In the city /ist auch nicht alles Gold was glänzt


IN THE CITY

Nicht nur die Banken machen manche Menschen agressiv, traurig oder – wenn gar nichts mehr hilft – gleichgültig. Auch Städte und Stadtverwaltungen, also die lokale Variante der Politik, verstärken unsere Zweifel in die Handlungsfähigkeit unserer alten Institutionen und daran, dass handelnde Menschen an mehr interessiert sind als an sich selbst.

Wenn ich so durch unsere Städte streife – momentan bin ich Montags und Dienstags immer in Berlin – dann frage ich mich ohnehin, warum es die Deutschen immer stärker in die Zentren dieser Republik zieht. Denn neben aller Coolness und Kreativität sehe ich auch viel Entfremdung, Überwachung, Dysfunktionalität, Verschwendung usw. Wissen wir noch was wir tun? Bzw. wissen wir das das, was die Anderen tun uns und den Menschen an sich nicht mehr gut tut. Merken wir noch die Fremdbestimmung und falls wir es merken, versuchen wir unseren Wunsch nach Veränderung in mehr zu intensivieren als in einen gefällt mir Click, einen Kommentar oder einen tweet?

Im Jahr der Hoffnung?

Im Jahr 2012 gibt es aber Hoffnung. Die Crowd. Das Crowdsourcing, -funding, und -investing kommt in Mode. Wir können nun alles mitmachen und unterstützen was uns gefällt. Wir können funden, investieren und kollaborieren. Nicht nur als Teilnehmer. Auch als Initiator.

Und nun können wir mit unseren crowdsourcing Aktivitäten auch unsere Städte verändern und verbessern. The city 2.0 ist eine Idee und eine Plattform. Sie soll Menschen, Unternehmen und Organisationen weltweit zusammenbringen und über den Austausch von Ideen die Stadt und letztendlich die Welt verbessern. Eine Idee, die erste Idee, die mit dem Ted Prize ausgezeichnet wurde, den auch Bono schon einmal bekam.

Auf der Internetseite www.thecity2.org erwartet den Interessenten  - also hoffentlich auch Sie – ein schön gemachter Film und der folgende Text:

The City 2.0 website is a platform created to surface the myriad stories and collective actions being taken by citizens around the world. We draw on the best of what is already being discovered by urban advocates and add grassroots movers and shakers into the mix. What’s emerging is a complex picture of the future city–a place more playful, more safe, more beautiful, and more healthy for everyone.

Wieder eine Möglichkeit etwas zu tun. Ich fang direkt mal hier in meiner Kleinstadt an. Bin schon  im ersten Austausch mit unserem Bürgermeister. Werde dann berichten. Und was machen Sie?

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Und dieser Song wird in der Überschrift erwähnt: In the city  - The Jam

Stream your bank


Entschuldigung für den Anglizismus in der Überschrift. Dieser Beitrag wird kurz.Hier sollen jetzt alle Beiträge kurz werden.

Ich höre oft:

Menschen müssen sich intensiver mit ihren Finanzen beschäftigen. Finanzen sind so wichtig, dass Menschen mehr darüber wissen müssen. Menschen brauchen Beratung, damit sie die richtige Entscheidung treffen können und diese Beratung muss persönlich, möglichst sogar von Angesicht zu Angesicht erfolgen.

Nun ist es leider so, dass die meisten Menschen zwar gerne genug Geld hätten, sich aber dennoch nicht für Finanzthemen interessieren. Viele Menschen finden Finanzthemen sogar unangenehm und viel zu komplex. Sie verstehen nicht.  Die Berater können, wollen oder dürfen nicht einfach erklären. Auch intelligente Menschen mit hohen Bildungsabschlüssen verstehen Finanzberater und Texte über Finanzen häufig gar nicht. Selbst Finanzexperten verstehen die komplexe Finanzwirtschaft nicht mehr. Und dann ist da noch die zerstörte Reputation und die Erfahrung vieler Menschen, dass das Geld zwar arbeitet, aber in der Regel eher für sie. Ach ja und die Bank passt nicht mehr in den aufwändigen und turbulenten Alltag. Sagen wir einschränkend die klassische Bank. Schließlich müssen wir doch alle unser Facebook Profil pflegen. 

