Warum noch über die Innovation der Finanzbranche sprechen?


Wenn die Wirtschaftswoche titelt: Banken: Eine vom Aussterben bedrohte Spezies? dann wird es aber höchste Zeit sich Gedanken zu machen. Oder man kann damit aufhören über Innovationen und Veränderungen zu berichten, weil es ohnehin zu spät ist. Eigentlich müsste man sich langsam mit der Politik an einen Tisch setzen, um eine Art Leistungsschutzrecht für Banken auf den Weg zu bringen, denn irgendwie scheint es nicht zu gelingen die Schlachten (Entschuldigung für diese Formulierung) gegen Regulierungsanforderungen und um das Kundenvertrauen zu gewinnen. Offensichtlich gibt es so viele Baustellen, dass man gar nicht mehr weiß wo man anfangen soll oder diejenigen, die anfangen möchten, treffen auf Jene, die lieber noch warten möchten, da sie mit Unsicherheit nicht umgehen können oder mehr zu verlieren als zu gewinnen haben.

Wenn die Banken sich nicht selber innovieren können, dann müssen eben die Anderen ran z.B. Online Pioniere, wie man sie in großer Zahl auf der Finovate in London sehen konnte. Und inzwischen kommen diese Online Pioniere immer häufiger auch aus Deutschland. Auf der Finovate waren es Figo, Pockets United und Sum up. Aber das waren nur 3 von vielen weiteren Unternehmen, die sich direkt oder indirekt mit der Dienstleistung Banking beschäftigen. Denn wenn Banking ins Leben integriert wird, also- wie Chris Skinner es nennt- zum Proactive Personal Finance Management wird- dann kann prinzipiell jeder in diesen Markt eintreten, der einerseits eine herausragende User Experience und andererseits Daten in Echtzeit analysieren und daraus Kundenwerte extrahieren kann.

Technologie ist aber nur die eine Seite der Medaille. Es ist ganz toll, wenn man jetzt als Amex Kunde einen twitter Hashtag zum bezahlen verwenden kann wir CNN berichtet. Aber das Vertrauen kommt damit nicht zurück. Einfache Prozesse sind schön und gut. Aber was ist mit Einfachheit und Transparenz als Grundprinzip. Ich würde nicht deshalb meine Bank wechseln, weil ich dort technologischen Firlefanz nutzen kann. Nur müssen sich die neuen Anbieter überhaupt damit beschäftigen was Banken ausgemacht und was sie in die Rolle gebracht hat, die sie für Jahrhunderte für Menschen gehabt haben.

Wer heute für die finanzielle Gesundheit eines Menschen sorgen möchte, muss und sollte sich vielleicht gar nicht als eine Bank betrachten. Aber wie sollen Banken das bitte machen? Die Angst der Banken scheint also mehr als berechtigt zu sein. Und alles worüber ich hier seit 2007 geschrieben habe, ist oder wird bald schon Realität sein. soll ich denn jetzt eigentlich noch schreiben?

Finovate 2013. Eine kurze Vorschau (Teil 1)


Innovation und Technologie sind nicht identisch und man darf die Begriffe nicht miteinander vermischen. Allerdings erkennen immer mehr Unternehmen, dass durch den Einsatz von Technologien echte Mehrwerte für Menschen geschöpft werden können. Erfolgreiche Technologien helfen Menschen dabei, etwas schneller, einfacher, kostengünstiger oder anders zu machen. Erfolgreiche Technologien, dass sollte man nicht vergessen, sollten aber auch nur geringe externe Effekte erzeugen, also möglichst wenig negativen Einfluss auf Mensch, Natur und Kultur haben. Bei vielen Errungenchaften der digitalen Welt ist das durchaus noch umstritten

Die inzwischen weltweit stattfindende Messe für Finanzinnovationen Finovate kommt in diesem Frühjahr auch wieder nach Europa. Ich kann leider nicht dabei sein. Welcher Rheinländer würde schon freiwillig auf Karneval verzichten?

Auf der Finovate geht es in erster Linie um Technologien. Inhaltliche Aspekte des Bankings, also z.B. Social Banking oder ethisches Banking werden hier nicht thematisiert (mit einer Ausnahme). An zwei Tagen stellen sich Technologie startups, Anbieter von Infratsruktur für Banken und auch einige Banken vor. Genauer gesagt stellen sie ihre neusten Produkte oder Ideen vor, die dan der ein oder anderen Stelle narürlich auch inhaltliche und kulturelle Selbstverständlichkeiten der Finanzbranche infrage stellen.

Ich habe mir im Vorfeld der Veranstaltung einmal die 64 ausgewählten Unternehmen angesehen, die in jeweils 7 Minuten langen Präsentationen ohne Powerpoint 3 Sieger ermitteln werden. Die Trendthemen auf der diesjährigen Finovate werden Mobile Payment, PFM, Anwendungen für kleine Unternehmen und Sicherheit sein. In vielen Gebieten erkennt man eine Professionalisierung oder Weiterentwicklung von Angeboten. Der große Game Changer fehlt, sieht man einmal von der movenbankab, die in diesen Monaten ihre Vision einer gänzlich anderen Bank, einer Bank On the move, die ins Leben integriert ist und dazu die Daten der Kunden aus ihren täglichen Interaktionen extrahiert und in wertvolle Impulse und Produkte für das finanzielle Wohlbefinden umwandeln will. Wir dürfen auf die Reaktion der Kunden sehr gespannt sein. In Deutschland würde das sicherlich so nicht funktionieren. Zumindest ein Herr aus Schleswig Holstein hätte etwas dagegen.

Erfreulicherweise nehmen an der Finovate nicht nur mehr Mitarbeiter von deutschen Unternehmen teil. Einige deutschsprachige Unternehmen nehmen am Wettbewerb teil.

Sum up aus Berlin – vielleicht das europäische Silicon Valley- präsentieren beispielsweise ihre Version eines Payment Angebotes für kleine Unternehmen, durch Verbindung eines Smartphones mit einem Karten Lesegerät. Es handelt sich also um eine weitere deutsche Version des amerikanischen Vorbildes Square.

Nicht aus Berlin sondern aus München – ich nenne es mal das neue Silicon Valley der Bankbranche, denn schließlich sitzt auch Deutschlands modernste Bank Fidorbank dort – kommt Pockets United, die eine Group Payment Lösung für IOS und Android Geräte anbieten. Jeder der einmal eine Reise mit vielen Freunden gemacht hat, kann abschätzen wie nützlich ein solches Tool sein kann und im Alltag der meisten Menschen gibt es sicherlich noch viele weitere praktischen Anwendungsmöglichkeiten.

Ebenfalls in London dabei: Additiv aus der Schweiz, die eine kundenzentrierte Betreuungs- und Interaktionsplattform für die Bank 2.0 entwickelt haben. Das Angebot richtet sich an traditionelle Banken, lässt sich leicht in bestehende IT Systeme integrieren und berücksichtigt vor allem Sicherheits- und Compliance Anforderungen.

Börse Gound Lean Bankingg komplettieren die deutschsprachigen Teilnehmer. Beide kommen ebenfalls aus München. Lean Banking wird die bereits hinlänglich bekannte und in Sachen User Experience sehr gelungene PFM App Figo vorstellen. Ich nutze sie selber sehr gerne. Welche konkrete Anwendung Börse Go vorstellen wird, ließ sich über das Internet nicht recherchieren. Das Unternehmen ist allerdings Spezialist für Finanzportale, Finanzinformationen und IT Lösungen in diesem Umfeld. Man darf gespannt sein. Vielleicht gibt es sogar einen deutschen oder deutschsprachigen Sieger.

Links auf die genannten Unternehmen

Sum up
Square
movenbank
additiv
Pockets United
Lean Banking
Börse Go

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Wird fortgesetzt

Next Finance Review II: Kundennutzen und visionäre CEOs


Gastbeitrag von Inga Bergen Associate Director Business Development Fjord GmbH

Banken und die digitale Welt

Die next finance drehte sich vor Allem um ein Thema: Wie können Banken in einem veränderten digitalen Umfeld bestehen und die Entwicklung im Consumer Banking gestalten anstatt ihr zu folgen?

Banken werden für Banking nicht mehr zwangsläufig benötigt. Auch wenn im Regulationsintensiven Kerngeschäft kein Wettbewerber zu fürchten ist, stehen im vernetzten Zeitalter Start-ups in den Startlöchern, die nutzerorientierte Services um Regulationen herum bauen können. Geldbeträge sind im vernetzen Zeitalter nicht mehr als Daten, die transferiert werden. Und die digitale Revolution hat einen veränderten Kundentypus hervorgebracht, der zu seinen Bedürfnissen passende Services und Produkte schell adaptiert und verbreitet.

Crowdfunding, peer-to-peer Darlehen, Internet-Währungen wie Bitcoin sind gute Beispiele dieser Entwicklung. PayPal ist ihr Vorreiter und den Weg von einem Internet-Start up zur voll lizenzieren Bank bereits gegangen.

Experten und die Rolle der Banken

Bei der Beschreibung der Rolle, die Banken in Zukunft einnehmen sollen, gehen die Meinungen auseinander. Fred Schuster von der Deutschen Bank sieht das Alleinstellungsmerkmal der Banken in ihrer persönlichen Beratung und dem Kontakt zum Kunden, für ihn sind „die Produkte austauschbar – entscheidend ist die Beratung“. Die Deutsche Bank arbeitet mit Methoden wie Embedded Design Thinking/ Foresight Thinking um in kleinen autarken Teams Innovationsthemen zu bearbeiten. Zum Beispiel, wie der Beratungsprozess der Zukunft mit besserer Interaktion zwischen Berater und Kunde und höherer Qualität konzipiert werden kann.

Finanzexperte Chris Skinner sieht darin keine Zukunft mehr, er ruft den Tod der Bankfilialen aus, da die Kunden der Zukunft mit proaktiver, digitaler Unterstützung ihre Finanzen selbst managen wollen. Die Bank der Zukunft, wie sie Skinner skizziert, stellt dem Kunden alle Leistungen als Self-Services für multiple Touchpoints zur Verfügung, und hilft ihm, seine Daten zu seinem Vorteil zu nutzen.

Matthias Setzer von Paypal sieht im Mehrwert für den Kunden Transaktionen immer und überall in Echtzeit durchführen zu können einen zentralen Erfolgstreiber des Internets. Das Smartphone ist für PayPal ein Einkaufsinstrument mit entsprechenden Konsequenzen für den Handel. Seit der Einführung im Jahr 2010 wurden eine dreiviertel Billion US-$ über die PayPal Apps transferiert, weil die Nutzung schlichtweg bequem und transparent ist. Auswirkungen auf das Geschäft traditioneller Banken nennt Setzer nicht, für ihn sind die Banken nicht im Fokus, sondern die Händler, die Geschäftspartner von PayPal sind.

Matthias Setzer, Fred Schuster und Chris Skinner bringen eine interessante Perspektive auf die Frage mit: alle drei haben den Kunden und seine Bedürfnisse im Blick, sie argumentieren mit dem Kundennutzen. Auch wenn der Blickwinkel unterschiedlich zu sein scheint, ist der Fokus auf den Mehrwert für den Kunden zentrales Element der Innovationsstrategien.

Visionäre CEOs gesucht

Doch ohne einen CEO, der Zukunftsthemen treibt, kann sich in Banken keine Innovation entwickeln. Für Salvatore Pennino von Google ist die digitale Strategie Chefsache und Paelle Breandgaard von Pico Money sieht Banken ohne visionären CEO in der Rolle Innovationsverhinderers, sie verdienen schlichtweg zu viel Geld, um in zunächst unlukrative Zukunftsthemen zu investieren.

Wenn man den Vorträgen und Diskussionen auf der next finance folgte, sind es zwei Personengruppen, deren Buy-in über den Erfolg der digitalen Strategie entscheiden wird: die Kunden und die CEOs.

Um im Consumer Banking wettbewerbsfähig zu bleiben, sollten Banken sicher stellen, dass sie selbst die versteckten Bedürfnisse ihrer (potentiellen) Kunden genau kennen. Eine (digitale) Service-Strategie sollte Kundenbedürfnisse mit den Bedürfnissen bzw. Zielen der Bank vereinen. Banken sollten die neuen digitalen Möglichkeiten nutzen, um Services zu schaffen, die den Kunden wirklichen Mehrwert bieten. Dann werden sie keine Probleme haben, in der vernetzten Welt zu bestehen. Um dies zu erreichen, brauchen sie eine visionäre Führungsriege, die Zukunft gestalten möchte

Banken sind wie Eltern oder Grosseltern


oder warum Social Media Kaum einen Unterschied macht

Banken sind  wie Eltern. Man braucht Sie, emanzipiert sich aber im Laufe des Lebens von Ihnen und noch während man bei den Eltern wohnt, spielen andere Bezugsgruppen oder Personen eine bedeutendere Rolle.

Auf der anderen Seite verfügen die Eltern und auch die Banken über Erfahrungswissen, auf welches man – wenn man in der Lage ist dieses in die eigene Lebenswelt zu übertragen und entsprechend zu erweitern – dann zurückgreifen kann, wenn man es braucht.

Niemals würden Kinder es aber akzeptieren, wenn die Eltern versuchen würden, in ihre Lebenswelten einzudringen und diese zu vermischen. Eltern sind eigentlich uncool, auch wenn sie noch so vorzeigbar erscheinen und man sie vielleicht auch mal mit auf eine Party (wenn sie zahlen) nehmen könnte. Hinzu kommt , dass die Lebenswerkzeuge der Eltern selten so weit von denen der Jugendlichen entfernt waren wie heute und die Eltern vor allem moderne Technologien (eben weil sie diese als Technologien verstehen) kaum noch inhaltlich umfassen können.

Technologien

Auch für die Banken gilt dieses Unverständnis für Technologien. Sie betrachten neue Technologien immer  mit dem alten Fernglas  und deshalb werden zunächst mal die alten Lösungen auf neue Geräte übertragen. So wird dann z.B. aus dem Online Banking mobile banking.

Das Banken etwas tun müssen, um in dieser sich dramatisch verändernden Welt weiter existieren zu können und vor allem auch um jene Menschen zu erreichen, die sich kulturell immer weiter von den „Werten“ „Regeln“ „Kontaktwegen“ und auch Produkten der Banken entfernen, ist inzwischen selbst den Verantwortlichen Mitarbeitern dieser Unternehmensspezies bekannt. Deshalb beschäftigen sich natürlich auch immer mehr Banken mit Social Media:  Müssen wir oder müssen wir nicht? Und wenn wir müssen, wen sprechen wir wie an und was kann passieren? Spätestens wenn der Social Media Prophet vor der Unternehmenspforte steht muss man dann doch. Oder – weil das Lemminge Prinzip ja sehr beliebt ist – wenn die anderen voran gehen.

bizreport: It is clear from the results that technology plays an important role in youngsters’ lives and without it they would feel isolated and uninformed   –>>

Eltern müssen draussen bleiben

Aber ist Social Media wirklich der Schlüssel zum Herz und zum Verstand der jungen Menschen. Wollen diese sich überhaupt mit einer Bank vernetzen. Wünschen Sie sich coole Banken mit coolen Aktionen? Schauen wir noch einmal auf Eltern und Großeltern. Möchten sich junge Menschen überhaupt mit Ihren Eltern auf Facebook und Co vernetzen? Freiwillig sicher nicht. Der Facebook Account oder die sozialen online Netzwerke der jungen Menschen, sind die abgeschlossenen Kinder- oder Jugendzimmer meiner Generation. Jeder darf rein: Außer die Eltern und Großeltern, die ja ihre Ratschläge und Maßregelungen auch dann geben, wenn Sie gar nicht gewünscht sind. Die ständig unser schlechtes Gewissen befördern: Hast Du die Hausaufgaben auch gemacht? Die Zähne geputzt? Dein Zimmer aufgeräumt? Komm nicht so spät nach Hause! Blah, blah, blah!

Und die Banken? Schon an die Altersvorsorge gedacht? Bitte das Konto nicht überziehen? Bausparen? Unfall + Berufsunfähigkeitsversicherung? Wer möchte sich schon mit einem Unternehmen vernetzen, dass sich ständig um solche Themen dreht und wenn es mal einen anderen Weg geht, eben nur so cool sein kann, wie Erwachsene es eben können. Auch der jugendlichste vierzig oder fünfzig Jährige, ist kein potentieller Freund für die junge Zielgruppe. Auch nicht in den sozialen Medien.

ZDNet: Gen Y consumers want their financial services provider to be reliable and trustworthy, and “do not want their bank as a Facebook friend or try to be cool”, said Graham Brown, cofounder and partner of research firm, Mobile Youth.–>>

Banken bleiben Banken

Banken sind und bleiben der seriöse Partner auf den man zugeht, wenn man ihn braucht. Aber auch nur dann.

Deshalb sollten Banken sich viel stärker auf den mobilen Kanal konzentrieren. Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass jedes Kind , jeder Teenie, jeder Jugendliche ein Mobiltelefon besitzt und damit all die Sachen macht, für die wir früher Zeitungen und Bücher kaufen, einen Brief schreiben, uns persönlich treffen, einen Schallplattenspieler besitzen oder auch eine Geldbörse mit uns führen mussten?

Der mobile Kanal wird für diese Generation der wesentliche Zugangsweg zu Banken sein. Mit entsprechenden Geräten und vernünftigen Tarifen ausgestattet, wird die kommende Generation alles, überall auf dem bequemsten und schnellsten Weg, also mit dem Smartphone durchführen. Eine mobile Bank wäre eine coole Bank und hätte große Chancen die Mehrheit der jungen Kunden zu gewinnen.

bizreport:So important is technology to today’s youth that over half (53%) would give up their sense of smell rather than lose access to it. To them, losing the ability to explore and communicate via technology would be like a blind man losing his stick.–>>

Seriösität und Kompetenz werden aber nach wie vor erwartet. Alles andere wäre phising for compliments, unauthentisch, anbiedernd, wenig emphatisch und vor allem unvernünftig. Wie lautet einer der berühmtesten deutschen Werbeslogans: Wenn´s um Geld geht…! ABER NUR DANN  Das mit dem Hero, kann calimero besser.

Zum weiter lesen

Banks should´nt act cool with gen y consumers

53 of youngsters would give up sense of smell to stay connected

Univesal McCann Studie: The truth about youth

Technologische Herausforderungen


Menschliche Technologien

Zwei von mir sehr geschätzte Finance Experten haben sich in den letzten Wochen mit den technologischen Herausforderungen für Banken beschäftigt. Der eine war Chris Skinner der andere Ron Shelvin, der sich noch dazu mit den technologischen Herausfoderungen für
Genossenschaftsbanken (USA Credit Unions) auseinandersetzte.

Bevor ich kurz auf diese Trends, die sicherlich auch für deutsche Finanzunternehmen interessant und relevant sind, eingehe möchte ich aber vorwegschicken, dass technologische Entwicklungen sich an den Interessen und Bedürfnissen der Menschen und vor allem der Kunden von Banken zu orientieren haben. Deshalb besteht für mich die wichtigste und sicherlich gar nicht so einfache Herausforderung darin das Kundenerlebnis und nicht die eigenen Interessen in den Vordergrund zu stellen. Zukunftstechnologien helfen Menschen dabei ihr Leben zu vereinfachen und zu verbessern und berücksichtigen dabei auch Auswirkungen auf die Umwelt und zwar langfristig betrachte. Ein BMW mit 500 PS würde vielleicht einigen Menschen eine Freude machen, solange dieser aber z.B. in seiner Ökobilanz nicht zumindest neutral wirkt, haben wir dadurch keine Zukunftstechnologie vorliegen.

Eine weitere wichtige technologische Herausforderung ist Offenheit. Einerseits werden Banken die Möglichkeit vorsehen müssen offene Schnittstellen anzubieten, damit sie schneller auf Marktveränderungen reagieren können und die Innovationskraft von nicht Banken oder sogar ihren Kunden nutzen zu können. Aktive Teilnahme muss also von Anfang an vorgesehen sein. Offenheit bedeutet darüber hinaus in den Technologien keine versteckten (Beratungs-)regeln zu hinterlegen, die sich vom Verbraucher nicht durchschauen lassen. Der normale Bankkunde muss die Anwendungen selbstständig ohne Handbuch verstehen können, um so z.B. auch den Wert eines solchen Angebotes erfassen zu können. Denn warum sollte er dafür bezahlen, wenn er keinen Mehrwert erkennen kann.

Sehr eng mit Offenheit in Verbindung steht dann eine dritte Eigenschaft: Einfachheit! Die Nutzung der Technologien sollte kinderleicht sein. Wenn ich mir z.B. das Online Banking so mancher Bank anschaue, dann besteht hier noch sehr viel Nachholbedarf. Um so weniger verständlich erscheint es mir dann noch, dass mobile Anwendungen (z.B mobile banking) dann häufig einfach Adaptationen des klassischen Bankings sind. Ohne Mehrwerte und ohne Berücksichtigung der zusätzlichen Möglichkeiten.

Was chris skinner erwartet

More social media developments as firms like Foursquare, Groupon and Quora add functionalities not seen before;

Welche Chancen in diesen Diensten für lokale Banken stecken, bleibt abzuwarten. Diese Dienste sind ja noch in einer sehr frühen Phase. In jedem Fall wird lokales Marketing dadurch noch einfacher und Quara deutet an, wie sich Online Kundenservice verändern könnte

More bank mobile apps, with clever structures and device-specific security;

In Sachen Apps gibt es viel Potential, vor allen dann, wenn man beginnt nach wirklich sinnvollen und originären Anwendungen für Kunden zu suchen. Bisher wurden Apps ja offensichtlich nur deshalb angeboten, weil es einfach modern war. Die App Euphorie der Kunden normalisiert sich allerdings inzwischen und es wird zumindest tendentiell nur noch das genutzt werden, was einen wirklichen Mehrwert bietet.

The creation of new retail payments structures, as Apple and Google get into mobile payment wallets and PayPal and Facebook push credits to the extreme;

Google hat eine ewallet angekündigt. In Sachen Bezahlverfahren wird sich einiges ändern und wenn Apple und google etwas anbieten, dann ist dies immer Nutzer orientiert. Es wird spannend werden welche Banken hier mitspielen können oder ob sie nur Zuschauer bleiben.

The maturing usage of internet and mobile television, along with video communications for dialogue on the move;

Der Kontakt zum Bankmitarbeiter mittels Videokonfernzen von jedem Ort aus? Ist das ein Modell für alle Banken oder sogar speziell eine Chance für die lokalen Banken? Was bei all diesen Möglichkeiten aber nicht vergessen werden sollte, ist die Tatsache, dass Service zukünftig in allen Kanälen gleich gut sein sollte. Es wäre falsch  aufgrund technologischer Euphorie die klassischen Kanäle und Vorgehensweisen zu vernachlässigen. Auch in der Filiale sollte der Kundenberater sein freundliches Lächeln nicht verlieren und wer als Bank bei Facebook ist, sollte seine Homepage nicht vernachlässigen.

Cloud computing becoming acceptable as a service for financial applications;

Das ist ein besonders schwieriges Thema für die Banken. Aus Kostengründen sinnvoll. In Sachen Sicherheit würden dadurch viele klassischen Legitimationsfassaden einstürzen. Aber Banken könnten durch die Bereitstellung der Cloud auch neue Dienstleistungen anbieten, denn schließlich vertraut man ihnen in Sachen Sicherheit noch. Und irgendwie ist mein Online Banking ja ohnehin schon in der Cloud.

Major investments in creating agile infrastructures and platforms to respond to regulatory requirements.

Ist ja eigentlich das Standardgeschäft der Banken. In jedem Fall werden dadurch viele finanzielle und personelle Ressourcen gebunden werden. Was wiederum dazu führt, dass die Entwicklung sozial technologischer Innovationen im Banking, wohl den Nicht Bank Konkurrenten überlassen werden müssen. Hier scheint sich ein Dilemma aufzutun.

Der ganze Artikel von Chris Skinner
http://thefinanser.co.uk/fsclub/2011/01/six-key-technology-developments-for-banks-in-2011.html

DAS Sagt Ron Shelvin

Financial advice and guidance. To date, many member-facing technologies have focused on things like checking account balances, bill pay, and to a lesser extent, customer service. In other words, member-facing technologies have been predominantly account focused and transaction-oriented. The future is about advice and guidance — helping members understand how they’re doing regarding financial lives and making smarter decisions about their financial lives.  Technologies like PFM tools will evolve beyond budgeting and charting tools to become a platform for engaging members, and providing advice and guidance.

Hier liegt sicherlich eine Erwartung, die es an genossenschaftliche Banken und auch an Sparkassen zu stellen gibt. Beide Bankengruppen haben ja ohnehin den Status fast schon behördlicher und damit auch sozial verantwortlicher Unternehmen. Mit ihrer traditionellen Nähe zu reginonalen Einrichtungen und auch zu Schulen werden sie dort ja ohnehin schon in der Vermittlung von Wissen aktiv.
Diese Rolle können und sollten Sie auch im Rahmen der technologischen Entwicklungen stärker nutzen. Anwendungen, die Menschen einfach und verständlich in Finanzthemen einführen und die darüber hinaus eine fast schon automatische und intuitive Überwachung und Weiterentwicklung der eigenen Finanzsituation ermöglichen, sollten hier deshalb wirklich ganz oben auf der Agenda stehen

Social networking integration. Credit unions that focus exclusively on what to do with Facebook and/or Twitter will miss the boat. The future of member-facing technologies is about integrating social media tools and technologies into existing processes and sites.

Immer mehr Banken sind ja inzwischen bei Facebook und auch auf twitter zu finden. Die meisten haben allerdings noch keinen Weg gefunden twitter sinnvoll anzuwenden. Dies liegt möglicherweise daran, dass twitter vom Sendemechanismus noch viel weiter entfernt ist als Facebook. Richtig nachhaltige Communities findet man allerdings auch noch nicht so häufig. Von der  Integration in vorhandene Strukturen und Prozesse ist man hierzulande noch meilenweit entfernt. Da ist man in den USA sicher schon weiter. Schon bei der Integration der verschiedenen Online Medien gibt es Nachholbedarf, zumal man immer dazu neigt, dann etwas anderes zu vernachlässigen. Außerdem ist an den Aktivitäten meistens sehr leicht erkennbar, dass es keine Integration bzw. noch nicht mal eine Verbindung zu den anderen Kanälen und Abteilungen gibt.

Purely mobile apps. Providing existing capabilities like account access and bill pay through mobile devices is certainly needed, but the big opportunity for credit unions will come in the form of what Aite Group calls “purely mobile” apps — capabilities like location awareness, augmented reality, and mobile payments that are only available in the mobile channel.

Es gibt sie noch nicht und ich bin gespannt wann und von wem die erste kommen wird. Wir sind nun einmal dazu verdammt alles Neue aus den Augen des Alten zu betrachten

Der ganze Artikel von Ron Shelvin
http://marketingteaparty.com/2010/12/20/the-future-of-member-facing-technologies-in-credit-unions/

Welche technologischen Herausforderungen erwarten Sie? Und wie sind die Banken aufgestellt?