Werte, Glaube, Liebe, Hoffnung, Vision


Marias Aufruf zur Blogparade zum Thema: Veränderung in Unternehmen, möchte ich auch gerne folgen. Der Blog www.inknowaction.com ist übrigens extrem lesenswert. Auf geht´s:

Die Jungen drängen, die Alten bremsen

Alles schreit nach Veränderung. Veränderung: Das neue Modewort der Beraterbranche. Nicht nur. Auch große Teile, der mit dem Internet aufgewachsenen Generation der “Digital Irgendwas”,  rufen nicht nur nach Veränderung, sie betreiben diese auch aktiv. Das Internet macht es möglich.

Wer also nicht auf die Ochsentour durch Institutionen und Unternehmen gehen möchte, um die Alten und Mächtigen zu überzeugen, der gründet einfach ein Unternehmen, mit dem Potential die Welt zu verändern. Marc Zuckerberg hat das getan und den Einfluss von Facebook auf die moderne Welt kann man kaum überschätzen. Und gerade Facebook wirft  Fragen auf. Ist alles was sich verändert wirklich Fortschritt?

Veränderung vs. Wandel

Nun besteht kein Zweifel daran, dass wir in einer Zeit leben, in der sich sehr viel verändert. Und zwar in scheinbar atemberaubendem Tempo. Viele Dinge, die wir niemals für möglich gehalten hätten, wurden wahr. Vieles, das wir uns in unseren schlimmsten Träumen nicht vorstellen konnten, ist bereits bittere Realität geworden.

Veränderung trifft uns häufig unvorbereitet und unser Alltag erlegt uns eine gewisse Hilflosigkeit auf. Selbst wenn wir die Veränderungen kommen sehen und gerne mitgestalten möchten, bleiben wir meistens ungehört. Wir können der Veränderung keine Richtung geben. Unsere Institutionen und Organisationen sind auf den Veränderungsdrang ebenso wenig vorbereitet wie die meisten von uns Menschen. Sie sind überwiegend noch in einer Welt ohne Internet entstanden und auf diese ausgerichtet. Das gilt auch für die Mehrheit derjenigen Menschen, die heute an entscheidenden Positionen in Deutschlands Organisationen und Institutionen sitzen. Auch sie sind überwiegend in eine Zeit ohne Internet sozialisiert wurden.  In ihnen haben sich Strukturen und Kulturen verselbstständigt und gar verdinglicht, die sich nicht so leicht wieder aufbrechen lassen. Hinzu kommt, dass jede Veränderung immer auch individuelle Interessen berührt.

Veränderung – vor allem wenn sie von außen kommt und wir ihr scheinbar hilflos ausgesetzt sind- ist keine einfache Sache. Sowohl bei Menschen als auch bei Organisationen erzeugt sie Stress und führt zu Widerstand. Und es geht noch viel tiefer. Es geht auch um menschliche Natur

Kate Helber schreibt in einem sehr scharfsinnigen Artikel mit dem Titel The Neurosience behind change management. 

Like many people, at the time I tended to think of organizational change as a rational, logical process. That’s a great way to look at change — unless you’re the person experiencing change directly. The reality is that changes in work, environment, team, relationships or home trigger neurological and physiological responses that aren’t in our control. Resistance is actually a natural reaction that we all experience when facing change, whether that change is good or bad-

Während Veränderung uns eher überkommt, kann man Wandel aktiv gestalten. Veränderung würde beispielsweise bedeuten, sich von einer Technologie wie dem Internet einfach treiben zu lassen. Wir würden einfach hinterherlaufen, einfach machen, was die Technologie uns aufzwingt. Dies ist aber der falsche Weg.

Wir sollten also über Wandel sprechen. „Echter Wandel“, so schreibt Matthias Horx in seinem Buch des Wandels:

„beginnt erst dort, wo wir durch einen Prozess der freien Wahl, der  aufsteigenden Freiheit, des wachsenden Bewusstseins uns selbst zu verändern beginnen.“ (Seite 33).

Das klingt positiv und hoffungsvoll. Es erscheint also wünschenswert eine Kultur der Wandlungsfähigkeit zu entwickeln. Wandlungsfähigkeit macht uns freier und weniger abhängig. Wir wären organisatorischen und staatlichen Zumutungen weniger ausgesetzt. Und diese Zumutungen werden zunehmen. Solche Wandlungsfähigkeit hat jedoch Voraussetzungen

Wandel ist wirklich nicht leicht

Nimmt man ein durchschnittliches deutsches Unternehmen im Jahr 2013, dann sind die Voraussetzungen für Wandel nicht unbedingt ideal. Unternehmen existieren nicht im luftleeren Raum. Menschen natürlich auch nicht. Unternehmen greifen auf Menschen zu, die in einer bestimmten Gesellschaft und Kultur geformt wurden. Unternehmen wollen nur menschliche Teilkompetenzen nutzen und verlieren dabei den ganzen Menschen aus dem Auge. Nur das ökonomisch verwertbare wird noch benötigt. Ich glaube auch nicht, dass das Internet hier zu einer Wende führt.

Unser gesamtes Ausbildungssystem ist in den neunziger und nuller Jahren auf diese „Durch-Ökonomisierung“ ausgerichtet wurden. Viele Errungenschaften und Stärken der deutschen Gesellschaft wurden nach dem Prinzip höher, schneller, weiter zurückgefahren bzw. aufgelöst. Aus der freien Wahl und Organisation eines Studiums wurden zum Beispiel drei- oder vierjährige vereinheitlichte und verschulte Roboter Studiengänge, die den jungen Menschen zeitliche Höchstleistungen abverlangen, jedoch Tiefgang und Reflektion nicht vorsehen.

Und ältere Arbeitnehmer haben gelernt sich anzupassen bzw. erfahren, dass eigene Gedanken und Ideen entweder unerwünscht sind oder im organisatorischen Sumpf (meistens in bestimmten Führungsebenen) versickern. Über Ihnen schwebt zusätzlich das Damoklesschwert des Arbeitsplatzverlustes mit dem auf dem Fuß folgenden Hartz 4 Risiko.

Kann Wandel mit solchen Organisationen und Menschen überhaupt gelingen? Matthias Horx nennt zwei wesentliche Voraussetzungen für Wandel. Vertrauen und Resilienz.  Sind Menschen und Organisationen darauf programmiert? Besteht in unseren Unternehmen eine Kultur des Vertrauens? Sind wir in der Lage – als Mensch und Organisation – mit Unsicherheit, Unglück, Krisen und Bedrohungen umzugehen. Und erreicht man Vertrauen und Resilienz durch die Maschinerie der Angstmacherei, die Politik, Medien, Wirtschaft und andere Institutionen errichtet haben?