Was brauchen wir also?

Einen Streaming Dienst für Finanzdiensleistungen. Der smarte Zugang auf Güter, Dienstleistungen und Informationen. Das finanzielle persönliche Betriebssystem in der Cloud. Am besten gleich für die Hosentasche. Also immer und überall dabei. So wie ich heute bei Spotify oder Simfy nach Musikstücken oder Genres suche, recherchiere ich dann eben nach einem Tagesgeld und bekomme, das jeweils für mich opitmale Produkt angezeigt. Mit sofortiger Kaufmöglichkeit. Oder ich gebe einen Bedarf ein z.B. Baufinanzierung, sage noch kurz ob ich nur Information oder eine tatsächliche Finanzierung suche und schon kommt die richtige Empfehlung. Dafür gebe ich gerne einige Basisdaten an und gewähre – wenn erforderlich – dem Anbieter auch mal einen tieferen Einblick in meine Lebenssituation, allerdings nur solange ich will.

Und noch einen Schritt weiter.

So wie mir Streaming Dienste ähnliche Musik liefern so würde ich mein Bank Streaming automatisieren. Also: Wechsle zum jeweils besten Tagesgeld. Optimiere regelmäßig meine Versicherungen. Der Dienst holt sich dann noch kurz das ok ab und schon sind Finanzdienstleistungen vereinfacht und perfekt in mein Leben integriert. Denn warum sollte ich in meiner knappen Freizeit eine Bankfiliale besuchen. Da bin ich lieber bei meiner Familie, treibe Sport oder kümmere mich um Dinge, die wirklich wichtig sind.

Was dann noch fehlt

Jetzt brauchen wir noch gesetzliche Regelungen, die dies zulassen und ein Unternehmen, welches diese Leistung anbietet. Das wird aber keine Bank sein, zumindest aber kein Unternehmen, dass heute schon eine Bank ist.

Warum das so kommen könnte

Alles was digitalisierbar ist, wird digitalisiert und wenn wir schon Freundschaften digitalisieren, wozu brauchen wir dann noch persönliche Beratung?

The birth of the cool bank


Zwei Begriffe die sich abstoßen

Ich suchte bei google nach einer coolen Bank. Ich fand keine nicht einmal eine Millionen Sucheinträge. Das Suchergebnis war wenig befriedigend, denn erstens fand google überwiegend coole Banken, auf denen man sitzen kann und zweitens gibt es offensichtlich keine objektiv coole Bank.Ich will nicht verhehlen, dass einige Banken auf die Suchanfrage “die coole Bank” Werbung schalten. Diese Banken aber wohl nur dem Selbstbild nach eine coole Bank darstellen.

Das beschriebene Ergebnis ist keine Überraschung. Oder denken Sie da anders? Banken stehen nicht in dem Ruf cool zu sein, wenn auch ab und zu ein kurzzeitig euphorisierter Kunde seine Bank mal cool nennen mag und die ein oder andere Bank sicherlich coole Mitarbeiter hat oder mal eine coole Marketing Kampagne macht. Hinzu kommt: Was cool ist und als cool bezeichnet wird, liegt wie so oft im Auge des Betrachters.

Was ist cool?

Klären wir kurz einmal was cool überhaupt bedeutet, wo der Begriff herkommt und wie er in der Regel verwendet wird. Da hilft Wikipedia weiter: Cool steht für einee besonders gelassene, nonchalante, kühle, souveräne und nicht nervöse Geisteshaltung oder Stimmung. Und cool wird, als ein aus der Jugendsprache stammendes Wort, zur Kennzeichnung von als besonders positiv empfundenen, den Idealvorstellungen entsprechenden Sachverhalten bezeichnet, also etwas, dass “schön”, “gut”, angenehm “oder “erfreulich” ist?

