Die Fläche ihrer Filiale II


Die Frage hatte natürlich einen Sinn. Vor einigen Tagen habe ich gelesen, dass in den meisten Bankfilialen gerade mal 10 bis 20 % der Fläche wirklich für die Beratung oder sagen wir besser den Dialog mit Bankkunden zur Verfügung stehen.
Die restliche Fläche wird mit SB Geräten zugestellt, ist Freifläche, Dekorationsfläche oder wird für bankinterne Zwecke genutzt. Filialen werden zwar schöner und moderner. Ihre Entwicklung folgt jedoch Prinzipien, die schon lange nicht mehr gelten. Erschwerend hinzu kommt, dass alle Banken, ob sie nun gelb, blau oder rot sind, einander kopieren. Vielleicht wählen sie auch nur immer die gleichen Architekten aus.
Womit wir bei einem Hauptproblem wären. Filial Neubauten sollten nicht nur den Entwürfen der Architekten oder den Vorstellungen der Vorstände folgen. Es wäre an der Zeit Mitarbeiter, Kunden, Architekten und andere relevante Gruppen oder Personen in einem multi disziplinären Team an der Entwicklung jener Räume zu beteiligen, von denen viele Banken glauben oder wünschen, dass sie auch in 100 Jahren noch das Zentrum der Bankberatung bilden. Es wird Zeit für Design Thinking zur Gestaltung eines menschlichen Kundenerlebnisses.

Holland zeigt uns die Zukunft des Bankings: Knab und Münzmeister


Eine gute Nachricht vorweg: Wir haben die Fidorbank und sind deshalb durchaus in der ersten Liga der Finanz Innovation vertreten. Viele crowdfunding und -investing Initiativen zeigen zusätzlich, dass man auch in Deutschland an einer Veränderung des Bankings arbeitet. Heute hat das Handelsblatt (Print Ausgabe) umfassend über neue Möglichkeiten zur Kapitalbeschaffung für Unternehmen berichtet.

Aus Holland haben mich innerhalb von einer Woche allerdings 2 Nachrichten über neue Angebote erreicht, die mich ein wenig neidisch machen. Gelesen habe ich diese Nachrichten im Finanzinnovations Blog von Pascal Spelier. Pascal berichtet über eine neue Bank, die ihre Kunden in den Mittelpunkt stellen möchte und deshalb einfach mal den Namen umkehrt, sich also Knab nennt, darüber hinaus aber auch einige interessante Innovationen für ihre Kunden anbietet:

  • Sehr modernes Design mit eigenen Gestaltungsmöglichkeiten (z.B. widgets)
  • Alarme, die Kunden rechtzeitig über bestimmte Ereignisse informieren
  • Sehr modernes mobile App
  • Anbindung an Beratungsnetzwerk (Bank unabhängig)
  • Persönliches Online Archiv für den gesamten Kunde/Bank Dialog
  • Direktes Spenden von Ersparnissen
  • Gruppen Konten

Das Angebot ist kostenpflichtig

Das zweite Unternehmen bietet nicht weniger als die Zukunft des persönlichen Finanzmanagements und nennt sich Münzmeister. Randnotiz: Interessant, dass man sich in Holland schon mit der Zukunft des persönlichen Finanzmanagements beschäftigt, während PFM in Deutschland noch nicht einmal angekommen ist.

Münzmeister möchte Tools zur Verfügung stellen, die Menschen die Möglichkeit bieten ihre eigenen finanziellen Entscheidungen zu treffen. Münzmeister ist Multi Banken fähig und kann wohl auch Angebote von unterschiedlichen Banken einholen. Es ist darüber hinaus an der Zukunft ausgerichtet, ermöglicht es also zukünftige Lebensereignisse einzubeziehen bzw. spielerisch einzubeziehen. Hierzu wird mit Szenarien gearbeitet und die können mit jeder angeschlossenen Bank aber auch anderen Nutzern genutzt werden

Das Tool setzt auf ein Tagging Angebot. Diese Tags können individuell gesetzt werden und definieren persönliche Zielsetzungen. Es können aber auch Orts Tags gesetzt werden, um Angebote von regionalen Unternehmen erhalten zu können.

