Stilfragen: Mehr als Geld und Zinsen


Banking mit Stil

Die Finanzbranche hat mehr zu bieten als nur Geld und Zinsen. Spätestens seit 2007 erfreut, belustigt und frustriert sie uns durch tägliche Schlagzeilen in allen Medien. Das in dieser Branche aber vor allem Menschen tätig sind, die wie wir alle auch aus Fleisch und Blut bestehen vergessen wir dabei häufig.Und diese Menschen interessieren sich für ganz viele Dinge und Themen, die jeden von uns antreiben. Zum Beispiel auch für Mode, Musik, Kunst, Literatur und andere ganz normale Erfindungen des menschliches Geistes. In meiner neuen RUBRIK Stilfragen geht es ab sofort vor allem um Mode und Musik. Wie sollte sich ein Banker kleiden? Welche Kleidung führt zum Erfolg? Hören Banker Mozart, Rammstein oder Heino? Machen Kleider wirklich Leute und findet Innovation, die diesen Blog ja umtreibt, auch bei diesen nicht unwichtigen Alltagsfragen statt?

Den Anfang macht ein Interview mit einem jungen Bankmitarbeiter einer Volksbank. Wer sich hier zukünftig einbringen möchte, der ist hiermit eingeladen sich zu beteiligen.

Also Bühne frei für Alexander Weinmann

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1.) Welche Kleidung trägt man als Mitarbeiter einer Bank?

Es fällt schwer, hier eine pauschale Aussage zu treffen. Das hängt grundsätzlich von der Aufgabe ab, die man im Unternehmen erfüllt. Wer mit Kunden oder Geschäftspartner zu tun hat, sollte nicht nur fachlich, sondern auch outfittechnisch überzeugen. Dabei sollte man immer beachten, wer der Gegenüber ist. Wer überwiegend mit jungen Menschen zusammenarbeitet darf gerne locker auftreten. Eine farbige Chino, ein Hemd und ein legeres Sakko reichen hier völlig aus. Bei Terminen mit institutionellen Kunden oder in Meetings mit dem Vorstand hingegen bietet sich ein klassisches Outfit an. Mit einem dunklen Anzug, einem hellen Hemd und einer unauffälligen Krawatte macht man hier nichts falsch. Wichtig ist, dass das Outfit nicht aufgesetzt wirkt. Wer sich in einen ungeliebten Zwirn zwängt, dem sieht man das auch an.

2.) Ist Kleidung wichtig? Ich meine: Machen Kleider Leute?

Auf jeden Fall. Für einen Sternekoch gilt das Motto: “Das Auge isst mit” – das übertrage ich auch gerne auf das äußere Erscheinungsbild. Gut gekleidet zu sein hat enorme Wirkung auf Freunde, Kunden und Kollegen. Es wirkt einfach professionell und rundet den perfekten Auftritt ab. Darüber hinaus hilft das richtige Outfit, das Selbstbewusstsein zu stärken.

3.) Wie würdest Du Deine Kleidungsstil beschreiben?

Stilsicher, elegant und modern.

4. ) Darfst Du Dich so in der Bank kleiden oder denkst Du selber, dass in der Bank sowas nicht getragen werden sollte?

Das klassische Bild des Bankers wird durch Anzug, Hemd und Krawatte geprägt. Dieses Verständnis gilt in vielen Häusern auch als Regel i.S. Dresscode. Ich breche gerne auch mal das ein oder andere Tabu. Fliege statt Krawatte, bunte Akzente durch Einstecktücher und Socken, hellgraue Schuhe, Armbänder. Das fällt den Leuten positiv auf.

5. ) Was hast Du Dir zuletzt gekauft und was ist Dein aktuelles Lieblingskleidungsstück?

Cognacfarbene Derby-Shoes aus Glattleder mit blauen Schnürsenkeln. Mein Lieblingsstück ist ein knallrotes Sakko, italienisch geschnitten.

6.) Welches Accessoire braucht der Mann in diesem Sommer! Also falls der Sommer noch kommt?

Aktuell geht nichts über bunte Socken. Ich persönlich bevorzuge einfarbige Socken in kräftigen, warmen Farbtönen wie rot oder orange.

7.) Dein Statement zu Mode und Musik?

Zwei Begriffe, die sich sehr ähnlich sind und auf jeden Fall in einem Atemzug genannt werden dürfen. Mode ist ebenso vielseitig und individuell wie die Musik. Jeder hat einen Stil, den er bevorzugt. In Sachen Musik empfehle ich das aktuelle Brett vor dem Herrn “So Good to Me” von Chris Malinchak.

8.) Wo kaufst Du ein und wie viel gibst Du für Mode aus?

In der Regel online. Absolut empfehlen kann ich http://www.asos.de. Hier gibt es Anzüge, Hemden und unzählige Accessoires in den jeweils angesagten Farben und Formen der Saison. Und das zu unvergleichbaren Preisen! Ich schätze, dass meine monatlichen Ausgaben für Bekleidung im Schnitt bei 150€ liegen.

9.) Ist modische Kleidung männlich? Ich meine: Sollten Männer nicht lieber auf modische Kleidung und Shopping verzichten?

Mode und Männlichkeit schließen sich keinesfalls aus! Im Gegenteil: Mode ist männlicher denn je! Das lassen vor allem Designer in ihren Storekonzepten und mehrmals jährlich wechselnden Kollektionen erkennen. Hier liegt ein enorm hoher Fokus auf dem männlichen Geschlecht. Wer sich in Sachen Outfit übrigens gerne inspirieren lassen möchte, dem empfehle ich zwei Großmeister in Sachen Stil: Nick Wooster und Lapo Elkann.

10.) Was hast Du sonst noch auf dem Herzen? Gib meinen Lesern eine Message!

Bei Mode gilt eine wichtige Regel: Authentizität. Man(n) muss sich in seiner Kleidung in erster Linie wohl fühlen und darf nicht künstlich wirken.

Zu meiner Person:

Mein Name ist Alexander Weinmann. Ich bin Bankkaufmann, Student und bekennender Schuhliebhaber aus dem Westerwald. In meiner Freizeit beschäftige ich mich überwiegend mit Technik und Mode. Somit bin ich über die neuesten Trends immer bestens informiert und meinen Mitmenschen stets ein guter Ratgeber.

Volksbank Bühl:Eine Innovationswerkstatt im Interview (Teil I)


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Inzwischen kenne ich alle Mitarbeiter der Bühler Innovationswerkstatt. Zuletzt habe ich einige zusammen mit dem Vorstand Herrn Claus Preiss auf der republica2013 getroffen. Sozusagen auf Innovations Expedition. Eine solche Gelegenheit darf man nicht verstreichen lassen. Finance20 stellte einfach mal einige Fragen, denn schließlich ist es nicht alltäglich, was da in Bühl passiert.

Ich kenne ehrlich gesagt überhaupt keine Bank, die sich so umfassend mit der Beobachtung von Veränderungen im Bankenmarkt beschäftigt. Noch dazu basierend auf der Motivation und Kreativität junger Mitarbeiter. Nahezu im Eigenbetrieb. Wenn man dann noch rekapituliert, wohin sich die Aktivitäten bis hierhin entwickelt haben, dann könnte man sagen: Die Volksbank Bühl hat ein junges Team von Entrepreneuren und kultiviert eine neue Art von Mitarbeiterkultur. Da fragt man sich doch, ob man in diese Mitarbeiter nicht investieren könnte. Investition in Humankapital zum Beispiel über crowdfunding. Aber das ist eine ganz andere Sache. Lesen Sie nun spannende Antworten auf Finance20 Fragen. 

Finance20: Was ist eigentlich eine Innovationswerkstatt?

FSW: Unsere InnovationsWerkstatt ist ein interdisziplinäres Team von 10 Kolleginnen und Kollegen aus unterschiedlichen Fachbereichen.

Age: Wir sind eine Truppe interessierter und neugieriger Menschen, die durch ihre unterschiedlichen Interessen und Sichtweisen einen tollen Mix ergeben.

MTJ: Und trotz der unterschiedlichen Aufgabenbereiche jedes einzelnen, sind wir mittlerweile als Innovationswerkstatt ein Teil des Organigramms der Volksbank Bühl.

 Finance20: Und warum hat eine Bank eine Innovationswerkstatt?

FSW: Kurz gesagt, um auf dem Laufenden zu bleiben und innovative Projekte umzusetzen.

BOJ: Je innovativer ein Unternehmen ist, desto stabiler und profitabler kann es agieren. Die InnovationsWerkstatt ist ein Teil davon: Wir halten die Augen für Trends, neue Dienstleistungen, innovative Geschäftsmodelle, etc. offen und tragen so andere Sicht- und Denkweisen in die Bank hinein.

FG: Oder wie Dieter Zetsche (CEO Daimler) sagte: “Es ist immer klug Teil der Veränderung zu sein! “

 Finance20: Was macht die Innovationswerkstatt?