Ab sofort möglich

Auf der der Internetseite The Financial Review verwendet Autor Tony Boyd die Überschrift “The cool Bank for facebook fanatics” und beginnt seinen Artikel mit dem Satz:

” Imagine a bank with no branches that lives the philosophy that the number of Facebook friends and twitter followers you have, will be critical to determining quality of the services you receive”

Die Bezeichnung coole Bank ist damit in der Welt und bezeichnet hier offensichtlich etwas, das mit Technologie zu tun hat. Welche  sich auf das Lebensmittel der jungen Generation, also das Internet bezieht. Die also die Instrumente dieser Generation ernst nimmt,  die Lebensräume dieser Menschen nutzt, sich in ihren immer komplexeren Lebensalltag reibungslos integrieren möchte und dieser Generation ein Möglichkeit zur Verortung und Relevanz gibt. Es geht also um Inhalt, Kontext und nicht zuletzt – was in dem Artikel von Tony Boyd jedoch nicht erwähnt wurde – um Bedeutung.

Die coole Bank

Gerade junge Menschen wollen ernst genommen werden und suchen nach Orientierung und der Möglichkeit sich mit Menschen, Zielen oder auch Marken zu identifizieren. Für junge Menschen stellt sich auch bei der Produktauswahl und Markentreue  die Frage:

Wie kannst Du mir helfen dazuzugehören. Zeige mir, wo ich hingehöre und wie ich  bedeutend und wichtig sein kann.

Dies sind Fragen, die Banken bisher selten beantwortet haben.

Eine Bank die – wie die Movenbank es offensichtlich plant – ihr Geschäftsmodell zu 100 % auf den Online und wahrscheinlich auf der Nutzung mobiler internetfähiger Endgeräte aufbaut, könnte insofern eine sehr gute Marktchance haben. Die Einbeziehung der Kraft der sozialen Netzwerke wäre ein weiterer USP. Eine solche Bank hat den Begriff cool möglicherweise verdient.

Wir leben damit in einer Zeit, in der eine Bank auch cool sein könnte. Die Movenbank ist hier nicht allein, denn auch die deutsche Fidorbank nutzt oben beschriebene Faktoren und hat es tatsächlich geschafft, dass Banking Spaß macht.  Die süddeutsche Zeitung hat kürzlich ausführlich über die Fidorbank geschrieben, die sich langsam aus den Rändern der Netzkultur in die Mitte der Gesellschaft entwickelt. Immer mehr Menschen kennen diese “komische Bank” die offensichtlich gewillt ist eine andere Art von Bank zu sein und der es auch gelingt, dies zu vermitteln und zu leben.

Cool Banken , das behaupte ich jetzt einfach mal, hat es noch nie vorher gegeben. Durch das Internet können Banken erstmals in ihrer Geschichte cool sein oder als cool wahrgenommen  werden. Es wird  Zeit für noch  mehr coole Banken.  Doch ob wir alten Männer  in der Lage sein werden, solche Banken zu gründen und zu führen? Denn was als cool bezeichnet wird  liegt im Auge des Betrachters und die junge Generation verwendet womöglich nicht einmal mehr den Begriff cool.

Hier meine Top 5 Liste der coolen Banken 

1. Movenbank
2. Fidorbank
3. Simple
4. Square
5. Civilised Money

Und welche Bank finden Sie cool?

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801: Mobiles Gewinnspiel – In Zusammenarbeit mit t3n


Mobile

Das mobile Internet hat ganz schön Fahrt aufgenommen. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn auf der Fahrt also vor allem unterwegs entstehen ganz neue Nutzungsmöglichkeiten des Internets. Man könnte sagen, dass Internet passt sich endgültig der menschlichen Natur an, denn Mobilität ist eine menschliches Grundbedürfnis. Und wie üblich sind erhebliche Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft die Folge. Viele Unternehmen werden sich verändern müssen und wenn sie dies nicht tun, werden sie über kurz oder lang vom Markt verschwinden. Und das kann heutzutage sehr schnell gehen. Brian Solis nennt dies Digital Darwinism.