Veränderung löst im Menschen physiologische Prozesse aus, die er selber gar nicht beherrschen kann. Dies sollte man bei allen Change Prozessen im Hinterkopf behalten. Wandel gelingt, wenn es gelingt Vertrauen aufzubauen, wenn Menschen Wandel mit Hoffnung verbinden und diesen nicht als Ausweglosigkeit wahrnehmen. Wandel gelingt, wenn man Gemeinsamkeit und Gemeinschaft erlebt, wenn Menschen eigenständig agieren und sich Wirklichkeit eigenständig aneignen dürfen. Wenn sie Erfolgserlebnisse haben, wenn sie menschlich behandelt werden, wenn es uns gelingt Empathie zu leben und diese urmenschliche Eigenschaft wieder in unsere soziale Welt zurückzuholen. Denn nach Daniel Goleman ist Emphathie das Bindemittel des sozialen Zusammenhalts, und der Mensch ist das soziale Tier par excellence.“ (aus soziale Intelligenz. Wer auf andere zugehen kann, hat mehr vom Leben, Seite 90)

Wandel ist kein Selbstzweck

Wandel ist jedoch kein Selbstzweck. Als menschliche Wesen sind wir in der Lage uns vorzustellen, was gut für uns, unsere Gemeinschaft und die nachfolgenden Generationen ist. Schon hierbei entstehen Konflikte, die Emphatie und Demut verlangen. Wir dürfen deshalb nicht alles was neu ist als Fortschritt verstehen. Ist „Fracking“ ein Fortschritt? Ist der Verlust von Privatheit und Big Data ein Fortschritt? Ist die Durch Konsumierung unseres Alltags ein Fortschritt?  Für wen ist das jeweils ein Fortschritt? Und für wie viele? Was ist richtig, was ist falsch? Wir sollten diese wichtigen Fragen nicht nur nach ökonomischen Prinzipien beantworten. Wollen wir wirklich mehr „Growthism economy“?

Umair Haque fordert in seinem Awesomness Manifest ein neues Konzept von Fortschritt. Es geht nicht um Zerstören und ersetzen des Zerstörten durch Neues von dem man noch nicht weiß, welche Katastrophen es erzeugt. Er spricht von einer qualitativen Veränderung, die eine Abkehr von Wachstum  und Wachstumsmythen impliziert und in der reale, bedeutsame Werte geschaffen werden, die bleiben und zukünftige Generationen nicht belasten.

Wandel sollten Menschen und Organisationen mit Demut begegnen. Wir sollten uns klar darüber werden, was wir wirklich erreichen oder besser machen möchten. Und ob das, was besser für uns und/oder die Organisation ist, auch besser für andere Stake Holder und unsere Umwelt ist. Diesen Weg kann man nur aus der eigenen Identität heraus gehen. Er muss auch auf Zwischenmenschlichkeit beruhen. Wer diese und eine Vision für die Zukunft nicht hat, kann Veränderung nicht gestalten, kann Menschen nicht mitnehmen, ihnen keine Hoffnung geben und keine Erfolgserlebnisse vermitteln.

Wandel gelingt mit Liebe, denn – das wusste schon Climie Fisher – love changes everything. Money verändert zwar auch, was wiederum Cindy Lauper besungen hat, aber Money grenzt Menschen aus und erzeugt keine  Nachhaltigkeit. Nur was wir aus Liebe machen, machen wir gut. Money nimmt uns die Gelassenheit und treibt uns in die Tretmühle, des höher, weiter, schneller, die uns von Tag zu Tag unzufriedener macht

Ein anpassungsfähiges Unternehmen anstreben

Bleibt noch die Frage: Wie wird ein Unternehmen dauerhaft anpassungsfähig. Wie bringen wir die Anpassungsfähigkeit in den genetischen Code? Eine schwierige Frage auf die ich ehrlich gesagt noch keine befriedigende Antwort gefunden habe. Es ist ja ohnehin so eine Sache mit den Patentrezepten. Mixprize hat in einem kürzlich durchgeführten Hackathon mit dem Titel: Hacking HR to build adaptability advantage 12 Feinde der Anpassungsfähigkeit herausgearbeitet und diesen 12 Feinden 9 wesentliche Design Prinzipien anpassungsfähiger Unternehmen gegenüber gestellt. Diese möchte ich zum Schluss dieses Beitrages einmal kurz aufführen, da ich sie für sehr inspirierend halte und denke, dass sie für alle Unternehmen, die sich aktuell mit Wandel beschäftigen inspirierend sein können.

http://www.mixhackathon.org/hackathon/cipdhack/why-adaptabily-matters-now

Die 12 Feinde

  • Hierarchie
  • Angst
  • Befangenheit im Althergebrachten bei Entscheidungen
  • Gewohnheit/Einstellung (Fehlendes Mindset und Verhalten)
  • Zentralisierung (von Entscheidungen)
  • Unflexible Geschäftspraktiken ( zu sehr auf Effizienz getrimmt, keine Redundanzen)
  • Rigide undurchlässige Strukturen
  • Fehlende Fähigkeiten
  • Experimentieren wird durch „One best way“ Struktur unterdrückt
  • Fehlende interne Vielfalt
  • Fehlen einer geteilten Vison

Die 9 Design Prinzipien

  • Experimentieren + Lernen
  • Transparenz und Offenheit
  • Autonomie + Vertrauen
  • Vision + Bedeutung
  • Vielfalt
  • Flexibilität
  • Kreativität
  • Kollaboration
  • Natürliche Führung + Meritokratie

ich ergänze

  • Empathie und Verständnis für neurologische Prozesse bei den Beteiligten

Gar nicht so einfach. Und mal wieder sollte jedes Unternehmen seinen eigenen Weg finden. Veränderung sollte zu Einzigartigkeit und nicht in eine weitere Stufe der Austauschbarkeit führen. Diese Gefahr besteht immer dann, wenn es keine eigene Vorstellung und Auseinandersetzung von Zukunft gibt und man sich zu sehr von den Umständen und den Beratungshäusern treiben lässt. Ein wenig gesunder Menschenverstand sollte deshalb jedes Veränderungsunterfangen begleiten. Besser wäre mehr als „ Ein Wenig“

 

Hohe Zeit für Innovations und Transformations Zentren


Dürfen Banken sich weiter in Sicherheit wiegen? Sind die Banklizenz oder mehr als 30 Millionen Kunden ein beruhigender Grund zu der Annahme, dass der Bankenbranche oder einzelnen Banken nicht das widerfährt, was den Unternehmen der Musikbranche, der Zeitungsbranche und nun auch der Bücherbranche schon so arg zusetzte?