FSW: Die InnovationsWerkstatt identifiziert und bewertet Trends für die Volksbank Bühl und überlegt, wie wir diese Trends für uns nutzen bzw. wie wir daraus resultierende Risiken abwehren können. Darüber hinaus ist die InnovationsWerkstatt ein Team von qualifizierten Nachwuchskräften – es geht also auch ein bisschen um Personalentwicklung. Die Arbeit der InnovationsWerkstatt findet größtenteils außerhalb der “normalen” Arbeitszeit statt.

Age: In unseren regelmäßigen Treffen bewerten wir Neues und können dabei richtig diskutieren. Wir gewinnen nicht nur über das Lesen von Fachblogs neue Eindrücke, sondern besuchen auch Messen und Veranstaltungen, die unseren Horizont erweitern. Wie eben in der vergangenen Woche die re:publica 2013. Jeder nimmt dabei die für ihn besonderen Themen zur weiteren Verarbeitung mit. Außerdem sehen wir es als unsere Aufgabe unseren Mitarbeitern Innovationen und Trends ein Stück verständlicher und greifbarer zu gestalten. Wir versuchen den Durchblick zu behalten und unsere Mitarbeiter, Kunden und die Bank davon profitieren zu lassen.

Zi: Die InnovationsWerkstatt bietet auch intern Mitarbeiterschulungen und extern Vorträge zu den Themen: Bank 2.0, Social Media, Innovationsmanagement, Enterprise 2.0 und Employer Branding an. Diese können entweder als Präsenzveranstaltung oder als Webinar in Anspruch genommen werden. Zudem haben wir ein breites Repertoire an Kreativitätstechniken und Workshopmethoden zur Entwicklung innovativer Ansätze und Konzepte im Programm.

Finance20: Warum beschäftigt ihr euch mit so hohem Engagement auch außerhalb eurer Arbeitszeit mit Innovation?

MTJ: Zum einen um die neuestens Trends nicht zu verpassen und zum anderen, weil es einfach Spaß macht! Zudem sehe ich es auch als sehr wichtig für meine persönliche Entwicklung bei der Volksbank Bühl. Neben meinem Stipendium zum Bachelor of Management & Finance werden einem Türen zu innovativen Messen und einem außerordentlich interessanten Netzwerk ermöglicht.

Zi: Alles ändert sich und das ständig und vor allem immer schneller. Um am Ball zu bleiben, ist die InnovationsWerkstatt mit ihrer heterogenen Zusammensetzung ein ideales Umfeld. Außerdem wird durch viele Anwendungen auf die wir bei unseren Recherchen stoßen, auch vieles einfacher bzw. effektiver und oft überhaupt auch erst möglich. Und dann sind da noch die Neugier auf alles Neue und ein gewisser Spieltrieb, die sich regelmäßig einstellen.

FG: Ich habe hier die Möglichkeit meine Interessen wie Psychologie, Wirtschaft und Kommunikation mit Social Media zu verknüpfen. Gleichzeitig übernehme ich im Team Verantwortung und kann die Zukunft der Volksbank Bühl aktiv mitgestalten.

Age: Am Anfang mag es für einen selbst viel zu viel sein, aber mit der Zeit und Kontinuität über die Arbeitszeit hinaus daran zu arbeiten und sein Spektrum zu erweitern, bringt für alle Beteiligten nur Vorteile mit sich. Zudem spürt man selbst wie die Identifikation mit dem eigenen Unternehmen wächst und alles mehr Spaß macht. Wir spüren alle die Anerkennung, die uns zuteil wird.

MM: Die Innovationen warten nicht auf uns :-) Wenn wir da nicht am Ball bleiben, bleiben wir auf der Strecke. Da wir nicht nur national sondern auch international Trends beobachten, gibt es schon alleine durch die Zeitverschiebung auch außerhalb der Arbeitszeit Neues zu entdecken.

Finance20: Glaubt Ihr, dass sich Banken verändern müssen und Ihr dazu etwas beitragen könnt?

ht: Jede Branche muss sich verändern bzw. weiterentwickeln, dazu gehören auch Banken. Mit Nokia und Kodak gibt es zwei gute Beispiele, wie es etablierten Firmen ergehen kann, wenn man dies vernachlässigt.

Age: Definitiv. Wer will schon als verstaubt gelten.

BOJ: Ich glaube es nicht nur, ich weiß es :). Veränderung ist essentiell, das hat man in den letzten Jahren sehr deutlich gesehen. Auch unsere Kunden verändern sich. Wir wollen für sie immer die Nummer 1 bleiben und können dazu meiner Meinung nach sehr viel beitragen und gestalten.

Lesen Sie am kommenden Montag den 27.05. den zweiten Teil dieses Interviews

 Das waren meine Gesprächspartner

Franz Sebastian Welter
Meike Boj
Maik Jost
Frank Gutknecht
Michael Merkel
Thomas Hochfeld
Wibke Ziegler
Anja Gempler
Madlen Fischer

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Volksbank Bühl im Interview

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Ein Interview

Ab und zu gehe ich auch auf Reisen. Zum Beispiel wenn ich zu einem Vortrag eingeladen werde oder einen Workshop durchführe. Zusammen mit Franz Welter von der Volksbank Bühl bin ich regelmässig bei der ADG in Montabaur mit einem “Social Media Workshop” präsent. Am Rande des fünften Workshops, der am Montag und Dienstag stattfand, haben wir einige Fragen von Thorsten Hahn vom Banking Club beantwortet. Hier ist das Video.

Oder direkt den Bankingclub Blog besuchen, der immer einen Besuch wert ist.

Ein Vortrag

Am 08. Juni weilte ich in Amsterdam auf der Veranstaltung “Next Level in Social Media“. Die Einladung zu dieser Veranstaltung habe ich Christopher Langlois vom herausragenden Social Media und Finance Blog Visible Banking zu verdanken. Wer wissen will, welche Bank Social Media nutzt und wie sie das tut, der sollte regelmässig dort vorbeischauen.  Mein kleiner Vortrag in englischer Sprache stellte einerseits die Aktivitäten innerhalb unserer Bankengruppe vor und beschäftigte sich mit den zukünftigen Herausforderungen. Daneben ging es um Fragen wie:

  • Wie überzeuge ich den Vorstand
  • Unterschiede zwischen B2B und B2C
  • Hemmnisse innerhalb der Banken
  • Besondere Herausforderungen

In der sich anschliessenden sehr spannenden Diskussion wurde dann auch die Frage geklärt, warum mein twitter Namen @electrouncle heisst. Vielen Dank nochmal an Christopher Langlois für die Einladung und Danke an den Veranstalter für die sehr freundliche Aufnahme. Sehr interessant waren übrigens auch die Pausengespräche und die Vorträge der anderen Sprecher. Wobei vor allem der Ansatz der Rabobank interessant und lehrreich war.

Volksbank Bühl im Finance2.0 Interview


Ein paar Worte vor dem Interview

Die Volksbank Bühl war die erste der Volksbanken Raiffeisenbanken, die sich mit dem sozialen Internet auseinandergesetzt und sich dann Schritt für Schritt tiefer in die digitalen Logiken hineinbewegt hat. Das soziale Internet hat dabei die ganze Bank ergriffen und auch ein Stück weit verändert. Heute lernen nicht nur genossenschaftliche Banken von den Fortschritten und Erfahrungen der Volksbank Bühl.

Der Mut und die Kraft Veränderungen in Bewegung zu bringen und zuzulassen, erfordert immer auch besondere Persönlichkeiten, welche das Alte hinterfragen, das Neue behutsam propagieren und voran treiben und dabei noch die Fähigkeit besitzen, die anderen Menschen mitzunehmen und zu begeistern. Ich freue mich deshalb ganz besonders, dass sich mit Claus Preiss (Vorstand)  und Franz Welter (Teamleiter E-Business) die zwei Initiatoren und Motoren der – ich nenne sie mal – Bühler Bewegung, bereit erklärt haben, meine 6 Fragen mit Zusatzfrage zu beantworten.

Das Interview mit Claus Preiss und Franz Welter

1. Die Volksbank Bühl hat im vergangenen Jahr auf sich aufmerksam gemacht. Sie sind vielleicht die bekannteste Volksbank im Internet? Bitte erzählen Sie kurz, wie sich ihr Unternehmen durch die intensive Nutzung und Integration des sozialen Internets verändert hat.

Preiss: Ob wir die bekannteste Volksbank im Internet sind, sei mal dahingestellt. In jedem Fall hat die Nutzung sozialer Medien deutliche Auswirkungen auf unser Unternehmen. Nicht nur in Bezug auf organisatorische oder rechtliche Fragestellungen, sondern vielmehr noch in Bezug auf kulturelle Aspekte. Mitarbeiter vernetzen sich mit Kunden oder mit anderen Kollegen. Teilweise nutzen wir Social Media sogar schon in internen Projekten.