Banken

Gerade das Smartphone stellt eine große Herausforderung für Banken da. Einige Experten – zum Beispiel Brett King in seinem Buch Bank2.0 – sagen deshalb auch, dass das mobile Endgerät eine Bank vollkommen ersetzen kann. Das klingt für viele von uns unvorstellbar, aber es ist möglich. Um sich also an die Gegebenheiten und Entwicklungen anzupassen, müssen sich Banken – wenn sie überleben wollen – verändern. Sie müssen innovativer werden, schreiben viele Autoren. Ich schreibe sowas auch sehr häufig, befürchte aber, dass Banken dies gar nicht können. Vor allem in technologischer Hinsicht sind  Banken gar nicht in der Lage Technologie Unternehmen und Start ups zu folgen oder ihnen sogar voraus zu sein. Denn waren Banken da jemals innovativ und gehörte Innovation in diesem Bereich überhaupt zu ihren wichtigen Kernkompetenzen? Banken sind doch dazu verdammt, alle Probleme aus der ihnen organisatorisch gegebenen Perspektive zu betrachten, zu bewerten und zu bearbeiten.

Gewinnen

Das ist jetzt mein 801 Blog Beitrag und da gehört es sich, auch mal etwas an die Leser zurückzugeben. Doch vor dem Gewinn, der mir freundlicherweise von t3n zur Verfügung gestellt wurde, steht noch eine Aufgabe, die natürlich – sonst wäre die Einleitung sinnlos gewesen – mit Banken und mit Mobile zu tun hat. Diesem Thema widmet sich übrigens auch die aktuelle Ausgabe von t3n – Future Cash

Meine Frage, die bitte hier über das Kommentarfeld des Blogs zu beantworten ist:

Für welche Finanztransaktionen würden Sie  das Mobiltelefon gerne einsetzen und  welche deutsche Bank wird wohl zuerst das Bezahlen mit dem Mobiltelefon anbieten. 

Es handelt sich also nicht um eine Wissensfrage, weshalb der Gewinner auch ausgelost wird. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen und was gibt es zu gewinnen?

Ein Jahresabo der Zeitschrift t3n sowie zweimal eine aktuelle Ausgabe des Magazins.

Die Deadline für das Gewinnspiel ist der kommende Mittwoch. Also der 14.03. 2012 um 18.00 Uhr. Gerne könnt Ihr Eure Antwort auch per tweet senden an @electrouncle, wenn 140 Zeichen dafür ausreichen. Die Gewinner werden von mir benachrichtigt und erhalten den Gewinn auf dem Postweg

Ich wünsche viel Glück

Wenn Brett King wirklich recht hat, dann…


Ihre Banking Instinkte verändern sich

Wenn Menschen instinktiv handeln, dann rufen sie eine eingefahrene Routine ab, über die sie eigentlich gar nicht mehr nachdenken müssen. Solch instinktives Verhalten bildet sich in zahlreichen Lebensbereichen. Brett King fragt in einem aktuellen Artikel nach dem Banking Instinkt und bringt die Veränderungen in der Bankenwelt sehr gut auf den Punkt, indem er feststellt, dass Banking in den nächsten Jahren immer weniger ein Ort sein wird, zu dem man geht, sondern etwas das man tut. Und zwar nahezu überall und zunehmend auch instinktiv.

