Regionale Banken brauchen regionale Mehrwerte


Ideen zum klauen:Coworking Spaces

Als Mitarbeiter einer Bank kennen Sie den Anblick leerer oder fast leerer Filialen. In dem ein oder anderen Fall haben Sie sogar schon erlebt, dass Filialen geschlossen wurden oder Sie versuchen Immobilien an den Mann oder die Frau zu bringen, die Sie aber über Jahre nicht verkauft bekommen. Mit anderen Worten Ihre Bank verfügt über ungenutzte Räume, die zudem oft noch sehr gut ausgestattet sind.

Regionalität

Nun ist es so, dass einer der wesentlichen Vorteile bzw. USPs regionaler Banken – und das klingt jetzt tautologisch – deren Regionalität ist. Das wissen diese Banken in der Regel selber, ohne diesen Vorteil aber wirklich  zeitgemäß zu nutzen. Die regionale Sparkasse oder Genossenschaftsbank sieht aus wie jede andere Bank, handelt wie jede andere Bank und schafft es nicht sich von den anderen – nicht regional geprägten- Banken zu unterscheiden. Dr. Hans Jörg Leichsenring hat dies – danke für die Vorlage – im folgenden Blogartikel: Regionale Banken ohne regionalen Bezug sehr schön geschildert

Von einer regionalen Bank sollte man die enge Vernetzung mit regionalen Einrichtungen erwarten. Neben regionalen Partnerprogrammen (was in der genossenschaftlichen Welt ja z.B. gelebt wird) und der Kenntnis des regionalen Marktes, sollten Banken jenseits bzw. in der Peripherie ihres klassischen Angebotes aber beginnen, weiter zu denken, ihr Profil zu schärfen und deshalb auch neue Leistungen zu entwickeln, welche die Menschen der Region stärken und damit Potentiale für regionales und nachhaltiges Wachstum bieten. Was – das sei am Rande erwähnt – dann auch bedeutet, sich nicht nur auf die Kunden zu fixieren, die ohnehin gut mit Geld versorgt sind, denn das machen letztlich alle anderen Banken auch, weshalb Banken für die überwiegende Mehrheit der Menschen ununterscheidbar sind.

Bieten Sie Coworking Spaces

Eine Möglichkeit die Region zu stärken und vor allem auch bestehende oder zukünftige Firmenkunden zu stärken, wäre die Einrichtung von Coworking Spaces, die sich vor allem in Städten steigender Beliebtheit erfreuen. Und wie schon gesagt, die regionalen Banken verfügen über Räume,die entweder gar nicht, unzureichend oder nur temporär genutzt werden.

Coworking Spaces sind das Ergebnis einer sich verändernden Arbeits- und Unternehmenswelt. Den klassischen Firmenkunden wird es zukünftig immer weniger geben, wodurch sich auch die klassischen Prinzipien und Prozesse der Betreuung von Firmenkundenverändern werden und auch hieran werden sich die regionalen Banken anpassen müssen, da ihr Bild vom Firmenkunden häufig weniger modern und realistisch ist, wie das der großen Privat- oder Direktbanken.

Coworking Spaces richten sich vor allem an Menschen, deren Arbeit nicht von einem Ort abhängig ist, die also kaum Büroräume benötigen, aber dennoch auf eine entsprechende technische Ausstattung wie .z.B: Netzwerk, Drucker, Scanner, Fax, Telefon, Beamer, Besprechungsräume, etc) angewiesen sind, in die sie aber nicht selber investieren möchten oder können. In Coworking Spaces treffen sich i Menschen und Firmen, die voneinander profitieren, sich also temporär in Projekten zusammenfinden oder sich gegenseitig kleinere Dienstleistungen anbieten können. Die Arbeitsplätze können Tages-, Wochen oder Monatsweise angemietet werden. Ansonsten herrscht absolute Flexibilität zu sehr geringen Kosten. Der Anteil der fixen Kosten an einer Unternehmensgründung kann damit extrem reduziert werden. Die Gründung eines Unternehmens wird einfacher und weniger riskant. Solche Coworking Spaces, die Idee stammt aus den USA, sind Innovationszentren und bringen häufig junge, kreative Start ups hervor, da Sie unter anderem auch Fähigkeiten und Ideen zusammenbringen.

Eine Studie unter Coworkern zeigte sehr deutlich, wie diese voneinander profitieren können: Verbesserte Interaktion, höhere Produktivität und Motivation und sogar höhere Einkommen, sind laut einer Umfrage aus dem Januar 2011 besondere Vorteile.

Quelle:  www.coworking.de

Geben und Nehmen

Banken haben nicht nur Räume, in denen solche Coworking Spaces eingerichtet werden könnten, sie besitzen außerdem die Infrastruktur und können den Nutzern in vielerlei Bereichen Hilfestellungen anbieten. Darüber hinaus können Sie von den jungen Unternehmern lernen, wie sich Arbeitswelt und Unternehmenswelt zukünftig verändern werden und damit auch, wie Sie ihre eigenen Angebote und Leistungen anpassen müssen. Insofern ist coworking in den Räumen der Bank auch eine Chance zum crowdsourcing und zur Innovation. Gleichzeitig können Banken Unternehmen oder Selbstständige, welche an einer Finanzierung interessiert sind, sogar eine zeitlang begleitend beobachten. Dadurch lässt sich mehr Sicherheit bei der Finanzierung erzielen. Zahlreiche weitere Optionen würden sich bieten. Letztendlich wäre die Einrichtung regionaler Coworking Spaces in Banken eine echte Win – Win Situation.

Auch die Region profitiert

Und um noch einmal auf den regionalen Aspekt zu kommen: Die Bank zeigt so wirklich regionale Nähe. Sie stärkt die Unternehmen der Region, indem Sie tagtäglich an deren Alltag partizipiert. Es entstehen neue Arbeitsplätze. Gelder fliessen zurück in die Region. Arbeitsplätze werden geschaffen. Das wäre echtes soziales Business: Hilfe zur Selbsthilfe oder wie sagte es ein weiser Mann vor vielen Jahren: Was der einzelne nicht vermag, dass vermögen viele.

Also lieben Regionalbanken: Legen Sie los. Und falls Sie schon losgelegt haben, würde mich Ihre Story interessieren. Oder ist das mal wieder eine Schnapsidee. Was meinen Sie? Kommentare, tweets an @electrouncle oder Meinungen auf http:www.facebook.com/diefinance20seite sind erwünscht.

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Andere Ideeen zum klauen:

Geschenk am Getränkeautomat

Bankersprache übersetzen

Mehr Infos zum Coworking:

www.deskmag.com

www.coworking.de

http://www.coworking-news.de

Ein Coworking Space in Düsseldorf:

http://garagebilk.de/

Und das könnte Sie auch interssieren:

Social Banking: Volksbanken Raiffeisenbanken

Alexa Gröner erklärt Fundraising 2.0


Diesmal beantwortet Alexa Gröner meine 6 Fragen und eine Zusatzfrage. Sie hat – wie man auf der Internetseite http://www.fundraising20.de nachlesen kann – ein Team aus professionellen Fundraisern und  Social Media Experten zusammengebracht, um sowohl Online als auch Offline die Möglichkeiten des Internets auszuloten und auszuprobieren. Aber lesen Sie selber über eine weitere Initiative, welche die Finanzwelt verändern wird.

Bitte stellen Sie sich und die Institution für die Sie arbeiten kurz vor

Mein Name ist Alexa Gröner, nach 25 Jahren als Creative Director in fremden und eigenen Werbeagenturen mit dem Schwerpunkt Online-Strategien berate ich seit ca. 5 Jahren freiberuflich Stiftungen, Organisationen, Vereine und Projekte zum Thema Fundraising, Online-Fundraising und Corporate Identity. Meine For-Profit-Erfahrungen bringe ich optimal in den Non-Profit-Bereich ein.

Da ich zu den Internet-Pionieren von 1996 gehöre, war es für mich naheliegend, mich auf das Thema Online-Fundraising zu fokussieren: fundraising2.0 war geboren. Den Startschuss setzte ich im Januar 2010 mit dem fundraising2.0 CAMP, eine Unkonferenz mit über 150 Teilnehmern, das zweite fundraising2.0 CAMP am 21.1.2011 hatte ca. 280 Teilnehmer!

Was ist Fundraising 2.0?

Nach fast 15 Jahren Online-Erfahrung war ich während meiner Ausbildung zur Fundraising-Managerin (FA) 2009 gespannt auf den Online-Fundraising Part. Aber: Fundraising und Online gingen nicht besonders gut zusammen. Erst die sozialen Medien (facebook, twitter, blogs) mit ihrem dialogischen Ansatz brachten wieder Leben in die Online-Fundraising-Diskussion. Bis dato warenSpendenformulare und Spendenshops das Non-Plus-Ultra des Online-Fundraisings.