Darf man über Fidor, crowdfinance, Social Banking Unternehmen wie Lendstar, Pocket United, kleine Payment Anbieter wie izettle usw. müde lächeln und Ihnen dauerhaft nicht vielversprechende Geschäftsmodelle unterstellen? Oder muss man auf der anderen Seite sogar befürchten, dass die EU Finanzregulierung nicht nur die vielen neuen Player stärken wird sondern auch jene großen Banken, welche die Finanzkrise mit verursacht haben?

(Siehe hierzu diesen Artikel von Mark Fehr aus der Wirtschaftswoche)

So viele Fragen. So wenig Antworten. So wenig Mut. Es könnte doch gut gehen, lasst uns warten was passiert, denn die Zeit spricht für uns.

Aber auch wenn wir uns nicht absichtlich für das Warten entscheiden. Es wird nichts passieren, denn im Schloss gibt es keine Innovation. Schlimmer noch wenn sich die Entscheidungsgewalt auf viele Schlösser (einige große und ganz viele kleine) verteilt.

Also was wird gebraucht? Innovations- und oder Transformations Unternehmen, die von außen die Aufgabe bekommen ein Unternehmen oder eine Bank umzugestalten und auf Zukunftsfähigkeit auszurichten.

Einige Beispiele gefällig:

(Alle Beispiele aus dem Blogpost: Which bank demonstrates the most innovation von Chris Skinner)

Das BBVA Innovation Centre. Ein Ort wo aus Ideen echte  Innovationen werden. Hier entstehen Ideen und werden in einem Prozess des erarbeitens und erprobens zu Prototypen entwickelt, die dann wiederum analysiert und bewertet werden, bevor sie zu Produkten oder Angeboten der BBVA werden. Sozusagen ein institutionalisierter Design Thinking Ansatz. Mit Ergebnissen: Die BBVA hat beispielsweise als erste europäische Bank Personal Finance Management eingeführt.

http://www.youtube.com/watch?v=nVI7DoBNtvQ

Das Innovation Centre arbeitet zusätzlich mit großen Technologie, Universitäten und Beratungspartnern zusammen, die nicht aus der Organisation kommen. A piece of Open Innovation

Capital One sieht sich selber als Labor für amerikanische Bank Innovation. Das Unternehmen verhält sich eher wie ein Technologie Unternehmen. Im Jahr 2011 entstand die neue Einheit: Capital One Labs, die in einem eigenen inspirierenden Gebäude sitzt. Innerhalb des Unternehmens arbeiten in der Regel Teams mit jeweisl 3 Personen zusammen. Ein Business Analyst, ein Techniker und eine Designer. Jedes Team arbeitet an einem speziellen Projekt und muss innerhalb von 6 Monaten konkrete Resultate erzielen.

Darüber hinaus werden regelmäßig Meetings oder Hackathons mit externen durchgeführt. Zum Beispiel mit Studenten.

https://capitalonelabs.com/

Citi hat inzwischen verschiedene Innovation Labs. Das erste wurde 2009 in Irland entwickelt, welches auch mit der irischen Regierung zusammen arbeitet. Kürzlich wurde eine 24 Millionen Dollar schweres Innovationsprojekt für eine intelligente Payment Lösung der nächsten Generation  angekündigt. Damit wurden allein in Irland bereits 100 Millionen Dollar in Forschung und Entwicklung investiert. 100 Mitarbeiter sind dort mit dieser Thematik befasst.

ING betreibt in Amsterdam das sogenannte Customer Experience Center (ICEC), welches für Mitarbeiter unterschiedlicher Branchen, vor allem natürlich Banken zugänglich ist. Hier werden in erster Linie von der Bank entwickelte Innovation gezeigt oder es werden Zukunftsvisionen vorgestellt und zur Diskussion gestellt. Ähnlich wie das GAD Innovationsforum in Münster

Hilfe von außen

Die Unterstützung von außen ist darüber hinaus wohl dringend erforderlich. Kann man mit start ups zusammen arbeiten und in diese investieren. Auch diese Frage sollte schnell auf die Tagesordnung kommen. Im Ausland hat man diese Notwendigkeit offenbar bereits erkannt. Im Bankstil Blog gibt es einen ebenfalls sehr interessanten Artikel dazu:

Wie FinTech Start-Ups das Banking verändern – Leumi, Elevator, Innovation Lab, SixThirty u.a.

Besonders das Beispiel der israelischen Leumi Bank scheint nachahmenswert. Zusammen mit Elevator hat man ein Programm aufgesetzt, das Unternehmen unterstützt, die IT Lösungen für das Banking entwickeln. Vor allem das Nutzererlebnis und der Prozess stehen dabei im Mittelpunkt.

Hohe Zeit

Ich denke es ist an der Zeit, das deutsche Banken hier ebenfalls aktiv werden. Dabei ist aber der Ausbruch aus den alten Strukturen zwingend erforderlich. Denn wieso sollte man etwas reparieren, was anscheindend nicht kaputt ist. Ich glaube das ist von Alf

Hitzefrei!(e) Links auf Artikel von fleißigen Menschen


Das war im Winter und vor Jahren

Mir ist es echt zu heiß. Deshalb verzichte ich (fast) auf einen Blog Beitrag. Der werte Leser ist ohnehin am Pool oder im Urlaub – bestenfalls im Urlaub am Pool. Wer stattdessen am Arbeitsplatz ist, dem geht es wie mir und der ist sprichwörtlich gesehen echt ein armes ….!

Einen Artikel gibt es trotzdem nicht. Wer bei der Hitze etwas lesen möchte, der soll gefälligst den Links folgen und dort spannende Inhalte konsumieren.

Mobile Payment

Zum Beispiel hier bei mobilebranche.de ein Interview mit Andrea Bauer über Vertrauen als Erfolgsfaktor für Mobile Payment.

Crowdfunding und Social Saving

Den folgenden Link habe ich  schon einmal gepostet. Es macht aber Sinn noch einmal auf die gute Umsetzung einer Wunschspar oder crowdfunding Idee von Dodge hinzuweisen. Sie brauchen ein Auto? Eigentum kommt ja aus der Mode! (lesen Sie hierzu demnächst meinen Versuch und Artikel: Banken und die Collaborative Economy in diesem Blog). Einfach andere einladen Teile des Autos mit zu finanzieren.

Um das sammeln von Geld und das anschließende ausgeben, geht es auch in einem aktuellen Blog Beitrag der Volksbank Bühl. Autor Michael Merkel von der Innovationswerkstatt hat sich intensiv mit leetchi.com auseinandergesetzt und macht den Vorschlag eine solche Funktion auch in das Online Banking einer Bank einzubinden. Könnte funktionieren, denn wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg.