Digitalisierung und Echtzeit

Wir werden in den nächsten Jahren erleben, wie innerhalb der Bankenbranche alles digitalisiert wird, was digitalisierbar ist.  Ein bevorzugter Banking Partner wird nach Brett King in der Lage sein müssen, mir einen Zugang zu meinem Geld und zu meinen Finanzdienstleistungen zu ermöglichen, wann immer und wo immer ich mir dies wünsche. Und das bedeutet schlichtweg, dass ich zu jedem gewünschten Zeitpunkt in der Lage sein sollte, mir einen Eindruck über meine aktuelle finanzielle Situation und den daraus abzuleitenden Möglichkeiten zu verschaffen. Es reicht beispielsweise nicht mehr aus mit einer Kreditkarte nur bezahlen zu können. Ich möchte zum Zeitpunkt der Bezahlung meine aktuelle Transaktion, die Summe meiner Transaktionen im Monat und auch eine Analyse  bzw. Bewertung meiner Kreditkarten Nutzung einsehen können. Dadurch entsteht eine Transparenz, welche meinen Umgang mit Finanzmitteln einfacher macht und die Wahrscheinlichkeit des Fehlverhaltens reduzieren würde.

Auch in Sachen Sicherheit ist eine solche Transparenz ein sehr starkes Argument. Brett King geht sogar so weit zu behaupten, dass Sicherheit eher für das Mobiltelefon als Zahlungsmittel spricht, als für Karten. Verschlüsselungstechniken, Geo Location, Biomtetrie oder aktives Identitätsmanagement sind Möglichkeiten, die Karten nicht bieten. Was sollte also für Karten sprechen, außer vielleicht Nostalgie. Aber auch die größten Nostalgiker werden akzeptieren müssen, das “Wetten Dass” ein totes Format ist, welches sich nicht wider beleben lässt.

Lesen Sie den spannenden Artikel von Brett King und sagen sie mir, wie Sie die ganze Sache sehen?

Changing your banking instinct

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Seamless patentiert QR Code basiertes Payment System

Die Zukunft von Facebook


Wird Facebook das größte Werbenetzwerk der Welt, worauf einige der geplanten Neuerungen hindeuten. Oder ist Facebook doch viel mehr und sorgt tatsächlich für disruptive  Veränderungen, die Menschen ganz neue Möglichkeiten für Zusammenarbeit, Organisation, Kollaboration und Veränderung bieten. Macht Facebook uns glücklicher und freier oder unglücklicher und unfreier? Furturist Venessa Miemis hat sich auf der sibos 2012 mit dieser Frage beschäftigt und dieses interes?ante Video erstellt.

Welchen Weg wird Facebook gehen?

Wo sind die innovativen Banken


Social Media

Wenn man den Begriff Social Media ausspricht, dann schwingt die Bedeutung „Innovation“ immer mit. Social Media steht immer auch für Veränderung, also für die durch Social Media, und wohl auch durch das Internet allgemein, ausgelösten oder angestoßenen Veränderungen, welche die Unternehmen wiederum zu Reaktionen zwingen. Wenn eine Bank sich also mit Social Media beschäftigt, sollte sie nicht nur die Nutzungsmöglichkeiten betrachten.

Ist ein Unternehmen aber innovativ, weil es Social Media nutzt? Und hilft Social Media einer Bank Wettbewerbsvorteile zu erlangen oder verlorene Wettbewerbsanteile zurückzugewinnen? Vor allem aus Sicht etablierter und langjährig agierender Banken muss man dies sehr bezweifeln. Es scheint ja als seien diese Unternehmen dazu verdammt, auf jedes neue Thema oder jede Veränderung nur mit dem Prinzip Anpassung zu reagieren.

Anpassung

Finanzunternehmen verändern sich nur sehr langsam. Eigentlich passen Sie sich immer nur an. Nur äußere Störungen und interner Kostendruck führen zu Anpassungen. Äußere  Störungen sind zum Beispiel neue Technologien, staatliche Eingriffe und sehr selten auch die Macht der Verbraucher. Zumeist bedarf es sogar einer Kombination all dieser Faktoren.