Fundraising 2.0 beschränkt sich aber nicht darauf, ein Instrument zur Spendenakquise zu sein, fundraising 2.0 bedeutet für die Organisation auch, sich auf einen Spenderdialog einzulassen, dem Unterstützer mehr Einblick indie Projekte zu ermöglichen. Transparenz ist das Stichwort – und auch der Umgang mit öffentlicher Kritik.

Fundraising2.0 als Marke beinhaltet das jährlich stattfindende fundraising2.0 CAMP und den führenden Online-Fundraising fundraising2.0 BLOG, den wir im kleinen Team aufgebaut haben.

Wofür benötigen wir Fundraising 2.0?

Facebook, Blogs, Online-Videos und Twitter sind wunderbare Werkzeuge um mehr von den Projekten zu erzählen, um Interessenten an den Visionen der Organisation teilhaben zu lassen. Zum einen werden (laut Statistik) aus „Freunden“ auch Spender, zum Anderen gibt es der Organisation von Freiwilligen neue Möglichkeiten. Fundraising ist „Friendraising“ – eine alteFundraiser-Weisheit, die jetzt neue Dimensionen bekommt.

Der klassische Spenden-Brief ist immer noch das Instrument Nr. 1. Zahlenprognostizieren eine Änderung zugunsten der Online-Fundraising-Instrumente frühestens in 5 – 10 Jahren. Die Hauptspendergruppe von Menschen 60+, die wenig und spezielle Online-Verhalten haben, erklärt diese Verzögerung der Online-Fundraising Relevanz.

Eine amerikanisch/kanadische Studie von 2009 zeigt allerdings, dass die Gruppe der 25 – 45 jährigen zusammen genommen gleich viel spendet wie die Gruppe der 60+ Spender. Für Deutschland gibt es solche Zahlen bisher nicht. Außerdem sind viele Online-Fundraising-Instrumente und Plattformen noch in der Findungs-Phase, es gibt viele Instrumente wie SMS-Spenden, Crowdfunding-Plattformen oder facebook-Spenden-Module die sich momentan ausprobieren. Zahlen dazu liegen auch noch nicht vor.

Wo sehen Sie Mängel im traditionellen Fundraising und wie kann Fundraising 2.0 diese lösen?

Fundraising ist eine sehr vielschichtige Aufgabe in einer Organisation odereinem Projekt. Besonders bei sinkender institutioneller Unterstützung sind die Projekt-/Vereins- oder Organisationsmitglieder gefordert entweder das Projekt zu beenden oder nachhaltiges Fundraising aufzubauen. Das ist ein langwieriger Prozess. Traditionelles Fundraising fokussiert sich meist auf Spendenbriefe (Mailings) oder institutioneller Unterstützung. Fundraising 2.0 bietet neue, innovative Fundraising-Ansätze, die auf einem Dialog mit den Unterstützern basieren. Aktuell ist das eine sehr aufwendige und monetär wenig erfolgreiche Art des Fundraisings (mit Ausnahme der Katastrophen-Hilfen, hier ist das Online-Fundraising sehr erfolgreich) und die Organisationen werden in diese Instrumente wachsen. Ich bin mir sicher, dass die Möglichkeiten des Online-Fundraisings noch lange nicht ausgelotet sind.

Von welchen Unternehmen oder aus welchen Bereichen erwarten Sie die größten Impulse und besten Ideen zur Verbesserung der bisherigen Praxen?

Momentan sind drei Entwicklungen zu beobachten:

1. Die Silversurfer (+60) haben im Internet die größten Zuwachsraten. Die kombinierte On- Offline-Kommunikation gerade mit diesen Zielgruppen finde ich sehr spannend.

2. Mobile Spendenmöglichkeiten wie z.B. SMS Spenden via spendino und

3. Facebook Spendenapplikationen, die es im deutschen Markt noch nicht gibt, entsprechend Causes dem amerikanischen Markt.

Alle drei genannten Online-/Mobile-Fundraising-Instrumente sind aber nie alsEinzel-Fundraising-Lösung zu sehen, sondern immer eingebettet in eineFundraising- und Kommunikationsstrategie. Um ein Projekt erfolgreich zufinanzieren, sollte die Cross-Media-Konzeption immer die Basis sein.

Welche Rolle spielen oder können Banken beim Fundraising 2.0 spielen.

Manche Banken, wie z.B. die Bank für Sozialwirtschaft, entwickeln Schnittstellen und Widgets, die ihre Kunden kostenfrei in ihre Webseiten oder vielleicht sogar facebook-Fanpages einbinden können. Die Banken informieren ihre Kunden (besonders den Senioren) über die Sicherheit beim Online-Spenden. Die Kommunikation von Banken und ihren Kunden ist eine Verbindung, die auf Vertrauen basiert, hier können Banken ihren Kunden auf viele Arten Mut machen, auch Online zu spenden oder auch Organisationen und Stiftungen Wege zum Online-Fundraising aufzuzeigen.

Als dritten Punkt fällt mir noch die Schnittstelle zwischen Online-Spendeund Fundraising-Datenbank bzw. Buchhaltung ein. Einfache Anbindung an die Buchhaltung von Online-Formular oder anderen Online-Instrumenten wäreebenfalls eine gute Unterstützung der Banken für gemeinnützige Organisationen.

Wie sehen Sie grundsätzlich die Zukunft von Non Profit Unternehmen in Zeiten der Finanzkrise. Haben sie eine Zukunft ohne Fundraising 2.0?

Fundraising 2.0 ist ein Fundraising-Instrument, kein Allheilmittel, da die Umsätze via Online-Fundraising noch sehr gering sind (0,1%). Das liegt natürlich auch an dem Umgang der Organisationen mit dem Thema Online und Social Media allgemein. Die Finanzkrise spielt für den Durchschnittsspender keine Rolle, sondern eher für Stiftungen, die ihr Vermögen für die von ihnen unterstützen Projekte zuverlässig anlegen müssen. Hier gab es einige Absagen von Stiftungs-Anträgen mit der Begründung der Finanzkrise.

Die private Zusatzfrage:

Was machen Sie, wenn Sie sich nicht mit Fundraising beschäftigen? Sprich wie verbringen Sie gerne Ihre Freizeit.

Am liebsten schlendere ich: ich besuche Galerien, Museen, Städte, Berge, amStrand und gehe einfach spazieren und gucke. Am liebsten in Venedig, Amsterdam und New York.

Silos zerstören mit qwiki


Wo ist das Wissen?

Es ist ein Ihnen allen bekanntes Problem. Das Wissen ist innerhalb Ihres Unternehmens verteilt und verborgen und es ist mitunter kompliziert und aufwändig, dieses – zum Beispiel im Kundenprozess erforderliche -  Wissen im richtigen Augenblick zur Verfügung zu haben. Neben Ihren Mitarbeitern ( in deren Köpfen u.a. große Teile des Wissens verborgen sind) sind Ihre IT Systeme und die sonstigen (auch analogen) Möglichkeiten der Wissensspeicherung das Problem. Nicht zu vergessen, dass mit dem Ausscheiden von Mitarbeitern häufig eine ganze Menge Wissen direkt mal verloren geht. Und hier ist der Wert des informellen Wissens nicht zu unterschätzen.

Enterprise 2.0

Die sozialen Technologien sind nun in vielerlei Hinsicht eine Möglichkeit, um dem Problem der Silos und dem Trend zur Echtzeitreaktion und  -interaktion zu begegnen. Das Tool qwiki, welches bisher gar nicht als Enterprise 2.0 Tool angelegt ist, könnte hier einen ersten Ausblick in eine veränderte Informationssuche (eher Findung) – darstellung, -aufbereitung sein.

Aber probieren Sie es am besten selbst einmal aus. Denn die Nutzung macht viel Spass und man kann sich gut vorstellen, welche Möglichkeiten hier noch bestehen. Vielleicht auch für die Information des Verbrauchers zu Finanzfragen.

http://www.qwiki.com/

Und hier der Ausblick

[Vimeo 15829153]

Post Scriptum

In Sachen Enterprise 2.0 gibt es hier demnächst ein Interview mit Matthias Berger von der Agentur Berger,Baader, Hermes, die das interne Crowdsourcing Projekt der Hypovereinsbank konzipiert haben.

Hier mein kurzer Artikel dazu:

Samstag ganz kurz: Hypovereinsbank setzt auf Enterprise 2.0


Social Marketing

Wenn Unternehmen und vor allem Finanzunternehmen sich dem Thema Internet nähern, dann zumeist mit dem Ziel eine andere oder bessere Kommunikation mit dem Kunden zu erreichen. Man richtet dabei sein Augenmerk auf die Perspektive intern /extern.  Was leider zumeist auch zur typischen unidirektionalen Sende-Kommunikation führt.

Enterprise 2.0

Meiner Meinung nach wäre es aber eigentlich viel besser wenn Unternehmen mit der Nutzung des interaktiv kollaborativen Internets zunächst innerhalb des Unternehmens beginnen würden. Dies hätte viele Vorteile z.B. eine breitere Akzeptanz und schnellere kulturelle Durchdringung.

Hypovereinsbank startet mit Internem Crowdsourcing

Die Hypovereinsbank hat – so berichtet die Internetseite one to one (Dialog über alle Medien) – sich von der Agentur  Berger Baader Hermes ein internes Kommunikationskonzept entwickeln lassen, dessen Kern aus einem crowdsourcing Ansatz besteht, bei dem alle Mitarbeiter ihr bisher verteiltes Wissen in Service und Beratung einbringen können. Interessant ist darüber hinaus auch die Nutzung klassischer Kommunikationsinstrumente, um die Mitarbeiterschaft auf breiter Basis und von Anfang an mitzunehmen. Dies scheint ein Best Practice zu sein. Wäre interessant mehr darüber zu erfahren. Bitte deshalb um ein Interview für meinen Blog

Langweilen auf Facebook


Wir Alle lieben Facebook.

Unser natürlicher Drang nach Austausch und Kommunikation und nicht zuletzt unsere Neugier treibt uns in Scharen – fast wie Herdentiere – in die Arme von Facebook.

Soziale Netzwerke sind nichts Neues, sie gehören sozusagen zur menschlichen Natur und sogar internetgestützte sozialen Netzwerke gab es schon lange bevor Facebook zu “everybodies darling” wurde.

Mehr als 11 Millionen Menschen loggen sich inzwischen regelmässig in ihren Facebook Account ein bzw. haben sich einmal ein- und seitdem nicht mehr ausgeloggt und werfen, aufgrund der herausragenden Nützlichkeit, alle kulturell eingeübten Privatheits- und Sicherheitsregeln mehr oder weniger schnell über Bord.

Herdentiere

Und wo 11 Millionen Menschen aktiv sind, da müssen natürlich auch die Unternehmen hin, denn schließlich muss man den Menschen in seiner Rolle als Kunde überall auflaueren, wenn man in den immer stärker umkämpften Märkten noch eine Chance zu haben. Nun haben wir gelernt, dass das soziale Internet anders genutzt werden kann und – wie vielfach behauptet – auch werden sollte, als die uns bisher bekannten Kommunikationskanäle, die für Unternehmen ja vor allem Vertriebskanäle sind. Leider scheint dies aber gar nicht so einfach zu sein.

Was Ich Tue

Gehen wir aber mal kurz einen Schritt zurück. Auch ich nutze natürlich Facebook. Neben meinem privaten Profil betreibe ich dort inzwischen auch eine Art Unternehmensseite, als Ergänzung zu meinem Finance 2.0 Blog, um dort mit den Menschen, die sich ebenfalls für die von mir dort kommunizierten Themen interessieren, näher in Kontakt zu treten. Ich baue also meine eigene kleine Community auf und trenne dabei – das wird ja auch oft empfohlen – zwischen den eher privaten und den eher beruflichen Themen, wobei das eigentlich gar nicht geht.

Ich folge niemals einer Bank

Auf meiner privaten Seite bin ich vor allem mit Freunden vernetzt und mit vielen Menschen, die ich bzw. die mich während meiner Arbeit, auf Workshops, in Vorträgen oder in Beratungsprojekten kennengelernt habe(n). Darüber hinaus auch mit vielen Social Media Experten oder sagen wir besser Internet Experten. Ich folge auch einigen Unternehmensseiten. Vielen allerdings aus professionellem Interesse und nicht weil ich das Unternehmen, die Marke oder deren Produkte besonders toll finde. Den Unternehmen denen ich aus letzt genanntem Grund folge, kommen aus mich interessierenden Branchen. Es handelt sich vor allem um Unternehmen aus den Bereichen Mode, Architektur und Musik. Ansonsten folge ich Zeitungen (Verlagen), Musikern, DJs und Bands, Musikverlagen, meinem Lieblingsfussballverein, Blogs und Bloggern, etc. Ich käme aber beispielsweise nie auf die Idee meiner Bank oder überhaupt irgend einer Bank zu folgen, solange diese mir nicht wirklich wichtige und mehrwertige Inhalte anbietet, die ich nicht auch woanders bekommen könnte bzw. mir der zusätzlich gewährte Zugang nicht bisherige Möglichkeiten erleichtert oder sogar ersetzt.

In der Regel folge ich aber Menschen und die Beiträge von Menschen, deren Gesicht man vor Augen hat und über deren Persönlichkeit ich bereits etwas weiß bzw. im Laufe der Facebook Vernetzung etwas gelernt habe, finden eine viel höhere Aufmerksamkeit und sind überwiegend origineller, aufmerksamkeitsstärker, spannender und interessanter als die Beiträge von Unternehmen.

Facebook Führt Unternehmen Nicht zu Neuen ufern

Dabei ist Facebook eigentlich mit dafür verantwortlich, dass Unternehmen innerhalb des sozialen Netzwerkes prinzipiell genau so positioniert sind, wie in den uns bisher bekannten Kommunikationskanälen. Ein Unternehmen muss eine Unternehmensseite einrichten und ist damit gezwungen als Institution zu den Menschen, also den Likern, Interessenten oder Kunden zu kommunizieren. Und dadurch ist es meistens vorbei mit der authentischen und menschlichen Kommunikation. Das Unternehmen (wir) spricht mit den Kunden (du, sie)

Das Sieht Dann zum Beispiel so aus

Wir wünschen Euch allen ein schönes und frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins Jahr 2011. Wir sehen und im neuen Jahr mit tollen Aktionen wieder – freut Euch schon heute darauf!”

“Unser Gewinnspiel ist zu Ende. Und das sind die Gewinner: xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx. Ihr habt je 2 Gästeliste-Plätze für die “xxxxxxxxxxxxxxxx” am 12.11.2010 gewonnen!”

“bietet alle Absolventen das Schärfste, das Ihrer Abschlussarbeit passieren kann! Die besten Abschlussarbeiten aus dem Bereich „xxxxxxxxxx  werden beim Karriere-Preis der xxx  2011 mit Preisgeldern von insgesamt xxxxxxx  Euro sowie vielversprechenden Karrierechancen belohnt. Infos unte rxxxxxx”

“das Jahr neigt sich dem Ende zu und wir blicken auf bewegte und bewegende Monate zurück.”

“Builds Up the Largest Research Facility in the Midd
xxx  announced today that it is moving ahead with the establishment of a Middle East research platform, expected to be the largest facility of its kind in the region …”

ES  liest sich nicht besonders prickelnd und ist auch keine neue und andere Art der Ansprache. Es ist nicht aufregend, nicht authentisch, nicht interaktiv oder kommunikativ.  Von Dialog und gleichberechtigtem Austausch keine Spur. Ok , die Gewinner sind glücklich. Aber wo kann ich heute nichts gewinnen und der Wettbewerb der Gewinnspiele wird zunehmen. An jeder Ecke findet man ein Gewinnspiel und die Erwartung auf einen Preis verleitet einen dazu seine Adressdaten (sollte eine Bank dies überhaupt tun?) anzugeben. Bisher habe ich zum Beispiel noch nirgendwo explizit gelesen, dass ein Gewinnspiel nur dem Vergnügen des Teilnehmers dienen soll und die Teilnahme vollkommen ohne Hintergedanken des Anbieters stattfindet. Es werden also keine Daten gespeichert oder der Versuch unternommen einen Teilnehmer zum Kunden zu machen.

Warunung

Eigentlich müsste ja explizit erwähnt werden, dass die Auswahl einer Bank oder eines Bankproduktes in keinem Fall aufgrund eine Gewinnspiels oder einer anderen Aktion auf der Facebook Seite der Bank erfolgen dürfe. Es sei denn die auf Facebook vollzogenen Handlungen reichen aus, um eine kompetente Entscheidung zu treffen. Oder sind die Facebook Aktivitäten nur das Spielzimmer innerhalb der Bankfiliale, in welchem sich die Kinder und Begleiter beschäftigen können, während sich die Erwachsenen über Geldthemen unterhalten.

Wir LangWeiler

Also nochmal zur Langeweile. Wir alle langweilen unsere nahen und weniger nahen Facebook Freunde nahezu regelmäßig. So ist das Leben. Es ist nicht immer interessant.Ich poste zum Beispiel gerne Kuchen Bilder. Diese erklären dann zwar meine zunehmende Körperfülle, werden aber viele meiner Freunde auf Facebook nicht die Bohne interessieren. Zum Glück gibt es offensichtlich aber Gründe, die dazu führen, dass es relativ selten vorkommt, dass Freunde mich entfolgen und wenn es nur die Bequemlichkeit ist.

Was mir aber auffällt ist, dass Unternehmen mich bei Facebook und auch bei twitter in der Regel extrem langweilen und mich sogar nerven. Und deutsche Unternehmen nerven mehr als englische oder amerikanische Unterehmen. Sie langweilen vor allem aber auch deshalb, weil sie als Unternehmen kommunizieren und nicht über die Mitarbeiter und weil Sie auch dies genau so machen wie immer.

Unternehmen VS. Mensch

Ein schönes Beispiel ist hier die GLS Bank, die ich übrigens zu den interessantesten Banken auf bzw. bei Facebook zähle. Aber auch diese dort überwiegend sehr gut agierende Bank (über 3000 Fans und vor allem viel Finanzthemen bezogener Dialog) langweilt doch sehr häufig. Im Gegensatz dazu, finde ich die Beiträge von JK von der GLS Bank in der Regel spannend, amüsant, menschlich und außergewöhnlich. Wäre JK ein Kundenberater der GLS Bank, dann hätte er eine gute Chance mich als Kunde zu gewinnen. Denn im Gegensatz zur Organisation GLS Bank hat er bzw. ist er eine Persönlichkeit. Ich fühle mich mit ihm auf Augenhöhe. Er ist ein Mensch aus Fleisch und Blut, zu dem ich Vertrauen aufbaue. Und die Kundenbeziehung mit Banken basiert immer auf einer persönlichen Beziehung zwischen mir und dem entsprechenden mir zugeordneten Mitarbeiter (Kundenbetreuer). Könnte man auf Facebook direkt über die Mitarbeiter mit einem Unternehmen kommunizieren, dann wäre es dort mit Sicherheit weniger langweilig. Da ist Xing ja eigentlich besser, denn dort ist das Unternehmen die Summe seiner einzelnen Teile und wie wir wissen noch viel mehr.

NUTZEN und WARUM?

Den wirklichen Nutzen von Facebook haben wir offensichtlich alle noch gar nicht richtig erkannt und wir bewegen uns sehr unsicher und vor allem unnatürlich darin.

Haben Sie sich mit dieser Frage eigentlich schon einmal intensiv auseinander gesetzt?

Warum soll man als Unternehmen oder Bank eigentlich Facebook nutzen?

Warum

Die Antwort weil es alle oder viele machen, greift zu kurz. Die Antwort weil immer mehr Internetnutzer bei Facebook sind, ist ebenfalls nicht hinreichend.

Was denken Sie zum Beispiel über diese Ergebnisse dieser Umfrage:

Would you friend your bank or brokerage company?

Umfrage

Und was machen wir Nutzer, nachdem wir ein Unternehmen z.B. aufgrund eines Gewinnspiels kurz gelikt haben. Entweder wir entliken es wieder – wenn es die Kurve zur Relevanz nicht kriegt – oder wir blockieren die Beiträge und holen uns alle paar Monate mal den nächsten Preis ab.

Und warum entlikt man ein Unternehmen?

Stop following

Nicht unwichtig natürlich auch die Frage, was Menschen speziell Ihre Zielgruppe von Unternehmen und insbesondere Banken im Internet erwarten?

Umfrage Erwartungen

Noch besser: Was würde die Erwartungen der Menschen oder Zielgruppe übertreffen?

Es sieht so einfach aus. Ist es aber nicht

Vorsätze


Häufig endet das alte Jahr mit Vorsätzen. Das neue beginnt dann sehr schnell mit dem Bruch dieser Vorsätze. Dabei spielt dann fehlende Zeit eine Rolle bzw. uns fällt es schwer die Entscheidung zwischen wichtig und unwichtig zu treffen, denn Zeit ist nunmal wirklich knapp und endlich, sie lässt sich nicht neu produzieren sondern allenfalls anders einteilen.

Meine Vorsätze für das Jahr 2011 haben auch mit Zeit zu tun. Denn schon jetzt ist absehbar, dass ich viele zusätzliche Entscheidungen zwischen unwichtig und wichtig zu treffen habe. Das  Stichwort ist “work -lifetime” oder moderner ausgedrückt “lifetime” Balance. Schließlich leben wir in einer Zeit, in welcher Arbeit zum integralen Bestandteil des Lebens wird und diese sich zum Beispiel von Zeit, Ort und sogar auch Arbeitgeber entfernt. Da muss man dann vor allem auch aufpassen, dass Familie, Freunde und man selbst nicht zu kurz kommt. Und darauf möchte ich 2011 besondere Rücksicht nehmen.

Weniger soll mehr sein

Dies bedeutet zum Beispiel, dass es im Jahr 2011 weniger Blog Beiträge geben wird. Ich möchte aber versuchen das Niveau hochzuhalten. Wozu ich gerne auf die partizipatorischen Möglichkeiten des Internets zurückgreifen möchte.

Ich freue mich über Ideen und Anregungen für neue Themen und interessante Interviewpartner. Hinweise auf gute Ideen von Banken oder der neuen Nicht Banken Konkurrenz. Und natürlich kann jeder der möchte, mir auch einen Artikel senden, den ich – wenn er nicht gegen die Richtlinien dieses Blogs verstößt – gerne hier veröffentliche. Meinungen sollen dabei eine größere Rolle spielen. Solche Vorschläge können Sie perMail, twitter oder auch Facebook an mich weitergeben:

mail:         boris.janek@googlemail.com
facebook: http://www.facebook.com/diefinance20seite
twitter:    @electrouncle

Unterstützung und Co Blogger gesucht

Besonders freuen würde ich mich, wenn ich ein bis zwei Co Blogger aktivieren könnte, die bereit wären regelmäßig ein bis zwei Artikel zu diesem Blog beizutragen. Auch hier sollten sich Interessenten direkt an mich wenden. Einfach die möglichen Themen nennen. Zu verdienen gibt es allerdings nichts als Reputation

Rubriken

Ich möchte versuchen die Ordnung in meinem Blog zu erhöhen, deshalb wird es einige Rubriken geben. In etwa so wie die regelmäßigen Interviews der Rubrik 6 Fragen mit Zusatzfragen. Diese Serie wird weiter gehen. Die Interviews aus dem Jahr 2010 kann man hier nochmal nachlesen und herunterladen:

http://www.scribd.com/doc/46314339

Eine weitere Rubrik wird “Ideen zum klauen” heißen, denn man muss die Welt ja nicht immer neu erfinden. Hier werde ich vor allem auf andere Branchen schauen und nach Ideen suchen, welche sich auch für Banken umsetzen ließen. Wie z.B. dieses wunderschöne App, welches Texte übersetzt. Wenn es doch nur ein solches App für die AGB und das Kleingedruckte von Bankprodukten und -verträgen gäbe. Beziehungsweise direkt auch für die Aussagen der Bankberater.

Mehr Musik

Der Blog sollte ja ursprünglich auch viele Inhalte über usik enthalten, mehr als die “Rubrik” Wie klingen Banken ist aber davon nicht übrig geblieben. Auch das wird sich in 2011 ändern. Ob es mir dabei gelingen wird immer einen Bezug zur Bankenbranche herzustellen, sei mal dahingestellt. In jedem Fall wird es jeden Monat meine 5 Lieblingslieder geben. Fangen wir mal direkt an. Meine Lieblingslieder im Januar sind:

  • Do as I say   von Gang of Four, die im Januar eine neue Platte rausbringen.
  • All you need is now von Duran Duran, deren Platte bereits im Dezember erschienen ist
  • Not in love von Chrystal Castles einer Scheibe auf der Robert Smith von The Cure singt
  • The Pipers song von Gypsy and the cat gefunden über www.wearehunted.com
  • Weihnachten von Erdmöbel übrig geblieben aus dem Dezember. Aber das nächste Weihnachten kommt bestimmt

Und noch ein Anliegen

Geschafft: Der erste Blogbeitrag 2011 ist geschrieben, auch wenn er sich eher mit dem Blog selber beschäftigte. Zum Schluss aber noch ein Anliegen. Nachdem wir ja eher zufällig vor der Umsetzung des nicht gerade sehr gut durchdachten neuen Jugenschutzggesetzes verschont geblieben sind, gilt es nunmehr aktiv gegen die nächste Steuer anzugehen, die eine Branche davor bewahren soll sich zu verändern und besser zu werden. Mit der GEZ Gebühr und der GEMA – Gebühr gibt es schon genug sinnentleerte und veraltetete Steuern oder Pseudo Steuern. Wir brauchen kein Leistungsschutzrecht. Deshalb bitte hier mitmachen und spenden für eine ganzseitige Anzeige in der Faz. Make the world a better place mit Hilfe von betterplace.org

http://de.betterplace.org/projects/5443-offener-brief-leistungsschutzrecht/invitation/new?token=800fe3ff51905baf2f20f921

Also los gehts 2011. Möge die Macht (äh?!) mit uns sein

Banken und die Generation Y: Der zweite Aspekt


Vor einigen Wochen habe ich mich erstmals intensiver mit der Generation Y, den Digital Natives oder Millenials auseinandergesetzt. Der Namen für die nach 1980 geborene Generation, deren Mitglieder ja eigentlich so wenig gemeinsam haben, wie keine andere Generation zuvor. Wer zunächst den ersten Teil lesen möchten, kann dies hier tun_

Banken und-die-Generation Y Empfehlungen in 2 Aspekten (Aspekt 1)

Im 2. Teil geht es um die Anforderungen der Digital Natives an den Bankarbeitsplaz.

Die Generation Y und der Arbeitsplatz (Aspekt 2)

Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Eigentlich wird es immer schwerer Menschen anhand von Merkmalen, Werten oder Einstellungen zu kategorisieren und in Einheiten einzuteilen, um sie dann besser verstehen oder z.B  zu Marketing- und Vertriebszwecken  erfolgsversprechender erreichen zu können  (klassische Marktforschung ist übrigens nicht web2.0 fähig, denn Sie ist nicht transparent und hat immer einen dem Befragten nicht bekannten Hintergedanken).  Es wird von Jahr zu Jahr schwerer Einheiten zu finden, die eine solche Einordnung erlauben würde, weil die Menschen prinzipiell immer mehr Auswahlmöglichkeiten besitzen und selbst bei gleichen oder ähnlichen Einkommensverhältnissen sich in Werten, Einstellungen und Verhalten vollkommen voneinander unterscheiden können.  Da hilft dann meistens nur noch der kleinste gemeinsame Nenner, der aber zu irrtümlichen Annahmen führt.

Auch wenn es darum geht, einzuschätzen, was eine Generation zukünftig von ihrer Arbeit, dem Arbeitsplatz oder dem Arbeitgeber erwartet, ist man von diesem Phänomen durchaus betroffen. Die wesentliche Gemeinsamkeit der Generation Y besteht darin, dass Sie mit dem Internet groß geworden sind, dennoch nutzen Sie das Internet ganz unterschiedlich.  Unterschiedliche Bildung, Zugangsmöglichkeiten, Vorlieben und persönliche Voraussetzungen sind nur einige der Bedingungen, welche die Internetnutzung beeinflussen.

Dennoch haben  fast alle Menschen der Generation Y die Gemeinsamkeit mit dem Internet aufgewachsen zu sein. Für sie ist das Internet ein natürliches Lebensmittel, welches sie mehr oder weniger intensiv nutzen, ob es sich dabei eher um eine konsumtive oder um eine aktive Nutzung handelt, spielt eigentlich keine Rolle. Im Zeitverlauf wird sich die Nutzung ohnehin ändern, denn auch die Nachzügler,  die Älteren und  weniger gebildeten werden das  Medium zukünftig vollkommen selbstverständlich und intensiv nutzen.

Für Arbeitgeber ist vor allem auch entscheidend, dass die intensiven und kreativen Internetnutzer, die- wie Studien beweisen – gebildet sind und attraktive Mitarbeiter wären, bestimmte Anforderungen an ihren Arbeitsplatz stellen, die eng mit dem Internet und der Internetnutzung zusammen hängen. Die Digital Nativen sind anders

Das erwarten Digital Natives von Ihrem Arbeitgeber

Beginnen wir mit ganz beeindruckenden Zahlen aus der Studie the 8098 exchange von strategy one und edelmann

  • 74 % der Millenials sagen, dass Technik Ihr Leben leichter macht, mehr als die Hälfte sagen, dass sie Ihnen dabei hilft, näher bei ihren Freunden zu sein.
  • 75 % haben ein Profil in sozialen Netzwerken, 55 % besuchen dieses soziale Netzwerk mehr als einmal am Tag, 60 % greifen drahtlos auf das Netz zu (PEW)

Technik wird ganz natürlich eingesetzt und sozial genutzt. Insofern ist es kein Wunder, dass die Community, Teamwork und der freie Austausch von Daten und Informationen  wesentliche Anforderungen dieser Generation an ihre Arbeit sind. Geprägt von der kontrollierten und strukturierten Welt der Eltern, in der es vor allem um bewahren und nicht um verändern ging, werden Grenzen ausgelotet und Grenzüberschreitungen durch Technik vorgenommen. Die Fragen was möglich ist, was man anders machen und neu erfinden kann, treiben die Digital Natives um. Was für meine Generation die Friedensdemo oder die Musik war, also eine Möglichkeit gegen die Eltern zu opponieren, ist nun das Internet, welches die Eltern in der Regel nicht beherrschen oder sogar verdammen,  z.B. weil es sich vor allem auch kontrollierenden Mechanismen entzieht und weil die Auseinandersetzung eben Zeit und Aufwand erfordert.

Bei der beschriebenen Generation gibt es nicht nur keine Trennung zwischen Internet und realer Welt mehr. Auch die Linie zwischen Arbeit und Privatleben bricht auf. Dort wo Konsum und soziale Beziehungen im Mittelpunkt stehen und diese Beziehungen überwiegend auch nicht mehr auf konkrete Orte oder Ländergrenzen beschränkt sind, wird diese Trennung zunehmend obsolet. Das Internet ist weder an vorgegebene Zeiten noch an einen bestimmten Ort gebunden, dadurch wird die Fahrt zum Arbeitsplatz unwichtiger.<< Ein Satz wie: Ich komme zur spät zur Arbeit, wird in bestimmten Branchen schon bald nur noch mitleidige Lacher hervorrufen.>> Auf der anderen Seite stellt man, wenn man schon noch dazu gezwungen wird einen solchen Ort aufzusuchen, ganz andere Ansprüche an diesen Ort.

Die junge Generation besteht aus geübten Netzwerkern. Vernetztes Arbeiten ist deshalb ein Muss. Fähigkeiten sind wichtiger als Funktionsrollen. Starre Strukturen werden als störend wahrgenommen. Es kann nicht nachvollzogen werden, wieso sich der Mensch den Strukturen z.B. der IT Infrastruktur anpassen soll und nicht umgekehrt. Fähigkeiten und Verlinkung stehen im Mittelpunkt. Was man nicht kann, holt man sich durch Verlinkung hinzu.

Digital Natives wünschen sich flache Hierarchien. Kompetenz geht vor Alter. Diskussion vor Befehl. Status ergibt sich nicht mehr nur über Geld sondern über  erfolgreiche Problemlösungen. Werte wie Selbstverantwortung und Eigenverantwortung stehen auch am Arbeitsplatz im Mittelpunkt. Man möchte sich erproben, kämpft dabei aber nicht mit Ellbogen gegen andere. Eine abgeschottete auf Misstrauen basierende Kultur wirkt abstoßend. Aus Kollegen werden Freunde. Auch wenn diese durch das Internet geprägte Freundschaften einen etwas anderen Charakter haben (mit anders meine ich jedoch nicht schlechter), als es beispielsweise meine Generation gewohnt ist oder war.

In der modernen Ökonomie ist Wissen nicht Macht. Dies wird jenen Menschen Probleme bereiten, die genau mit umgekehrten Erfahrungen groß geworden sind. Gerade in Banken wimmelt es nur so von (zumindest gefühlten) Wissensmonopolen. Im Jahr 2010 können nur wenige Banken die Tatsache akzeptieren, dass das Wissen von den Zentren in die Peripherie  wandert.  Es wird also auch in dieser Hinsicht nicht einfach sein Mitarbeiter zu gewinnen, die nach den Spielregeln der Ökonomie 2.0 handeln können.

Was wird noch erwartet?

  • Die Auflösung klassischer Arbeitszeitmodelle
  • Die Veränderung von Arbeitsorten. Wer Privatleben und Arbeitsleben nicht mehr trennt, wünscht sich ein angenehmes Arbeitsumfeld und möchte von einem Ort aus arbeiten, an welchem er sich wohlfühlt.
  • Der freie Zugriff auf Daten, wie man es im Internet gewohnt ist. Dies erfordert auch das Vertrauen der Geschäftsführung in die Mitarbeiter und umgekehrt.
  • Mehr Möglichkeiten zur Mitbestimmung, jedoch als normaler Bestandteil des Alltags und nicht über betrieblich geregelte und nur  temporär geltende Bestimmungen.
  • Motivierende und abwechslungsreiche Tätigkeiten mit einem hohen Grad an Selbstbestimmung und Autonomie
  • Ein Unternehmen das innovativ ist und auf welches sie stolz sein können, weil es sich z.B. ethisch und moralisch korrekt verhält oder ökologisch verantwortlich.
  • Es sollte Raum für Störungen und Regelbrüche geben. Man möchte sich selbst ausprobieren. In Stein gemeißelte Regeln aus vergangenen Zeiten werden nicht akzeptiert. Fehler dürfen und müssen sogar gemacht werden, damit man aus diesen lernen kann

Deshalb brauchen Sie Digital Natives

Über den Siegeszug des Internets müssen wir  an dieser Stelle nicht mehr diskutieren. Die Bankenbranche hat zu diesem Siegeszug sicherlich auch mit beigetragen. So gehört Online Banking heute zu einer der beliebtesten Online Aktivitäten von Verbrauchern. Mittlerweile nutzen über 50 Millionen Deutsche das Internet. Längst sind nicht mehr nur die jungen Menschen internetaffin. Auch ältere Menschen erkennen die Vorteile dieses sozialen Hilfsmittels und konfrontieren die Banken mit neuen Erwartungen.

Das Internet hat und wird die Arbeitswelt der Unternehmen weiter verändern. Dieses Veränderungstempo nimmt zu. Viele von uns haben heute schon vergessen, dass auch die E Mail durch das Internet hervorgebracht wurde und heute so selbstverständlich ist, als existiere sie schon seit 100 Jahren, auch wenn viele Banken dies immer noch nicht erkannt zu haben scheinen. Aber das ist eine andere Geschichte.

In der web2.0 Welt basiert Unternehmenserfolg maßgeblich auf Wissen. Der Kunde rückt in eine zentralere Rolle. Hermetisch nach außen abgeschlossen Unternehmen haben in der Regel kaum noch Marktchancen. Das Tempo der Veränderung stellt interne Entwicklungs- und Planungsabteilungen vor beinahe unlösbare Herausforderungen, klassische hierarchisch organisierte Modelle verlieren gegenüber Netzwerkorganisationen an Boden. Selbstorganisation ergänzt und ersetzt Organisation.

<<Studien belegen übrigens, dass die besten Innovationsideen ohnehin in der Regel von Kunden und Mitarbeitern und nicht von den dafür verantwortlichen Stabsstellen kommen.>>

Die Digital Nativen sind in diese Veränderungskultur hineingeboren. Sie gehen damit natürlich um und müssen nicht erst die althergebrachten und nicht mehr funktionierenden Praxen verlernen.

Banken sind nicht der ideale Arbeitgeber

Wer die Realität innerhalb einer Bank kennt, hat berechtigten Grund zur Skepsis.  Die interne Organisation und auch die über Jahrzehnte gewachsenen Kulturen bringen heute nicht die Arbeitsbedingungen hervor, in welchen sich Digital Natives wohlfühlen.  Die Arbeitswelt von Banken ist deshalb auch wenig geeignet, um die besonderen Fähigkeiten, Einstellungen und Zielsetzungen des Digital Nativen entsprechend nutzen also zielführend einsetzen zu können.

  • Banken sind streng hierarchisch organisiert
  • In Banken sind Wissensmonopole an der Tagesordnung. Wissen ist Macht und führt zu entsprechenden positionellen Vorteilen
  • Viele Mitarbeiter sind älter und schon lange Jahre in der Bank aktiv. Es fehlt an Erneuerung und Inputs durch neue Mitarbeiter und vor allem durch Quereinsteiger
  • Die Berufsausbildung der Bankmitarbeiter ist stark formalisiert und an der internen Ausstattung der Banken ausgerichtet. Verwaltungsaspekte, juristische Regeln und Sicherheitsaspekte stehen im Vordergrund. Quereinsteiger haben überhaupt nicht die Möglichkeit von einer Bank angestellt zu werden, weil die einzelnen Bankengruppen auch spezifische Bankausbildungen etabliert haben
  • In Banken dominieren das Verhalten prägende Werte wie Sicherheit, Null Fehlertoleranz, Misstrauen, Angst, Stabilität, Langsamkeit
  • Die Möglichkeit zu flexiblen Arbeitszeiten, flexiblen Arbeitsbedingungen, ortsunabhängigen Tätigkeiten sind gering bis nicht vorhanden. Starke Betriebsräte blockieren flexiblere Regelungen
  • Stellenbeschreibungen und Rollen bieten wenig Möglichkeiten zur Auslegung, kreativer Weiterentwicklung oder gar zum Regelbruch
  • Technische Systeme entsprechen nicht den Möglichkeiten des Internets. Sie sind wenig intuitiv, erfordern eine strickte Befolgung der durch das System vorgegebenen  Schritte. Sie machen keinen Spaß und bieten in der Regel keine Schnittstellen bzw. diese Schnittstellen werden nicht geöffnet
  • Die Nutzung der Internettechnologien und der freie Zugang zu diesen sind in der Regel aus Sicherheitsgründen nicht möglich oder auf bestimmte Arbeitsplätze beschränkt. Dadurch ist der Alltag innerhalb der Bank vollkommen abgeriegelt von den interaktiven und kooperativen Handlungsfeldern der jungen Generation

Diese Liste ließe sich sicherlich noch weiter fortsetzen. Sie mag aber an dieser Stelle genügen, um zu belegen, dass Banken alles andere als ein idealer Arbeitgeber für Digital Natives sind. Das wirft natürlich die Frage auf, ob Banken zukünftig überhaupt  die Chance haben solche Mitarbeiter anzuwerben. Wenn Sie mir in meiner These folgen, dass Digital Natives für die Zukunft der Banken überlebenswichtig sein werden, dann müssen Banken entsprechende Rahmenbedingungen schaffen, um solche Mitarbeiter anwerben zu können. Dies bedeutet, dass schon heute mit der Veränderung der Organisationsmodelle und Strukturen begonnen werden muss. Hierbei helfen möglicherweise jene Digital Residents, die erkannt haben, wie stark die Bankenwelt in den nächsten Jahren durch das Internet verändert werden wird. In dem einen oder anderen Fall wird man auch auf externe Berater zurückgreifen müssen. In jedem Fall steht vor der Veränderung die Erkenntnis, dass Veränderung der einzige Weg in die Zukunft sein kann. Eine Zukunft in der es ohnehin immer schwerer wird die geeigneten Mitarbeiter zu finden, um in einer Wissens- und Kreativitätsökonomie überhaupt noch überleben zu können

Was Banken tun müssen, um Digital Natives anwerben zu können

Die Frage kann man eigentlich sehr einfach und pauschal beantworten. Banken müssen nahezu alles verändern, um Digital Natives anwerben zu können. Sie müssen die Bereitschaft mitbringen ihre Welt von jungen Menschen gänzlich neu erfinden zu lassen. Denn diese jungen Menschen beherrschen das Medium Internet besser und wenden es natürlicher an als unsere Generation, selbst wenn man sich zu den Digitalen Immigranten zählen darf.

Wir brauchen die Bereitschaft zu lernen ohne ständig den sprichwörtlichen erhobenen Zeigefinger der Vergangenheit bzw. der Seniorität  mitlaufen zu lassen.

Das Problem der Veränderung haben ja nicht die jungen Menschen sondern wir.  Wir müssen die alten Handlungspraxen überdenken und überarbeiten und wir müssen uns intensiver mit dem Internet auseinandersetzen.

Wenn wir über einzelne Maßnahmen nachdenken, dann müssen Banken sich stärker nach außen öffnen. Dabei hilft zum Beispiel Social Media. Sie müssen für zukünftige Bewerber einsehbar sein. Schon im Vorfeld sollte erkennbar sein, was sie in einer Bank erwartet und darüber hinaus sollte aktiv über Veränderungen diskutiert werden.

Die Kultur von Banken wird sich verändern. Neue Handlungsweisen sollten eingeübt werden. Netzwerken ohne Angst vor  Wissens- und Machtverlust muss geübt werden und sollte in Fleisch und Blut übergehen.  Banken brauchen ein Innovationsteam und eine ausgeprägte Fehlerkultur. Aus Angestellten, die nur ihren Job machen, müssen leidenschaftliche Mitarbeiter werden, die Fans ihrer eigenen Marke sind. Hierfür müssen Banken Räume bieten und sie müssen sich auf die Suche nach verborgenen Talenten machen.

Banken brauchen Störungen und Störer. Die- durch eigene Ausbildungsgänge und entsprechende Personalauswahlregeln aufgebauten – Monokulturen sollten aufgelöst werden.

In der Bank der Zukunft gilt der freie Ideenwettbewerb. Risikohandeln (natürlich nicht, wenn es um das Geld der Kunden geht) und Innovationen sollten belohnt werden, aber nicht nur durch monetäre Anreize. Kollaborative Intelligenz wird wichtig und Innovation wird zur ständigen Aufgabe. Eigenverantworlichkeit, Erlebniswelt Arbeit, mehr Autonomie, die Vermittlung von Sinn, die Veränderung der Arbeitsbedingungen (inhaltlich, architektionisch, etc.) sind weitere Stichworte, mit denen Banken sich beschäftigen müssen.

Weiterführende Links und Quellen:

http://www.dnadigital.de/

http://millennialmarketing.com/

http://www.mobileyouth.org/

Oder fragen Sie den jungen Menschen von nebenan

[Vimeo 17732723]

7 Fragen und eine Zusatzfrage an einen (fast) Digital Native


Die Frage, wie das Mediennutzungsverhalten der jungen Menschen, die Entwicklung von Banken, deren zukünftige Kommunikations- und Vertriebswege und deren Arbeitswelt verändert, beschäftigt mich hier in letzter Zeit häufiger. Bevor es bald den zweiten Teil meines Artikels zur Generation Y gibt, er wird von der Arbeitswelt der Banken handeln, nun ein Interview mit einem jungen Mann, der in sechs spannenden Antworten beschreibt, welche Bedeutung das Internet in seinem Lebensalltag hat und welche Erwartungen er in diesem Zusammenhang an Banken stellt. Jochen Döring ist eigentlich vier Jahre zu alt, um definitorisch noch als Digital Native durchzugehen. Sein Internetverhalten ist allerdings eines Digital Natives durchaus würdig.
Hier gibt es mehr Informationen zu Jochen http://twitter.com/#!/jochendoering

 

Und jetzt geht es los:

1. Du gehörst zu den sogenannten Digital Natives. Bitte beschreibe mir, wie Du die digitalen Medien an einem typischen Tag nutzt?

Meine ersten Kontakt mit dem Netz hatte ich 1994 im Hochschulrechenzentrum meiner Heimatstadt, da erinnere ich mich noch an Wetterkarten die abgerufen habe. Durch meinen Bruder hatte ich dann (langsamen, analogen) Zugang über das Uninetz, seitdem bin ich online. 2003 bin ich in einer Kölner Onlineredaktion quer eingestiegen. Dort  hatte ich dann Kontakt zu Marketingthemen, habe mich weitergebildet und an verschieden Projekten gearbeitet, seit diesem Jahr arbeite ich freiberuflich. Aber nun zu meinem typischen Tag. Beim Frühstück checke ich die Nachrichteneingänge und News auf den üblichen Kanälen. Normalerweise läuft immer mein Desktop-Rechner, daneben nutze manchmal parallel einen Laptop und für unterwegs ein Smartphone. Daneben tickert twitter, das schalte ich aber auch gerne mal stumm. Auch Facebook ist im Hintergrund aktiv. Obendrein habe ich häufig noch ein Instant-Messaging-Dienst offen und tausche mich mit meinem Netzwerk aus. Da ich beruflich auch viel im Netz unterwegs bin, gibt da keine klare Trennung. Für einige Arbeiten nutze ich auch noch Dropbox als Cloud und kollaborative Plattformen. Im großen und ganzen bin ich immer vom Web umgeben, wenn ich es nicht bewusst abschalte.
2. Nutzt Du noch andere Medien und welche Bedeutung haben diese im Vergleich zu den digitalen Medien für Dich?

Andere Medien? Das hat radikal abgenommen die letzten Jahre, vor 15 Jahren hatte ich sogar mal eine Zeitung abonniert, heute lese ich vielleicht mal eine Sonntagsausgabe, wenn ich auf Reisen bin. Ab und zu kaufe ich auch mal eine Zeitschrift. Einen Fernseher besitze ich derzeit auch nicht, ebenso kein separates Radio. Nichtsdestotrotz finde ich Medien wichtig, die mir Inhalte anbieten, nach denen ich Inch sowieso schon suche, z. B. Radio statt Podscast. Einen festen Platz in meiner Mediennutzung hat noch das Buch aus Papier, ob ich das einmal gegen einen ausgereiften E-Book-Reader tauschen werde, weiß ich noch nicht. Musik habe ich auch lange nicht mehr von CD gehört, meinen MD-Player habe ich vor Jahren schon verschenkt und meine MCs stauben vor sich hin. Meine Musiksammlung ist fast komplett digitalisiert und neue Musik beziehe ich auch digital.
3. Was erwartest Du von Deiner Bank?

An erster Stelle Seriosität und Verlässlichkeit. Das Vertrauen in Banken hat in letzter Zeit natürlich gelitten, deshalb finde ich auch neue Ansätze wie smava interessant. Für den Zahlungsverkehr habe ich bisher keine Alternativen, da besteht ein klares Abhängigkeitsverhältnis.  Eigentlich kann ich nur die Leistungen vergleichen und gucken, ob es eine ‘ethics policy’ gibt, mit der ich Leben kann. Banken wie die GLS-Bank sind da sicher Vorreiter, alleine die Konditionen halten mich dann (bisher) doch ab. Eine gute Nutzbarkeit, vor allem beim Onlinebanking (benutze auch eine mobile App), ist mich wichtig, da habe ich schon einige lästige Überraschungen erlebt. Die Sicherheitstandards beim Onlinebanking sind auch entscheidend, da wundert doch  z. B., das viele Banken noch vierstellige numerische PINs zum anmelden vorgeben.
4. Soll diese so bleiben wie sie ist oder erwartest du diese auch in sozialen Netzwerken oder bei twitter treffen und ansprechen zu können?

Einen Gefällt-mir-Button für meinen Kontostand brauche ich sicher nicht;)  Wenn es Banken aber schaffen sollten, sich durch ihre Präsenz den Kunden gegenüber zu öffnen und eine ernsthafte Transparenz schaffen, dann wäre es doch ein Versuch wert. Zurzeit bin ich aber noch weit davon entfernt, mich mit einem klassischen Bankinstitut als Freund z. B. auf Facebook zu “befreunden”. Und wenn SM-Kanäle bedient werden, dann sollten sie auch bespielt werden, bei einer Anfrage zur Usability bei der Commerzbank habe ich schlicht keine Antwort erhalten, das bleibt natürlich negativ hängen. Grundsätzlich begrüße ich zusätzliche und unbürokratische Kanäle.
5. Wie sähe Dein bevorzugter Arbeitsplatz aus?
Idealerweise so: klare Strukturen und organisatorische Absprachen, echtes Teamplay, genug Freiheiten bei der Arbeitsgestaltung, flexible Arbeitszeitkonzepte und die Möglichkeit out-of-office zu arbeiten sowie attraktive Entwicklungsmöglichkeiten. Zudem ein zentrales Büro in einer Großstadt mit angenehmen ‘workspace’, das ich mitgestalten kann.
6. Wäre eine Bank ein potentieller Arbeitgeber und wenn nein – warum nicht?

Ja, warum denn nicht? Wenn es dort Arbeitsplätze gibt, wie ich sie eben beschrieben habe.
7. Wenn Dir ein anderes Unternehmen Finanzprodukte anbieten würde (z.B. Apple) würdest Du diese nutzen?

Eher nein. Angebote wie die z. B. die C&A Bank überzeugen mich nicht, da denke ich “Schuster bleib bei deinem Leisten”, da bin ich eher konservativ und vertraue eher etablierten Instituten. Bei Mikropayment sieht das etwas anders aus, ein vernünftiges Mikropayment-System (sicher, einfach und schnell) würde ich  z. B. auch von Apple nutzen.
Die Zusatzfrage:
Welchen Film hast Du zuletzt geschaut und welche Musik hörst Du gerade.

Tatsächlich: The Social Network. Musikalisch begleitet mich gerade “Wrong Shirt EP” von Till Krüger auf meinem Lieblingslabel “200 Records”

Hier die weiteren Interviews aus der Serie:

Die weiteren Interviews der Reihe

Marco Ripanti ( ekaabo GmbH, Yiid.com)

Katharina Beck (Institut für Social Banking)

Axel Liebetrau (Zufkunftsforscher und Managementberater)

Matthias Kröner (Fidorbank AG)

Thorsten Hahn (Banking Club)

Frank Kleinert ( Innovationsmanager bei einer Rechenzentrale)

Alexandre Janicki (Credible Finance)

Herr Carlo Bewersdorf (Asstel ProKunde)

Florian Schwarz und Florian Schwarzbauer (Die Bankonauten)

Marko Haschej (Raiffeisenbank Eberndorf)

Guido Augustin (Bürgschaftsbank Hessen)

Lothar Lochmaier (Social Banking 2.0)

Suitbert Monz (R+V)

Dr. Harald Meissner (Hochschulprofessor und Unternehmer)

Mustapha Behan (whofinance)

Misslungene Sozialisation?


Erster Akt:Venessa Miemis (the future of money) versteht die Welt nicht (mehr). Oder anders formuliert: Sie versteht die Welt der alten Männer und Frauen nicht. Jener alten Männer und Frauen aus meiner und der vorhergehenden Generationen. Und besonders gross ist ihr Unverständnis gegenüber jenen Menschen, die innerhalb der Finanzbranche arbeiten. Ihr Unverständnis lässt sich mit dem folgenden Zitat ganz gut zusammen fassen:

The problem isn’t just that we are speaking different languages, but that we live in different worlds.

Der Artikel d Venenessa Miemis nach der Veranstaltung geschrieben hat und aus dem hier zitiert wird.

Akt Zwei: Der Vortrag von Venessa Miemis auf der SIBOS 2010 hat Wirkung erzielt und Spuren hinterlassen. Nicht die Spuren, die sich Venessa Miemis gewünscht hat:

The video we presented during Monday morning’s keynote was intended to plant a seed about what is going on, to provoke them, to inspire them. The feedback I received afterwards was mostly positive, but the message seems to have mostly gone over their heads.

Aber es ist zumindest eine Diskussion entstanden zwischen Menschen, die sie überhaupt nicht verstanden haben (oder wollten). Die stattdessen wohlwollend (eben väterlich oder mütterlich)  aber verständnislos den Kopf schüttelten über die Naivität der jungen Frau und der Menschen, die in ihrem Video agierten. Denn schließlich ist “Banking” kein Spielplatz sondern Big Business, in welchem Wünsche nach sozialer Relevanz und werthaltiger Unternehmensziele keine Rolle spielen können.

So reagierte zum Beispiel Elisabeth Lumley von Finextra, die offensichtlich in ihrer langjährigen Berufszeit innerhalb der Bankenbranche schon manchen Hype hat kommen und gehen sehen. Und sich auf Basis dieser Erfahrungen gelassen zurücklehnt und davon ausgeht, dass auch das, was gerade in der Bankenbranche passiert, inklusive Social Media und Social Banking, bald wieder Vergangenheit ist. Also – wie wir in unserem Land sagen: Nichts so heiss gegessen wird, wie es gekocht wird.

When you, as an innovator, come up with a hot new strategy or bit of tech that will make every bank a seamless, automated, cost saving, customer enhancing dream firm, I do understand the tendency to bristle when someone expresses scepticism. Someone, who may have a few more, (possibly, cynical) world-weary years of experience over yourself. The tendency to sign and say ‘Oh well, another grey suited, old-fogey that ‘just doesn’t get it’, must be hard to resist.

Nun ist sicherlich nicht auszuschliessen, dass Eliabeth Lumley  auch ein wenig Recht hat. In jedem Fall versteht hier die ältere Generation die jüngere Generation nicht. Das ist aber nichts Neues. Denn wir alle waren einmal jung und kennen dieses Gefühl und die Kämpfe aus eigener Erfahrung. Allerdings hatten wir damals nicht die Werkzeuge, um uns Parallelwelten aufzubauen, aus denen heraus faktische Gegengewichte zu den bestehenden Verhältnissen erwachsen konnten. Das Internet liefert der heutigen Generation junger Menschen jedoch mächtige Werkzeuge, um Dinge nicht nur neu zu denken und in verbalen Kämpfen auszudrücken sondern diese sogar um- und gegen die alten Verhältnisse einzusetzen.

Insofern ist zu befürchten, dass  Elisabeth Lumley schon bald die Welt nicht mehr versteht, denn offensichtlich stellen die Spielzeuge der älteren Menschen und deren Kampf um Macht und Geld für viele junge Menschen überhaupt keinen Wert mehr da.

Elisabeth Humley in ihrem Blog bei finextra.com

Akt Drei: Brett King und Chris Skinner, die wir ja als innovative Denker der Bankenbranche kennen, waren offensichtlich auch Beide auf der SIBOS 2010 und haben den Film von Venessa Miemis gesehen. So hat Brett King auch auf den Blog Post von Frau Lumley geantwortet. Das folgende Zitat bringt seine abweichende Meinung auf den Punkt:

Financial services may not be changing, but the world is. There will be some in the FSI sector that adapt and change with this, and others that watch the change from afar. But the fact is change will occur whether we like it or not. Call it innovation, call it behavioral shift, call it progress – the fact is change is speeding up and putting your head in the sand is a very different strategy to deciding to try to scale everest. Those are essentially the choices…

Wenn die Welt sich verändert und zwar schneller denn je, und die Finanzbranche es nicht tut. Tja: Wie sagen wir in Deutschland: Wer sich nicht verändert, wird verändert. Es gibt da ja Branchen, die das schon erfahren haben und nur noch über GEZ ,GEMA, Leistungsschutzrecht oder ähnlichen Schwachsinn reanimiert werden können.

Chris Skinner schreibt auch sehr viele kluge Sachen zur stummen Verständnislosigkeit zwischen Venessa Miemis und jenen Menschen, welche sie repräsentiert und den Bankern, die auf der SIBOS 2010 natürlich auch in der Überzahl waren. Auch er sei hier kurz zitiert:

But he is right.And she is right

Dieses Zitat wirkt ein wenig aus dem Zusammenhang gegriffen und ich empfehle tatsächlich seinen ganzen Artikel zu lesen, es gibt aber seine vermittelnde Haltung, die zwar ein wenig grossväterlich wirkt, aber durchaus auch seine Richtigkeit hat, wieder. Welche Forderungen und Wünsche können Banken nach Chris Skinner erfüllen?

I think she points to some interesting things that banks could do: more transparency, more information enrichment, more analysis of customer needs and opportunities. Her request is for banks to enable her to be more socially connected with people, causes, services and investments that suit her lifestyle.

Banks could, should and some are doing something about all of these areas, which I’ll blog about tomorrow, but overall Venessa is talking about something fundamentally different to banking.

Der Chris Skinner Artikel - The Financial Service Blog

Vierter Akt: Wenn es also nach Chris Skinner geht, haben alle Recht. Jeder kann sich also wohl fühlen. Bei mir hat die Diskussion aber auch den ein oder anderen Gedanken ausgelöst. Und dieser Gedanke wurde durch eine Studie verstärkt, von der in dieser Woche einige Zeitungen berichtet haben. Ich bin auf der Facebook Seite der Fidorbank darauf aufmerksam geworden.

Ein Ergebnis der Studie: Nur jeder zweite Jugendliche weiß, was ein Girokonto ist und nur jeder vierte Jugendliche ist selbstständig in der Lage herauszufinden, wie man den günstigsten Handy Vertrag ermitteln kann. Mit anderen Worten: Jugendliche haben keinerlei Ahnung von Finanzen. Ein weiterer Beweis dafür: Die Zahl der Privatinsolvenzen bei jungen Menschen steigt. Offenbar ist kurzfristiger Konsum wesentlich wichtiger als Sparen. Das Leben auf Pump ist Normalität.

Und was hat das mit Venessa Miemis zu tun?Es gelingt unserer Gesellschaft offenbar immer weniger die nachwachsenden Generationen zu sozialisieren und zu integrieren. Selbst wichtiges Alltagswissen kann vom maroden Bildungssystem nicht mehr vermittelt werden. Der lange Zeit geltende gesellschaftliche Konsens bröckelt. Bezogen auf die Finanzwelt bedeutet dies: Geld wird zwar nach wie vor gerne für Konsum ausgegeben, aber dafür muss man dieses nicht mehr verdienen. Irgendwo bekommt man schon Kredit. Im Zweifelsfall helfen noch die Eltern. Die klassischen Institutionen werden nicht mehr akzeptiert. Banken verlieren an Vertrauen. Einige haben ja sogar vorgemacht, dass man auch unlauter zu Geld kommen kann.

Was Venessa Miemis ausdrückt, ist möglicherweise viel mehr als der Wunsch nach anderen Banken. Sie steht für eine Generation von Menschen denen Geld als Wert weniger bedeutet. Die nach neuen Wegen des Austausches und der Bewertung von Leistungen suchen. Die sich eine sozialere und weniger ausbeuterische Welt wünschen. Eine Generation, die begriffen hat, dass es um ihre und nicht die Zukunft der schwarz gekleideten alten Männer und Frauen geht. Venessa Miemis wünscht sich eine nachhaltigere Wirtschaftskultur und eine Politik für Menschen und nicht für Unternehmen und zerstörerische Institutionen. Und sie hat das Recht dazu, weil sie jung ist und noch eine Zukunft haben möchte. Ist das falsch? Ist das naiv? Kann die Finanzbranche diese Wünsche ignorieren? Vielleicht noch einige Jahre. Mal sehen, welche Gebühr man sich einfallen lässt. Wobei haben wir nicht gerade erst durch unsere Steuern die Finanzbranche gerettet?

Und hier noch mal was von Umair Haque. Es geht um die Verbesserung von Institutionen. In dem Artikel ist zwar nicht alles gold, aber er hinterfragt jene Selbstverständlichkeiten, welche für viele als Naturgesetze gelten. Auch Banken fielen nicht vom Himmel.

http://blogs.hbr.org/haque/2010/09/the_institutional_innovation_m.html

Wie würden junge Leute Filialen konzipieren?


Die Filiale hat Zukunft!

Das meint eigentlich nichts anderes als: Auch in Zukunft werden Menschen gerne  Räume nutzen, um sich in gemütlicher Atmosphäre geschützt vor Wind und Wetter vielleicht auch über Bankthemen zu unterhalten. Es wird aber auch andere Wege zur Abwicklung von Bankgeschäften geben und diese Wege werden zunehmend an Attraktivität gewinnen. Es macht also eigentlich keinen Sinn in Kanälen zu denken. Stattdessen sollte man in Kunden und damit in Menschen denken.

Haben Banker keinen Geschmack?

Und wie sieht aus Sicht dieser Menschen – die keine Banker sind – eigentlich die Filiale der Zukunft aus? Die DBS Bank in Singapore hat diese Frage einfach mal an junge Menschen weitergegeben und über einen Facebook Wettbewerb beantworten lassen. Die Ergebniss legen zumindest den Schluss nahe, dass die Filiale der Zukunft ganz andere Ansprüche erfüllen muss als die Filiale der Gegenwart. Junge Menschen haben in jedem Fall den Anspruch sich dort wohl zu fühlen.  Das kann ich eigentlich nur unterschreiben: Teppichboden und Kiefer Möbel tragen hierzu – meine persönliche Meinung – eher nicht bei.

Schauen Sie sich die Bilder auf “The Financial Brand” selber einmal an. Sie werden überrascht sein.

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