Welter: Mit dem Erfolg unserer Social Media Nutzung steigt auch die interne Akzeptanz dieser Medien. Immer mehr Mitarbeiter nutzen mittlerweile Facebook & Co. Es wird immer mehr zur Normalität sich mit Neuem außerhalb des Unternehmens (und des genossenschaftlichen FinanzVerbundes) zu beschäftigen.

2. Wie reagieren Mitarbeiter, Kunden und Shareholder auf Ihre Aktivitäten?

Welter: Wie ich eben schon erwähnte, die Akzeptanz steigt kontinuierlich. Unsere Facebook-Spendenaktion hat ein überwältigendes Echo bei uns in der Region ausgelöst. Immer mehr Mitarbeiter sind davon überzeugt, dass wir mit unserer Social Media Nutzung den richtigen Weg gehen. Und auch von unseren Kunden bekommen wir ein tolles Feedback zu unserer Social Media Nutzung.

Preiss: Auch bei unseren Geschäftspartnern stoßen unsere Aktivitäten auf reges Interesse. Fast täglich erhalten wir Anrufe zu unserer Social Media Strategie. Wir begrüßen die Vernetzung im genossenschaftlichen FinanzVerbund und wollen diese weiter fördern. Letztes Jahr haben wir das erste Barcamp im genossenschaftlichen Verbund organisiert. Das Barcamp kam super an und der zweite Termin steht schon fest. Die sozialen Medien fördern also auch die Selbstorganisation und Vernetzung im genossenschaftlichen FinanzVerbund.

3. Was ist aus Ihrer Sicht der wesentlichste Aspekt von Social Media? Wo zahlt es sich am meisten aus?

Preiss: Soziale Medien sind für uns in erster Linie ein Kommunikationsinstrument. Wir nutzen die Chance, unseren Wettbewerbsvorteil – die Nähe zur Region und die Beziehung, die wir mit unseren Kunden pflegen – auf das Internet zu übertragen. Natürlich präsentiert man sich durch die Nutzung dieser Medien auch als innovatives und offenes Unternehmen.

Welter: Ich betrachte Social Media mittlerweile als ein Instrument zur Steigerung der Lernfähigkeit von Unternehmen. Man bekommt viel direktes Feedback von Kunden und unglaublich viele Ideen durch die Kontakte in den sozialen Netzwerken sowie dem regelmäßigen Lesen von Blogs & Co. Ich glaube, wenn wir es schaffen diese Ideen in unser Unternehmen einfließen zu lassen und Kunden und Mitglieder in verschiedene Prozesse zu integrieren, können wir sehr zuversichtlich in die Zukunft schauen.

4. Wie abhängig ist Social Media von Personen?

Preiss: Ich denke schon dass die Nutzung auch von Personen abhängig ist. Ein Großteil unserer Social Media Aktivitäten findet ja auch außerhalb der üblichen Arbeitszeit statt. Dabei geht es dann weniger um Dinge wie Social Media Monitoring oder administrative Tätigkeiten. Diese Aspekte werden schon während der Arbeitszeit erledigt. Aber für das Lesen von Blogs und Büchern bzw. dem Sammeln oder Entwickeln von Ideen ist während der Arbeitszeit häufig zu wenig Zeit. Wir sind uns aber bewusst, dass diese Tätigkeiten für die Zukunftsfähigkeit der Volksbank Bühl enorm wichtig sind.

Aus diesem Grund haben wir das Projekt „Internet & Innovation“ initiiert mit dem Ziel, Trends und Innovationen kontinuierlich zu beobachten und hinsichtlich einer Nutzung in der Volksbank Bühl zu bewerten. Den Großteil des Arbeitsaufwands erledigen die Projektmitarbeiter außerhalb der Arbeitszeiten. Dafür stellt ihnen die Bank iPads zur Verfügung, und sie dürfen Vorträge und Messen besuchen oder Fachbücher bestellen. Vor kurzem hat die Projektgruppe beispielsweise das Innovationsforum der GAD in Münster besucht. Im Januar ist ein Workshop zu Thema „Banking der Zukunft“ mit T-Systems Multimedia Solutions auf der Agenda und im April geht’s zur republica nach Berlin. Natürlich ist das Engagement der Mitarbeiter ein wesentlicher Erfolgsfaktor, aber die Bank muss auch die notwendigen Rahmenbedingungen zur Verfügung stellen.

Ab Anfang Februar ist übrigens ein Blog zu dem Projekt online: blog.volksbank-buehl.de

5. Messen Sie die Ergebnisse von Social Media? Kann man dies überhaupt?

Welter: Klar messen wir die Ergebnisse. In einem Rahmen, den wir für vernünftig halten. Wir messen z.B. die Reichweite unserer Beiträge, die Feedback-Rate sowie die Entwicklung der „Likes“ bzw. Follower.  Was wir nicht messen ist so etwas wie ein ROI für unsere Social Media Nutzung. Das ist meiner Meinung nach nicht wirklich sinnvoll. Wir betrachten Social Media ja in erster Linie als Kommunikationsinstrument und für andere Instrumente wie z.B. E-Mail oder das Telefon stellen wir auch keine ROI-Analysen auf.

6. Sie haben inzwischen auch einen eigenes Innovationsteam und einen Innovationsblog ins Leben gerufen. Was sind aus Ihrer Sicht die wesentlichen Herausforderungen für eine regionale Genossenschaftsbank in den nächsten 5 Jahren?

Welter: Technologische Entwicklungen, Demographischer Wandel, Bankendichte in Deutschland, regulatorische Anforderungen, sich wandelnde Kundenanforderungen… Diese Liste könnte nahezu unbegrenzt fortgeführt werden. Im Rahmen meiner Master Thesis beschäftige ich mich mit der Innovationsfähigkeit der Volksbank Bühl. Ich bin der Überzeugung, dass es in den nächsten 5 Jahren darauf ankommt, die richtigen Weichen zu stellen, um in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben.

Preiss: Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Innovation und Tradition – das wird in den nächsten Jahren wichtig sein. Das heißt für uns zum einen die Weiterentwicklung unserer Multikanalstrategie und eine kundenorientierte Prozessoptimierung in Kombination mit wettbewerbsfähigen Kostenstrukturen. Zum anderen bedeutet das aber auch zielgerichtete Investitionen in eine moderne Personalentwicklung als der wichtigste Erfolgsgarant für die Zukunft.

Die Zusatzfrage(n):

Was erreicht der Karlsruher SC in der Saison 2010/2011 noch? Und wo haben Sie sich zuletzt erholt?

Welter: Ich hoffe, dass der KSC nicht absteigt. Zuletzt „entspannt“ habe ich in New York im Rahmen meines Studiums…

Preiss: Ich wünsche dem KSC von Herzen einen Platz vor dem Relegationsplatz. Zuletzt erholt habe ich mich beim Ski-Fahren in der Schweiz.

Anmerkung: Auch der Autor dieses Blogs wünscht dem KSC das er nicht absteigt und hofft natürlich auch das sein eigener Lieblingsverein nicht absteigt

Die Volksbank Bühl in den sozialen Medien

http://www.volksbank-buehl.de/homepage/social_media0.html

und als Toparbeitgeber bei kununu

Last but not least auch im TV

Wie man Claus Preiss und Franz Welter auf twitter erreicht

@fsw

@claus_preiss

In diesem Zusammenhang habe ich übrigens heute festgestellt, dass Claus Preiss bei fourthsquare Mayor im Genohaus in Stuttgart ist. Das muss sich ändern :-)

Die Interviews aus dem letzten Jahr

finden Sie hier:

http://www.scribd.com/doc/46314339/Finance20-Interviews2010

7 Fragen und eine Zusatzfrage an einen (fast) Digital Native


Die Frage, wie das Mediennutzungsverhalten der jungen Menschen, die Entwicklung von Banken, deren zukünftige Kommunikations- und Vertriebswege und deren Arbeitswelt verändert, beschäftigt mich hier in letzter Zeit häufiger. Bevor es bald den zweiten Teil meines Artikels zur Generation Y gibt, er wird von der Arbeitswelt der Banken handeln, nun ein Interview mit einem jungen Mann, der in sechs spannenden Antworten beschreibt, welche Bedeutung das Internet in seinem Lebensalltag hat und welche Erwartungen er in diesem Zusammenhang an Banken stellt. Jochen Döring ist eigentlich vier Jahre zu alt, um definitorisch noch als Digital Native durchzugehen. Sein Internetverhalten ist allerdings eines Digital Natives durchaus würdig.
Hier gibt es mehr Informationen zu Jochen http://twitter.com/#!/jochendoering

 

Und jetzt geht es los:

1. Du gehörst zu den sogenannten Digital Natives. Bitte beschreibe mir, wie Du die digitalen Medien an einem typischen Tag nutzt?

Meine ersten Kontakt mit dem Netz hatte ich 1994 im Hochschulrechenzentrum meiner Heimatstadt, da erinnere ich mich noch an Wetterkarten die abgerufen habe. Durch meinen Bruder hatte ich dann (langsamen, analogen) Zugang über das Uninetz, seitdem bin ich online. 2003 bin ich in einer Kölner Onlineredaktion quer eingestiegen. Dort  hatte ich dann Kontakt zu Marketingthemen, habe mich weitergebildet und an verschieden Projekten gearbeitet, seit diesem Jahr arbeite ich freiberuflich. Aber nun zu meinem typischen Tag. Beim Frühstück checke ich die Nachrichteneingänge und News auf den üblichen Kanälen. Normalerweise läuft immer mein Desktop-Rechner, daneben nutze manchmal parallel einen Laptop und für unterwegs ein Smartphone. Daneben tickert twitter, das schalte ich aber auch gerne mal stumm. Auch Facebook ist im Hintergrund aktiv. Obendrein habe ich häufig noch ein Instant-Messaging-Dienst offen und tausche mich mit meinem Netzwerk aus. Da ich beruflich auch viel im Netz unterwegs bin, gibt da keine klare Trennung. Für einige Arbeiten nutze ich auch noch Dropbox als Cloud und kollaborative Plattformen. Im großen und ganzen bin ich immer vom Web umgeben, wenn ich es nicht bewusst abschalte.
2. Nutzt Du noch andere Medien und welche Bedeutung haben diese im Vergleich zu den digitalen Medien für Dich?

Andere Medien? Das hat radikal abgenommen die letzten Jahre, vor 15 Jahren hatte ich sogar mal eine Zeitung abonniert, heute lese ich vielleicht mal eine Sonntagsausgabe, wenn ich auf Reisen bin. Ab und zu kaufe ich auch mal eine Zeitschrift. Einen Fernseher besitze ich derzeit auch nicht, ebenso kein separates Radio. Nichtsdestotrotz finde ich Medien wichtig, die mir Inhalte anbieten, nach denen ich Inch sowieso schon suche, z. B. Radio statt Podscast. Einen festen Platz in meiner Mediennutzung hat noch das Buch aus Papier, ob ich das einmal gegen einen ausgereiften E-Book-Reader tauschen werde, weiß ich noch nicht. Musik habe ich auch lange nicht mehr von CD gehört, meinen MD-Player habe ich vor Jahren schon verschenkt und meine MCs stauben vor sich hin. Meine Musiksammlung ist fast komplett digitalisiert und neue Musik beziehe ich auch digital.
3. Was erwartest Du von Deiner Bank?

An erster Stelle Seriosität und Verlässlichkeit. Das Vertrauen in Banken hat in letzter Zeit natürlich gelitten, deshalb finde ich auch neue Ansätze wie smava interessant. Für den Zahlungsverkehr habe ich bisher keine Alternativen, da besteht ein klares Abhängigkeitsverhältnis.  Eigentlich kann ich nur die Leistungen vergleichen und gucken, ob es eine ‘ethics policy’ gibt, mit der ich Leben kann. Banken wie die GLS-Bank sind da sicher Vorreiter, alleine die Konditionen halten mich dann (bisher) doch ab. Eine gute Nutzbarkeit, vor allem beim Onlinebanking (benutze auch eine mobile App), ist mich wichtig, da habe ich schon einige lästige Überraschungen erlebt. Die Sicherheitstandards beim Onlinebanking sind auch entscheidend, da wundert doch  z. B., das viele Banken noch vierstellige numerische PINs zum anmelden vorgeben.
4. Soll diese so bleiben wie sie ist oder erwartest du diese auch in sozialen Netzwerken oder bei twitter treffen und ansprechen zu können?

Einen Gefällt-mir-Button für meinen Kontostand brauche ich sicher nicht;)  Wenn es Banken aber schaffen sollten, sich durch ihre Präsenz den Kunden gegenüber zu öffnen und eine ernsthafte Transparenz schaffen, dann wäre es doch ein Versuch wert. Zurzeit bin ich aber noch weit davon entfernt, mich mit einem klassischen Bankinstitut als Freund z. B. auf Facebook zu “befreunden”. Und wenn SM-Kanäle bedient werden, dann sollten sie auch bespielt werden, bei einer Anfrage zur Usability bei der Commerzbank habe ich schlicht keine Antwort erhalten, das bleibt natürlich negativ hängen. Grundsätzlich begrüße ich zusätzliche und unbürokratische Kanäle.
5. Wie sähe Dein bevorzugter Arbeitsplatz aus?
Idealerweise so: klare Strukturen und organisatorische Absprachen, echtes Teamplay, genug Freiheiten bei der Arbeitsgestaltung, flexible Arbeitszeitkonzepte und die Möglichkeit out-of-office zu arbeiten sowie attraktive Entwicklungsmöglichkeiten. Zudem ein zentrales Büro in einer Großstadt mit angenehmen ‘workspace’, das ich mitgestalten kann.
6. Wäre eine Bank ein potentieller Arbeitgeber und wenn nein – warum nicht?

Ja, warum denn nicht? Wenn es dort Arbeitsplätze gibt, wie ich sie eben beschrieben habe.
7. Wenn Dir ein anderes Unternehmen Finanzprodukte anbieten würde (z.B. Apple) würdest Du diese nutzen?

Eher nein. Angebote wie die z. B. die C&A Bank überzeugen mich nicht, da denke ich “Schuster bleib bei deinem Leisten”, da bin ich eher konservativ und vertraue eher etablierten Instituten. Bei Mikropayment sieht das etwas anders aus, ein vernünftiges Mikropayment-System (sicher, einfach und schnell) würde ich  z. B. auch von Apple nutzen.
Die Zusatzfrage:
Welchen Film hast Du zuletzt geschaut und welche Musik hörst Du gerade.

Tatsächlich: The Social Network. Musikalisch begleitet mich gerade “Wrong Shirt EP” von Till Krüger auf meinem Lieblingslabel “200 Records”

Hier die weiteren Interviews aus der Serie:

Die weiteren Interviews der Reihe

Marco Ripanti ( ekaabo GmbH, Yiid.com)

Katharina Beck (Institut für Social Banking)

Axel Liebetrau (Zufkunftsforscher und Managementberater)

Matthias Kröner (Fidorbank AG)

Thorsten Hahn (Banking Club)

Frank Kleinert ( Innovationsmanager bei einer Rechenzentrale)

Alexandre Janicki (Credible Finance)

Herr Carlo Bewersdorf (Asstel ProKunde)

Florian Schwarz und Florian Schwarzbauer (Die Bankonauten)

Marko Haschej (Raiffeisenbank Eberndorf)

Guido Augustin (Bürgschaftsbank Hessen)

Lothar Lochmaier (Social Banking 2.0)

Suitbert Monz (R+V)

Dr. Harald Meissner (Hochschulprofessor und Unternehmer)

Mustapha Behan (whofinance)

Axel Liebetrau und die 6 Fragen


via Flickr.Foto v. Püppilottchen

Mein Interviewpartner

Axel Liebetrau ist Experte für Innovation und Zukunft und er kennt sich gut aus mit Banken.  Was nicht weiter verwunderlich ist, wenn man auf seinen beruflichen und akademischen Weg schaut: Neben seinen 20 Jahren Praxiserfahrung als Banker, Trainer und Managementberater hat er eine fundierte akademische Ausbildung als Dipl. Betriebswirt (FH) und  MBA in International Management Consulting.

Auf Xing moderiert Axel Liebetrau die Gruppe Zukunftstrends in den Bereichen Banken, Versicherung und Rückversicherung und ich freue mich, dass ich hier seit einigen Tagen auch als Co – Moderator fungieren darf. Auch auf den Kundenveranstaltungen der VR NetWorld GmbH war Herr Liebetrau mit einem sehr Vortrag aktiv. Zusätzlich stellte er sich auch noch einem Video Interview welches ich auch nicht vorenthalten möchte. Ich stelle es dann morgen hier ein Und Herr Liebetrau wies mich zurecht darauf hin, dass aus den angedrohten sechs Fragen dann insgesamt 15 Fragen wurden, aber wer fällt schon auf die Überschriften von Artikeln oder auch die Titel von Fernsehsendungen rein?

Das Interview mit etwas mehr als 6 Fragen

Die Frage muss ich einfach stellen: Was ist eigentlich Zukunft?

Philosophen, Denker und Trend- und Zukunftsforscher haben seit Menschengedenken ihre Gedanken und Definitionen hierzu gemacht und die Literatur füllt ganze Bibliotheken. Ich will mich in diesem Blog allerdings nicht philosophisch, sondern eher nüchtern und pragmatisch einer möglichen Definition nähern. Nüchtern gesehen ist Zukunft die Zeit, welche subjektiv noch vor uns liegt. Pragmatisch gesehen, ist Zukunft ein Möglichkeitsraum, welchen wir gestalten können. Diese unternehmerisch geprägte Definition ist meine liebste Sichtweise auf die Zukunft.

Und wo wir schon einmal beim Thema sind. Was wird die Zukunft den Banken bringen? Wird es sie überhaupt noch geben?

Gestaltungsmöglichkeiten! Die Zukunft bringt den Banken und jedem anderen auch einen Möglichkeitsraum. Manche Unternehmer halten die Beschäftigung mit zukünftigen Gestaltungsmöglichkeiten für unnütz und abgehoben. Gerade das Erkennen der daraus resultierenden Chancen und Risiken ist eine unternehmerische Kernaufgabe. Im Grunde managen wir nicht die Zukunft, sondern unser Wissen über die Zukunft. Dies ist so real wie Produkte, Dienstleistungen und Kunden.

Ich bin fest davon überzeugt, dass wir in der Zukunft weiterhin Banken haben werden. Die zukünftige Bank in 20 Jahren wird allerdings genauso viel oder wenig mit der heutigen Bank gemeinsam haben wie die vergangene Bank vor 20 Jahren.

Zukunft klingt immer so weit weg? Wann denken Sie kommen welche Veränderungen auf die Finanzbranche zu?

Wir erleben gerade, wie One-Touch Applikationen (Apps) die Welt und natürlich auch die Finanzbranche verändern. In den Apps zeigt sich die Entwicklung zur smarten, informellen Technik – sie sind Vorläufer einer digitalen Sensualisierung und Modularisierung und repräsentieren im eigentlichen Sinne smarte Technologie. Deshalb ist es wahrscheinlich, dass Apps eine Art ästhetisches Grundraster für zukünftige digitale Nutzungen aller Art bilden werden. Ihre knappe und reduzierte Ästhetik lässt sie an die Oberflächen-Ikonographie der modernen Welt anschließen – an die Logos, Warnzeichen und Orientierungs-Symbole, wie sie in einer mobilen Welt entstanden sind. Apps werden über ihre Ursprungsgeräte hinauswachsen und „die Welt bevölkern“. In wenigen Jahren könnten auch komplexe Programmpakete aus Apps zusammengesetzt werden, in sogenannten „Nutzungswolken“, die man nach Bedarf selbst konfiguriert. Selbst Wände oder die Oberflächen von Häusern könnten dann Apps-ähnliche Bedienoberflächen tragen.

Wie können die vorhandenen Banken davon lernen und wer wird Gewinner oder auch Verlierer sein?

Was sich nicht von selbst erklärt, wird schnell ausgesondert oder verbessert. Apps lassen sich auf unser Finger-Kommando so auf dem Bildschirm arrangieren, dass eine kognitive Anordnung entsteht – wir bauen uns einen eigenen Werkzeugkasten, den wir deshalb beherrschen, weil wir als Nutzer die Ordnung herstellen. Auf diese Weise entsteht ein echtes Customizing – wir konfigurieren uns das Gerät individuell nach eigenen Bedürfnissen. Das uralte Versprechen – Banking wird einfach – wird nun endlich eingelöst.

Gewinner werden Banken sein, welche die neue Art von einfachen und selbsterklärenden Anwendungen verstehen und ihren Kunden anbieten. Verlierer werden Banken sein, welche weiterhin den bitteren Ernst der Prozess-Rationalisierung repräsentieren.

Von welchen Branchen können Finanzunternehmen lernen, um erfolgreich in die Zukunft gehen zu können? Welche Branchen sind eher negative Vorbilder?

Erfolgreiche Business-Beispiele zeigen es immer wieder: Ideen für Innovationen entstehen in den seltensten Fällen, wenn man sich nur mit der eigenen Branche beschäftigt. Innovationen und neue Ansätze finden jenseits der Branchengrenzen statt – im sogenannten „Crossing“ mit branchenfremden Trends. Eigentlich kann man aus jeder anderen Branche etwas lernen.

Banking ist ein Gut des täglichen Lebens. Die Lebensmittelbranche oder der Handel bedienen ebenfalls Bedürfnisse des täglichen Lebens. Hier genauer hinzuschauen macht Sinn für Banken. Negative Vorbilder sind ebenfalls gute Vorbilder zum Lernen für etwas, was man lieber nicht macht.

Wie oft waren Sie in den letzten 12 Monaten in einer Bankfiliale? Mit anderen Worten: Ist die Filiale ein Modell mit Zukunft? Und warum?

Oft – ich bin Unternehmer und habe Geschäftskonten. Hier habe ich einiges zu erledigen, was besser und schneller im persönlichen Gespräch abgewickelt wird. Als Privatkunde war ich nur einmal in der Filiale zur Altersvorsorgeberatung.

Ich erlebe in der Finanzbranche und vielen anderen Branchen eine Renaissance der Filiale. Die Filiale neu erfunden bleibt ein Zukunftsmodell. Die Filiale als DIE Plattform für Gespräche! Die Filiale kann ihre Stärken ausspielen, wenn man sich auf ihre ureigensten Wurzeln besinnt: Beratung, Individualität, Erreichbarkeit, Treffpunktcharakter und – letzten Endes – Verführungskunst. Das sind die Erfolgsfaktoren für die Filiale der Zukunft.

Die Zusatzfrage:

Bei welcher Bank sind Sie Kunde und wenn diese Bank vertont würde, wie würde sie klingen? Gibt es ein Musikstück, welches passen würde?

Aus sechs Fragen wurden mittlerweile fünfzehn! Aber OK – kein Problem!

Ich bin bei drei Banken Kunde – bei der Volksbank Kraichgau habe ich meine Hauptbankverbindung. Ich könnte mir einen Schlager neu interpretiert von Dieter Thomas Kuhn vorstellen. Ein Ohrwurm, bei welchem jeder irgendwie mitsingt, irgendwie uralt und irgendwie doch flippig modern.

Der Schlager?

Mehr zu meinem Interviewpartner

Hier gibt es mehr Informationen zu Axel Liebetrau

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Hier geht es zur von Axel Liebetrau moderierten Xing Gruppe

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Axel Liebetrau ist auch auf twitter

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Die weiteren Interviews zum nachlesen

Matthias Kröner (Fidorbank AG)

Thorsten Hahn (Banking Club)

Frank Kleinert ( Innovationsmanager bei einer Rechenzentrale)

Alexandre Janicki (Credible Finance)

Herr Carlo Bewersdorf (Asstel ProKunde)

Florian Schwarz und Florian Schwarzbauer (Die Bankonauten)

Marko Haschej (Raiffeisenbank Eberndorf)

Guido Augustin (Bürgschaftsbank Hessen)

Lothar Lochmaier (Social Banking 2.0)

Suitbert Monz (R+V)

Dr. Harald Meissner (Hochschulprofessor und Unternehmer)

Mustapha Behan (whofinance)

See you on Facebook

Sechs Fragen, eine Zusatzfrage und eine Videoantwort an und von Matthias Kröner


Eigentlich sollte das nächste Interview meiner kleinen Artikelserie gar nicht so kurzfristig erscheinen. Es gibt allerdings zum Glück einige wenige Unternehmen innerhalb der Finanzbranche, die schneller, kundenorientierter und innovativer sind als Andere.  Und solche Unternehmen können und wollen uns noch positiv überraschen. In diesem Fall wurde ich vom Tempo und der Form, in welcher die Fragen beantwortet wurden vollkommen überrascht. Die Qualität ist dagegen wie erwartet hoch. Für Kenner der Fidorbank eigentlich kein Wunder dass die Antworten schon im Youtube Channel der Fidorbank zu sehen waren, bevor ich heute überhaupt aufgestanden war (also beinahe).

Hier also noch mal mein ausgesprochener Dank an Matthias Kröner Vorstand der Fidorbank und natürlich an Yvonn Zimmer, welche die Fragen besser aussprach als ich dies je hätte tun können.

Und als kleines Dankeschön mein Lieblingslied von Supertramp

Sechs Fragen für Thorsten Hahn


Soziale Netzwerke sind keine neue Erfindung und deshalb ist die Fähigkeit neue Netzwerke zu knüpfen oder zu netwerken schon immer eine wesentliche Komponente von Erfolg gewesen.  Unter den Bedingungen des Internets nimmt die Bedeutung von Netzwerken weiter zu. In den Netzen liegt die Zukunft.

Profi Netzwerker wie Thorsten Hahn, den Erfinder des Banking Clubs sind deshalb gefragte Experten. Ich freue über sechs interessante Antworten und einen Kinotipp.

1. Sie betreiben  die größte  Xing Gruppe für Banker und sind sozusagen Profi Netzwerker.Wo liegen die Unterschiede zwischen Online und Offline Networking?

Wenn ich es hart formuliere gibt es keinen Unterschied. Online-Networking gibt es nicht. Für mich besteht mein Netzwerk aus allen Kontakten, die ich persönlich kenne. Das müssen keine intensiven Freundschaften und keine A-Kunden sein. Zu meinem Netzwerk zähle ich meinen Abi-Jahrgang ebenso, wie ehemalige Kollegen oder Menschen mit denen ich mich 15 Minuten bei einem Offline-Event ausgetauscht habe.
Dennoch bin ich ein Fan von Online-Communities, denn da kann ich die Kontakte knüpfen, die ich später gerne in mein Offline-Netzwerk einbinden möchte.

2. Gibt es goldene Regeln des “Networkings” und können Sie und einige nennen?

Auch die Sache mit den Regeln und der Pille, die ich nur schlucken muss und dann läuft das Networking von ganz alleine. Aber ja, es gibt ein paar Empfehlungen:

Sozial Kompetenz und kommunikative Fähigkeiten (zum Beispiel einen situativen SmallTalk hinbekommen können)

Networking ist keine plumpe Akquise

Networking ist ganz oft einfach mal zwei Kontakte miteinander in Verbindung zu bringen und sich nicht immer selber als Nutznießer sehen

3. Wie hat Social Media das “Networking” verändert?

Wie oben schon erwähnt, sind die Communities, die in den letzten Jahren entstanden sind, geniale Werkzeuge, um die Menschen zu identifizieren, die mich und meine Themen voranbringen können. Vor 10 Jahren zu sehen, welche Menschen hinter einer Gruppe von Rotariern stecken war ein schwieriges Unterfangen. Heute sind zu den unterschiedlichsten Themen die Leute sichtbar. Suche ich generelle Wirtschaftskontakte suche ich bei Xing oder Linkedin. Suche ich Banker, mache ich mich im BANKINGCLUB auf die Suche. Wichtig ist jedoch im zweiten Schritt, dass die Communities auch einen organisierten Offline-Zugang zu den Mitgliedern schaffen.

4. Sie sind ein Kenner der Bankenbranche. Was hat sich in den letzten zwei Jahren verändert?

Der schlimmste Teil meiner Antwort lautet, dass sich leider unser Image verschlechtert hat und das leider nicht immer zu Recht, denn die meisten Protagonisten in unserer Branche machen einen guten Job. Zum Glück nutzen einige Banken derzeit die Situation, um Themen wie Ethik, Social Banking, erneuerbare Energien oder soziale Verantwortung in den Vordergrund ihrer Aktivitäten stellen. Es sind oftmals noch kleine Pflänzchen, aber sie weisen den richtigen Weg. Und am Ende schaffen wir es dann auch wieder mit unserem Image!

5. Welche wesentlichen Themen und Trends werden die Zukunft der Bankenbranche bestimmen?

Finanzierung und damit auch Förderung von erneuerbaren Energien

Social Media Marketing und die Frage, wie die Banken deren Themen in Zukunft adressieren

Und ein Megatrend ist der gesamte Bereich “Mobile”. Bei Internetzahlsystemen haben die Banken schon ein wenig geschlafen. Aus meiner Sicht wird über die mobilen Geräte in den nächsten 10 Jahren ein wesentlicher Teil von Produkten und Dienstleistungen gekauft.

6. Wie sieht ihrer Meinung nach der Bankmanager der Zukunft aus?

Das kommt natürlich immer darauf an, für welche Bankgröße wir diesen Manager definieren. In jedem Fall braucht er gutes Händchen, die richtigen Leute um sich zu versammeln. Er selber wird die komplexen Themen von heute und morgen nicht alleine bewältigen. Risikomanagement, Compliance, Betrugsbekämpfung und Geldwäsche, die nächsten Rundschreiben der BaFin und dann noch drei neue regulatorische Anforderungen aus Berlin. Der Vertrieb muss laufen und Marketing und Kommunikation die nötigen Themen transportieren. Er braucht gute Leute bei der Kreditvergabe und Beziehungsmanager am Kunden. All diese Aufgaben schafft er nur, wenn er das richtige Auge für seine zweite und dritte Ebene hat, denn sein Führungsteam braucht ja die gleichen Fähigkeiten.

Da es zwischen den Bereichen immer wieder auch zu Konflikten kommen wird, ist er derjenige der Entscheidungen trifft und aus ausgleichend sein kann, also Moderator und harter Entscheider in einer Person.

Zudem vertritt er die Bank in der Gesellschaft nach außen und muss souverän im Umgang mit allen Stakeholdern sein.

Die eierlegende Wollmilchsau?

Und die Zusatzfrage

Welchen Kinofilm haben Sie zuletzt gesehen bzw. können Sie uns empfehlen?

Verblendung, ein spannender Start in die Millenium-Trilogie von Stieg Larsson. Allerdings muss ich sagen, dass das Buch, wie so oft noch spannender und noch detailreicher ist.

Die anderen Interviews der Reihe:

Frank Kleinert ( Innovationsmanager bei einer Rechenzentrale)

lexandre Janicki (Credible Finance)

Herr Carlo Bewersdorf (Asstel ProKunde)

Die Bankonauten

Marko Haschej (Raiffeisenbank Eberndorf)

Guido Augustin (Bürgschaftsbank Hessen)

Lothar Lochmaier (Social Banking 2.0)

Suitbert Monz (R+V)

Dr. Harald Meissner (Hochschulprofessor und Unternehmer)

Mustapha Behan (whofinance)

Frank Kleinert beantwortet 6 Fragen mit Zusatzfrage


Ich freue mich. Ja ich freue mich wirklich wieder 6 interessante Antworten auf meine 6 Fragen erhalten zu haben. Diesmal geht es um Innovationen innerhalb der Finanzbranche aus der Sicht von Unternehmen, welche Banken in erster Linie technische Infrastruktrur zur Verfügung stellen. Es handelt sich also sozusagen um das moderne technische Fundament von Bankdienstleistungen, welches Bankkunden und auch Bankmitarbeiter in der Regel wie selbstverständlich nutzen und dies häufig noch nicht einmal realisieren. Das ist wie mit den Straßen und Wegen auf denen wir uns mit unseren Fahrzeugen oder auch zu Fuss bewegen und deren reibungsloses Funktionieren wir in der Regel vorausssetzen können.

Also was kommt auf die Banken zu. Diesmal blicken wir von Innen nach Außen!

Mein Name ist Frank Kleinert und ich bin Mitarbeiter einer Rechenzentrale im Finanzdienstleistungssektor. Neben vielen anderen Leistungen die unser Unternehmen bietet, beobachten und erforschen wir Entwicklungen und Trends sowie die entsprechenden Auswirkungen auf die Gesellschaft und das Bankgeschäft.

Privat bin ich u.a. durch meine zweite Leidenschaft (der Fotografie) schon sehr lange in unterschiedlichen Foren und Communties unterwegs. Technik fasziniert mich, ist aber Mittel zum Zweck. Was im Umkehrschluss bedeutet ohne Zweck oder auch Sinn ist das Mittel eher langweilig. Ich würde mich als sehr neugierigen Menschen bezeichnen. Seit einigen Jahren darf ich mich auch beruflich mit dem Thema „Web2.0“, „Social Media“ (oder wie man auch immer dazu sagen will) beschäftigen. Für mich eine besonders spannende Aufgabe, denn vor dieser Zeit hatte ich einen eher technisch/betriebswirtschaftlich orientierten Aufgabenbereich und jetzt geht es um die Verbindung zwischen Technologie und Menschen. Das passt für mich wie die besagte Faust aufs Auge oder eben das Mittel zum Zweck. Und so habe ich in den letzten Jahren viel gelernt. Ich habe gelernt, bestimmte Trends nicht, wie in der Wirtschaft allgemein üblich, vor allem auf Basis von früher gemachten Erfahrungen zu beurteilen. Sondern, sobald es sich um gesellschaftliche und von Menschen geprägte Trends handelt, einzutauchen in das was geschieht um mir dann ein Bild zu machen. Wie heißt es doch so schön: „Erfahrung ist das Licht, das auf den Weg fällt der hinter dir liegt“.

Frage 1: Wo sehen Sie als Mitarbeiter eines Rechenzentrums, die nächsten technologischen Trends in der Finanzbranche?

Neben dem Thema “Social Media” bzw. “Social Banking” sehe ich zurzeit drei Themenbereiche: 1. Cloud-/Web-Services 2. Embedded-Technologien und 3. Touch-Technologien.

Mehr und mehr Dienste werden wir in Zukunft aus dem bzw. über das Internet nutzen. Der Heimanwender muss Anwendungen nicht mehr teuer kaufen und lokal installieren, sondern lässt die benötigten Dienste für die entsprechende Zeit freischalten. Den weitaus größeren Nutzen werden kleine und mittelständische Unternehmen haben, die keine aufwendige und damit teure dezentrale IT-Infrastruktur betreiben müssen, sondern sich die Dienste branchenabhängig aus dem Netz zusammenstellen. Der “Universalcomputer”, wie wir ihn heute kennen, wird nur noch für Spezialaufgaben benötigt. Mehr und mehr einfache, preiswerte und aufgabenbezogene Endgeräte werden verfügbar sein und einen einfachen Zugang zu einer bestimmten Auswahl an nutzerorientierten Services bieten. Unter anderem wird es auch in dieser Geräteklasse um einfache Bedienung gehen. Tastatur und Maus werden in der heute verbreiteten Form nicht mehr benötigt. Das iPad von Apple oder auch der Ansatz den die Firma Microsoft mit dem Surface verfolgt, zeigen das beeindruckend. Befinden wir uns möglicherweise vor oder besser in einem ähnlichen Veränderungsprozess wie zu Zeiten der Einführung der grafischen Benutzeroberflächen? Ja, es gab mal eine Zeit zu der Computer ohne Maus und ohne Icons rein befehlszeilenorientiert gesteuert wurden. Mit der Touch-Technologie werden ganz neue Interaktions- und Bedienkonzepte möglich.

Frage 2: Wie sieht die Bank der Zukunft aus?

Wenn ich die Frage beantworten könnte, hätte ich hellseherische Fähigkeiten und würde am kommenden Wochenende definitiv Lotto spielen!

Die Privat- bzw. Universalbank der Zukunft wird sich meines Erachtens wieder mehr auf den Kunden zu bewegen. Dialog, Transparenz und Vertrauen (im Prinzip die alten Werte von Raiffeisen und Schulze-Delitzsch, den Urvätern der Volks- und Raiffeisenbanken) werden wieder an Bedeutung gewinnen. Banken werden wieder mehr für Kunden tun, das Interesse des Kunden noch mehr in den Mittelpunkt rücken. Menschen und Gemeinschaften werden ansonsten Finanzgeschäfte mehr miteinander innerhalb von Communities besprechen, diskutieren (früher: beraten), abwickeln und „Institutionen“ nur zur Absicherung bestimmter Sicherheits- und Abwicklungsdienste in Anspruch nehmen. Und dieser Trend wird letztendlich auch Einfluss auf den Firmen- und Investmentbereich von Banken haben.

Frage 3: Welche Rolle spielt Social Media bei der Veränderung der Finanzbranche?

Eine ausgesprochen große Rolle, wie ich meine. Social Media für mich das Sinnbild von Dialog, Transparenz und Vertrauen und damit die Grundlage eines gesellschaftlichen Wandels. Einige Unternehmen mussten in der jüngeren Vergangenheit auch bereits erfahren, wie mächtig Social Media (und damit die Gemeinschaft der Menschen) ist. Informationen und unangemessene Verhaltensweisen können nicht mehr so einfach “unter den Teppich gekehrt” werden. Positive und vor allem negative Informationen verbreiten sich schnell und unkontrollierbar über die Netzwerke die Menschen miteinander verbinden. Vergleichbar ist es vielleicht mit dem Handwerker in einem kleinen Ort, in dem Jeder Jeden kennt. Haben die Menschen den Eindruck der Handwerker macht gute Arbeit zu fairen Preisen, spricht sich das sehr schnell in dem Ort herum. Er braucht gar nicht der preiswerteste zu sein um Aufträge zu bekommen. Genauso schnell verbreitet sich in dem Ort andererseits aber auch die Botschaft, wenn der Handwerker unzuverlässig ist, unhöflich auftritt und schlechte Arbeit zu überhöhten Preisen macht. Dann wird er in dem Ort wohl auf Dauer keine Aufträge mehr bekommen, weiterziehen oder sein Geschäft schließen müssen. Denn die Bewohner des Ortes kennen sich, vertrauen einander und sprechen miteinander; jeden Tag, beim Bäcker, beim Schlachter, auf dem Schützenfest – Eben an den Orten an denen soziales Miteinander stattfindet. Ist bei einem realen Ort die regionale Reichweite und die Verbreitungsgeschwindigkeit begrenzt, stellt der virtuelle Ort “Community” im Internet eine um ein Vielfaches größere Gemeinschaft dar, die genauso miteinander spricht, jeden Tag, in einer sagenhaften Geschwindigkeit. Der kleine Ort ist das Internet, die Communities sind der Bäcker, der Schlachter, der Supermarkt, das Schützenfest…

Es wird immer einfacher Informationen zu bekommen und sich mit anderen auszutauschen. Durch die Vielzahl der Informationen entwickeln sich andere Filtermechanismen; Sprich: Menschen werden schneller in der Lage sein auf Basis ihres Informationsnetzwerkes Entscheidungen vorzubereiten und zu treffen. Das für viele Finanzentscheidungen nötige Expertenwissen stellen heute u.a. die Berater einer Bank. Künftig wird dieses Expertenwissen (z.B. für Finanzentscheidungen) zu einem sehr großen Teil aus dem eigenen Netzwerk bzw. der Gemeinschaft kommen und nicht mehr in erster Linie von einem “Experten”. Das Expertenwissen liegt in der Masse. Die Gemeinschaft steht also im Mittelpunkt der Informationsgewinnung und Entscheidungsfindung. Sicher auch weil Beratungen heute viel zu oft nicht mehr primär von dem bestimmt werden, was für den Kunden das Beste ist, sondern sehr stark von dem beeinflusst werden, was für die Erreichung von Boni, Abschlussquoten und Vertriebszielen entscheidend ist.

Frage 4: Was wird größeren Einfluss auf die Banken haben, die staatliche Regulierung oder die neue Macht der Kunden durch das Internet?

Da ich die konkreten staatlichen Möglichkeiten und Maßnahmen zur Regulierung des Finanzmarktes nicht alle kenne, fällt es mir schwer dazu etwas zu sagen. Wie das Verhalten verschiedener Regierungen an den Beispielen Finanztransaktionssteuer und die Reform der Vorgaben zur Boniregelungen zeigen, wird es sehr sehr schwer in diesem System einheitliche Regeln zu etablieren; Selbst nach den katastrophalen Auswirkungen der Finanzkrise. Ohne weltweit einheitliche und vor allem verbindliche Vereinbarungen wird eine Regulierung des Finanzmarktes wohl kaum möglich sein.

Ebenso schwer ist es auch “die neue Macht der Kunden durch das Internet” einzuschätzen. Sicher, Netzwerke verbinden mehr Menschen als je zuvor. Blogs und Foren leisten einen wichtigen Beitrag zur gesellschaftlichen Meinungsbildung. Wir lassen uns nicht mehr allein durch die Presse manipulieren und etwas „unter den Tisch zu kehren“ ist bei Weitem nicht mehr so einfach wie früher.  Wir Kunden haben es letztendlich in der Hand Finanzentscheidungen selbst und unabhängig zu treffen. Wir können uns informieren und uns mit anderen Menschen austauschen, um dann eine im Sinne der Gesellschaft in der wir leben eine gewissenhafte Entscheidung treffen. Leider sieht die Realität viel zu häufig ganz anders aus. Wir kaufen im Supermarkt preiswerte Eier obwohl wir um das Elend der Hühner in den Legebatterien der Geflügelproduktionsstätten wissen; Wir kaufen den billigsten Strom obwohl wir wissen, dass es besser wäre regenerative Energien zu nutzen. Wir legen unser Geld auf ein Konto in “wasweißichwo” um 0,03% mehr Zinsen zu bekommen, obwohl wir eben nicht wissen wie das sein kann und was mit unserem Geld passiert. Es liegt mir fern hier den Moralischen zu geben; Ich selber nehme mich bei der Kritik nicht aus; suche jedoch jeden Tag nach Wegen, genau diese Verhaltensmuster bei mir selbst zu verändern.

Wir, also die Kunden, haben durch das Internet vielleicht wirklich mehr Macht bekommen. Wir nutzen Sie jedoch leider nicht so wie es möglich wäre. Ich denke, wenn alle durch das Internet bzw. soziale Plattformen verbundene Kunden eigen- und gesellschaftspolitisch verantwortlich handeln, wird der Einfluss nicht nur auf die Finanzbranche, sondern auf den Markt insgesamt definitiv größer als der, aller staatlichen Regulierungsmöglichkeiten zusammen. Die einfache Vernetzung der Menschen untereinander und das Bedürfnis Bindungen einzugehen, sich auszutauschen und gegenseitig zu helfen macht die Gemeinschaft mächtig und ich glaube an unsere Gesellschaft. Dazu passt noch ein Zitat: „Der Glaube kann Berge versetzen… aber bring´ auch du sicherheitshalber einen Spaten mit“.

Frage 5: Welche Chancen bringt die Zukunft den Regionalbanken wie Sparkassen und Genossenschaftsbanken?

Jede Menge würde ich sagen: Das sich verändernde Kommunikations- und Mediennutzungsverhalten der Menschen ist ein deutliches Zeichen, dass unsere Gesellschaft vor einem grundlegenden Wandel steht bzw. sich bereits in einem grundlegenden Wandel befindet. Die Bedeutung von Communities in Zusammenhang mit (Finanz)Entscheidungen wächst zunehmend. Und genau hier liegt meines Erachtens die Mutter aller Chancen: Sind nicht die Mitglieder einer Genossenschaftsbank eigentlich eine Community? Der Genossenschaftsgedanke wird durch Begriffe wie “Mitgliederförderung”, “Selbsthilfe”, “Selbstverantwortung” und “Selbstverwaltung” geprägt. Wikipedia beschreibt die Mitglieder einer Genossenschaft als “ein Zusammenschluss von Personen, die gleiche oder ähnliche wirtschaftliche, soziale oder kulturelle Interessen gemeinsam verfolgen”. Sind diese alten Genossenschaftsgedanken nicht wieder brandaktuell wenn wir an moderne Internet-Communities denken? Vielleicht sind diese “alten” Werte mit den Jahren etwas in den Hintergrund getreten. Genossenschaftsbanken, die es schaffen den besonderen Community-Charakter einer Genossenschaft in das Internet zu übertragen und auch die Werte einer Genossenschaft authentisch und transparent zu leben, werden die Chance bekommen, Kunden zu betreuen die sich noch enger an die Bank gebunden fühlen und darüber hinaus viele neue Kunden gewinnen.

Viele weitere Chancen können sich ergeben, wenn die unterschiedlichen Genossenschaftsbanken sich als eine Gemeinschaft verstehen und als solche handeln.
Frage 6: Welche neuen Online Banken halten Sie für besonders interessant?

Für mich sind all die „Online-Banken“ interessant, die im Grunde nach den Prinzipien einer Genossenschaft handeln und dieses „alte“ Gedankengut in die „moderne“ Internetwelt übertragen haben. Sie übertragen dabei das Regionalprinzip in die „Region“ Internet oder einzelne Plattformen. Spontan fallen mir da zum Beispiel die Peer-to-Peer Kreditplattform „smava“ und die Community-Bank „fidor-bank“ ein. Die „GLS-Bank“ ist eine Genossenschaftsbank, die sich sehr stark um ihr Online-Community kümmert und deren Grundsätze ich sehr interessant finde; Neben den ökologischen Richtlinien der Bank finde ich vor allem die Transparenz und die Art ihre Kunden wert zu schätzen vorbildlich.

Die Zusatzfrage:

Was ist für Sie ein wirklich gelungener Tag?

Ein rundum gelungen Tag ist für mich ein Tag an dem andere Menschen mein leben bereichert haben und ich anderen Menschen das Leben bereichern durfte.

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Die anderen Interviews zum nachlesen

Alexandre Janicki (Credible Finance)

Herr Carlo Bewersdorf (Asstel ProKunde)

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Marko Haschej (Raiffeisenbank Eberndorf)

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Lothar Lochmaier (Social Banking 2.0)

Suitbert Monz (R+V)

Dr. Harald Meissner (Hochschulprofessor und Unternehmer)

Mustapha Behan (whofinance)

Eine Raiffeisenbank mit 2000 Facebook Fans beantwortet 6 Fragen mit Zusatzfrage


Eine Raiffeisenbank aus Österreich auf Rekordjagd. Mehr als 2000 Fans bei  Facebook bzw. in der neuen Facebook Sprache: 200o Menschen die sagen:           “I like that”. Wie das funktioniert  erklärt uns Marko Haschej zuständig für die Themen Marketing/Web2.o bei der Raiffeisenbank Eberndorf

1. Mehr als 2000 Fans bei Facebook. Wie macht man das in so kurzer Zeit?

Als Regionalbank waren wir selbst etwas überrascht über den schnellen Erfolg und Zuwachs unserer Fans auf Facebook. Man hat aber gesehen, welchen (quantitativen) Erfolg man mit ein wenig Vorbereitungsarbeit erreichen kann. Die Kernpunkte der Startphase waren im Prinzip die Miteinbeziehung aller Mitarbeiter, die speziell auf den Launch der Fanpage eingestellt und geschult wurden, sowie das Gewinnspiel mit einem äußerst attraktiven Hauptpreis, dem iPad.

2. Welche Erfolgskriterien haben Sie sich vorher gesetzt und haben Sie diese erreicht?

Unsere quantitativen Ziele waren im Vergleich zur aktuellen Situation relativ bescheiden. Langfristig „träumten“ wir von der 1000er Marke, welche wir dann aber bereits nach 8 Tagen übertroffen haben. Um von qualitativen Zielen zu sprechen, ist es noch zu früh. Zum Einen wollen wir unsere Kunden und Fans über die Aktivitäten in unserer Region informieren und schlicht gesagt für eine positive Stimmung sorgen. Zum Anderen verfolgen wir langfristig das Ziel Social Media Instrumente auch als Verkaufskanäle einzusetzen. In welcher Form das stattfinden wird, daran arbeiten wir noch.

3. Welche anderen Social Media Instrumente nutzen Sie?

Momentan konzentrieren wir uns ausschließlich auf Facebook, da diese Plattform gegenwärtig die stärkste und erfolgreichste im Bereich Social Media ist. Damit wird auch der größte Teil unserer Kunden abgedeckt. Das Unternehmen aus Palo Alto bietet derzeit alles was wir als „soziale“ Bank benötigen. Die Entwicklungen und der Funktionsumfang sind einfach berauschend. Social Media ist aber nicht nur für Banken ein komplett neuer Fachbereich und kann daher nur langsam erschlossen werden. Wir befinden uns aktuell in einer Phase des Testens und Probierens. Später planen wir zusätzlich noch weitere Instrumente wie z.B. Twitter, YouTube, Blog etc. einzusetzen.

4. Was ist für Sie persönlich und Ihr Unternehmen “Social Media”?

Vor kurzem hat mir ein Freund gesagt, er sieht Facebook als einen „Friedhof seiner Bekanntschaften“. So negativ sie klingt, so korrekt ist diese Aussage auch. Für mich persönlich bietet „Social Media“ vor allem die Möglichkeit mit Menschen in Kontakt zu bleiben, die man ohne diese Instrumente wohl vergessen würde. Die Verknüpfungsmöglichkeiten auf Facebook sind großartig und erleichtern vieles. Zusätzlich befriedigt es das schier endlose Verlangen der User sich mitzuteilen.

Als Raiffeisenbank sehen wir in diesen Medien und Instrumenten neue Wege und Möglichkeiten mit bestehenden und potenziellen Kunden in Kontakt zu bleiben. Viele unserer Kunden verwenden heute bereits eBanking und besuchen uns nicht mehr persönlich in der Bankstelle, daher wird in Zukunft zumindest der Erstkontakt auf einer anderen Ebene stattfinden müssen. Außerdem gibt uns das Feedback unserer Kunden auf diesem „virtuellen Stammtisch“, sowohl positiv als auch negativ, die Möglichkeit besser auf unsere Kundenwünsche einzugehen und sofort darauf zu reagieren.

5. Wie wird Social Media Ihre Bank verändern?

Ich bin davon überzeugt, dass das Verwenden von „Social Media“ in Zukunft einen wesentlichen Teil unserer Kundenkommunikation ausmachen wird. Die Tatsache, dass wir uns als eine der ersten Banken in unserem Land auf dieses Terrain gewagt haben, wird uns mit Sicherheit Vorteile im Wettbewerb mit anderen Banken bringen. Wohin diese Entwicklung genau geht, ist aufgrund verschiedener Faktoren schwer zu sagen (Wie entwickelt sich Facebook in Zukunft, einerseits technologisch, andererseits in Bezug auf das Wachstum und die User? Welche neuen Player tauchen am Social Media Markt auf? Etc.). Es steht uns in jedem Fall eine spannende Zeit bevor.

6. Wieviel und welche (Stellen) Mitarbeiter sind in Ihrem Haus mit

Social Media beschäftigt?

Für die Koordination und Redaktion dieser Medien bin ich zurzeit alleine verantwortlich. Selbstverständlich werden aber langfristige Pläne und Strategien mit der PR-Abteilung sowie mit dem Vorstand besprochen und gemeinsam erstellt. Für das Posten von Beiträgen auf Facebook sind aber alle Mitarbeiter zuständig. Wir legen Wert darauf, dass nicht nur „offizielle“ Postings und Meldungen aus der Zentrale veröffentlicht werden, sondern auch die Mitarbeiter, worin wir unser größtes Erfolgspotenzial sehen, aktiv und regelmäßig präsent sind.

Der Sommer steht vor der Tür! Worauf freuen Sie sich besonders?

Auf den Sommer selbst… Aufgrund meines Auslandspraktikums in San Francisco und den damit verbundenen, sehr „bescheidenen“ Temperaturen blieb mir letztes Jahr der Sommer verwehrt. In Kärnten sind wir jedoch meist mit sehr schönem Wetter gesegnet und genießen die Tage und Abende an einem der zahlreichen Badeseen. Darauf freu ich mich schon seit fast 2 Jahren! ;)

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Hier die anderen Interviews aus der Reihe: Sechs Fragen mit Zusatzfrage

Die Bankonauten

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