Aber sind diese Veränderungen wirklich Innovationen? Und für wen ist eine Innovation nützlich? Nur für die Bank? Für einige Kunden oder für alle Kunden? Für die lokale, nationale oder gar globale Wirtschaft. Wirkliche Innovationen sollten keine spezifischen Interessenlagen berücksichtigen oder Folgewirkungen ausblenden. Und auch die Frage, ob Anpassungen, die grundsätzliche Strukturen nicht erneuern, angesichts der immer herausfordernderen Umweltbedingungen, überhaupt noch ausreichen, darf gestellt werden

Warum Banken wenig innovativ sind, erklärte Ulrich Linnebank kürzlich in einem Gastbeitrag für diesen Blog . Neben den internen Gründen spielt aber auch die Umwelt bei der Lähmung der Banken eine gewisse Rolle. Denn das System ist weitgehend so angelegt, dass Innovationen eher kontraproduktiv und teilweise gar nicht gewünscht sind.  Die notwendige Regulierung des Systems ist gleichzeitig ein Hemmnis für mögliche Veränderungen und auch der Verbraucher schreit, solange er sich nicht vernachlässigt oder betrogen fühlt, nicht nach Veränderungen. Wer soll die Banken also verändern?

Stillstand

Die deutschen Banken scheinen besonders veränderungsresistent zu sein. Wenig hat sich getan in den letzten zwanzig oder dreißig Jahren: Ein wenig Online Banking, einige Aufkäufe oder Fusionen, die Direktbanken, etwas Finanzkrise und nun einige zarte Finance 2.0 Ansätze. Die Fidorbank, Smava, kontoblick und neuerdings Yavalu  oder stockpulse. Und natürlich spiel auch Mobile Banking und Mobile Payment eine Rolle.

Die etablierten Banken beobachten diese Entwicklungen und überlegen, welche es nachzuahmen oder zu integrieren gilt, denn letztendlich wird der deutsche Durchschnittsverbraucher seine Bank nicht wegen etwas besserer Technologie oder fairerer Produkte verlassen.  Da ist eine herausragende Kondition schon von ganz anderem Kaliber. Die kleinen ehrgeizigen Startups, welche die Finanzbranche in der Regel als Nichtbank innovieren wollen, schaffen es entweder in die Nische oder werden in der Komplexität der Strukturen und regulatorischen Hürden zerrieben.

Anpassungen haben in den letzten Jahrzehnten eigentlich immer genügt. Ob sich das im Internetzeitalter groß ändern wird, bleibt fraglich. Es wäre jedoch wünschenswert, wenn Banken (wieder) zu finanziellen Dienstleistern für die breite Masse der Gesellschaft werden könnten. Einiges spricht dafür, dass Technik eine immer größere Rolle spielen wird und diese auch die Chance bietet Banking transparenter, schneller, einfacher und bequemer zu machen und das mit immer weniger Aufwand und möglicherweise sogar mit immer weniger Banken. Oder vielleicht sogar ganz ohne Banken. Denn meine These ist, dass eine wirkliche Innovation erst dann möglich wird, wenn man sich als Entrepreneur von dem historisch geprägten Begriff und den damit verbundenen Bedeutungen und Bildern wirklich trennt

Also werden Banken gar nicht zu einer fundamentalen Innovation in der Lage sein. Schon mit dem Erwerb einer Banklizenz ist die Entwicklung vorgezeichnet. Was ändert sich beispielsweise, wenn Banken PFM einsetzen, aber dennoch nicht von Provisionsmodellen und der Bevorzugung eigener Produkte abweichen, also darauf angewiesen bleiben, dass Verbraucher nicht den vollständigen Marktüberblick bekommen.

Kann eine Bank einer konstruktiven Strategie folgen. Also – wie Umair Haque in seinem Buch: The new capitalist manifesto definiert – wettbewerbsfähig wird, indem sie radikal nützlicher und hilfreicher für Menschen, Kommunen, Gesellschaft, Umwelt und zukünftige Generationen wird, als die Konkurrenten? Kann das dann wirklich noch eine Bank sein, wie wir sie heute kennen.

Ich will nicht unfair sein. Es gibt Ansätze und nur Schritt für Schritt lässt sich eine so dramatische Veränderung- die nicht weniger ist, als eine Umkehrung der Grundhaltung- vollziehen bzw. intern durchsetzen.

