitäten erschöpft.

Schließen sich junge Menschen heute noch Vereinigungen oder auch Marken an, um sich sozial zu verorten und das Gefühl von Identität und Bedeutsamkeit zu erlangen. Und wenn sie dies tun – ich denke davon kann man ausgehen – ist die Zeichnung eines Mitgliedschaftsanteils genug Bindungsmasse oder erwarten gerade die jungen Digital Natives ganz andere Dinge wie z.B. wirkliche Inhalte oder Gestaltungsmöglichkeiten, die Identifikation und Sozialisation ermöglichen?

Zum Schluss noch eine These

Leiten wir den Begriff Community einmal aus seiner ursprünglichen Bedeutung Gemeinde/Gemeinschaft ab, rekurriert also auf Einheit, emotionale Bindung, Gemeinschaftsgefühl und auch gemeinsame Werte und Ziele und stellt die oberflächlichere Online Variante einmal zurück, dann sehe ich die Zukunft der genossenschaftlichen Gruppe genau in einer Strategie, welche versucht aus ihren Mitgliedern eine Community zu machen, welche das Zusammengehörigkeitsgefühl auch auf bundesweiter Ebene herstellt. Das Mitglied in Hamburg muss also von ähnlichen Werten und Zielen getrieben werden, wie das Mitglied in München. Hierzu braucht es Ideale und gelebte Werte, die sich in den Strategien der Banken, dem Handeln der Mitarbeiter aber auch der Mitglieder und Kunden wiederfinden. Es geht also um viel mehr als Kampagnen und es geht um viel mehr als Produkte. 

Die Genossenschaftsbank 2.0 ist keine technologische Variante der Genossenschaft 1.0. Die Genossenschaft 2.0 basiert auf gesellschaftlicher Verantwortung. Noch nie war dies – angesichts der täglich immer noch schlimmer werdenden Exzesse von Staaten,  der Großbanken und anderer Unternehmen der Ökonomie 1.0 – so notwendig wie heute.

Sollte es den Volksbanken Raiffeisenbanken gelingen eine wirklich Mitglieder Community aufzubauen, die eben auch in Form eines sozialen Online Netzwerkes miteinander kooperiert und kollaboriert, dann müsste diese Gruppe keinen Cent mehr in Werbung investieren. Nicht in Online und nicht in Offline Werbung. Eine Mitgliedschafts 2.0 Online und Offline Community ist die große Chance für die Zukunft der genossenschaftlichen Bankengruppe. Fast bin ich versucht zu sagen: Es geht nur so.

Das könnte Sie auch interessieren

Rework Volksbanken Raiffeisenbanken

 

Was hängen blieb vom 4. genobarcamp


In der vergangenen Woche fand das vierte genossenschaftliche Barcamp statt. Veranstalter war die DZ Bank in Frankfurt. Wir mussten hoch hinaus. Bis in den 50. Stock und hatten am Abend des ersten Tages einen herrlichen Ausblick auf die Bankenstadt Frankfurt. 60 Mitarbeiter aus der genossenschaftlichen Bankengruppe nahmen Teil. Soweit die statistischen Daten und nun in Stichworten, was bei mir hängen blieb:

1. Innovation und Veränderung ist eine Frage des Alters. Vor allem die Beiträge der jüngeren Teilnehmer und  die Diskussion mit ihnen fand ich besonders inspirierend.

2. Es wurde viel über Social Media aber zu wenig über die Zukunft der Banken und insbesondere der genossenschaftlichen Banken diskutiert.

3. Banken glauben an Veränderung, aber nicht daran, dass es sie ähnlich treffen könnte, wie die Kodaks und wohl auch Nokias dieser Welt.

4. Es gibt sehr viele – zumeist externe oder extrinsische Gründe – die als Erklärung dafür herhalten können, dass man selber nichts bewegt oder bewegen kann.

5. Die wirklich wesentlichen Entscheidungen für die Zukunft der Bankenwelt fallen woanders. Sie haben viel mit politischen, wirtschaftlichen und auch technologiischen  Entwicklungen aber – so meine Meinung – wenig mit Social Media zu tun.

6. Wir haben noch nicht erkannt, dass der Kunde entscheiden wird, welche Angebote er zukünftig noch nachfragt und annimmt. Das liegt nicht daran, dass der Kunde klüger oder mächtiger wird, sondern eher daran, dass sich Banking in seinen immer komplexer werdenden Alltag integrieren können muss. Und das hat dann eben doch viel mit Technologien und wenig mit persönlicher Beratung zu tun.

7. Wir brauchen mehr Impulse von außen. Vielleicht auch Impulse von “Nicht Banken”. Mehr Impulse von Menschen und nicht von Social Media Gurus (obwohl die Keynote sehr gelungen war). Wir brauchen deshalb eine Plattform oder viele Plattformen für die Diskussion

8. Wir brauche konkrete Ergebnisse und konkrete Projekte

9. Wir haben die richtigen Menschen und die richtigen Antriebe

10. Wir brauchen Mut und Selbstbewusstsein.

Das fünfte Barcamp findet im November in Schwäbisch Hall statt. Bis dahin können wir auch hier diskutieren. Ich frage Sie: Was brauchen wir noch?

Rework II: Zukunftsdenken


Wie entwickelt man eine Bank Strategie?

Eigentlich sollte es gar keinen zweiten Teil geben. Aber Chris Skinner hat einen Artikel geschrieben, der einerseits eine Würdigung verdient und andererseits einen methodischen Rahmen aufzeigt, den Banken verwenden könnten, um eine moderne Bankstrategie zu entwickeln. Meine 17 Empfehlungen für die Volksbanken Raiffeisenbanken müssten ja – wenn sie ganz oder teilweise auf Resonanz stoßen – in eine solche Strategie münden. Anders gesagt: Genossenschaftsbanken und andere Banken benötigen eine solche moderne Bankenstrategie, die – auf einen einfachen Nenner gebracht- das Kundenerlebnis in den Mittelpunkt stellt.

Nehmen wir also an, eine Bank – genauer gesagt die Mitarbeiter einer Bank – verspür(t)en die Lust (Ja – Arbeit und Geschäft können durchaus ein wenig Leidenschaftlichkeit gebrauchen) sich mit der Entwicklung der Bank zu beschäftigen. Handlungsdruck besteht möglicherweise nicht. Das Geschäft läuft gut. Die Mitarbeiter können bezahlt werden. Sie sind mit dem Gehalt sogar zufrieden. Die Kunden sind auch zufrieden, nicht unzufrieden oder haben uns noch nicht gesagt, dass sie unzufrieden sind. Die Filialen sind gepflegt. Internetauftritt vorhanden, Online Vertrieb möglich, Social Media Kommunikation gefällig. In den nächsten Jahren wird auch vermutlich kein Kunde aus eigenem Antrieb mobile payment, personal finance management oder irgend eine andere gehypte Anwendung aktiv nachfragen. Wir befinden uns also in einer Genossenschaftsbank.

Was ist zu tun?

Jetzt kommt Chris Skinner ins Spiel. Den Originalartikel: How to create a banking strategy findet man hier. Die erste Aufgabe für die Mitarbeiter der Genossenschaftsbank ist eigentlich eine Banalität, aber deshalb nicht weniger wahr. Wer eine moderne oder sagen wir zeitgemäße und zukunftsfähige Banken Strategie entwickeln oder vielleicht nur wissen möchte, ob die vorhandene Strategie noch tragffähig ist, muss sich zwangsläufig mit der Zukunft auseinandersetzen:

“First, use future thinking to see what pressures are out there to challenge them.”

Chris Skinner schlägt vor sich mit 4 Kräften zu beschäftigen, welche die zukünftige Entwicklung einer Bank beeinflussen werden. Er nennt sein Modell deshalb PEST. Bei uns müsste es dann wohl PWST heißen:

“PEST represents the Political, Economic, Social and Technological changes over the next 3-5 year horizon that may seriously impact the client’s business, as outlined yesterday.”

Es gibt also politische Kräfte für die Veränderung im Banking. Er nennt auch einige, die jedoch nicht  auf den deutschen Markt übertragbar sind. Bei den wirtschaftlichen Kräften sieht dies schon etwas anders aus:

  • Eurozone uncertainty
  • Sovereign debt issues
  • Remnimbi vs Dollar
  • CIVETS / Growth8
  • New Africa
  • Russia WTO
  • China inflation bubble
  • China 2018 or 2047
  • India post-2020

Auch bei den sozialen Aspekten ist abschreiben leicht:

  • crowdfunding
  • Social finance
  • Occupy Wall Street etc
  • Wikileaks
  • Anonymous
  • Global connectivity 1:1
  • New economies
  • Virtual currencies
Die vierte Kraft sind die technologischen Entwicklungen. Auch hier gibt es keine Unterschiede. Allenfalls die Ausprägungen der Entwicklungen sind bei uns  anders:
  • Mobile
  • Contactless
  • Tablet PCs
  • Social networking
  • Social media
  • Apps
  • Connectivity
  • Chips in everything
  • Wireless touch

Die nächste Stufe auf dem Weg zur Entwicklung der Bankstrategie wäre dann eine Zusammenfassung bzw. Pointierung der Anforderungen. Sehen Sie Unterschiede? Ich eigentlich nicht. Chris Skinners Anforderungen:

  • Boring banking vs casino capitalism
  • New regulations
  • New economies
  • Micromoney
  • Hybrid value management
  • Global currencies (Bitcoin)

Richtet man das ganze noch auf vorhandene Visionen zur Zukunft des Bankings aus, dann hat man das von Chris Skinner versprochene Rahmenwerk. Die Kunst besteht letztendlich in der Übertragung auf das eigene Modell und der Herausarbeitung der Veränderungserfordernisse. Ich denke dabei kämen alle oder einige meiner 17 Punkte heraus. Aber noch schwerer wird es dann, die Veränderungen auch umzusetzen.

Aber das ist eine andere Sache und ein anderer Artikel. In jedem Fall geht mein Dank noch einmal an Chris Skinner dessen Ansatz einen sehr einfachen Weg für eine Auseinandersetzung mit der Zukunft darstellt, den eigentlich jede Bank in einem Tag hinbekommen sollte.

Chris Skinners Visionen vom Banking der Zukunft sind übrigens ebenso beeindruckend, einfach und überzeugend.

  • Bank Produkte sind Anwendungen (Apps), die so her- und bereitgestellt werden, das Menschen Sie einfach so zusammen bauen können ,wie sie diese benötigen, um ihren eigenen Lebensstil oder Lebensplan zu unterstützen.
  • Bank Prozesse sind Open Source. Jeder kann Dienste anbieten, welche über APIs einfach per Plug and Play einfach integriert werden.
  • Retail Banking basiert auf Differenzierung im Wettbewerb über die Analyse von Kundendaten (Big Data) um kontextbasierte Personalisierung auszuliefern.

Ist es nicht genau das?

Auch bei Brett King kann sich der geneigte Banker mal wieder eine spannende Inspiration holen:

http://bank2book.com/2012/01/16/how-many-jobs-will-digital-kill-off-in-banking/

Das Dritte genossenschaftliche Barcamp


Genobarcamp

Gastbeitrag von Franz  Welter

Bereits zum Dritten mal haben sich nun Mitarbeiter aus den verschiedenen Instituten der genossenschaftlichen FinanzGruppe getroffen, um über soziale Medien und Innovationen in der Finanzdienstleistungsbranche zu diskutieren (und philosophieren). Das Barcamp fand in Münster statt und wurde von der Rechenzentrale GAD eG ausgerichtet. An dieser Stelle möchte ich mich nochmals für die tolle Organisation bedanken. Angefangenen bei der Führung im hauseigenen Innovationsforum, einer erstklassige Ablauforganisation und nicht zuletzt unser neues, gesponsertes Logo – die GAD hat sich in jeglicher Hinsicht als toller Barcamp-Organisator präsentiert.

Während des Barcamps selbst wurde wieder ein buntes Spektrum an Themen behandelt. Wie bei einem Barcamp üblich, wurden die Sessions von den Teilnehmern selbst durchgeführt. Dabei gab es im Vorhinein auch keine festen Vorgaben bzw. keine Agenda. Der Ablauf des Barcamps wurde erst zu Beginn des Barcamps festgelegt. Bei jeweils 3 parallel laufenden Sessions konnten sich die Teilnehmer dann spontan überlegen, bei welchen Sessions sie teilnehmen bzw. wann sie ihre eigene Session durchführen möchten. So kam definitiv keine Langeweile auf.

Begonnen wurde der Tag durch einen interessanten Impulsvortrag von Lothar Lochmaier. Und schon bei diesem Vortrag ließ sich erahnen, dass der folgende Tag noch die ein oder andere spannende Diskussion hervorbringen würde. Danach waren die Teilnehmer-Sessions an der Reihe. Und hier war zu spüren, dass sich die Themen weiterentwickeln. Während beim ersten Barcamp noch mehr oder weniger ausschließlich über Social Media Strategien und Einführungsprozesse diskutiert und philosophiert wurde, standen diesmal auch andere Themen wie z.B. neue Geschäftsmodelle und die Möglichkeiten für Volks- und Raiffeisenbanken auf der Agenda.

Mein Fazit:

Es war schön, viele Bekannte und einige neue Gesichter wiederzutreffen, gemeinsam zu diskutieren und Ideen auszutauschen. Das nächste Barcamp wird voraussichtlich im April/Mai bei der DZ-Bank in Frankfurt stattfinden. Vielleicht dann auch mit Ihnen?

Mehr Informationen zu Franz Welter finden Sie auch auf Xing. Lesen Sie auch regelmässig den Blog der Volksbank Bühl http://blog.volksbank-buehl.de/ . Dort finden Sie auch einen Gastbeitrag von Lothar Lochmeier zum 3. Genobarcamp der genossenschaftlichen Banken.

Ebenfalls interessant

Blog von Lothar Lochmeier - Social Banking 2.0

Occupy und Volksbanken: Gemeinsam (etwas) verändern


Die Volksbanken Raiffeisenbanken haben am vergangenen Dienstag in einigen großen und Auflagenstarken deutschen Tageszeitungen eine mutige und provokante Anzeige geschaltet, in der sie auf ein Bild von Demonstrationen der Occupy Bewegung zurückgegriffen hat.

Geteilte Resonanz

Diese Anzeige wird mittlerweile in den offiziellen Mediehäufig erwähnt und sowohl lobend als auch kritisch kommentiert. Aber nicht nur Journalisten setzen sich mit der Anzeige auseinander. Auch im Internet sind aktuelle zahlreiche Online Gespräche   zu verfolgen, in welchen Meinungen und Standpunkte zur Kampagne und zur Bankengruppe ausgetauscht werden.

Was ist erlaubt?

Es wird beispielsweise darüber diskutiert, ob es legitim war, sich der Demonstrationen bzw. der Forderungen der Demonstranten zu Marketing Zwecken zu bedienen. Außerdem wird die Frage gestellt, ob die Volksbanken Raiffeisenbanken wirklich anders sind als andere Banken?

Aufforderung zum Austausch

Ich kann und möchte hier keine weitere subjektive Antwort hinzufügen. Ich finde es jedoch sehr positiv, dass innerhalb der Bevölkerung nun darüber diskutiert wird, ob es gute und weniger gute Banken gibt. Die Menschen fangen an zu differenzieren. Sie beginnen Fragen zu stellen und nun besteht die Chance in den Dialog einzutreten. Die noch junge  Occupy Bewegung ist bisher eher eine “Dagegen Bewegung” . Was ich übrigens gar nicht verwerflich finde. Die Volksbanken Raiffeisenbanken haben nun aber den Federhandschuh hingeworfen und fordern  zur Auseinandersetzung und zur Beschäftigung mit dem Geschäftsmodell der genossenschaftlichen Banken heraus. Die Bankkunden sollen vergleichen.  So könnten verhärtete Fronten aufgeweicht werden, wenn nun beide Seiten bereit sind aufeinander zu zugehen und voneinander zu lernen.

Die Möglichkeit zur Veränderung sollte aber eingestanden werden. Jedem Menschen sollten wir eigentlich die Möglichkeit zur Veränderung und Korrektur von Fehlern einräumen. Es macht keinen Sinn zu sagen: Dieser Mensch ist nicht wie ich, also will ich gar nichts mit ihm zu tun haben.

Und das gilt auch für Unternehmen. Diese brauchen Anregungen und kritische Fragen. Wir alle müssen unser Silo Denken verlassen und uns gegenseitig dabei helfen besser zu werden. Jetzt beginnt auf beiden Seiten die Arbeit, denn was der Einzelne nicht vermag, das vermögen Viele

Und was denken Sie?

Zum weiter lesen:

Artikel von www.wuv.de

Artikel von www.evangelisch.de

Volksbank Bühl im Finance2.0 Interview


Ein paar Worte vor dem Interview

Die Volksbank Bühl war die erste der Volksbanken Raiffeisenbanken, die sich mit dem sozialen Internet auseinandergesetzt und sich dann Schritt für Schritt tiefer in die digitalen Logiken hineinbewegt hat. Das soziale Internet hat dabei die ganze Bank ergriffen und auch ein Stück weit verändert. Heute lernen nicht nur genossenschaftliche Banken von den Fortschritten und Erfahrungen der Volksbank Bühl.

Der Mut und die Kraft Veränderungen in Bewegung zu bringen und zuzulassen, erfordert immer auch besondere Persönlichkeiten, welche das Alte hinterfragen, das Neue behutsam propagieren und voran treiben und dabei noch die Fähigkeit besitzen, die anderen Menschen mitzunehmen und zu begeistern. Ich freue mich deshalb ganz besonders, dass sich mit Claus Preiss (Vorstand)  und Franz Welter (Teamleiter E-Business) die zwei Initiatoren und Motoren der – ich nenne sie mal – Bühler Bewegung, bereit erklärt haben, meine 6 Fragen mit Zusatzfrage zu beantworten.

Das Interview mit Claus Preiss und Franz Welter

1. Die Volksbank Bühl hat im vergangenen Jahr auf sich aufmerksam gemacht. Sie sind vielleicht die bekannteste Volksbank im Internet? Bitte erzählen Sie kurz, wie sich ihr Unternehmen durch die intensive Nutzung und Integration des sozialen Internets verändert hat.

Preiss: Ob wir die bekannteste Volksbank im Internet sind, sei mal dahingestellt. In jedem Fall hat die Nutzung sozialer Medien deutliche Auswirkungen auf unser Unternehmen. Nicht nur in Bezug auf organisatorische oder rechtliche Fragestellungen, sondern vielmehr noch in Bezug auf kulturelle Aspekte. Mitarbeiter vernetzen sich mit Kunden oder mit anderen Kollegen. Teilweise nutzen wir Social Media sogar schon in internen Projekten.

Welter: Mit dem Erfolg unserer Social Media Nutzung steigt auch die interne Akzeptanz dieser Medien. Immer mehr Mitarbeiter nutzen mittlerweile Facebook & Co. Es wird immer mehr zur Normalität sich mit Neuem außerhalb des Unternehmens (und des genossenschaftlichen FinanzVerbundes) zu beschäftigen.

2. Wie reagieren Mitarbeiter, Kunden und Shareholder auf Ihre Aktivitäten?

Welter: Wie ich eben schon erwähnte, die Akzeptanz steigt kontinuierlich. Unsere Facebook-Spendenaktion hat ein überwältigendes Echo bei uns in der Region ausgelöst. Immer mehr Mitarbeiter sind davon überzeugt, dass wir mit unserer Social Media Nutzung den richtigen Weg gehen. Und auch von unseren Kunden bekommen wir ein tolles Feedback zu unserer Social Media Nutzung.

Preiss: Auch bei unseren Geschäftspartnern stoßen unsere Aktivitäten auf reges Interesse. Fast täglich erhalten wir Anrufe zu unserer Social Media Strategie. Wir begrüßen die Vernetzung im genossenschaftlichen FinanzVerbund und wollen diese weiter fördern. Letztes Jahr haben wir das erste Barcamp im genossenschaftlichen Verbund organisiert. Das Barcamp kam super an und der zweite Termin steht schon fest. Die sozialen Medien fördern also auch die Selbstorganisation und Vernetzung im genossenschaftlichen FinanzVerbund.

3. Was ist aus Ihrer Sicht der wesentlichste Aspekt von Social Media? Wo zahlt es sich am meisten aus?

Preiss: Soziale Medien sind für uns in erster Linie ein Kommunikationsinstrument. Wir nutzen die Chance, unseren Wettbewerbsvorteil – die Nähe zur Region und die Beziehung, die wir mit unseren Kunden pflegen – auf das Internet zu übertragen. Natürlich präsentiert man sich durch die Nutzung dieser Medien auch als innovatives und offenes Unternehmen.

Welter: Ich betrachte Social Media mittlerweile als ein Instrument zur Steigerung der Lernfähigkeit von Unternehmen. Man bekommt viel direktes Feedback von Kunden und unglaublich viele Ideen durch die Kontakte in den sozialen Netzwerken sowie dem regelmäßigen Lesen von Blogs & Co. Ich glaube, wenn wir es schaffen diese Ideen in unser Unternehmen einfließen zu lassen und Kunden und Mitglieder in verschiedene Prozesse zu integrieren, können wir sehr zuversichtlich in die Zukunft schauen.

4. Wie abhängig ist Social Media von Personen?

Preiss: Ich denke schon dass die Nutzung auch von Personen abhängig ist. Ein Großteil unserer Social Media Aktivitäten findet ja auch außerhalb der üblichen Arbeitszeit statt. Dabei geht es dann weniger um Dinge wie Social Media Monitoring oder administrative Tätigkeiten. Diese Aspekte werden schon während der Arbeitszeit erledigt. Aber für das Lesen von Blogs und Büchern bzw. dem Sammeln oder Entwickeln von Ideen ist während der Arbeitszeit häufig zu wenig Zeit. Wir sind uns aber bewusst, dass diese Tätigkeiten für die Zukunftsfähigkeit der Volksbank Bühl enorm wichtig sind.

Aus diesem Grund haben wir das Projekt „Internet & Innovation“ initiiert mit dem Ziel, Trends und Innovationen kontinuierlich zu beobachten und hinsichtlich einer Nutzung in der Volksbank Bühl zu bewerten. Den Großteil des Arbeitsaufwands erledigen die Projektmitarbeiter außerhalb der Arbeitszeiten. Dafür stellt ihnen die Bank iPads zur Verfügung, und sie dürfen Vorträge und Messen besuchen oder Fachbücher bestellen. Vor kurzem hat die Projektgruppe beispielsweise das Innovationsforum der GAD in Münster besucht. Im Januar ist ein Workshop zu Thema „Banking der Zukunft“ mit T-Systems Multimedia Solutions auf der Agenda und im April geht’s zur republica nach Berlin. Natürlich ist das Engagement der Mitarbeiter ein wesentlicher Erfolgsfaktor, aber die Bank muss auch die notwendigen Rahmenbedingungen zur Verfügung stellen.

Ab Anfang Februar ist übrigens ein Blog zu dem Projekt online: blog.volksbank-buehl.de

5. Messen Sie die Ergebnisse von Social Media? Kann man dies überhaupt?

Welter: Klar messen wir die Ergebnisse. In einem Rahmen, den wir für vernünftig halten. Wir messen z.B. die Reichweite unserer Beiträge, die Feedback-Rate sowie die Entwicklung der „Likes“ bzw. Follower.  Was wir nicht messen ist so etwas wie ein ROI für unsere Social Media Nutzung. Das ist meiner Meinung nach nicht wirklich sinnvoll. Wir betrachten Social Media ja in erster Linie als Kommunikationsinstrument und für andere Instrumente wie z.B. E-Mail oder das Telefon stellen wir auch keine ROI-Analysen auf.

6. Sie haben inzwischen auch einen eigenes Innovationsteam und einen Innovationsblog ins Leben gerufen. Was sind aus Ihrer Sicht die wesentlichen Herausforderungen für eine regionale Genossenschaftsbank in den nächsten 5 Jahren?

Welter: Technologische Entwicklungen, Demographischer Wandel, Bankendichte in Deutschland, regulatorische Anforderungen, sich wandelnde Kundenanforderungen… Diese Liste könnte nahezu unbegrenzt fortgeführt werden. Im Rahmen meiner Master Thesis beschäftige ich mich mit der Innovationsfähigkeit der Volksbank Bühl. Ich bin der Überzeugung, dass es in den nächsten 5 Jahren darauf ankommt, die richtigen Weichen zu stellen, um in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben.

Preiss: Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Innovation und Tradition – das wird in den nächsten Jahren wichtig sein. Das heißt für uns zum einen die Weiterentwicklung unserer Multikanalstrategie und eine kundenorientierte Prozessoptimierung in Kombination mit wettbewerbsfähigen Kostenstrukturen. Zum anderen bedeutet das aber auch zielgerichtete Investitionen in eine moderne Personalentwicklung als der wichtigste Erfolgsgarant für die Zukunft.

Die Zusatzfrage(n):

Was erreicht der Karlsruher SC in der Saison 2010/2011 noch? Und wo haben Sie sich zuletzt erholt?

Welter: Ich hoffe, dass der KSC nicht absteigt. Zuletzt „entspannt“ habe ich in New York im Rahmen meines Studiums…

Preiss: Ich wünsche dem KSC von Herzen einen Platz vor dem Relegationsplatz. Zuletzt erholt habe ich mich beim Ski-Fahren in der Schweiz.

Anmerkung: Auch der Autor dieses Blogs wünscht dem KSC das er nicht absteigt und hofft natürlich auch das sein eigener Lieblingsverein nicht absteigt

Die Volksbank Bühl in den sozialen Medien

http://www.volksbank-buehl.de/homepage/social_media0.html

und als Toparbeitgeber bei kununu

Last but not least auch im TV

Wie man Claus Preiss und Franz Welter auf twitter erreicht

@fsw

@claus_preiss

In diesem Zusammenhang habe ich übrigens heute festgestellt, dass Claus Preiss bei fourthsquare Mayor im Genohaus in Stuttgart ist. Das muss sich ändern :-)

Die Interviews aus dem letzten Jahr

finden Sie hier:

http://www.scribd.com/doc/46314339/Finance20-Interviews2010

Erstes Barcamp der Volksbanken Raiffeisenbanken


Es war – wenn man Wikipedia glauben darf und das darf man natürlich – im August 2005 als das erste Barcamp in Palo Alto stattgefunden hat. Das erste Barcamp in Deutschland ward ann ein Jahr später  und am Freitag dieser Woche findet eine solche Veranstaltung bei der Volksbank Bühl statt. Es hat zwar eine Weile gedauert, aber besser spät als nie.

Ziel der Veranstaltung ist es über aktuelle und zukünftige Social Media Aktivitäten innrhalb des genossenschaftlichen Verbundes zu diskutieren. Alles Weitere wird sich – wie bei Barcamps üblich – im Laufe des Tages ergeben.

Die Idee entstand vor etwa einem Jahr in Bühl. Herr Welter, Herr Preiss und auch ich hatten sie im Rahmen eines geschäftlichen Treffens bei dem es natürlich auch um Online Marketing und Social Media ging. Erfreulicherweise war der Zuspruch auf unsere Einladung sehr gross und ich freue mich auf einen interessanten Tag, den ich noch dazu auch moderieren darf.

Demnächst mehr an dieser Stelle oder über @electrouncle bzw. hashtag #barcampbühl

Neu im Angebot: Unbanking


Verb gesucht

Mit welchem deutschen Verb kann man die Tätigkeit Bankdienstleistungen auszuführen oder wahrzunehmen treffend beschreiben? Es scheint mir, als sei die englische Sprache hier mal wieder besser ausgerüstet und spätestens mit der Erfolgsgeschichte des “Online Bankings” hat es der Begriff “Banking” auch bei uns inzwischen in den allgemeinen Sprachgebrauch geschafft.

Nun hat das Image der Branche in den letzten Monaten und Jahren immer mehr gelitten und sowohl der Verbraucher als auch die Banken selber suchen nach Unterscheidungs- und Abgrenzungskriterien. Unterschieden werden sollen dabei gute von bösen Banken oder anders formuliert: Banken, welche mit Schuld an der Finanzkrise waren und nun von den Bürgern durch Steuermittel gerettet werden und Banken, welche den Menschen in den Mittelpunkt stellen und die absichtlich (oder auch unabsichtlich) einer anderen und nachhaltigeren Strategie folgen. Also vor allem nicht in undurchsichtige und hochspekulative Schrottpapiere investierten bzw. das Schrottsystem in ihrer der (einigen) Menschen eigenen grenzlosen Gier nicht hemmunglos ausnutzten.

Gut und Böse

Die Finanzkrise hat damit auch eine Art Reflektion und Hinterfragung ermöglicht. In fast jeder Krise steckt ja etwas Positives, wenn man auch die ensprechenden Lehren zu ziehen bereit ist. Im Rahmen dieser Reflektion diskutiert man über die richtige Form des Bankings. Neue Begriffe entstehen bzw. vorhandene Begriffe wie z.B. “Social Banking” geraten ins Blickfeld.Was nun der richtige Begriff für die “richtige” Art des Bankings (Vorsicht Werturteil) ist, ist noch lange nicht entschieden. Ich persönlich bin der Meinung das jede Form von Finanzgeschäften Social Banking sein sollte und ich darin durchaus auch eine wertende also richtungsweisende Komponente: Banking sollte nachhaltig sein und sich daran orientieren für Mensch, Gesellschaft, Kultur und Ökologie zumindest nicht schädliche Effekte zu erzielen und darüber hinaus sollte dabei  langfristiges Denken eine höhere Priorität als kurzfristiges Denken bekommen.

Gesucht wird der : Vice President Unbanking

Während es in Deutschland eher zaghafte Versuche einiger neuer und älterer Banken gibt, sich als “Andere” und “Gute” Bank darzustellen, boomt in den USA diese Form des vergleichenden Marketings. Die amerikanische Kreditgenossenschaft Connex sucht nun mit einer – das sei am Rande erwähnt – wirklich gelungenen Social Media Kampagne – einen “Vice President” Unbanking und stellt damit sehr deutlich klar, dass Kreditgenossenschaften den Begriff “Banking” offenbar aufgeben und nicht mehr mit anderen Banken verglichen werden möchten. Und dieser Idee könnte man sogar folgen, denn wirklich Veränderungen brauchen auch neue sprachliche Symbolisierungen. Schliesslich nennt man Autos auch nicht fahrendes Pferd.  Ein Neuanfang sollte versuchen das “Alte” zu vergessen. Zumindest sollte es über Bord geworfen werden, denn ich fürchte zumindest unsere Generation wird das Vertrauen nicht so schnell wieder zurückgewinnen, wobei eine blosse Namensänderung natürlich auch keine Lösung ist.

Oder?

—————————

Zugabe

Interessante und aktuelle  Links zum Thema Social Banking:

http://kathabeck.wordpress.com/2010/07/11/die-werte-im-bankwesen/

http://connormarc.twoday.net/20100705/

Und einige ältere Gedanken von mir zum Begriff “Unbanking”

http://electrouncle.wordpress.com/2010/01/08/unbanking-und-verlernen/