Das ganze Tool erfolgt permission based, d.h. der Nutzer soll die volle Kontrolle haben.

Die ganze Idee geht sehr stark in die Richtung, die für mich die Zukunft des Bankings ausmacht. Ein Tool in der Hand  des Kunden, welches ihm auch die Unabhängigkeit von Bank und Berater einräumt. Holland geht voran und das Tool könnte auch in Deutschland eine Zukunft haben.

Zeit für eine Pause präsentiert von Apple iWallet


Aussteigen

Revolution ist, wenn man mal was ganz Anderes macht oder etwas Ganzes, anders macht. Nichts machen kann auch Revolution sein. Urlaub machen ist keine Revolution, muss aber auch mal sein. Deshalb ist jetzt mal ca. 14 Tage Sendepause, die ich aber mit 2 Links auf Artikel garniere, welche ich beachtlich finde und über deren Inhalte wir mal nachdenken und diskutieren könnten. Und mit WIR meine ich Banken, Unternehmen und vor allem Menschen.

Mit dem iphone5 kommt die Apple iWallet..

und die Banken sollten beginnen sich damit auseinander zu setzen, denn Sie brauchen jetzt keine App mehr. Aber lesen Sie diesen Artikel aus dem März, denn bald kommt das neue iphone

The Apple iWallet: Why the iPhone 5 Killer Feature is Mobile Payments

Liebe und Spass

Und der zweite Link führt uns zu einem etwas philosophischeren Thema. Revolution is.

Cultivate Love and Fun

Und der ganze Artikel, in dem es um das Sterben und die Bewältigung von Trauer geht manifestiert sich in dieser sehr wahren Aussage,

When I look back at my life I’m not going to look back at my tax statements or how much I saved for retirement. I’m going to look back at the people that I chose to share my life with and the crazy adventures I had.

die auch für Banken nicht uninteressant sein sollte.

Oder Sie schauen direkt den ganzen Film.

http://hrostoski.com/mom/

 

 

Der 9 Grund warum Banken nicht innovativ sind:


Die institutionalisierte Fixed Mindset Monokultur

Hansjörg Leichsenring hat in seinem Bankblog 8 Gründe für die mangelnde Innovationsfähigkeit der Banken genannt. Ich möchte einen neunten hinzufügen, wobei es sicherlich noch mehr geben mag. Möglicherweise ist der Neunte aber auch der entscheidende Grund. Es sind die Menschen. Genauer gesagt in den Banken herrscht ein Überangebot von Menschen, die nach Carol Dweck (Psychology Professor der Stanford Universität) ein Fixed Mindset besitzen. Die These, die ich hier vertrete, beruht nicht auf wissenschaftlicher Analyse sondern auf Erfahrungen, die ich vor allem in von mir durchgeführten Workshops gemacht habe und immer wieder mache. Carol Dweck hat in seinen viel beachteten Forschungsarbeiten herausgefunden, dass Erfolge oder herausragende Leistungen von Menschen nicht unbedingt auf besonderen Fähigkeiten beruhen sondern vielmehr von der Denkweise oder Mentalität. Er fand heraus, dass herausragende Leistungen überwiegend von Menschen mit einem “Growth Mindset” erbracht wurden, weil Sie fest daran glauben, dass persönliche Entwicklung durch eigene Anstrengung entsteht und damit alles beeinflussbar und veränderbar ist. Im Gegensatz dazu nehmen Menschen mit “Fixes Mindset” Veränderungen als Bedrohungen war. Sie bewahren lieber den Status Quo und glauben auch nicht an die Möglichkeit geschweige denn an die Beeinflussbarkeit von Veränderungen.

Banken sind traditionell der Vermeidung bzw. der Reduzierung von Risiken verpflichtet. Insofern erfolgt die Auswahl und Ausbildung von Mitarbeitern schon seit Jahrzehnten nach den immer gleichen Kriterien. Banken ziehen Menschen mit Fixed Mindset an. Sie suchen sie und produzieren bzw. reproduzieren sie

Und wo die Menschen zur Veränderung fehlen, bildet sich eine Kultur, die man kaum in Bewegung bringt, die sich nicht stören lässt und damit keine Veränderung möglich macht. Banken können sich nicht selbst verändern. Sie werden verändert werden. Allerdings nur, wenn Menschen der Meinung sind, dass sich etwas verändern müsste.

Artikel zu den Forschungsergebnissen von Carol Dweck.

http://michaelgr.com/2007/04/15/fixed-mindset-vs-growth-mindset-which-one-are-you/

Und was ist Ihre Meinung?

Investieren wir in die richtigen Werte?


Von Krise spricht man nicht nur in der Finanzbranche. Unternehmen geraten in Krisen und auch Menschen sind häufig und möglicherweise sogar immer häufiger von Krisen betroffen. Das entsprechende Modewort dafür lautet “Burn out“. Menschliche Krisen entstehen nicht selten durch die Krisen von Ökonomien oder einzelner Unternehmen. Die Schlecker Insolvenz wird die ein oder andere menschliche Krise auslösen, worüber wir aber wahrscheinlich nicht viel erfahren werden, es sei denn persönliche Bekannte sind Opfer der Schlecker Insolvenz.

Die Wurzeln Ihrer Lebenskrise

Umair Haque hat ich in seinem Artikel: “The econmic rules of your life crises” der sich häufenden Zahl menschlicher Lebenskrisen angenommen. >>> Zunächst stellt er fest, dass immer mehr Menschen aus seinem persönlichen Umfeld an Lebenskrisen leiden und auch auf twitter fand er zahlreiche Menschen, die ihre eigene Situation als krisenhaft interpretieren. Die Ursache hierfür sieht Umair Haque im fortwährenden Scheitern wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Institutionen, die Wert extrahieren statt zu erzeugen. Diese Institutionen prägen darüber hinaus auch die Werte und Ziele, welche wir Menschen anstreben. Wir haben gelernt und wie Unternehmen zu verhalten und ähnlichen wenn nicht sogar identischen Zielen und Werten hinterher zu laufen. Der Corporatismus hat enge soziale Beziehungen aufgehoben und macht uns abhängiger von übergeordneten Insitutionen. Was wir als Freiheit und als menschlich erstrebenswerte Ziele empfinden, ist in Wirklichkeit die Entfremdung von menschlichen Zusammenhängen und die Investition in fremdbestimmte Anlagen.

Umair Haque empfiehlt anders bzw. in andere Werte zu investieren:

I think we have to invest differently. If the future looks uncertain or desolate, perhaps that has as much to with what we don’t consider part of “the economy” — love, trust, purpose, passion, human growth — as what we do: money, machines, and shiny stuff lining the beige exurban aisles. Maybe it’s time to invest in the soft stuff — people, experiences, ideas, your own human, social, and intellectual capital — instead

Die früheren Antworten sind – wenn sie es je waren – nicht mehr die richtigen. Überall – in allen gesellschaftlichen Einheiten – muss die Suche nach neuen Antworten beginnen. Investieren wir in das, was uns intrinsisch motiviert. Und als Unternehmen investieren Sie in Menschen, in menschliche Ideen und menschliches Glück. Wenn Sie oder Ihr Unternehmen in einer Krise stecken. Wäre es nicht Zeit für einen Unterschied?

Social Business: Ökologie, Ökonomie und Soziales vereinen: MANOMAMA


Gerade in der Modeindustrie finde ich in letzter Zeit nachhaltige Unternehmensansätze. Dies mag auch daran liegen, dass in den letzten Jahren immer mal wieder negative Schlagzeilen über Kinderarbeit, Lohn Dumping oder auch Umweltverschmutzung zu lesen waren. Darüber hinaus fragen auch  Verbraucher nach der Herkunft und Herstellung der angebotenen Produkte. Für deutsche Textil Unternehmen, die aus Kosten Erwägungen kaum noch in Deutschland produzieren können, liegt in Social Business Konzepten zusätzlich  eine wirtschaftliche Chance.

MANOMAMA

Sina Trinkwalder aus Augsburg hat das Unternehmen MANOMAMA gegründet. MANOMAMA ist eine Öko Manufaktur:  100 % ökologische Bekleidung & Acessoires prodziert innerhalb einer regionalen Wertschöpfungskette aus Süddeutschland.

In einem Artikel der Welt, durch den ich auf das Unternehmen aufmerksam wurde,  beschreibt Sina Trinkwalder ihr Anliegen folgendermaßen:

Mein Antrieb ist, Menschen wieder in den Job zu bringen

Kein Wunder also, dass die Unternehmerin 12 Mitarbeiter beschäftigt, die auf dem ersten Arbeitsmarkt eigentlich keine Chance mehr hatten. Die Kleidung ist zu 100 % kompostierbar. Die Unternehmerin arbeitet nicht gewinnorientiert, denn sie verfolgt eine Vision; Sie möchte Missstände beseitigen, was leider von Banken als mögliche Finanzierungspartner nicht honoriert wurde. SOZIALE BANKEN UNTERSTÜTZEN SOZIALE IDEEN

Und natürlich setzt die Unternehmerin auf Social Media

ZITAT aus der Welt: Eine Unternehmerin bricht mit allen Regeln

Social Media wie Facebook oder Twitter, das ist für uns wichtig, weil es eine kostengünstige Variante ist, möglichst viel Reichweite zu generieren und die Marke zu gestalten”, sagt die Unternehmerin.

Social Business erfordert den Regel Bruch. Regel Brecher haben es aber nicht leicht in unserer durchorganisierten und Interessen gesteuerten Gesellschaft. Wir Deutschen fürchten uns offensichtlich vor dem Regelbruch, was in einer sich immer weniger linear entwickelnden Welt jedoch zu Problemen führen könnte. Ich wünsche mir mehr Reglbrecher wie Sina Trinkwalder. Und Sie?

Die Unternehmensseite von Manomama

http://manomama.de/

Manomama Blog

http://www.manomama.de/blog/

Der Artikel von http://www.welt.de

http://www.welt.de/wirtschaft/article13804136/Eine-Unternehmerin-bricht-mit-allen-Regeln.html

Ein Buch für Regelbrecher

http://37signals.com/rework/

Social Business: P2P Bankportal Civilised Money


Der Begriff zivilisiert ist in unserer Gesellschaft positiv besetzt. Zivilisiert ist besser als unzivilisiert. Der Prozess der Zivilisation wird als eine fortschreitende Entwicklung begriffen. Der Soziologe Norbert Elias schrieb in seinem soziologischen Basiswerk  über sich verändernde Persönlichkeitsstrukturen hervorgerufen durch sich verändernde Sozialstrukturen. Er beschreibt diesen Prozess als gerichtet. Der Prozess ist jedoch nicht geplant.Während Elias nur analysierte, betrachten wir Zivilisation eher wertend im Sinne sich verbessernder Umstände

Zivilisation ist gut

Gerade unsere Generation hat diesen Prozess lange Zeit überwiegend als positiv wahrgenommen oder interpretiert. Die Dinge scheinen für viele Menschen besser geworden zu sein. Offensichtlich stellen wir jedoch in den letzten Jahren verstärkt fest, dass dies nicht für alle Menschen gilt. Die Ungleichheit wird wieder größer. Unternehmen und Institutionen orientieren sich offenbar zu einseitig an Prinzipien der Gewinnsteigerung.

Sind Banken noch gut?

So werden eigentlich als ein Teil der Zivilisation zu betrachtende Banken als nicht mehr zivilisiert wahrgenommen. Menschen wehren sich dagegen oder suchen direkt nach neuen Modellen. P2P Plattformen, in denen die Bank prinzipiell als ein Mittler ausgeschaltet sind, gewinnen an Bedeutung und gelangen in den Mainstream der Nachfrage. In der Hoffnung, dass solche Plattformen fairer, transparenter und sozialer funktionieren, wird ein Gegenmodell zu den üblichen Top Down – Nimm das Produkt so wie es ist, oder lass es sein – entwickelt. Angebot und Nachfrage wird “wieder” zu einem demokratischen Austauschprozess.

Die zivilisierte Bank

In England gibt es nun eine p2pBank, die ihr gesamtes Angebot auf das p2p Prinzip stützt.

Civilised Moneny beschreibt seine Dienstleistung und seine Vision mit den folgenden Worten:

Welcome to civilisedmoney!

We’re just getting started and are very excited about creating the world’s first people-to-people money portal. Thanks for visiting.

Already you can raise money for your business, project or idea. Or you can invest in or support something or someone you believe in – and that’s just the start. We’re working on all sorts of exciting, useful and civilised solutions.

Soon, whatever you want to do with money, you’ll be able to do it with civilisedmoney - enriching people and making money and banking more civilised.

There are lots of ways you can get involved in civilisedmoney. Why not take a look around, use one of our solutions to see how people-to-people works and the many benefits it offers, check out what people are saying in the forums, or sign up to keep in touch with what’s going on

Enriching people and making money and banking more civilised. Menschen helfen bessere und kompetentere Entscheidungen zu treffen. Sie stärker und dadurch glücklicher und entspannter zu machen und damit Geld zu verdienen. Klingt das nicht nach sozialem Wirtschaften? Aber schauen Sie selbst.

http://www.civilisedmoney.co.uk/pg/Home-102

http://blog-civilised.crowdfunder.co.uk/

PS. Natürlich nutzt Civilised Money Social Media. Aber Social Media ist nicht der Zweck. Allenfalls ein notwendiges Mittel zu diesem Zweck.

Ich war in Griechenland: Gedanken teil 1


Ich war in Griechenland

Mal nach der Finanzkrise schauen. Genauer gesagt: Ich war auf der Sonneninsel Rhodos, welche wir, der Mythologie nach, dem griechischen Gott Helios zu verdanken haben. Und weil Helios der Sonnengott war, scheint auf Rhodos an 260 von 365 Tagen die Sonne. Da die gesamte Zeit meines kurzen Aufenthalts von 10 Tagen die Sonne schien, macht Helios offenbar einen guten Job. Endlich mal ein Grieche, auf den die anderen Europäer und die Vertreter der Weltwirtschaft nicht mit dem Finger deuten können, um ihm die Schuld zu geben.

Wobei  es vielleicht ja sogar besser wäre, wenn man einem Gott die Schuld an dem ganzen Desaster geben könnte. Vielleicht werden die Reiseführer in einigen hundert oder tausend Jahren – falls der Mensch noch so lange auf diesem Planeten verweilen darf – aber auch von einem Gott oder gottähnlichen Gebilden, die man dann Kapitalismus, Euro oder  vielleicht auch Corporatismus nennt, als Mythologien unserer Zeit sprechen. Corporatismus meint  hier übrigens die Tatsache, dass Menschen immer stärker nach unternehmerischen Logiken handeln, auf die Sie von Staaten und Unternehmen über Jahrhunderte zugerichtet wurden. Social Media scheint dabei nur eine weitere Stufe der Vereinzelung und Individualisierung zu sein, welche die Menschen eher  weiter trennt, als sie wieder in soziale Zusammenhänge einzubinden.

Ich war also in Griechenland…

und habe dort Costas, Nikos und Wassily kennengelernt. Drei Mitarbeiter des Hotels, in welchem wir gewohnt haben. Drei Menschen die – und das ist nicht gelogen – mindestens sechs Tage in der Woche von 8.00 Uhr bis 22.00 Uhr abends gearbeitet haben. Wir trafen Sie morgens beim Frühstück, zum Mittagessen und zum Abendessen. Und wir haben uns angefreundet. Irgendwie fühlt man sich nicht besonders gut, wenn man die Menschen hinter dem Wort sieht, welches von morgens bis abends unsere Nachrichten bestimmt. Die Griechenlandkrise, das böse Griechenland und die bösen Griechen. Dabei ist die Griechenlandkrise doch auch nur eine Staaten und Bankenkrise, die eigentlich damit begann, dass Maggie Thatcher, Clinton und auch Schröder den Banken freie Hand gaben und ihnen Möglichkeiten und Aufgaben zuteilten, die sie vorher nie zuvor hatten. Die Betonung liegt auf Staaten-  und Bankenkrise, denn diese sind untrennbar miteinander verbunden und feuern sich gegenseitig an. Eigentlich handelt es sich um eine Systemkrise. Krisen gehen normalerweise auch irgendwann einmal vorbei. Weshalb wir eigentlich auch nicht mehr von Krise sprechen dürften.

Griechenland blickt auf eine lange und abwechslungsreiche Geschichte zurück. Das Land verfügt über eine gewachsene Kultur, die im Rahmen der Europäisierung auch unter dem Motor der Vereinheitlichung leidet. Alles wird gleich, von allen Menschen wird das gleiche Verhalten verlangt. So gleichen spanische, griechische, italienische und auch deutsche Innenstädte wie ein Ei dem anderen. Überall  die gleichen Geschäfte. Bezahlt werden, muss überall mit dem Euro und auch Service Qualität und Freundlichkeit bzw. Unfreundlichkeit gleichen sich an. Dabei kann man aus den Griechen keine Deutschen machen und aus Deutschen keine Griechen. Ich wünsche mir, dass Costas, Nikos und Wassily so bleiben wie sie sind. Lassen wir uns von Staat, Politik, Institutionen und Unternehmen als Menschen nicht weiter auseinander definieren. Das der Mensch immer Sündenböcke benennen muss, um Geschehnisse zur rationalisieren und diesen auch die Bedrohlichkeit zu nehmen, ist hinlänglich bekannt und wissenschaftlich bewiesen. Dieses Spiel sollten wir aber nicht weiter mitspielen. Stattdessen sollten wir unsere Fähigkeit zur Differenzierung und zur Kontingenz schärfen, um unsere Abhängigkeit von Organisationen, Institutionen und Unternehmen zu reduzieren.

Seit Donnerstag bin ich wieder in Deutschland

Der Temperatursturz von 20 Grad hat mir eine Erkältung beschert. Auf dem Bus vom Flughafen zu meiner Wohnung, gab es dann direkt eine Lehrstunde Deutschland. Dann die Nachrichten im TV und ein Fußballspiel. Ach wäre ich doch in Griechenland geblieben.

Technologische Herausforderungen


Menschliche Technologien

Zwei von mir sehr geschätzte Finance Experten haben sich in den letzten Wochen mit den technologischen Herausforderungen für Banken beschäftigt. Der eine war Chris Skinner der andere Ron Shelvin, der sich noch dazu mit den technologischen Herausfoderungen für
Genossenschaftsbanken (USA Credit Unions) auseinandersetzte.

Bevor ich kurz auf diese Trends, die sicherlich auch für deutsche Finanzunternehmen interessant und relevant sind, eingehe möchte ich aber vorwegschicken, dass technologische Entwicklungen sich an den Interessen und Bedürfnissen der Menschen und vor allem der Kunden von Banken zu orientieren haben. Deshalb besteht für mich die wichtigste und sicherlich gar nicht so einfache Herausforderung darin das Kundenerlebnis und nicht die eigenen Interessen in den Vordergrund zu stellen. Zukunftstechnologien helfen Menschen dabei ihr Leben zu vereinfachen und zu verbessern und berücksichtigen dabei auch Auswirkungen auf die Umwelt und zwar langfristig betrachte. Ein BMW mit 500 PS würde vielleicht einigen Menschen eine Freude machen, solange dieser aber z.B. in seiner Ökobilanz nicht zumindest neutral wirkt, haben wir dadurch keine Zukunftstechnologie vorliegen.

Eine weitere wichtige technologische Herausforderung ist Offenheit. Einerseits werden Banken die Möglichkeit vorsehen müssen offene Schnittstellen anzubieten, damit sie schneller auf Marktveränderungen reagieren können und die Innovationskraft von nicht Banken oder sogar ihren Kunden nutzen zu können. Aktive Teilnahme muss also von Anfang an vorgesehen sein. Offenheit bedeutet darüber hinaus in den Technologien keine versteckten (Beratungs-)regeln zu hinterlegen, die sich vom Verbraucher nicht durchschauen lassen. Der normale Bankkunde muss die Anwendungen selbstständig ohne Handbuch verstehen können, um so z.B. auch den Wert eines solchen Angebotes erfassen zu können. Denn warum sollte er dafür bezahlen, wenn er keinen Mehrwert erkennen kann.

Sehr eng mit Offenheit in Verbindung steht dann eine dritte Eigenschaft: Einfachheit! Die Nutzung der Technologien sollte kinderleicht sein. Wenn ich mir z.B. das Online Banking so mancher Bank anschaue, dann besteht hier noch sehr viel Nachholbedarf. Um so weniger verständlich erscheint es mir dann noch, dass mobile Anwendungen (z.B mobile banking) dann häufig einfach Adaptationen des klassischen Bankings sind. Ohne Mehrwerte und ohne Berücksichtigung der zusätzlichen Möglichkeiten.

Was chris skinner erwartet

More social media developments as firms like Foursquare, Groupon and Quora add functionalities not seen before;

Welche Chancen in diesen Diensten für lokale Banken stecken, bleibt abzuwarten. Diese Dienste sind ja noch in einer sehr frühen Phase. In jedem Fall wird lokales Marketing dadurch noch einfacher und Quara deutet an, wie sich Online Kundenservice verändern könnte

More bank mobile apps, with clever structures and device-specific security;

In Sachen Apps gibt es viel Potential, vor allen dann, wenn man beginnt nach wirklich sinnvollen und originären Anwendungen für Kunden zu suchen. Bisher wurden Apps ja offensichtlich nur deshalb angeboten, weil es einfach modern war. Die App Euphorie der Kunden normalisiert sich allerdings inzwischen und es wird zumindest tendentiell nur noch das genutzt werden, was einen wirklichen Mehrwert bietet.

The creation of new retail payments structures, as Apple and Google get into mobile payment wallets and PayPal and Facebook push credits to the extreme;

Google hat eine ewallet angekündigt. In Sachen Bezahlverfahren wird sich einiges ändern und wenn Apple und google etwas anbieten, dann ist dies immer Nutzer orientiert. Es wird spannend werden welche Banken hier mitspielen können oder ob sie nur Zuschauer bleiben.

The maturing usage of internet and mobile television, along with video communications for dialogue on the move;

Der Kontakt zum Bankmitarbeiter mittels Videokonfernzen von jedem Ort aus? Ist das ein Modell für alle Banken oder sogar speziell eine Chance für die lokalen Banken? Was bei all diesen Möglichkeiten aber nicht vergessen werden sollte, ist die Tatsache, dass Service zukünftig in allen Kanälen gleich gut sein sollte. Es wäre falsch  aufgrund technologischer Euphorie die klassischen Kanäle und Vorgehensweisen zu vernachlässigen. Auch in der Filiale sollte der Kundenberater sein freundliches Lächeln nicht verlieren und wer als Bank bei Facebook ist, sollte seine Homepage nicht vernachlässigen.

Cloud computing becoming acceptable as a service for financial applications;

Das ist ein besonders schwieriges Thema für die Banken. Aus Kostengründen sinnvoll. In Sachen Sicherheit würden dadurch viele klassischen Legitimationsfassaden einstürzen. Aber Banken könnten durch die Bereitstellung der Cloud auch neue Dienstleistungen anbieten, denn schließlich vertraut man ihnen in Sachen Sicherheit noch. Und irgendwie ist mein Online Banking ja ohnehin schon in der Cloud.

Major investments in creating agile infrastructures and platforms to respond to regulatory requirements.

Ist ja eigentlich das Standardgeschäft der Banken. In jedem Fall werden dadurch viele finanzielle und personelle Ressourcen gebunden werden. Was wiederum dazu führt, dass die Entwicklung sozial technologischer Innovationen im Banking, wohl den Nicht Bank Konkurrenten überlassen werden müssen. Hier scheint sich ein Dilemma aufzutun.

Der ganze Artikel von Chris Skinner
http://thefinanser.co.uk/fsclub/2011/01/six-key-technology-developments-for-banks-in-2011.html

DAS Sagt Ron Shelvin

Financial advice and guidance. To date, many member-facing technologies have focused on things like checking account balances, bill pay, and to a lesser extent, customer service. In other words, member-facing technologies have been predominantly account focused and transaction-oriented. The future is about advice and guidance — helping members understand how they’re doing regarding financial lives and making smarter decisions about their financial lives.  Technologies like PFM tools will evolve beyond budgeting and charting tools to become a platform for engaging members, and providing advice and guidance.

Hier liegt sicherlich eine Erwartung, die es an genossenschaftliche Banken und auch an Sparkassen zu stellen gibt. Beide Bankengruppen haben ja ohnehin den Status fast schon behördlicher und damit auch sozial verantwortlicher Unternehmen. Mit ihrer traditionellen Nähe zu reginonalen Einrichtungen und auch zu Schulen werden sie dort ja ohnehin schon in der Vermittlung von Wissen aktiv.
Diese Rolle können und sollten Sie auch im Rahmen der technologischen Entwicklungen stärker nutzen. Anwendungen, die Menschen einfach und verständlich in Finanzthemen einführen und die darüber hinaus eine fast schon automatische und intuitive Überwachung und Weiterentwicklung der eigenen Finanzsituation ermöglichen, sollten hier deshalb wirklich ganz oben auf der Agenda stehen

Social networking integration. Credit unions that focus exclusively on what to do with Facebook and/or Twitter will miss the boat. The future of member-facing technologies is about integrating social media tools and technologies into existing processes and sites.

Immer mehr Banken sind ja inzwischen bei Facebook und auch auf twitter zu finden. Die meisten haben allerdings noch keinen Weg gefunden twitter sinnvoll anzuwenden. Dies liegt möglicherweise daran, dass twitter vom Sendemechanismus noch viel weiter entfernt ist als Facebook. Richtig nachhaltige Communities findet man allerdings auch noch nicht so häufig. Von der  Integration in vorhandene Strukturen und Prozesse ist man hierzulande noch meilenweit entfernt. Da ist man in den USA sicher schon weiter. Schon bei der Integration der verschiedenen Online Medien gibt es Nachholbedarf, zumal man immer dazu neigt, dann etwas anderes zu vernachlässigen. Außerdem ist an den Aktivitäten meistens sehr leicht erkennbar, dass es keine Integration bzw. noch nicht mal eine Verbindung zu den anderen Kanälen und Abteilungen gibt.

Purely mobile apps. Providing existing capabilities like account access and bill pay through mobile devices is certainly needed, but the big opportunity for credit unions will come in the form of what Aite Group calls “purely mobile” apps — capabilities like location awareness, augmented reality, and mobile payments that are only available in the mobile channel.

Es gibt sie noch nicht und ich bin gespannt wann und von wem die erste kommen wird. Wir sind nun einmal dazu verdammt alles Neue aus den Augen des Alten zu betrachten

Der ganze Artikel von Ron Shelvin
http://marketingteaparty.com/2010/12/20/the-future-of-member-facing-technologies-in-credit-unions/

Welche technologischen Herausforderungen erwarten Sie? Und wie sind die Banken aufgestellt?