Welche Bank ist nun innovativ?

Da fallen mir ehrlich gesagt in Deutschland nicht so viele ein. Auch im Visible Banking Blog von Christopher Langlois- der sich intensiv mit Innovationen in der Bankenbranche und mit Social Media beschäftigt –werden relativ selten deutsche oder deutschsprachige Banken erwähnt.

Häufiger werden spanische Banken, die Danske Bank oder auch die holländische Rabobank erwähnt. Aus den Niederlanden kommt übrigens auch das Angebot Mone You von ABN Amro, die ihr noch einfacheres, schnelleres und vor allem auch mobiles Direktbankangebot am 01.07.2011 auf den deutschen Markt bringen. Möglicherweise aufgrund der intelligenten und einfachen Apps eine Bank, die vor allem jüngere Menschen anziehen könnte.

Beispiele

BBVA  Crowdfunding: Friends and Family 

Rabobank Community für  kleine Unternehmer: Startercommunity 

Danske Bank Crowdsourcing auf Facebook: Ideabank

Adelaide Bank Crowdsourcing/-funding/-collaboration/-financing?:planbig

Aber auch hier sind erst einmal keine substanziellen Veränderungen von Produkten oder gar des Geschäftsmodells erkennbar. Warten wir also weiter, auf die Bank, die das Banking revolutioniert. Oder brauchen wir am Ende gar keine innovativen sondern nur gute Banken?

Ideen zum klauen: Geschenk am Getränkeautomat


Vending MachineKlebriges braunes Zuckerwasser

Pepsi stellt klebriges braunes Zuckerwasser her. Vielen Menschen schmeckt dieses Getränk dennoch und auf die gesundheitlichen Folgewirkungen wird meistens nicht geachtet. Auch wenn dieser Aspekt der unternehmerischen Tätigkeit von Pepsi Cola sicherlich nicht so richtig erfreulich stimmt, so ist Pepsi dennoch dabei sich zumindest ein wenig zu verändern, weil offensichtlich aufgefallen ist, dass schlechte Produkte durch noch mehr Marketing nicht besser werden. Innovationen sind gefordert. Und irgendwann kommt sicher auch die Innovation in Sachen Kernprodukt.

Kleine Schritte ins Social Business

Das die Nutzung sozialer Medien neben dem hohen Aufmerksamkeitsgrad, den jede Aktion einem tätig werdenden Unternehmen bringt, aber auch die Chance bietet näher an den Verbraucher heranzukommen und ihm z.B. durch Grosszügigkeit zu helfen und dadurch als Unternehmen selbst zu profitieren, ist Pepsi inzwischen selbst aufgegangen.

Auf das Pepsi Refresh Projekt folgt deshalb nun ein sozialer Getränkeautmat über den Freunde und andere Menschen beschenken kann. Der von PepsiCo und DCI Marketing and Protagonist entwickelte Getränkeautomat funktioniert folgendermaßen: Benutzer können ihren Freunden über den Automat einen einlösbaren Code per SMS senden. Um dies tun zu können, ist die Eingabe des Namens, einer Mobilnummer und die Angabe einer kurzen Nachricht erforderlich. Wer möchte, kann auch noch eine kurze Videobotschaft hinzufügen. Der Gutschein kann vom Empfänger zu jedem beliebingen Zeitpunkt und an jedem Getränkeautomat eingelöst werden.

Auch an fremde Menschen lassen sich solche Gutscheinde versenden, aber nur zu bestimmten Gelegenheiten oder unter bestimmten Bedingungen zum Beispiel in eine Stadt in der gerade eine Hitzewelle herrscht.