Crowdfunding und Gemeinwohl

Sehr spannend auch der Versuch das Stromnetz von Berlin in Bürgerhand zu überführen und zu kaufen. Dazu muss man natürlich auf crowdfunding und Bürgerbeteiligung setzen. Hilfe zur Selbsthilfe könnte man eine solche Aktivität auch nennen, womit wir erneut bei der Sharing Economy wären, die ich demnächst mal aus Sicht der etablierten Banken betrachten möchte. Ihr wisst schon: Banking as you know it. Oder auch mehr

Mehr Infos zur Berliner Aktivität gibt es hier

So und jetzt könnt Ihr weiter schwitzen. Ich mach mit

Eine Herausforderung für uns alle: Führung


Überall wird über Führung geklagt

Man liest viel über Führung. Also wird viel über Führung geschrieben. Das hat einen Grund. Immer mehr Menschen haben das Gefühl, dass Führung – so wie wir sie selbst tagtäglich erleben- immer weniger zu funktionieren scheint. Die Nachrichten über Unternehmen, die aufgrund von Managementfehlern gescheitert sind, häufen sich. Darüber wird gerne geschrieben, denn Scheitern lässt sich gut verkaufen und Sündenböcke finden sich immer. Das gibt uns ein beruhigendes Gefühl. Im Fußball funktioniert dieses Prinzip nahezu perfekt. Wenn die Ziele nicht erreicht werden, dann wird einfach der Trainer entlassen und die Fans haben wieder ein gutes Gefühl.

Versagen aber wirklich die Führungskräfte oder erwarten wir ganz einfach zu viel?  Müssen wir uns vielleicht sogar ganz von Führung verabschieden? Ist die Welt zu schnelllebig und komplex für große Weltbilder, langfristige Lebensverläufe und Menschen und Ideen, die einem den Weg weisen, dem man dann sorglos folgen kann? Ist die Suche und Forderung  nach neuen Führungsprinzipien deshalb vollkommen überflüssig und vielleicht sogar selbstsüchtig, weil ein anderer das für uns tun soll, was wir selber nicht hinbekommen? Und können wir von diesen anderen Menschen überhaupt noch Führung erwarten?

Das Versagen von Führung beobachten wir gegenwärtig vor allem in der Politik. In nahezu jedem Land dieser Erde hat die politische Elite ihren Führungsanspruch verloren, weil sie nicht mehr in der Lage ist, die vielfältigen und immer neuen Probleme der Menschen zu lösen. Überall müssen sie Finanzprobleme bewältigen, Banken retten oder aufkeimende Demokratieansprüche der Bevölkerung bewältigen. Dabei entsteht dann zu Recht der Eindruck, dass die Politik nicht mehr für den Souverän (also das Volk) arbeitet sondern nur noch für das Kapital, die Unternehmen und Institutionen der eigenen Welt und damit auch für den eigenen Machterhalt.

Umair Haque hat dies in dem Aritkel „The great dereliction“ eigentlich auf den Punkt gebracht:

I’d like to advance a simple thesis: today’s leaders are failing on a grand, epic, global, historic scale — at precisely a time when leadership is sorely needed most. They’re failing me, everyone under the age of 35, and everyone worth less than about $50 million. I can excuse leaders who are boring, mean, stingy, greedy, uninteresting, self-obsessed, vacuous, and generally lame. I can even excuse lying, cheating, and stealing. But I can’t excuse the fact that they’ve failed

Auf der anderen Seite sollten wir inzwischen wissen, dass es richtige Problemlösungen eigentlich gar nicht gibt, denn das Leben zeigt uns: Jede Problemlösung erzeugt ein neues Problem. Spätestens die Finanzkrise führt uns diese Tatsache tagtäglich vor Augen: Scheint das eine Problem gelöst, taucht irgendwo ein neues Problem auf und wieder muss man diesem Problem einen Haufen Geld hinterherwerfen, den man eigentlich gar nicht hat und sich bei den Bürgern und nun schon, bei den noch nicht geborenen Bürgern, leihen muss.

Wir sind Führung

Unsere Führungskrise ist in Wirklichkeit ein sich stetig verschärfender Kontrollverlust, der nun von den Führungskräften gelöst werden soll. Vergessen wir das. Entwickeln wir ein Verständnis für die Fehlbarkeit des Menschen und erlernen wir deshalb selber die Fähigkeit zu verändern und zu gestalten.  Gestalten wir Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Unternehmen, indem wir uns professionalisieren.

  • Eine moderne Führungskraft muss lernen, dass sie nicht alles wissen kann oder muss und dass sie scheitern darf
  • Sie muss das Vertrauen haben, nicht alle Probleme alleine lösen zu müssen. Sowohl Vorgesetzte als auch Mitarbeiter dürfen diese Erwartung nicht stellen.
  • Moderne Führungskräfte sind keine Profit maximierenden Einzelkämpfer sondern am Wohl der internen und externen Stakeholder orientierte Mentoren, die Menschen fördern und in ihrer Entwicklung weiter bringen.
  • Sie bringen deshalb Empathie mit, um mit den Bedürfnissen und den wachsenden Ansprüchen umgehen zu können und das Gemeinwohl über den Eigennutz zu stellen
  • Moderne Führung motiviert und lädt zur Teilnahme ein. Sie stiftet und bildet Identität und bewegt Menschen
  • Moderne Führung ist vernetzt und fördert die Vernetzung nach innen und nach außen. Sie stellt deshalb auch Kooperation vor Wettbewerb
  • Moderne Führung unterstützt den Wandel und erhöht die Anpassungsfähigkeit des Unternehmens durch Vielfalt
  • Moderne Führung ist möglichst offen und transparent und lässt sich helfen
  • Moderne Führung stellt den Status Quo in Frage und ist an Veränderung und Wandel interessiert
  • Moderne Führung wechselt je nach Problem und Kompetenz
  • Sie ist deshalb nicht an Macht und der Durchsetzung ihres Willens interessiert
  • Jeder von uns kann sie ausüben, denn jeder sollte sich professionalisieren
  • Sie darf nicht länger auf Seniorität beruhen. Gerade heute gilt es von den jungen Menschen zu lernen insbesondere im Hinblick auf die Digitalisierung
  • Führung ist keine Ausrede für den „Geführten“
  • Führung beginnt mit Menschenwürde und Respekt

Führung fängt allerdings bei den kleinen Dingen an. Hier einige einfache Regeln oder Weisheiten, deren Befolgung ganz einfach erscheint. Es folgt ein Dokument der Antwerpen Management School.

Das sollten Sie auch lesen

Umair Haque: The great dereliction

Herr Erdogan und die Lehre für Banken


Der Mann ist 59 Jahre alt. Er wundert sich über die  Jugend von heute. In der Türkei rebellieren überwiegend junge Leute gegen ein Regime, das vielen von ihnen zwar langsam zunehmenden wirtschaftlichen Wohlstand beschert, auf der anderen Seite aber einem eher undemokratischen, kontrollierendem und hierarchisch organisierten Führungsstil bevorzugt. Und dieses Regime – zwar demokratisch gewählt – setzt sich überwiegend aus eher älteren Männern und wohl auch einigen Frauen zusammen, welche mit einem längst veralteten Menschenbild in einer inzwischen digitalisierten, aus vernetzten Menschen bestehenden Welt, zu regieren versuchen.

Konfliktlinie zwischen Jung und Alt

 

Überall – nicht nur in der Türkei oder in den arabischen Staaten, entsteht eine Konfliktlinie zwischen Jung und Alt, die ,nicht zuletzt durch das Internet, Wirtschaft und Gesellschaft verändern wird. Die Entwicklung wurzelt natürlich auch in einer zunehmenden ökonomischen Unzufriedenheit und einer Verschlechterung der Verhältnisse, welche vor allem die jungen Menschen betrifft. Und wird weiterhin genährt durch die tiefe Verwurzelung individueller Wertemuster innerhalb dieser jungen Generation. Die Alten versuchen gleichzeitig verzweifelt ihren Machtstatus und ihre wirtschaftliche Lage zu festigen und zerstören dabei die Perspektiven der nachwachsenden Generation.

Anpassungsfähigkeit

Auch Unternehmen sind immer konkreter mit einer sich rasant verändernden Welt konfrontiert. Was gestern galt, ist heute schon obsolet. Aus Erfolgen aber auch aus Marktforschungen der Vergangenheit, lässt sich nicht mehr auf die Zukunft schließen. Junge Menschen haben andere Vorstellungen.

Unternehmen müssen in erster Linie anpassungsfähig werden. Sie müssen die Veränderung im Unternehmen institutionalisieren und dabei natürlich auch mit internen Widerständen umgehen. Kann zum Beispiel eine Bank, deren Geschäftsmodell vor allem auf das Angebot ihrer Dienstleistungen über eine Filialstruktur basiert, sich den digitalen Herausforderungen stellen und sich langsam zu einer Online First Bank (besser wäre natürlich Customer First Bank) entwickeln?

Die polnische BRE Bank scheint dies zu schaffen und wird im Laufe des Jahres eine Umfirmierung vornehmen. Das Unternehmen wird dann mbank heißen und damit den alten Namen und zum großen Teil auch das alte Geschäftsmodell durch die bisherige Zweitmarke ersetzen. Den Mut das Neue auszuprobieren mit dem Risiko der Kannibalisierung des alten Modells, diese Kompetenz müssen viele Unternehmen entwickeln, denn ausharren und abwarten wird nicht funktionieren.

Veränderung

Veränderung kommt nicht von alleine. Man braucht nicht nur Mut, man benötigt Kompetenz oder die Fähigkeit Entwicklungen zu beobachten und frühzeitig richtig einschätzen zu können. Es geht nicht darum von der eigenen Fähigkeit zur disruptiven Innovation zu träumen. Keine der bestehenden Bankengruppen wird hier erfolgreich sein, denn Banken haben noch weniger die Fähigkeit und wahrscheinlich auch die Möglichkeit (Regulierung, Verbraucherschutz, Finanzkrise, etc.) eine solche Stecknadel im Heuhaufen zu finden, wie Unternehmen aus anderen Branchen.

Für eine Bank wäre es aber schon ein erster Schritt die eigene Unternehmensvision und Geschäftsstrategie aus dem Keller zu holen und diese im Hinblick auf die digitale Ökonomie zu betrachten und entsprechend zu verändern, um nicht kurz- oder vielleicht auch erst mittelfristig zum Opfer der digitalen Evolution zu werden. Wenn ganze Staaten oder sogar politische Systeme ins Wanken geraten, dann müssen auch Banken an die eigene Vergänglichkeit zu glauben beginnen. Auch wenn sie heute noch so mächtig und groß erscheinen und von Staaten gerettet werden.

Interne Kompetenzen

Damit dies überhaupt gelingen kann, benötigt man entsprechende interne Kompetenzen und vor allem die entsprechenden Mitarbeiter. Wenn sich das System mit aller Gewalt vor Veränderung wehrt, dann wird es scheitern. Staaten können vielleicht noch eine Zeit lang auf das Mittel der Gewalt vertrauen. Unternehmen haben diese Option nicht und sicherlich würde auch kein Unternehmen oder Unternehmer diese Option in Betracht ziehen.

Führung benötigt Offenheit. Offenheit erzeugt Anpassungsfähigkeit. Offenheit ist unverzichtbar, weil Kontrolle schon lange nicht mehr möglich ist – schauen wir auf die Türkei. Wenn keine Kontrolle mehr besteht, dann ist Austausch und Interaktion wichtig. Es geht um den Aufbau von Beziehungen und die Entwicklung von gegenseitigem Vertrauen. Unternehmen werden damit zu sozialen Gebilden. Jene Menschen in Ihrem Unternehmen, die heute und auch zukünftig noch erfolgreich führen möchten und sollen, brauchen besondere Fähigkeiten und Eigenschaften, damit offener Informationsaustausch und gemeinsame Entscheidungen möglich werden.

Veränderung kann nur entstehen, wenn sie Innen auf fruchtbaren Boden fällt. Nehmen wir Social Media – für mich eigentlich nicht mehr als das Instrument das Veränderung hervorruft und erfordert – als Beispiel. Fällt Social Media auf Beton, kann es seine Kraft nicht entfalten. Es bleibt Marketing. Noch schlimmer, es ist das schlechteste Marketing, dass sie sich vorstellen können, weil es nichts erreicht, weil es nichts verändert und sich gegenüber den Verbrauchern (vor allem den jungen Verbrauchern) nur lächerlich macht. Fällt es jedoch auf fruchtbaren Boden und wird von den Führungskräften als Chance gesehen und gehegt und gepflegt, dann kann es sich prächtig entwickeln und dies gilt dann umso mehr für das Unternehmen. Dazu braucht es Führungspersönlichkeiten, die in erster Linie optimistisch sind, also auf einem positiven Menschenbild aufbauen und die auf Zusammenarbeit also Kollaboration setzen. Was viel  mehr ist als der überstrapazierte Begriff teamorientiert ist. Womöglich müssen Sie diese Führungskräfte erst einstellen und vielleicht haben diese noch nicht einmal eine Bankausbildung.

Bereit für den Wandel?

Wenn Sie also bereit für einen Wandel sind und den Weg gehen möchten, sich vielleicht erstmals oder erneut (weil die bisherigen Ergebnisse frustrierend sind) mit Social Media beschäftigen, dann beginnen Sie damit herauszufinden, wie offen Ihr Unternehmen ist, wie offen es sein kann und sein muss und wie Sie dorthin kommen? Ein großartiges Buch zu diesem Thema ist übrigens:

Open Leadership: How Social Technology can transform  the way you lead!

Das packe ich jetzt in mein Buchpaket für den Mann aus der Türkei. Wobei er ja nur die extreme Spitze eines Eisberges ist. Gibt es überhaupt einen Staat auf dieser Welt, der mehr Demokratie wagen möchte?

Lesen Sie auch:

Bahncard 100: Warum auch die deutsche Bahn keine Ahnung von Social Media hat

Don´t break the internet

Ein Videobeitrag für uns Helfeshelfer

 

Zypern: Wir brauchen eine Bank, die…


…aktiv das Finanzsystem verändert

Eigentlich wollte ich heute über Social  Media und Content Marketing schimpfen. Das hole ich später nach, denn Zypern macht mich heute noch wütender.

Lesen Sie mal hier und hier und hier

Das Spiel geht so:

Die Politik öffnet die Türen für rücksichtslose und zerstörerische Finanzgeschäfte. Die Banken verzocken die Einlagen Ihrer Kunden. Die Politik springt ein und verzockt das Geld der Bürger, des eigentlichen Souveräns. Und wenn alles nicht mehr reicht, werden die Ersparnisse der Bürger und Bankkunden einfach mal eingefroren bzw. noch schlimmer, man bedient sich einfach daran.

Ist das noch zu glauben und wäre es nicht Zeit für eine Bank, die aktiv das Finanzsystem verändert und neu gestaltet?

Sonst wird es bald Zeit für die Frage, ob es nicht besser wäre, etwas Besseres als eine Bank zu entwickeln.

Deshalb hier noch einmal ein älterer Artikel aus diesem Blog

Wir brauchen eine  Bank, die nicht nur auf schöne Werbebotschaften setzt und stattdessen, ihre wirtschaftliche und gesellschaftliche Macht nutzt, um grundsätzlich anders zu handeln als andere Banken.

Eine Bank, die mit den Selbstverständlichkeiten der Finanzwirtschaft bricht und ihren Kunden eine gänzlich andere Art von Finanzdienstleistung anbietet. Die Mitgliedschaft als Zustimmung zur Entwicklung einer Bewegung begreif, welche die Realwirtschaft und das Gemeinwohl fördertt und die tägliche Umverteilung von unten nach oben bzw. von Menschen zu Institutionen ebenso beendet, wie die Investition in Geldanlagen von denen wenige profitieren, während gleichzeitig die Mehrheit der Menschen geschädigt wird.

Wenn die Deutsche Bank zum Beispiel weiter machen möchte wie bisher, dann muss es doch eine Bank oder Bankengruppe geben, die eine wirkliche Alternative bietet, die also nicht nur in manchen, sondern in allen Bereichen anders ist. Die Banking gänzlich neu erfindet und damit meine ich nicht nur technische Innovationen.

Occupy Money

Eine Bank, welche ihr Kunden über Finanzfragen aufklärt, die mutig eigene Positionen besetzt, die Visionen und Ideen auf die Straße und in die Parlamente bringt, die einfache Produkte bietet, die transparent ist, die Kunden wirklich einbindet und mitbestimmen lässt oder diese sogar zur Mitbestimmung zwingt.

Eine Bank, die den Zinseszins abschafft und die eine bundesweite Regionalgeld Initiative startet, welche Menschen mit Ideen zusammen bringt und Ideen fördert, die reale und menschliche Werte schafft. Die also zum Beispiel auf crowdfunding und crowdinvesting setzt, die in Human Kapital investiert und nicht mehr in abstrakte Rentenprodukte, die nicht halten werden, was sie uns heute versprechen.

Wir brauchen mutige Menschen und mutige Banken mit Zivilcourage

Das folgende Interview mit Frau Professor Margit Kennedy enthält einige interessante Aussagen, mit der sich eine  andere Bank und eine Next Generation Finance auseinandersetzen sollte.

Links aus diesem Artikel

FMF Zinsfreie Finanzen interviewt Frau Professor Margit Kennedy

Spiegel Online: Deutsche Bank spekuliert weiter auf Nahrungsmittel

Finanzdienstleister der nächsten Generation (Buch)

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/rettungspaket-fuer-zypern-tabubruch-zum-schaden-der-sparer-1.1626835

http://www.nzz.ch/meinung/kommentare/am-schluss-zahlt-der-sparer-1.18048103

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/westerwelle-kritisiert-zypern-entscheidung-zu-kleinsparern-a-889445.html

TwentyTwo Seven – eine Bank oder was?


Wir sind nicht (mehr) der Nabel der Welt

Europa, Japan und die USA verabschieden sich langsam aus der Riege der führenden Wirtschaftsnationen und können dadurch auch weniger Einfluss auf die Weltpolitik nehmen. Die neue Welt wird eine nicht mehr von uns bestimmte Welt und wir werden verstärkt den Trends und Entwicklungen aus China, Indien, Brasilien und der vielen aufstrebenden Schwellenländern hinterherlaufen.

Im Banking können wir wohl davon ausgehen, dass die wirklich disruptiven Innovationen aus jenen Ländern kommen werden, in denen heute mehr junge Menschen leben, die zudem mit mobilen Anwendungen groß geworden und auf diese angewiesen sind. Das Internet auf mobilen Endgeräten genutzt von Menschen, denen Social Media in die Wiege gelegt wurde. Die noch dazu häufig gar nicht wissen was eine Bank ist und unsere etablierte Form von Bank auch gar nicht gebrauchen könnten.

In diesen Ländern werden sich dann auch alle Ideen, Anwendungen und Unternehmen, die uns tagtäglich im Bankenumfeld begegnen, zuerst durchsetzen und wir können dabei zuschauen wie sie zum Masseneinsatz kommen.

22Seven

22Seven ist so ein Unternehmen. Es kommt aus Südafrika und schon die Internetseite ist sehr interessant, denn es werden nicht – wie bei uns üblich – direkt agressiv Produkte angeboten oder irgendwelche – von Banken erdachte – Bedarfsfelder dargestellt. Außerdem wirkt die Internetseite übersichtlich und gut strukturiert. Eigentlich widmet sie sich nur einem Thema, dass letztendlich aber wohl auch alles ausdrückt und umfasst, was Menschen von Banken erwarten:

Nämlich mehr aus ihrem Geld zu machen. Auf der Internetseite liest sich dies so:

Do more with your money

Having money is nice. Having more money is nicer. But you don’t have to earn more to get more. By looking at your money differently, you can find more of it. And do more with it. Here’s how 22seven helps.

Auf den ersten Blick haben wir es hier mit einem Personal Finance Management Tool zu tun. Das ist zwar inzwischen fast ein alter Hut. Auch wenn wir meistens nur eines gesehen, aber selber noch nicht genutzt haben. Die Kunden von 22seven können aber zusätzlich ihre Kontoauszüge freigeben und erhalten dann die entsprechenden Tipps für den vernünftigen Umgang mit Geld und vor allem natürlich über Einsparungsmöglichkeiten.

Das schockierende aus unserer deutschen Perspektive: Nutzer müssen und sind dafür offensichtlich bereit ihre Banking Pin und Tan an 22seven weiterzugeben. Undenkbar für uns – offenbar aber nicht in einem anderen Kulturkreis. Allerdings hat der Anbieter auch nur Leserechte

Bei 22seven gibt es zudem einen Q und A Bereich für die Kommunikation der Kunden und die Seite arbeitet zur Erklärung und Darstellung der Dienstleistung mit Storytelling. Auch das habe ich bei einer deutschen Bankenseite bisher noch nicht gesehen. Komisch eigentlich – sieht doch alles so einfach aus. Warum ist es nicht so einfach?

https://www.22seven.com/

Noch eine Ankündigung

Im Innovationsblog der Volksbank Bühl, die heute übrigens auch über Knab berichtet, gibt es in der nächsten Woche ein Interview mit Brett King, der die Bankenbranche wirklich revolutioniert und nicht nur darüber spricht oder diskutiert, wie ich!

Warum können oder wollen Banken eigentlich nicht dienen?

Mit dieser Frage beschäftige ich mich mal über das Wochende. Vielleicht auch eine spannende Hausaufgabe für Sie? Ich würde mich für ihre Meinung interessieren.

Was Veränderung bremst: Ihre Personalabteilung


In der Finanzbranche sprechen wir viel über Veränderung.

Es müsste sich etwas verändern, sagen wir! Wir sollten etwas verändern!  Auch diese Worte sprechen wir immer wieder aus.

Wenn wir dann aber die Chance haben etwas zu verändern, dann kommt meistens nicht sehr viel dabei heraus. Es sind dann sowohl die Menschen als auch die Prozesse und Tools mit denen wir arbeiten, welche die Veränderung bremsen. Die Menschen weil sie häufig nicht wollen, dass sich etwas verändert. Die Tools, weil sie uns immer wieder auf die gleichen Wege führen, die das Neue kanalisieren und wieder ins Alte verwandeln.

Irgendwann in der letzten Woche habe ich diesen Satz getwittert.

Zu diesem Tweet hat mich ein Artikel von Samarth Shekhar im Finextra Blog und meine nunmehr elfjährige Berufserfahrung in der Bankenbranche inspiriert. Ich möchte damit niemanden angreifen und Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel, aber ich habe das Gefühl das Banker und deren Sozialisation in Schule, Ausbildung, Beruf und Fortbildung Veränderung nicht gerade leichter macht. Die Bank ist eine konstruierte Wirklichkeit, die keine Zweifel duldet und die Neuerfindung verunmöglicht. Warum sonst hat sich in den letzten 4 Jahren Bankenkrise so wenig verändert.

Bevor man aber keine Banker mehr einstellen kann, muss man wahrscheinlich erst einmal die Personalabteilung entlassen. Personalabteilungen sind darauf ausgerichtet Funktionen zu besetzen. Sie suchen eigentlich nicht nach Menschen. Stattdessen suchen Sie nach Bausteinen, die eine Mauer vervollständigen und in das Gebäude passen. Daran hat das sogenannte Employer Branding auch wenig geändert.  Ist Employer Branding nicht auch nur ein neuer Name für ein altes Gewand. Unternehmen stellen sich anders dar. Ihr Handeln ist vielleicht auch  ein wenig transparenter als früher und kann Online kritisiert werden. Das war es dann aber auch schon. Ich erkenne in jedem Fall keinen großen Unterschied in den Stellenanzeigen und Bewerbungsprozessen. Am Ende sind die Personalabteilungen vielleicht sogar der konservativste Bereich im Unternehmen

Schauen die Personaler auf den Menschen? Stellen sie ihn in den Mittelpunkt? Achten sie darauf, dass der Mensch Talent, Intuition und Urteilsvermögen für die sich verändernden Herausforderungen der Banken mitbringen? Sind sie darauf eingestellt, dass die Zukunft nicht mehr nach exakten formelhaften und voraussehbaren Prozessen abläuft? Ich sage nein und behaupte, dass die Personalabteilungen ein Problem haben und ein Problem sind. Was sagen Sie?

Der 9 Grund warum Banken nicht innovativ sind:


Die institutionalisierte Fixed Mindset Monokultur

Hansjörg Leichsenring hat in seinem Bankblog 8 Gründe für die mangelnde Innovationsfähigkeit der Banken genannt. Ich möchte einen neunten hinzufügen, wobei es sicherlich noch mehr geben mag. Möglicherweise ist der Neunte aber auch der entscheidende Grund. Es sind die Menschen. Genauer gesagt in den Banken herrscht ein Überangebot von Menschen, die nach Carol Dweck (Psychology Professor der Stanford Universität) ein Fixed Mindset besitzen. Die These, die ich hier vertrete, beruht nicht auf wissenschaftlicher Analyse sondern auf Erfahrungen, die ich vor allem in von mir durchgeführten Workshops gemacht habe und immer wieder mache. Carol Dweck hat in seinen viel beachteten Forschungsarbeiten herausgefunden, dass Erfolge oder herausragende Leistungen von Menschen nicht unbedingt auf besonderen Fähigkeiten beruhen sondern vielmehr von der Denkweise oder Mentalität. Er fand heraus, dass herausragende Leistungen überwiegend von Menschen mit einem “Growth Mindset” erbracht wurden, weil Sie fest daran glauben, dass persönliche Entwicklung durch eigene Anstrengung entsteht und damit alles beeinflussbar und veränderbar ist. Im Gegensatz dazu nehmen Menschen mit “Fixes Mindset” Veränderungen als Bedrohungen war. Sie bewahren lieber den Status Quo und glauben auch nicht an die Möglichkeit geschweige denn an die Beeinflussbarkeit von Veränderungen.

Banken sind traditionell der Vermeidung bzw. der Reduzierung von Risiken verpflichtet. Insofern erfolgt die Auswahl und Ausbildung von Mitarbeitern schon seit Jahrzehnten nach den immer gleichen Kriterien. Banken ziehen Menschen mit Fixed Mindset an. Sie suchen sie und produzieren bzw. reproduzieren sie

Und wo die Menschen zur Veränderung fehlen, bildet sich eine Kultur, die man kaum in Bewegung bringt, die sich nicht stören lässt und damit keine Veränderung möglich macht. Banken können sich nicht selbst verändern. Sie werden verändert werden. Allerdings nur, wenn Menschen der Meinung sind, dass sich etwas verändern müsste.

Artikel zu den Forschungsergebnissen von Carol Dweck.

http://michaelgr.com/2007/04/15/fixed-mindset-vs-growth-mindset-which-one-are-you/

Und was ist Ihre Meinung?

Mobile Payment und die Filiale


Mobile Payment reduziert die Bedeutung der Filiale

Über Mobile Payment und die Filiale lässt sich gut bloggen. Diese Themen sind sozusagen ein Versprechen auf großes Interesse und viele Leser. Beinahe täglich gibt es in alten und neuen Medien Berichte und Meinungen zum In Thema der Bankenbranche. Studien kündigen den Durchbruch des mobile Payments oder das Ende der Filiale an. Unternehmen, die ihr Geld mit Unternehmen verdienen, die auf Filialen setzen müssen, sehen das natürlich anders. Man könnte sagen: Keine Atempause Märkte werden gemacht.

Nun würde ich bekanntlich keinen Cent auf eine rosige Zukunft der Bankfilialen setzen und mobile Payment ist hier möglicherweise der Anfang vom Ende, denn wo der Bargeldgebrauch zurück geht, wird der beschwerliche Gang zur Filiale ebenfalls zurückgehen. Die Filiale wankt. Würde das Filialsterben sich in gleichem Tempo wie bisher fortsetzen, dann gäbe es wohl schon in 20 Jahren keine Filialen mehr. Soweit wird es vermutlich nicht kommen und damit es dazu nicht kommt, beginnen die Banken ihre Filialen zu  verändern. Vorbilder hierbei sind zum Beispiel Apple oder auch Starbucks, wobei häufig vergessen wird, dass Banken kein emotionalisierbares Produkt besitzen. Und ob es hilft, die Bankfilialen mit Apple Computern und ipads statt mit PCs und Beratungsplätzen auszustatten? In Brasilien gibt es inzwischen eine Bankfiliale auf einem Boot, womit die Bank zu den bisher nicht erreichten Zielgruppen fährt. Allerdings wird auch hier das Mobiltelefon als ein besseres Mittel angesehen, um  die immer noch große Zahl von Menschen ohne Bankzugang anzusprchen. Diese Entwicklung findet ihr deutsches Pendant in Bankbussen, die in die ländlichen Regionen hinausfahren, um ihre immobile ältere Kundschaft noch zu erreichen.

Auf der anderen Seite entstehen Lounge artige Konzepte wie z.B. von BNP Paribas, die verstärkt auf Videokonferenzen setzen, wobei ich mich frage, wieso man in eine Filiale gehen sollte, um dort Videokonferenzen durchzuführen. Auch in Deutschland gibt es diese Konzepte, die aber leider über Ikea Style nicht hinauskommen und wie bei Q110 in Berlin eher wie gewollt und nicht gekonnt wirken.

Hat die Filiale wirklich Zukunft?

Was bleibt der Filiale bzw. den Banken, die unbedingt an den kostenintensiven Bankfilialen festhalten möchten? Matthias Schubert verweist in seinem Artikel: Die Bankfiliale ist tot. Es lebe die Bankfiliale auf eine Studie von Cisco und vertritt die Meinung, dass zumindest bei komplexen Finanzprodukten die Filiale nach wie vor zur Beratung benötigt wird. Geht man aber davon aus, dass 80 % der Bankkunden eher Standardprodukte besitzen und nachfragen, könnte die Frage aufkommen, wofür diese Standardkunden noch eine Filiale benötigen und ob, falls die Banken die Filialen weiterführen möchten, sich der Aufwand dann überhaupt lohnt. Und brauchen die Kunden, die sich mit komplexen Produkten beschäftigen die Beratung eines Bankberaters in einer Filiale? Hierfür gibt es schon heute andere Wege und selbst den Firmenkunden fehlt immer häufiger das Vertrauen in die Banken, die inzwischen ja auch bei der Kreditvergabe sehr zurückhaltend sind. Crowdfunding Angebote  – ich glaube es gab mehr als 10 neue Anbieter in diesem Jahr – finden vorsichtige Beachtung. Aber sie finden Beachtung. Die Firmen beginnen nach Alternativen zu suchen.

Allein mir fehlt der Glaube

Fraglich ist für mich auch, ob Finanzprodukte wirklich kompliziert sind oder eben absichtlich kompliziert gehalten werden oder Berater häufig eben nicht in der Lage sind Ihren Kunden Produkte und Themen einfach zu vermitteln. Wenn dies so wäre, dann würden Filialen auch nicht weiter helfen.  Das – wie Ciscos Studie ermittelt haben soll – gerade Online affine Kunden besonderen Wert auf den Erhalt der Filiale legen und diese deshalb auch häufig besuchen sollen, kann ich nun überhaupt nicht nachvollziehen. Was könnte der Grund sein: Vielleicht sogar sowas wie „soziale Erwünschtheit“, weil man denkt, dass der Fragende  sich eine solche Antwort wünscht oder weil man  Angst hat als unvernünftig dazustehen, wenn man nicht das macht wovon die Banken meinen, dass es vernünftig sei.

Ich denke in jedem Fall sollte man solche Studien nicht überbewerten. Und Banken oder Bankberatern, die solche Studien überbewerten sollte man warnen. Nur der Gesetzgeber könnte die Filialen wirklich retten. Für einige Filialen bleibt jedoch die Nische, so wie für Tante Emma, denn jeder Trend hat ja seinen Gegentrend. Und das letzte Fünkchen Hoffnung besteht dann in der Erkenntnis, dass es irgendwann auch mal Umkehrungen von Entwicklungen geben kann, weil es z.B. neue gesellschaftliche oder auch technologische Entwicklungen gibt. So wie der Supermarkt auf der grünen Wiese immer unrentabler wird, so wird vielleicht auch irgendwann die mobile Bank wieder verschwinden und alle Menschen in die Filiale rennen. Und dann freut sich nicht nur Cisco.

Und zum Schluss noch ein schönes Zitat, dass ich dem  aktuellen Querdenker Blogbeitrag von Förster/Kreuz entnommen habe und dass den Ciscos dieser Welt möglicherweise helfen könnte:

Die größte Schwierigkeit besteht nicht darin, Leute dazu zu bewegen, neue Ideen anzunehmen, sondern alte zu vergessen. Und dann stehen die alten Ideen den neuen im Weg: „Aber es funktioniert doch noch! Warum sollen wir etwas ändern? Warum sollen wir die Erfolgsrezepte, die gestern noch gefruchtet haben, heute in Frage stellen?“ – Innovativ zu sein heißt veränderungsbereit zu sein, heißt auf dem Höhepunkt des Erfolgs des Alten schon das Neue zu wagen.Wir können unsere Zukunft nicht gestalten, wenn wir nicht bereit sind, loszulassen und den Rucksack mit dem alten Ballast abzuwerfen

Banken werden auch ohne Filialen ein Geschäftsmodell besitzen und auch Filialbanken brauchen keine Filialen sondern ein herausragendes Produktangebot. Oder?