Finanzkrise und mindestens ein “Hallo- Effekt”


Der gr0ße Knall. Ein Fall für Mutti

In den letzten Tagen habe ich einige interessante Veranstaltungen besucht und habe auf dem Weg zu diesen Veranstaltungen auch den ein oder anderen interessanten Artikel gelesen. Auf der bankwirtschaftlichen Tagung der genossenschaftlichen Bankengruppe gab es beispielsweise sehr viele spannende Vorträge u.a. von den Herren Schäuble und Steinbrück. Natürlich spielte in diesem Umfeld die Banken- und Finanzkrise eine wichtige Rolle und beide Redner versuchten, trotz unterschiedlicher Meinungen, den Eindruck zu vermitteln, man habe die Entwicklungen im Griff.

Professor Walter Krämer von der Universität Dortmund ist hier offensichtlich anderer Meinung. Den interessanten Artikel aus der Wirtschaftswoche, möchte ich deshalb meinen Blog Lesern zur Lektüre ans Herz legen.

Irgendwann kommt in Europa der große Knall

So etwas möchte natürlich niemand hören. Nicht einmal Banker. Insofern trafen die beruhigenden Worte von Herrn Schäuble eher den Geschmack des Publikums. Das Angebot der aktuellen Regierung: Wir halten Euch von der Wirklichkeit fern. Mutti wird alles schon richten, wird deshalb ja auch von der Mehrheit der deutschen Wahlbevölkerung gerne angenommen. Besser es bleibt alles so wie es ist, da wissen wir was wir haben. Jeder neue Weg birgt ein neues Risiko, welches wir doch lieber vermeiden wollen.

Aber für die Politik und auch für die Banken gilt das Gleiche wie für uns alle. Alles verändert sich und alles verändert sich immer schneller. Es hilft nicht die Augen zu schließen und abzuwarten. Im Neuland lebt es sich weniger bequem. Dennoch warten wir alle ab, bis es zu spät ist, bis es knallt. Und am längsten warten die, die noch etwas zu verlieren und zu verteidigen haben. Millionen arbeitslose Jugendliche in Europas Krisenstaaten können ein Lied davon singen. Und leider gibt es auch in den nicht Krisenstaaten viel zu viele junge Menschen ohne Perspektive.

Hallo Hello Bank

Bleiben wir aber nochmal kurz bei den Banken. Vielfältige Einflussfaktoren wirken auf die Geschäftsmodelle dieser Unternehmen und dennoch wird den meisten Veränderungen und Einflüssen regungslos zugeschaut. “Wir müssen wieder gestalten”. Das war der bemerkenswerteste Satz in der Rede von Peer Steinbrück auf der BWT und er meinte damit nicht nur die anwesenden Vertreter der Banken sondern sprach ein allgemeines Problem an.

Eine Bank die offensichtlich gestalten möchte und dabei auch auf die Kunden setzt, ist die Hello Bank. Diese Bank hat ganz normale Verbraucher zu einem Co-Creation Workshop nach der Design Thinking Methode eingeladen und diesen live im Internet übertragen. Hut ab: Das ist ganz grundsätzlich die hohe Schule der digitalen Transformation. Wie einzigartig und nah am Kunden das Ergebnis letztendlich sein wird, lässt sich heute noch nicht sagen, denn jedes Projekt nach der Design Thinking Methode endet mit der “What works” Phase, in der die Design Methode auf den Markt und vor allem die klassische Entwicklungsmethode der meisten Unternehmen trifft. Was bleibt also übrig und wird tatsächlich als Produkt oder Service umgesetzt.

Der Workshop der Hello Bank

Umfassender Artikel über den Workshop vom Teilnehmer und Finanzblogger Lothar Lochmaier

An dieser Stelle möchte ich aber auch mal eine Lanze für die Finanzbranche brechen. Sie verändert sich. Auch ohne externe Berater, Agenturen, Blogger usw. In den einzelnen Banken und Bankengruppen geschieht sehr viel. Auch wenn dies an der ein oder anderen Stelle noch nicht sichtbar wird. Für Außenstehende ist es allerdings auch kaum möglich einzuschätzen wie schwer Veränderung eigentlich ist, weil Banken neben allen kulturellen und strukturellen Problemen einer sehr starken Regulierung und Überwachung durch staatliche Institutionen, Verbraucherschützer oder auch der Medien ausgesetzt sind. Das ist gut so, aber es erzeugt eine Komplexität, die man erst einmal verstehen muss.

In eigener Sache

Ich nehme mal wieder an einem Blog Award teil. Hier können Sie mir Ihre Stimme geben:

http://www.christian-drastil.com/smeil

Wenn´s um Dialog geht Sparkassen


Kompliment

Einige Tage habe ich die neue Facebook Seite beobachtet. Was ich zunächst skeptisch betrachtete, muss an dieser Stelle einmal ausdrücklich gelobt werden. Die Sparkassen haben den Mut aufgebracht sich den Fragen von Kunden und Nicht- Kunden zu stellen und diskutieren auf “Finanzkrise: Sparkassen im Dialog beinahe rund um die Uhr ohne irgendein kritisches Thema auszulassen.

Während einige Banken für ihre Facebook Seiten Verhaltensregeln formulieren, die man gekürzt in der Aussage zusammen fassen könnte: Alles was uns nicht passt, wird hier umgehend gelöscht, zumal Kommentar und Verhaltensregeln nach Facebook FAQ ohnehin verboten sind, klingt dies bei den Sparkassen so:

Verhaltensregeln

Der offene und auch kritische Dialog ist uns sehr wichtig. Dennoch legen wir Wert auf respektvollen Umgang. Das bedeutet: keine Kraftausdrücke, keine Beschimpfungen, und selbstverständlich keine diskriminierenden, rassistischen oder sexistischen Aussagen.

Ebenso bitten wir Sie, keine kommerzielle Werbung einzustellen. Wir behalten uns das Recht vor, im Einzelfall selbst zu bestimmen, ob ein Verhalten diese Rahmenbedingungen dieser Seite erfüllt oder nicht mehr erfüllt, sowie auch das Recht, jene Maßnahme zu ergreifen, die uns am geeignetsten erscheint, bis hin zur Löschung von Pinnwandeinträgen oder dem Ausschluss eines Users von dieser Seite.

Ausdrücklich möchten wir betonen, dass keine Löschung vorgenommen wird, wenn von uns abweichende Meinungen und Positionen vertreten werden. Dies gehört für uns zu einem offenen Dialog dazu.

Dankeschön

Zum Jahresende also endlich nochmal ein Highlight in der Nutzung der interaktiven Möglichkeit des Internets. Nicht nur, dass offener, unzensierter und transparenter Dialog geführt wird, auch der Aufbau und die Betreuung der Seite ist genauso, wie ich mir den Auftritt einer Bank oder Bankengruppe bei Facebook vorstelle. Diese Maßnahme bewerte ich wesentlich höher als die “Giro sucht Hero” Kampagne, denn diese brachte zwar Fans aber kaum Dialog und zeigte darüber hinaus keine Bereitschaft sich auch wirklich zu verändern.

Dies bleibt natürlich ein zu beobachtender interessanter Aspekt an der Sparkassen Aktivität. Hört man nur zu und diskutiert oder ist man auch bereit Selbstverständlichkeiten des tief eingeprägten finanzwirtschaftlichen Glaubensbekenntnisses über Bord zu werfen. Denn im Dialog besteht die Chance zu erkennen, dass finanzwirtschaftliche Regeln und Verhaltensweisen nicht von Natur gegeben sondern von Menschen, wenn auch zumeist nicht bewusst geplant, geschaffen wurden. Demnach ist alles veränderbar, man muss nur aus der Gruppe der Lemminge ausscheren und einen eigenen Weg finden. Und das geht einfacher, wenn viele Menschen bereit sind diesem Weg zu folgen.

Was denken Sie?

Ich war in Griechenland: Gedanken teil 1


Ich war in Griechenland

Mal nach der Finanzkrise schauen. Genauer gesagt: Ich war auf der Sonneninsel Rhodos, welche wir, der Mythologie nach, dem griechischen Gott Helios zu verdanken haben. Und weil Helios der Sonnengott war, scheint auf Rhodos an 260 von 365 Tagen die Sonne. Da die gesamte Zeit meines kurzen Aufenthalts von 10 Tagen die Sonne schien, macht Helios offenbar einen guten Job. Endlich mal ein Grieche, auf den die anderen Europäer und die Vertreter der Weltwirtschaft nicht mit dem Finger deuten können, um ihm die Schuld zu geben.

Wobei  es vielleicht ja sogar besser wäre, wenn man einem Gott die Schuld an dem ganzen Desaster geben könnte. Vielleicht werden die Reiseführer in einigen hundert oder tausend Jahren – falls der Mensch noch so lange auf diesem Planeten verweilen darf – aber auch von einem Gott oder gottähnlichen Gebilden, die man dann Kapitalismus, Euro oder  vielleicht auch Corporatismus nennt, als Mythologien unserer Zeit sprechen. Corporatismus meint  hier übrigens die Tatsache, dass Menschen immer stärker nach unternehmerischen Logiken handeln, auf die Sie von Staaten und Unternehmen über Jahrhunderte zugerichtet wurden. Social Media scheint dabei nur eine weitere Stufe der Vereinzelung und Individualisierung zu sein, welche die Menschen eher  weiter trennt, als sie wieder in soziale Zusammenhänge einzubinden.

Ich war also in Griechenland…

und habe dort Costas, Nikos und Wassily kennengelernt. Drei Mitarbeiter des Hotels, in welchem wir gewohnt haben. Drei Menschen die – und das ist nicht gelogen – mindestens sechs Tage in der Woche von 8.00 Uhr bis 22.00 Uhr abends gearbeitet haben. Wir trafen Sie morgens beim Frühstück, zum Mittagessen und zum Abendessen. Und wir haben uns angefreundet. Irgendwie fühlt man sich nicht besonders gut, wenn man die Menschen hinter dem Wort sieht, welches von morgens bis abends unsere Nachrichten bestimmt. Die Griechenlandkrise, das böse Griechenland und die bösen Griechen. Dabei ist die Griechenlandkrise doch auch nur eine Staaten und Bankenkrise, die eigentlich damit begann, dass Maggie Thatcher, Clinton und auch Schröder den Banken freie Hand gaben und ihnen Möglichkeiten und Aufgaben zuteilten, die sie vorher nie zuvor hatten. Die Betonung liegt auf Staaten-  und Bankenkrise, denn diese sind untrennbar miteinander verbunden und feuern sich gegenseitig an. Eigentlich handelt es sich um eine Systemkrise. Krisen gehen normalerweise auch irgendwann einmal vorbei. Weshalb wir eigentlich auch nicht mehr von Krise sprechen dürften.

Griechenland blickt auf eine lange und abwechslungsreiche Geschichte zurück. Das Land verfügt über eine gewachsene Kultur, die im Rahmen der Europäisierung auch unter dem Motor der Vereinheitlichung leidet. Alles wird gleich, von allen Menschen wird das gleiche Verhalten verlangt. So gleichen spanische, griechische, italienische und auch deutsche Innenstädte wie ein Ei dem anderen. Überall  die gleichen Geschäfte. Bezahlt werden, muss überall mit dem Euro und auch Service Qualität und Freundlichkeit bzw. Unfreundlichkeit gleichen sich an. Dabei kann man aus den Griechen keine Deutschen machen und aus Deutschen keine Griechen. Ich wünsche mir, dass Costas, Nikos und Wassily so bleiben wie sie sind. Lassen wir uns von Staat, Politik, Institutionen und Unternehmen als Menschen nicht weiter auseinander definieren. Das der Mensch immer Sündenböcke benennen muss, um Geschehnisse zur rationalisieren und diesen auch die Bedrohlichkeit zu nehmen, ist hinlänglich bekannt und wissenschaftlich bewiesen. Dieses Spiel sollten wir aber nicht weiter mitspielen. Stattdessen sollten wir unsere Fähigkeit zur Differenzierung und zur Kontingenz schärfen, um unsere Abhängigkeit von Organisationen, Institutionen und Unternehmen zu reduzieren.

Seit Donnerstag bin ich wieder in Deutschland

Der Temperatursturz von 20 Grad hat mir eine Erkältung beschert. Auf dem Bus vom Flughafen zu meiner Wohnung, gab es dann direkt eine Lehrstunde Deutschland. Dann die Nachrichten im TV und ein Fußballspiel. Ach wäre ich doch in Griechenland geblieben.

Apokalypse


Apokalyptische Ausmaße

Wenn das Regierungsoberhaupt eines Staates von Apokalypse spricht, dann ist ewas außergewöhnliches passiert. Dem normalen Bürger wird dann aufeinmal klar, dass die Politik oder die politischen Führungskräfte die Lage nicht mehr beherrschen, wenn sie diese überhaupt jemals beherrscht haben.  Möglicherweise sind auch einfach nur die der Legitimation dienenden Rationalitäts- und Sicherheitsfassaden zusammen gebrochen (siehe hierzu organisationssoziologische Studien von Perrow und Meyer/Rowan Ende der siebziger Jahre).

Mythos Sicherheit

Innerhalb kürzester Zeit haben wir auf beeindruckende und ebenso beängstigende Art und Weise erleben müssen, dass Restrisiken nicht beherrschbar sind und das Sicherheit ein Mythos bzw. ein gesellschaftliches produziertes Gefühl ist, welches auf Menschen stößt, die dieses verarbeiten und interpretieren. Also entweder keine oder viele Zweifel haben. Oder den Argumentationen folgen, dass es juristische oder wirtschaftliche Sachzwänge gäbe, die  aufgrund der globalen Vernetzung Veränderungen nicht zuliessen. Nur da, wo das Leben endet und Teile der Welt dauerhaft nicht mehr als Lebensraum zur Verfügung stehen, da kann es solcheSachzwänge nicht mehr geben.

Die Chance nutzen

Auf eine Apokalypse folgen Veränderungen, die sehr häufig einen Neuanfang bedeuten. Dinge werden (müssen) anders betrachtet und gesehen als vorher.E s wird nach Auswegen und neuen Lösungen gesucht. Machteliten und Lobbyisten bzw. die Bewahrer des die Krise verursachenden Menschenkreises verlieren zumindest kurzzeitig an Bedeutung und Einflussmöglichkeit. Sie taumeln. Können sich aber meistens wieder fangen, wenn man Ihnen genügend Zeit gibt

Das Alte kann aber auch vollständig verschwinden bzw. über den Haufen geschmissen werden. Nach der Finanzkrise ist das nicht passiert. An vielen Stellen erlebt man die alten Praktiken, die Verursacher wurden nicht in Haftung genommen oder nutzen sogar Steuergelder, um sich damit in Form von Marketing- und Vertriebsaktivitäten oder besonders guten Konditionen neu zu positionieren. Die andere Seite weiss oder wusste sich nich entsprechend zu positionieren.

Dies mag daran liegen, dass verbranntes Geld keine radioaktive Strahlung auslöst.  Man könnte fast sagen: Umweltrisiken sind demokratisch (Ulrich Beck, Risikogesellschaft)  und sie lassen sich nicht verschleiern und leider in der Regel noch nicht einmal wieder gut machen.

Meine persönliche Meinun: Japan darf nie wieder vorkommen. Es ist der Aufruf zur Veränderung nicht nur in der Energiepolitik. Wir brauchen einen konstruktiven Kapitalismus, der Mensch und Natur nicht als Ressourcen betrachtet. Wir alle haben die Möglichkeit an diesen Veränderungen mitzuwirken.

Literatur für mitwirkende

Stéphane Hessels: Empört Euch

Ulrich Beck Risikogesellschaft

Umair Haque The new Capitalist Manifesto

Brett King Bank 2.0

Sei nicht dumm

Dieses Video kursiert gerade im Internet und man könnte den Begriff Atomkraft durch zahlreiche andere Begriffe ersetzen.

Wie man einen Fussball Club verstaatlicht


Vorspiel

Normalerweise gehört der Kicker ja nicht zu den Quellen, die hier zitiert werden und auch Fussball ist in der Regel in diesem Blog nur ein Randthema. Und einmal abgesehen davon, dass zahlreiche Fussballvereine und vielleicht der Fussballsport insgesamt mit gewaltigen finanziellen Problemen konfrontiert sind, wäre die Frage: Was denn das bitte mit Banken zu tun habe? durchaus legitim.

Liverpool

Es geht um den FC Liverpool und auch ein wenig um die Leiden der hilflosen Fans. Jene Leiden die jeder richtige Fan  aus persönlicher Erfahrung kennt. Dieser FC Liverpool wird – laut Kicker – am 15. Oktober in Staatsbesitz übergehen. Dies bedeutet, dass der Verein ab sofort auch den Fans von Mancester United gehört. Das wäre ungefähr so, als wenn Fans von Borussia Mönchengladbach Besitzer bzw. anteilige Besitzer vom 1. FC Köln wären. Was zumindest für mich einer mittleren Katastrophe gleich käme.

Wie es dazu kam? Ganz einfach. Der FC Liverpool hat inzwischen Schulden in Höhe von 280 Millionen Euro angehäuft und zwar vorwiegend bei der Royal Bank of Scotland, welche – Finanzkrise sei Dank – inzwischen zu 84 in Staatsbesitz ist. Und damit ist der FC Liverpool im Staatsbesitz bzw. im Besitz jeden einzelnen Steuerzahlers.  So schnell kann es also gehen.

1FC Köln

Wie schnell es gehen kann, könnte eventuell demnächst auch der 1 FC Köln erfahren. Zum Glück nicht in finanziellen  Dingen. Hier ist der Verein solide aufgestellt und fährt einen sinnvollen Sparkurs. Ich meine auch nicht den drohenden fünftten Abstieg. Das ist man als FC Anhänger ja inzwischen gewöhnt.

Es geht stattdessen um die Macht von Social Media. In diesem Bereich ist der FC nämlich so etwas wie ein Vorreiter. In allen relevanten Kanälen wird der offene Dialog geführt. Bei Facebook hat man inzwischen über 63.000 Mitglieder und man muss sagen: Die machen das richtig gut. Es ist mir sogar gelungen in einer Online Diskussion für die Veränderung der Internetseite zu sorgen. In schlechten Zeiten – z.B. wenn man viele Spiele hintereinander verliert – in denen die Fans unruhig werden, bietet man aber gleichzeitig eine wunderschöne Plattform für eine machtvolle Gegenbewegung, die Forderungen an den Verein stellen kann und sogar die Macht hätte, dass gesamte Präsisdium und den Vorstand zu stürzen. Ich denke hierfür sollte die Aktivierung von ca. 2000 bis 3000 unzufriedenen Mitgliedern ausreichen. Wir leben in ereignisreichen Zeiten

Das passt zusammen


Kann man so das Image aufbessern

Die UBS möchte die  im Zuge der weltweiten Finanzkrise verlorengegangene Vertrauen von Verbrauchern und Geschäftskunden wieder zurückgewinnen.  Was soll man tun.  Ein wahres Marketing Genie muss diese Idee entwickelt haben. Man startet eine auwfändige und klassische Imagekampagne, greift darin auf populäre Persönlichkeiten zurück ,die sich sehr wahrscheinlich wenig mit dem Unternehme identifizieren können und setzt noch einen drauf, indem man zum Forme l Sponsor wird. Eine Sportart die ähnlich überflüssig ist, wie das Handeln einiger Banken im Verlauf der Finanzkrise. Insofern natürlich eine passende Kooperation

Hier gibt es die Kampagneninfos. via horizont.de

Warum überhaupt etwas ändern

Eine aktive Auseinandersetzung mit der Finanzkrise, der offene und dialogische Austausch mit den Verbrauchern z.B. über das Internet. Aufklärung und vielleicht sogar die ein oder andere Entschuldigung sind nicht teil der Kampagne.  Mit Hilfe einer klasisschen Marketing Fassade soll die Wirklichkeit überdeckt und unbequemen Fragen aus dem Weg gegangen werden. Eine Kampagne für das Vergessen. Keine Aufbereitung kein Indiz für Veränderung. So als gäbe es Social Media nicht und so als könne es weiter gehen wie bisher. Vielleicht kann die Lektüre eines Artikels von Umair Haque weiter helfen. Hier ein kurzes Zitat:

Today’s capital isn’t yesterday’s. Recapitalizing a 21st century economy means not just filling it back up with machines, cash, or skill — but with more powerful capital altogether. Capital that can knit machines, cash, and skill together to produce greater, more meaningful, and longer-lived gains.

Hier gibt es den ganzen Text

Mein Lieblingssport und die Finanzkrise


Meine Daumen blieben ungedrückt

Am Samstag hat die Bild Zeitung mal wieder ordentlich gelogen: Ganz Deutschland drückt Bayern München die Daumen! So oder so ähnlich lautete da eine Schlagzeile.

Nein sorry! .Ich wurde nicht gefragt und selbst wenn ich mich noch so sehr bemüht hätte:

Ich konnte Bayern München nicht die Daumen drücken und durfte deshalb in einer meiner Lieblingseisdielen mit dessen Inhaber – einem fanatischen Inter Mailand Fan – ein leckeres Uerige (Altbier) auf den Sieg der Blau/Schwarzen  trinken.

Bald ist es soweit

Fussball kommt langsam wieder in Mode, denn in weniger als 3 Wochen beginnt die Weltmeisterschaft in Südafrika. Ganz Deutschland wird dann – so wird wohl die Bildzeitung titeln – wieder ein Fussball sein. Da ich mich diesesm Thema natürlich auch nicht entziehen kann, werde ich in meinen aktuellen Vorträgen – welche ich in den nächsten 4 Wochen noch drei mal vor Volksbanken Raiffeisenbanken halten werde – die Gemeinsamkeiten von Fussball und Social Media darlegen.

Das es darüber hinaus auch Gemeinsamkeiten zwischen Fussball und der Finanzkrise gibt, konnte man am Freitag im Handelsblatt nachlesen. Der Titel des Beitrages von Stefan Marx und Hans Peter Siebenhaar:

Das Milliarden Risiko Champions League

–>>

Um unsterblich zu werden,  geht der Mensch gerne einmal höhere und unkalkulierbare Risiken ein. Ob dies auch der Antrieb der Verursacher der Finanzkrise war, vermag ich nicht zu beurteilen, aber um die Champions League zu gewinnen, riskieren die Vereinsoberen nicht nur Kopf und Kragen, sondern vor allem das Geld und die Identität des Vereins. Man liefert sich – so der Artikel – Finanzhaien aus, um das notwendige Kapital zu beschaffen, welches für einen Titelgewinn benötigt wird. Und – wir sind nicht verwundert – vor allem Spanien, England, Italien, Griechenland und auch die Türkei gehen hier gerne ein zu hohes Risiko ein.

Eine emotionale Bindung zum Verein muss man dafür gar nicht mehr haben. Es geht darum sich unsterblich zu machen. So kommt es dann, dass z.B. Manchester United inzwischen mit 800 Millionen Euro verschuldet ist und Englands Proficlubs mitterweile über mehr als 4 Milliarden Euro Schulden klagen. Auch Inter Mailand dürfte der Titel sehr viel Geld gekostet haben und als kleine Randnotiz des gestrigen Endspiels fiel auf, dass bis fast zur neunzigsten Minute kein einziger Italiener auf dem Spielfeld in Madrid stand. Natürlijh könnte man jetzt einseitig mit dem Finger auf die ausländischen Clubs zeigen und Bayern München – weil vernünftiger wirtschaftend – zum Sieger der Herzen erklären (Nein – niemals) – aber Borussia Dortmund hat ja nicht anders als Inter Mailand und Co gehandelt, um die Champions League zu gewinnen. Und auch Schalke 04 müsste ja eigentlich schon lange ohne Lizenz dastehen. Doch was für Banken und Politiker gilt, gilt auch für Fussballvereine und Funktionäre: Es handelt sich einfach um 2 Seiten derselben Medaille.

So zeigt sich mal wieder, wie schön man den Fussballsport heranziehen kann, um soziale Phänomene zu erklären. In diesem Sinne:

Bleibt zuhause im Sommer

Alles nicht so schlimm


also weiter wie bisher !?

Die wichtigsten Volkswirtschaften der Welt beginnen sich offiziell von den Folgen der Finanzkrise zu erholen. So hören wir das zumindest in den etablierten Medien und es freut mich natürlich, endlich auch mal positive Nachrichten vernehmen zu dürfen.  Für wen diese scheinbare Erholung am Ende positiv sein wird, muss sich wohl noch herausstellen. Anzunehmen ist, dass viele Institutionen und Unternehmen, die für Sie (kurzfristig) richtigen Schlüsse ziehen werden: Machen wir weiter wie bisher! Wir müssen zwar besser aufpassen. An der grundsätzlichen Richtigkeit unserer täglichen Praxen und der zugrunde liegenden Theorien ändert das aber nichts.

Wir erleben damit erneut, die so wenig hoffungsfroh stimmende menschliche Normalität, wenn überhaupt, nur in Krisen an unseren Handlungen und Folgen zu zweifeln und sehr schnell wieder zur Tagesordnung überzugehen.

Hurra wir wachsen wieder!

Die abstrakten Zahlen in denen sich unser Wachstum und der Reichtum ausdrücken, sehen wieder besser aus. Die inhaltliche Dimension, also die sozialen, kulturellen und ökologischen Aspekte dieses Wachstums erschliesst sich uns nur wenig. Was wir nicht am eigenen Leib spüren oder aus unmittelbarer Erfahrung kennen, löst in der Regel auch keinen Zweifel aus.

Wir stellen fest:

Mit jeder Krise wird der Kapitalismus offenbar stabiler. Mehr und differenzierter im Blicklog.Gleichzeitig erfolgt offenbar eine neue Aufteilung des Kapitals: Immer weniger Menschen, besitzen immer mehr. Immer mehr Menschen, besitzen immer weniger. Mehr dazu gab es gestern in der Financial Times Deutschland verbunden mit einem Vorschlag eines ökonomischen Querdenkers: Nämlich Thomas Piketty. Wobei dieser Vorschlag dieses Prinzip aufzulösen versuch. Piketty fordert ein progressives Steuerrecht

Was zu befürchten ist:

Neue Ansätze im Finanzmarkt und möglicherweise auch die Social Banking Ansätze werden weniger nachgefragt. Auch der Verbraucher geht lieber wieder zur Tagesordnung über. Das Angebot an wirklich werthaltigen menschlichen Hervorbringungen und Ideen wird zurück gehen oder stagnieren. Kurzfristiges Denken wird uns weiter dominieren.

Begeben wir uns also in eine fröhliche Osterzeit

Beginnen wir mit Vertrauen und Trivialität


Keine Prognosen

Das Jahr 2010 ist nun schon einige Tage alt. Dies ist aber dennoch erst mein erster Blogbeitrag im neuen Jahr. Ich verzichte hier absichtlich auf die üblichen Prognosen für das Jahr 2010, die man  ja in der Regel im Jahr danach, also in diesem  Fall 2011, nochmal thematisieren und dann erklären muss, warum diese Prognosen so nicht eingetreten sind oder warum sie erst später so eintreten werden.

Keine Neujahrsansprache

Genauso wenig liegt es mir, eine Art Neujahrsansprache zu verfassen. Einmal davon abgesehen, dass dies ohnehin keinen Menschen interessieren würde, denn ich bin ja weder die Bundeskanzlerin noch der Bundespräsident, bringt es ja relativ wenig darüber zu schreiben, dass alles Gut oder alles Schlecht wird, denn wie sagt der Kölner so schön und treffend? Et kütt wie et kütt!

Das klingt zwar fatalistisch und trifft eigentlich nur zu, wenn man auch die entsprechende Mentalität mitbringt, allerdings sollte spätestens die Neujahrsansprache der Bundeskanzlerin die Erkenntnis gebracht haben, dass wir uns 1. Keinesfalls auf die Politik und die politische Kaste verlassen sollten, wenn wir unsere Zukunft gestalten möchten , und dass wir 2. damit beginnen sollten zu erkennen, dass uns stattliche, gesellschaftliche und kulturelle Organisationen seit Beginn unseres Wohlfahrtsstaates in eine Abhängigkeit geführt haben,  die uns davon abhält eben diese Zukunft selber zu gestalten.

Also geht es um Vertrauen und Trivialität

Womit ich bei den beiden Worten bin, die ich in meinem ersten Blogpost gerne thematisieren würde.  Ich beginne mit dem Wort Vertrauen. Das Vertrauen in unsere gesellschaftlichen Institutionen und in deren Vertreter ist letztlich die Grundlage für unsere Unfähigkeit zur Veränderung. Wir haben gelernt darauf zu vertrauen, dass es immer „Jemanden“ gibt, der uns aus der Patsche hilft.

Selbst schuld könnte man sagen, denn jeder Mensch könnte ja prinzipiell auch anders. Allerdings sollte man nicht verkennen, dass dies Abhängigkeit über Jahrzehnte hinweg ein sehr nützliches Mittel für die Mächtigen dieser Welt war. Unser Vertrauen in den guten Willen oder den richtigen Weg hat unbequeme Fragen oder gar Initiativen zur Veränderung überwiegend unterdrückt. Selbst die Studentenbewegung der sechziger Jahre oder die grüne Bewegung hat nicht dazu geführt grundsätzliche Selbstverständlichkeiten darüber, wie wir wirtschaften oder leben wollen und sollen, ins Wanken zu bringen.

Die positive Seite von Krisen

Erst die Kombination von  Globalisierung, Klimaveränderung,  Finanzkrise und Internet erzeugt – so komisch dies angesichts der durch die ersten drei Ereignisse verursachten Schäden auch klingen mag – die Hoffnung und Möglichkeit zugleich, die beinahe natürlich wirkenden Selbstverständlichkeiten zu hinterfragen und gemeinsam neue Antworten zu finden. Und daran kann sich die offizielle Politik durchaus beteiligen, sie muss es aber nicht, denn das Internet liefert uns neue Formen der Gruppenbildung, Entscheidungsfindung und Veränderung.

Vertrauen ist gut, Zweifeln ist besser

Blindes Vertrauen – dass hat uns spätestens die Finanzkrise gelehrt – führt irgendwann mal in die falsche Richtung. Wer nicht blind Vertrauen muss, kann oder möchte, der braucht Information und Bildung. Zweifeln muss möglich sein. Die Finanzkrise ist in diesem Sinn vielleicht sogar ein Segen, ebenso das Scheitern des Klimagipfels in Kopenhagen.  Immer mehr Menschen beginnen zu zweifeln, ob die klassischen Problemlöser und Heilsbringer noch die richtigen Antworten für die Zukunft liefern können.

Selbst in der Wirtschaftswissenschaft, für die jahrelang galt, dass erst durch das Ablegen einer Art Glaubensbekenntnis bestimmte Karrierewege offen standen, fängt wieder an zu zweifeln und muss dies auch tun, um bei der Lösung der zukünftigen Probleme noch helfen zu können. Insofern ist die Finanzkrise auch eine Krise der Wirtschaftswissenschaften in der jahrzehntelang Theorie als vermeintliche Wahrheit verkauft wurde, obwohl es eigentlich an vielen Stellen eigentlich nur um „Glaube“ ähnlich wie in der Theologie ging. Ist Ihnen mal aufgefallen, wie häufig den Aussagen von Politikern und anderen sogenannten Experten inzwischen die kurze Formel „Ich glaube“ vorweggestellt wird?

——————————————-

Hier positionieren sich die Zweifler:

http://paecon.hallowiki.de/index.php/Hauptseite

—————————————–

Kitt hält nicht ewig

Wir befinden uns inmitten einer Vertrauenskrise. Der alte Kitt löst sich langsam auf. Der individualisierte Mensch beginnt zu verstehen, dass  nicht nur er  der Schmied seines eigenen Glücks ist sondern auch die Zahl der Altruisten  immer geringer wird. Auch Politiker und Unternehmer verfolgen individuelle Ziele und darüber hinaus strebt jede Institution oder jedes soziale System in erster Linie einmal nach Selbsterhalt. Um diesen Selbsterhalt sicher zu stellen, wird dann auf intern etablierte Verfahren gesetzt. Nur ganz selten kommt es bzw. kam es in den letzten Jahrzehnten zu krisenhaften Störungen oder gar sozialen Revolutionen.

Das Internet schafft Möglichkeiten

Womit wir beim Internet wären, dessen technologische Komponente gegenwärtig an Bedeutung verliert. Das Internet ist eine soziale Revolution. An allen Ecken und Enden löst es die klassischen Selbstverständlichkeiten auf. An allen öffentlichen Orten und in allen alten Medien versuchen die etablierten Kreise, die Ihnen durch das Internet drohenden Verluste, mit den oben erwähnten etablierten Verfahren der alten Systeme zu verhindern.  Platte Technologiekritik, absurde Warnungen vor sozialem Verfall oder psychopathologischen Folgen oder der Zugriff und die Nutzung der selbst geschaffenen rechtlichen Regelungen und Systeme werden aktuell überall eingesetzt, um die neue Welt aufzuhalten. Dabei schreckt man dann auch nicht davor zurück einer ganzen Generation heranwachsender Menschen vor den Kopf zu stoßen. Einer Generation die den Vorteil hat, nicht erst verlernen lernen zu müssen, um das Neue annehmen zu können.

Und die Bankenwelt?

Betrachten wir mal kurz die Bankenwelt, welcher ich ja diesen Blog widme, dann kann man feststellen, dass man dort die sozialen Brüche und Veränderungen, die durch das Internet ausgelöst werden, weitgehend noch nicht erkannt hat. Zwar kann man der Bankenbranche aktuell nicht vorwerfen, dass sie sich gegen die durch das Internet hervorgerufenen Veränderungen stemmt. Im Gegenteil die Bankenbranche war schon immer offen für jede Technologie, die mehr Effizienz und geringere Kosten versprach. Allerdings  hapert es – bis auf einige rühmliche Ausnahmen natürlich – beim Verstehen der Veränderungen. Wobei es sich natürlich auch um Angst und die Hoffnung handeln kann, dass bald wieder alles so sein wird wie es ist.

Banken nutzen twitter, Facebook & Co und stellen sich dadurch menschlicher und transparenter dar. Aber sind sie dadurch menschlicher und transparenter? Banken ändern ihre Marketing Strategien und kommunizieren emotionaler, aber wenn man dann die Kommentare der Verbraucher hierzu liest, stellt man fest, dass diese offenbar eine andere Vorstellung von „Social Media“ oder „Social Banking“ haben. Das Vertrauen einiger Verbraucher ( vor allem der jungen Digital Natives) in die Banken oder in andere wichtige Vertreter unserer „sozialen Marktwirtschaft“ ist offenbar so nachhaltig zerstört, dass die meisten Social Media Aktivitäten direkt (zurecht oder zu  unrecht) als platte Marketing Strategie identifiziert , kategorisiert und verurteilt werden.

Gerade bei den jungen Verbrauchern in Deutschland scheint kein großer Bedarf zu bestehen, die Banken in ihren sozialen Netzwerken zu treffen. Man schaue sich doch nur einmal  die wenigen Blogs, Facebook  Gruppen, youtube Channel oder twitter Accounts der Banken an. Entweder passiert wenig bis gar nichts oder es findet kein Dialog statt. Nicht nur weil die Banken lieber senden als Dialogangebote unterbreiten, sondern häufig auch, weil es beim Verbraucher offenbar keinen Bedarf zum Dialog gibt. So toll ich es finde, dass die Noa Bank einen eigenen Blog betreibt, das Sparkassen bei twitter, Volksbanken bei Facebook oder youtube sind,  ein Blick in die Kommentare und auf die von Nutzern generierten Inhalte wirkt doch sehr schnell ernüchternd.

Dies alles könnte natürlich auch dafür sprechen, dass man die Sprache der Menschen und insbesondere der jungen Menschen gar nicht mehr sprechen kann. Und auch Sprache beruht ja auf Vertrauen, genauso wie Geld. Und wo Vertrauen fehlt, ist man – so lernten wir das – häufig auf sich selbst gestellt und muss sich selber helfen oder zu helfen wissen.

Und nun zur Trivialität

Und hier kommt nun die Trivialität ins Spiel. Denn wenn mir die Werkzeuge und Hilfsmittel fehlen bei zerstörtem Vertrauen mein Schicksal in die eigene Hand zu nehmen, dann kann ich auch nicht viel verändern. Bevor das Internet zu einem sozialen Handlungswerkzeug wurde war dies so. Da konnten  alle Institutionen und Unternehmen darauf bauen, dass sie immer so weiter machen konnten wie zuvor. Störungen waren zwar möglich. Dass Herbeiführen solcher Störungen war für die Menschen allerdings extrem schwierig, kompliziert oder zeitaufwändig. Jede Störung oder jeder Veränderungswunsch musste zunächst einmal eine ganze Armada von Filtern überwinden. Angefangen zum Beispiel  bei der persönlichen Fähigkeit einen Leserbrief zu schreiben oder bei der Wahrscheinlichkeit, dass dieser Leserbrief auch abgedruckt wird . Oder wann, wo und wie dieser Leserbrief abgedruckt wurde. Oder nehmen wir die Schwierigkeit Menschen zu finden, welche ähnliche Ansichten hatten, damit man sich auf dieser Basis organisieren konnte, denn für unsere Gesellschaften gilt ja: Kein Gehör und keine Veränderungsmacht ohne Organisierung.

Der bisherige Erfolg und die soziale Sprengkraft des Internets liegt in seiner Trivialität. Jeder kann:

Suchen, Finden, Herstellen, Veröffentlichen, Vertreiben, Gehör finden, Sich selbst darstellen und vermarkten, gleichgesinnte Finden, Öffentlichkeit herstellen und erreichen,  sich selbst organisieren, verändern etc.

Trivialität macht Angst

Aus dieser Trivialität erwächst auch die Angst der Etablierten, da das Internet prinzipiell unkontrollierbar ist und  -wie Clay Shirky treffend beschreibt – Vorbeugung geradezu  ausschließt. Das Internet erfordert die Fähigkeit zur Reaktion und der Umgang mit dem Medium bzw. dessen Bewertung hängt sehr stark vom eigenen Weltbild und der eigenen Verortung in dieser Welt ab. Wer vor dem Internet warnt hat, in der Regel etwas zu verlieren oder hat einfach Angst vor dem Trivialen.

Zumal das Triviale bei der Masse der Menschen meistens gut ankommt. Das Triviale und das Volk werden vielfach sogar gleichgesetzt und im Gegenstand des Internets nimmt der alte Streit zwischen Hoch- und Trivialkultur wieder Fahrt auf. Da kümmert es dann auch wenig, dass vormals eher im Bereich des Trivialen angesiedelte Medien wie das Fernsehen, auf einmal zum Sprecher der Hochkultur werden und beanspruchen vor dem Internet geschützt zu werden. Wobei man dem Internet mit der Bezeichnung Medium sowieso nicht gerecht werden kann. Aber das ist ein anderes Thema.

Rückzug oder Aktivität?

Wo das Vertrauen zerstört ist erfolgt häufig auch der Rückzug ins Private. Immer mehr Menschen haben heute nicht nur das Vertrauen in die Institutionen verloren, sondern sogar in die eigenen Fähigkeiten. Die systematische Entmüdigung von der Fähigkeit etwas zu unternehmen, erzeugte weitgehend hilflose Individuen, die sich der Trivialität hingeben müssen. Genau diese Trivialität bietet nun aber einen Ausweg, da sie sich in einem Instrument verkörpert,  welches das Potential bietet das im Zuge der Globalisierung weitgehend aufgelöste soziale Kapital der Gesellschaften oder gar der Welt wieder herzustellen. Das Potential ist da, die Chance müssenwir Menschen ergreifen.

Das Jahr der sozialen Bewegungen?

Insofern könnte das Jahr 2010 das Jahr der sozialen Bewegungen werden. Das Jahr, in welchem durch das Internet tatsächliche Veränderungen herbeigeführt werden und sich eine digitale Opposition herausbildet. Das Jahr in dem nicht mehr die Begeisterung für die Technik und die Aktivitäten in anderen Ländern im Mittelpunkt stehen, sondern in dem auch wir erkennen, dass das Internet die Freiheit der Mehrheit der Menschen vergrössern wird. Wenn die Gesellschaften, Institutionen und Unternehmen daran wirklich ein Interesse haben, dann muss man sich vernünftig und demokratisch mit neuen Rahmenbedingungen auseinandersetzen und darf sich nicht auf eine Politik der Warnungen, Beschränkungen und Verbote zurückziehen.

So wie bekomme ich jetzt noch mal kurz die Kurve zur Finanzbranche?

Trivialität findet sich auch dort in Handlungen und Manifestationen. Und auch die Aufgaben und die Erwartungen an Banken sind fast schon als trivial zu bezeichnen. Das dennoch durch das Handeln der Banken und den Glauben an die Regeln der Wirtschaftslehre solche Schäden hervorgerufen wurden, könnte auch mit der Unterschätzung des an und für sich Trivialen zu tun haben.

Und ähnlich ist auch der Umgang mit dem sozialen Internet. Auch wenn die Nutzung des Internets für Jedermann möglich ist, sollte man als Bank nicht vergessen, dass man es mit Menschen zu tun hat, die auch wie Menschen angesprochen und behandelt werden wollen. Es macht einfach keinen Sinn die sozialen Medien  als weiteren Marketing Kanal zu betrachten und dort mit den alten Praktiken zu agieren. Auch das vermeintlich triviale erfordert eine inhaltliche Auseinandersetzung, um sich zum Schluss dieser wahrhaft trivialen Aufgabe stellen zu können:

„Der eigentliche Zweck wirtschaftlichen Handelns sollte darin bestehen, die Dinge zu produzieren, die den (allen) Menschen eine glückliche und zufriedene Existenz ermöglichen“

Mathias Binswanger. Wider den Reformenzwang. GDI Impuls, Nummer4, 2009

Beenden möchte ich diesen ersten Blogartikel des Jahres 2010 mit zwei weiteren Zitaten:

Governments and even companies are accustomed to being target of protests, so as protests are coordinated by social media become normal, their effectiveness will fall. A more remarkable and longer-lived change will bei in the offing, though, if people are able to start using these tools in bypass government or commercial entities in favor for taking on problems directly. If this happens, it will be a far bigger challenge to the previous institutional monopoly on large – scale ation than anything we have seen to date.

Clay Shirky. Here comes everybody – Seite 318

Es wird einen Aufstand von unten geben. Man wird zunehmend die Frage nach der Legitimation des politischen Handelns stellen, denn immer mehr Menschen, Rentner, Bedürftige, werden merken: Der Sozialstaat lässt uns im Stich.

Die einen werden resignieren, aber viele werden fragen: Können wir uns nicht selbst helfen? Alleinerziehende Frauen werden sich zusammentun und eine Art Genossenschaft bilden, genauso wie Rentner, Arbeitslose. Und sie alle werden ziemlich ungemütlich werden, wenn man sie reglementieren will: Der Widerstand der allgegenwärtigen Bevölkerung wird wachsen.

Kurt Biedenkopf. Aufstand von unten. Brand Eins 01/10. Interview von Gabriele Fischer.

Die Genossenschaft und das Internet. Zwei Begriffe, die wir zukünftig wieder oder noch häufiger hören werden, und auch die Entwicklung der Begriffe Vertrauen und Trivialität gilt es weiter im Auge zu behalten.

In diesem Sinne wünsche ich ein frohes neues Restjahr. Kommentare hier oder mit @electrouncle auf twitter