Das klingt ein wenig verrückt und typisch amerikanisch, ist aber durchaus innovativ. Zumal die Aktion auf eine Kombination aus spielerischen Elementen und hilfreiches Verhalten unter Freunden setzt. In den USA sind Getränkeautomaten und Vending Machines zusätzlich sehr beliebt und auch in anderen Ländern wird diesen nützlichen Geräten eine Renaissance prophezeit

Der Klautipp für Banken

Getränkeautomaten findet man in Deutschland weniger häufig als Geldautomaten. Beim Einkaufen von Getränken ist uns menschlicher Service offensichtlich noch wichtiger. Welche Art von Geschenken könnte man über Geldautomaten verteilen. Geldgeschenke zum Beispiel an Freunde oder auch Fremde, denen man etwas Gutes tun möchte.  Da würden die Automaten doch direkt ein wenig menschlicher. Denkbar wäre ja die Überweisung von Kleinbeträgen per twitter und SMS auf ein Konto und die Möglichkeit diesen Betrag direkt – wiederum über einen Code – vom Kontoinhaber selbst abholen zu lassen.

Die Vergabe von Spenden an regionale Initiativen wäre eine weitere Möglichkeit!

Bei einer Führung durch das Innovationszentrum einer Rechenzentrale habe ich letztens eine Möglichkeit gesehen einem Kunden Geburtstagsgrüsse auf den Geldautomaten zu senden. Vielleicht könnte man auch kleine Geldbeträge mit der Möglichkeit diese zu spenden übertragen oder sollten vielleicht Getränke am Geldautomaten erhältlich sein? Nein das würde zu weit gehen. Oder was denken Sie?

Die Newsmeldung zu Pepsi via newsfactor.com

Und hier anschauen wie es geht

Eine ältere Idee zum klauen

So klingen Banken leider noch nicht (Teil VIII)


Im November

Wenn es kälter, häufig neblig und in der Regel feuchter wird, ist seelische Schwere und Melancholie erwünscht. Doch auch wenn die Blätter fallen und dann ja noch der kalte Winter kommt, keimt schon die erste Vorfreude und Hoffnung auf den Frühling.

Vielleicht klingen die Banken im kommenden Frühling also so wie Madsen es hier besingen.

Gestern

War übrigens Reformationstag. Der Tag mit den 95 Thesen. Der ein oder andere wird sich trotz der kommerziellen Erfolgsgeschichte von Helloween noch daran erinnern.  Martin Luther war es, der die rund um die Buchdruckkunst entstandende technologische Revolution, zur gesellschaftlichen Revolution machte. Klaus Jarchow ist der Meinung, dass heute eigentelich alles so ist wie vor 500 Jahren. Nur der Luther fehlt noch.

Lesen Sie dazu seinen sehr inspirierenden Artikel Luther2.0 in der GDI Impuls Nummer 3 2010. Erhältlich in jedem gut sortierten Zeitungskiosk oder als Abo. Oder besuchen Sie seinen Blog www.stilstand.de. Der erste November ist ja noch nicht vorbei

Ein solcher Luther 2.0 könnte auch die Voraussetzung für den Durchbruch von Social Banking sein, denn erst, wenn Social Banking die Vorsilbe “Social” nicht mehr braucht, ist das Ziel vor Augen.

George Baileys Beitrag zur Social Banking Diskussion


Bald ist wieder Weihnachten und dann wird dieser Klassiker sicherlich wieder im Fernsehen laufen. Ich empfehle diesen Film mal aus Sicht eines Bankers zu sehen. Meiner Meinung nach ist das ein Musterbeispiel für das, was “Social Banking” war und wieder sein wird. Dazu braucht es aber auch entsprechende Persönlichkeiten. Persönlichkeiten wie George Bailey. Oder bin ich da ein alter sozial Romantiker. In jedem Fall ein James Stewart Fan.

Und manchem wird aufgefallen sein: Social Media spielt nicht mal eine Nebenrolle. Wobei Social Media das zwischenmenschliche wieder zurückbringen wird. Gewarnt werden sollte deshalb vor Medien, welche uns zur Passivität verleiten. Das Internet bringt die Kommunikation, den Austausch und die Beziehug zurück. Ich empfehle deshalb das Buch “Cognitive Surplus” von Clay Shirky zu lesen.

Einen schönen Sonntag noch: