Gastbeitrag: Twitter#konsolidiert: Ist jetzt die Zeit für den Einstieg gekommen?


Dies ist ein Gastbeitrag von Milena Kannen. Inhaltlich etwas ungewöhnlich für finance20, aber hoffentlich dennoch interessant für einige von Euch. Auch an dieser Stelle sei aber erwähnt, dass Gastbeiträge nicht immer die Meinung des Blogbetreibers wiedergeben. Mir ist es aber wichtig eine inhaltliche Vielfalt sicher zu stellen.

Der Börsengang der Microblogging-Plattform Twitter Anfang November war nicht nur der meist beachtete, sondern auch der erfolgreichste des gesamten Jahres. Der Ausgabepreis für die 80,5 Millionen Aktien (13% des Unternehmens) hatte bei 26 Dollar gelegen; im Vormittagshandel an der Wall Street startete das Twitter-Papier am 7. November mit 45,10 USD. Insidern zufolge war die Nachfrage so hoch, dass die Anteilsscheine 30-fach überzeichnet waren, und im Verlauf des ersten Handelstages kletterte der Kurs kurzfristig auf über 50 Dollar, bevor er später bei 45,52 USD schloss. Am nächsten Tag fiel der Preis etwas, hielt sich jedoch immer noch deutlich über dem Ausgabekurs. Aktuell  notiert die Twitter-Aktie knapp unterhalb der 42-Dollar-Marke.

Rund 1,8 Milliarden Dollar spülte der Börsengang in Twitters Kassen, und die aktuelle Marktkapitalisierung ist mit stolzen 22,5 Milliarden Dollar großzügig beziffert (zum Vergleich, das ist in etwa soviel, wie lang etablierte Konzerne wie Adidas oder Tesla auf die Waage bringen). Das von vielen Beobachtern befürchtete Facebook-Szenario – wo der Ausgabepreis deutlich über dem dem ursprünglichen Bewertungsrahmen lag und das Papier demzufolge gnadenlos abstürzte – ist damit ausgeblieben, sicherlich vor allem auf Grund der geringen Anzahl ausgegebener Aktien. Und eine brennende Frage skeptischer Investoren ist immer noch ungeklärt: Wie will Twitter eigentlich in Zukunft Geld verdienen?

Die Faszination der Anleger ist leicht verständlich, hat der Kurznachrichtendienst es doch geschafft, in den nur sieben Jahren seit seiner Gründung (laut eigenen Angaben) mehr als 230 Millionen Nutzer unter seinem Dach zu versammeln. Doch die enormen Nutzerzahlen täuschen nicht darüber hinweg, dass das Unternehmen de facto immer noch ums Überleben kämpft: Im dritten Quartal präsentierte das Unternehmen zwar einen Umsatz von knapp 170 Millionen Dollar, musste jedoch gleichzeitig auch einen operativen Verlust von rund 65 Millionen Dollar vermelden – ein Anstieg von beinahe 50%. Den mit Abstand drittgrößte Ausgabenposten stellt immer noch „Forschung und Entwicklung“, wofür Twitter im dritten Viertel über 29 Millionen Dollar verbuchte.

Das rasante Nutzerwachstum nutzt den Aktionären nicht viel, wenn es nicht mit einem proportional angemessenen Umsatzwachstum einhergeht – und noch fehlt Twitter dazu das passende Geschäftsmodell. Offiziell veröffentlichte das Unternehmen auch vor dem Börsengang dazu keine Zahlen, doch laut einer Hochrechnung des digitalen Nachrichtendienstes Quartz.com liegt der durchschnittliche Umsatz pro Nutzer weltweit bei nur etwa 0,55 US Dollar. Facebook dagegen verdient im Schnitt pro User 3,20 Dollar und Google bringt es gar auf 20 Dollar. Optimistische Investoren hoffen nun, dass Googles Gewinnmarge von 20% sich auch auf Twitter übertragen lässt, doch selbst wenn diese erreicht würde, wäre das daraus errechenbare Kurs/Gewinn-Verhältnis derzeit noch dreistellig – ein exorbitanter Wert. Selbst wenn Twitter in den nächsten Monaten seine Strategie komplett umkrempelt und sich daraufhin so erfolgreich entwickelt wie Google, ist die Aktie daher derzeit noch völlig überteuert.

Twitter ist und bleibt ein interessantes junges Unternehmen mit einem unschätzbaren Wachstumspotenzial, doch das Schicksal der jungen Aktie hängt noch von zu vielen Unwägbarkeiten ab, um als sicheres Investment gesehen zu werden. Bis es soweit ist, muss aber Niemand  auf den Handel mit Twitter-Aktien verzichten – wer eine Meinung zur kurzfristigen Kursentwicklung hat, kann dieser zum Beispiel mit CFDs Ausdruck verleihen. Mehr Informationen zum CFD Handel finden Sie unter www.ig.com/de/cfd-handel

Gastautorin. Milena KannenMilena Kannen ist Financial Writer und Researcher bei IG, Deutschlands führendem CFD-Anbieter. Nach abgeschlossenem Journalistikstudium in Leipzig schreibt sie nun aus London über CFD-Handel, Charttechnik und Handelsstrategien sowie aktuelles Börsengeschehen

Wandel lernen mit “The wizard of oz”


Ich nehme kurz nochmal das Thema Wandel auf. In meinem letzten eigenen Blogbeitrag (No.999) habe ich mich im Rahmen einer Blogparade schon intensiv damit auseinander gesetzt. Nun möchte ich einen kleinen Nachtrag hinzufügen. Dabei beziehe ich mich auf ein Musical aus dem Jahr 1939: THE WIZARD OF OZ. Dort wurden drei wesentliche Grundvoraussetzungen für Wandel genannt und musikalisch aufbereitetet. Mir erscheint es angebracht zu sein, auf diese Grundvoraussetzungen noch einmal hinzuweisen, können wir doch beinahe tagtäglich beobachten ( wir müssen aktuell ja nur nach Berlin schauen) wie Wandel scheitert oder gar nicht erst in Bewegung kommt.

Hier sind also die drei Grundprinzipien in der von mir für richtig gehaltenen Reihenfolge.

If I only had a heart (Liebe)

If I only had the nerve (Mut)

If I only had a brain (Klugheit)

http://www.youtube.com/watch?v=nauLgZISozs

By the way

Vor Weihnachten muss ich unbedingt noch einmal einen Musical Tag vor dem Fernseher einlegen. Mal sehen was die Familie dazu sagt. Vielleicht muss ich allein schauen.

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Werte, Glaube, Liebe, Hoffnung, Vision

Banking der Zukunft gestalten (von Thomas Kiefer)


Dies ist ein Gastbeitrag von Thomas Kiefer. Mehr zum Autor finden Sie weiter unten.

Warum Sie als „Banker der Zukunft“ diesen Beitrag lesen sollten:

Heute finden Sie hier keine Antworten. Dafür aber Fragen über Fragen.
Fragen, von denen ich mir vorstellen könnte, dass diese auf der Suche nach Lösungen zur zukunftsorientierten Ausrichtung des Filialgeschäftes für Sie interessant sein könnten.
Nutzen Sie diese Leitfragen als Impulse, um in der Diskussion um die Bankfiliale der Zukunft einen guten Schritt weiter zu kommen.

Meine These: Die Antworten auf die Frage nach der Filiale der Zukunft erhalten Sie nicht von außen, sondern aus Ihrem „Innen“:

Wenn Sie die Ausgangssituation in Ihrem Geschäftsgebiet, die Verankerung Ihrer Bank und deren Mitarbeiter im regionalen Wirtschafts- und Gemeinschaftsleben reflektieren. Und wenn Sie darüber hinaus sich selbst, Ihren Führungskräften, Ihren Mitarbeitern und vor allem Ihren Kunden die richtigen Fragen stellen. Nicht nur die Frage zur Filiale der Zukunft, sondern vor allem die Frage zur Rolle ihrer Bank in naher Zukunft.

Was wird aus den Filialen?

Der Beitrag von Boris Janek lieferte mir den Impuls, diese Frage konkreter zu beleuchten.

Janek ruft die Banken zum Experimentieren auf. Er schlägt vor, regionale Laboratorien und Hubs aufzubauen, aus denen neues regionales Wirtschafts-, Kultur-, und Gesellschaftsleben entstehen kann.

Bei der Recherche für diesen Beitrag fand ich zahlreiche Beispiele, wie Banken heute schon auf das sich ändernde Kundenverhalten – ausgelöst durch Internet und soziale Netzwerke – reagieren. Dabei geht es um mehr, als nur bisherige Leistungen neu zu verpacken. Oft wird Zusatznutzen generiert, werden die Kunden für besondere Events in die Filialen eingeladen. Einige Beispiele für das Emotion- und Erlebnis-Banking:

Banken beweisen Kreativität: ob Ostereiersuchen, kostenloses Eis bei hochsommerlichen Temperaturen oder Computerkurse für Senioren, die damit quasi nebenbei für das Onlinebanking begeistert werden. Auch für den Nachwuchs wird einiges getan: Die VR Bank HessenLand eG begeistert Schulabgänger mit einer Nacht der Bewerber.
Ideen gibt es bereits genug. Wer dazu recherchiert, findet schnell genügend Beispiele.

Gibt es DIE Filiale der Zukunft überhaupt?

In der Diskussion wird meistens nur von der „Filiale der Zukunft“ gesprochen. Wie genau sieht denn diese Filiale aus? Wird reflektiert, dass es unterschiedlichste Filialmodelle gibt und dort unterschiedliche Zielgruppen betreut und angesprochen werden?
Ist berücksichtigt, dass je nach Region und Standort unterschiedliche Lösungen gefragt sind?

Plädoyer für eine neue Banking-Kultur

Die Experimentierfiliale ist ein richtiger Schritt in die richtige Richtung.

Dazu braucht es Menschen, die experimentieren wollen und experimentieren dürfen – eine neue Banking-Kultur. Das Geschäftsmodell für die Bank der Zukunft wird getragen vom Banker der Zukunft, der als Kundenbeziehungs-Manager souverän alte und neue Kanäle spielend (!) bedienen darf, zu bedienen weiß und im örtlichen Gemeinschaftsleben optimal vernetzt ist.

Die Frage nach der Filiale der Zukunft führt zwangsläufig zur Frage nach dem Banking der Zukunft.

Wer tiefer in das Thema einsteigt, wird schnell die hohe Komplexität feststellen:

  • Analyse der aktuellen Situation im Retail-Banking
  • Aktuelle Gehversuche von Banken hin zum Filialbanking der Zukunft
  • Neue technische Möglichkeiten, die Innovationen im Banking den Boden bereiten
  • Was erwarten Kunden von der Filiale der Zukunft?
  • Wie sehen Mitarbeiter der Bank die Filiale der Zukunft?
  • usw.

Die Frage nach der Rentabilität im Retail Banking

Um Antworten auf die Frage nach dem Wohin zu finden, kann es hilfreich sein zu wissen, wo ich bereits heute stehe:

Kenne ich die Rentabilität meiner Filialen und Standorte überhaupt? Kann ich transparent für Region und Standort Aussagen treffen zu Ergebnis, Erträgen und Kosten? Kenne ich meine aktuellen Erfolgsfaktoren: Vorhandene Marktpotenziale, Kundendurchdringung, Mitgliederdurchdringung und Wettbewerbersituation?

Wo will ich als Bank in fünf oder in zehn Jahren stehen?

Welche Kunden(gruppen) möchte ich bedienen?Über welche Kanäle möchten diese Kunden mit mir interagieren?

In der Ausgabe November 2013 berichtete die BANKINFORMATION, dass nach einer Studie 48% der Filialkunden auch im Jahr 2020 für Finanzgeschäfte exklusiv die Filiale aufsuchen wollen.

  • Kenne ich die Leistungen und Produktbündel, die meine Wunschkunden nachfragen? (Wie) kann ich meine Wunschkunden emotional ansprechen und binden?
  • Welche Leistungen im Mengengeschäft kann ich rentabel nicht mehr über den persönlichen Kontakt abbilden und wie gestalte ich diese so kundenfreundlich als möglich?
  • Zu welchen Beratungs-Kontexten möchten meine Kunden persönlich bedient werden? Und was heißt in diesem Kontext persönliche Bedienung? Ist damit gemeint, dass Berater und Kunde jeweils vom eigenen PC aus im geschützten Online-Beratungsraum das persönliche Finanzmanagement besprechen oder ist damit das Beratungsgespräch vor Ort in der Filiale beim Kundenberater meines Vertrauens gemeint?

Einer aktuellen Studie der Universität Hohenheim zufolge steht auch bei den jungen Kunden, den Digital Natives, eine persönliche Beratung bei Geldgeschäften ganz hoch im Kurs.

Wie müssen meine Vertriebskanäle optimal vernetzt werden (Omnichannel-Banking), um diese persönliche Bedienung einheitlich und schnittstellenübergreifend sicherzustellen und welchen Platz räumen meine Kunden ihrer Bankfiliale nach heutigem Verständnis ein?

„Klassische“ Erfolgsfaktoren für ein rentables Filialgeschäft

Welche Erfolgsfaktoren wirken heute und in Zukunft auf ein erfolgreiches Filialgeschäft und welche Hebel kann ich in Bezug auf diese Erfolgsfaktoren bewegen?

- Kundenorientierte Ausrichtung
- Kompetenz der Mitarbeiter
- Standort und Lage
- Öffnungszeiten
- Zielgruppe, die angesprochen werden soll
- Architektur und Gestaltung der Filiale, Ambiente

Back to the roots mit einer neuen Service-Kultur

  • Was kann ich tun, um meine Kunden über alle Kanäle hinweg zu begeistern?
  • Was kann ich tun, um meine Kunden von den Vorteilen des Banking der Zukunft und dem Mehrwert des persönlichen Kontaktes zu überzeugen?
  • Welche Wertschätzung genießt bei uns der typische „Servicekunde“?
  • Welchen Stellenwert genießen die Filial-Mitarbeiter unserer Bank?
  • Und falls notwendig: Was können wir tun, um hier etwas zum positiven zu verändern?

Was tun wir, um die Lücken in der Versorgung unserer Privatkunden zu schließen?

Eine Studie von Professor Dr. Frank Brettschneider vom Oktober 2013 liefert den Nachweis, dass 25- bis 35-jährige Bankkunden zum Teil große Lücken in der Versorgung mit Finanzprodukten haben. Daraus ergibt sich die Frage, was ich tun kann, um diese Kunden beim Schließen dieser Lücken optimal zu unterstützen. Und darüber hinaus: wie kann ich die Versorgung meiner Privatkunden weiter optimieren und welche Orte muss ich dafür optimalerweise einrichten oder neu ausrichten?

Bleiben Sie im Prozess und denken Sie weiter

Denken und fragen Sie weiter, vor allem Ihre Mitarbeiter und Ihre Kunden. Die Jungen genauso wie die Erfahrenen.

Gerade die genossenschaftliche Idee ist die ideale Basis, ein von Banken und Bankkunden gemeinsam getragenes Banking der Zukunft in moderner Form auf genossenschaftlichem Wertefundament zu gestalten.

 Über den Autor

TKWebsite_1Thomas Kiefer hat langjährige Erfahrung als Unternehmensberater und Organisationsentwickler sowie Bankerfahrung im Kreditbereich und als Organisationsleiter einer Volksbank.

Er besitzt eine fundierte Expertise im Vertrieb und im Verkauf. Damit ist er breit aufgestellt und weiß die Funktionsbereiche und Mitarbeiter eines Unternehmens optimal miteinander in die Wirksamkeit zu bringen.

Weitere Informationen finden Sie hier:

http://blog.thomas-kiefer.de/

http://www.selly-planspiele.de/

Zum Weiterlesen:

ENDLICH – WAS DIGITAL NATIVES VON IHRER BANK WIRKLICH ERWARTEN
http://blog.thomas-kiefer.de/2013/10/29/endlich-was-digital-natives-von-ihrer-bank-wirklich-erwarten/

DIE CHANCEN DER BANKEN IN DER DIGITALEN REVOLUTION

http://blog.thomas-kiefer.de/2013/10/09/die-chancen-der-banken-in-der-digitalen-revolution/

SERVICEQUALITÄT ALS WACHSTUMSSTRATEGIE

http://blog.thomas-kiefer.de/2013/08/31/servicequalitaet-als-wachstumsstrategie/

Werte, Glaube, Liebe, Hoffnung, Vision


Marias Aufruf zur Blogparade zum Thema: Veränderung in Unternehmen, möchte ich auch gerne folgen. Der Blog www.inknowaction.com ist übrigens extrem lesenswert. Auf geht´s:

Die Jungen drängen, die Alten bremsen

Alles schreit nach Veränderung. Veränderung: Das neue Modewort der Beraterbranche. Nicht nur. Auch große Teile, der mit dem Internet aufgewachsenen Generation der “Digital Irgendwas”,  rufen nicht nur nach Veränderung, sie betreiben diese auch aktiv. Das Internet macht es möglich.

Wer also nicht auf die Ochsentour durch Institutionen und Unternehmen gehen möchte, um die Alten und Mächtigen zu überzeugen, der gründet einfach ein Unternehmen, mit dem Potential die Welt zu verändern. Marc Zuckerberg hat das getan und den Einfluss von Facebook auf die moderne Welt kann man kaum überschätzen. Und gerade Facebook wirft  Fragen auf. Ist alles was sich verändert wirklich Fortschritt?

Veränderung vs. Wandel

Nun besteht kein Zweifel daran, dass wir in einer Zeit leben, in der sich sehr viel verändert. Und zwar in scheinbar atemberaubendem Tempo. Viele Dinge, die wir niemals für möglich gehalten hätten, wurden wahr. Vieles, das wir uns in unseren schlimmsten Träumen nicht vorstellen konnten, ist bereits bittere Realität geworden.

Veränderung trifft uns häufig unvorbereitet und unser Alltag erlegt uns eine gewisse Hilflosigkeit auf. Selbst wenn wir die Veränderungen kommen sehen und gerne mitgestalten möchten, bleiben wir meistens ungehört. Wir können der Veränderung keine Richtung geben. Unsere Institutionen und Organisationen sind auf den Veränderungsdrang ebenso wenig vorbereitet wie die meisten von uns Menschen. Sie sind überwiegend noch in einer Welt ohne Internet entstanden und auf diese ausgerichtet. Das gilt auch für die Mehrheit derjenigen Menschen, die heute an entscheidenden Positionen in Deutschlands Organisationen und Institutionen sitzen. Auch sie sind überwiegend in eine Zeit ohne Internet sozialisiert wurden.  In ihnen haben sich Strukturen und Kulturen verselbstständigt und gar verdinglicht, die sich nicht so leicht wieder aufbrechen lassen. Hinzu kommt, dass jede Veränderung immer auch individuelle Interessen berührt.

Veränderung – vor allem wenn sie von außen kommt und wir ihr scheinbar hilflos ausgesetzt sind- ist keine einfache Sache. Sowohl bei Menschen als auch bei Organisationen erzeugt sie Stress und führt zu Widerstand. Und es geht noch viel tiefer. Es geht auch um menschliche Natur

Kate Helber schreibt in einem sehr scharfsinnigen Artikel mit dem Titel The Neurosience behind change management. 

Like many people, at the time I tended to think of organizational change as a rational, logical process. That’s a great way to look at change — unless you’re the person experiencing change directly. The reality is that changes in work, environment, team, relationships or home trigger neurological and physiological responses that aren’t in our control. Resistance is actually a natural reaction that we all experience when facing change, whether that change is good or bad-

Während Veränderung uns eher überkommt, kann man Wandel aktiv gestalten. Veränderung würde beispielsweise bedeuten, sich von einer Technologie wie dem Internet einfach treiben zu lassen. Wir würden einfach hinterherlaufen, einfach machen, was die Technologie uns aufzwingt. Dies ist aber der falsche Weg.

Wir sollten also über Wandel sprechen. „Echter Wandel“, so schreibt Matthias Horx in seinem Buch des Wandels:

„beginnt erst dort, wo wir durch einen Prozess der freien Wahl, der  aufsteigenden Freiheit, des wachsenden Bewusstseins uns selbst zu verändern beginnen.“ (Seite 33).

Das klingt positiv und hoffungsvoll. Es erscheint also wünschenswert eine Kultur der Wandlungsfähigkeit zu entwickeln. Wandlungsfähigkeit macht uns freier und weniger abhängig. Wir wären organisatorischen und staatlichen Zumutungen weniger ausgesetzt. Und diese Zumutungen werden zunehmen. Solche Wandlungsfähigkeit hat jedoch Voraussetzungen

Wandel ist wirklich nicht leicht

Nimmt man ein durchschnittliches deutsches Unternehmen im Jahr 2013, dann sind die Voraussetzungen für Wandel nicht unbedingt ideal. Unternehmen existieren nicht im luftleeren Raum. Menschen natürlich auch nicht. Unternehmen greifen auf Menschen zu, die in einer bestimmten Gesellschaft und Kultur geformt wurden. Unternehmen wollen nur menschliche Teilkompetenzen nutzen und verlieren dabei den ganzen Menschen aus dem Auge. Nur das ökonomisch verwertbare wird noch benötigt. Ich glaube auch nicht, dass das Internet hier zu einer Wende führt.

Unser gesamtes Ausbildungssystem ist in den neunziger und nuller Jahren auf diese „Durch-Ökonomisierung“ ausgerichtet wurden. Viele Errungenschaften und Stärken der deutschen Gesellschaft wurden nach dem Prinzip höher, schneller, weiter zurückgefahren bzw. aufgelöst. Aus der freien Wahl und Organisation eines Studiums wurden zum Beispiel drei- oder vierjährige vereinheitlichte und verschulte Roboter Studiengänge, die den jungen Menschen zeitliche Höchstleistungen abverlangen, jedoch Tiefgang und Reflektion nicht vorsehen.

Und ältere Arbeitnehmer haben gelernt sich anzupassen bzw. erfahren, dass eigene Gedanken und Ideen entweder unerwünscht sind oder im organisatorischen Sumpf (meistens in bestimmten Führungsebenen) versickern. Über Ihnen schwebt zusätzlich das Damoklesschwert des Arbeitsplatzverlustes mit dem auf dem Fuß folgenden Hartz 4 Risiko.

Kann Wandel mit solchen Organisationen und Menschen überhaupt gelingen? Matthias Horx nennt zwei wesentliche Voraussetzungen für Wandel. Vertrauen und Resilienz.  Sind Menschen und Organisationen darauf programmiert? Besteht in unseren Unternehmen eine Kultur des Vertrauens? Sind wir in der Lage – als Mensch und Organisation – mit Unsicherheit, Unglück, Krisen und Bedrohungen umzugehen. Und erreicht man Vertrauen und Resilienz durch die Maschinerie der Angstmacherei, die Politik, Medien, Wirtschaft und andere Institutionen errichtet haben?

Veränderung löst im Menschen physiologische Prozesse aus, die er selber gar nicht beherrschen kann. Dies sollte man bei allen Change Prozessen im Hinterkopf behalten. Wandel gelingt, wenn es gelingt Vertrauen aufzubauen, wenn Menschen Wandel mit Hoffnung verbinden und diesen nicht als Ausweglosigkeit wahrnehmen. Wandel gelingt, wenn man Gemeinsamkeit und Gemeinschaft erlebt, wenn Menschen eigenständig agieren und sich Wirklichkeit eigenständig aneignen dürfen. Wenn sie Erfolgserlebnisse haben, wenn sie menschlich behandelt werden, wenn es uns gelingt Empathie zu leben und diese urmenschliche Eigenschaft wieder in unsere soziale Welt zurückzuholen. Denn nach Daniel Goleman ist Emphathie das Bindemittel des sozialen Zusammenhalts, und der Mensch ist das soziale Tier par excellence.“ (aus soziale Intelligenz. Wer auf andere zugehen kann, hat mehr vom Leben, Seite 90)

Wandel ist kein Selbstzweck

Wandel ist jedoch kein Selbstzweck. Als menschliche Wesen sind wir in der Lage uns vorzustellen, was gut für uns, unsere Gemeinschaft und die nachfolgenden Generationen ist. Schon hierbei entstehen Konflikte, die Emphatie und Demut verlangen. Wir dürfen deshalb nicht alles was neu ist als Fortschritt verstehen. Ist „Fracking“ ein Fortschritt? Ist der Verlust von Privatheit und Big Data ein Fortschritt? Ist die Durch Konsumierung unseres Alltags ein Fortschritt?  Für wen ist das jeweils ein Fortschritt? Und für wie viele? Was ist richtig, was ist falsch? Wir sollten diese wichtigen Fragen nicht nur nach ökonomischen Prinzipien beantworten. Wollen wir wirklich mehr „Growthism economy“?

Umair Haque fordert in seinem Awesomness Manifest ein neues Konzept von Fortschritt. Es geht nicht um Zerstören und ersetzen des Zerstörten durch Neues von dem man noch nicht weiß, welche Katastrophen es erzeugt. Er spricht von einer qualitativen Veränderung, die eine Abkehr von Wachstum  und Wachstumsmythen impliziert und in der reale, bedeutsame Werte geschaffen werden, die bleiben und zukünftige Generationen nicht belasten.

Wandel sollten Menschen und Organisationen mit Demut begegnen. Wir sollten uns klar darüber werden, was wir wirklich erreichen oder besser machen möchten. Und ob das, was besser für uns und/oder die Organisation ist, auch besser für andere Stake Holder und unsere Umwelt ist. Diesen Weg kann man nur aus der eigenen Identität heraus gehen. Er muss auch auf Zwischenmenschlichkeit beruhen. Wer diese und eine Vision für die Zukunft nicht hat, kann Veränderung nicht gestalten, kann Menschen nicht mitnehmen, ihnen keine Hoffnung geben und keine Erfolgserlebnisse vermitteln.

Wandel gelingt mit Liebe, denn – das wusste schon Climie Fisher – love changes everything. Money verändert zwar auch, was wiederum Cindy Lauper besungen hat, aber Money grenzt Menschen aus und erzeugt keine  Nachhaltigkeit. Nur was wir aus Liebe machen, machen wir gut. Money nimmt uns die Gelassenheit und treibt uns in die Tretmühle, des höher, weiter, schneller, die uns von Tag zu Tag unzufriedener macht

Ein anpassungsfähiges Unternehmen anstreben

Bleibt noch die Frage: Wie wird ein Unternehmen dauerhaft anpassungsfähig. Wie bringen wir die Anpassungsfähigkeit in den genetischen Code? Eine schwierige Frage auf die ich ehrlich gesagt noch keine befriedigende Antwort gefunden habe. Es ist ja ohnehin so eine Sache mit den Patentrezepten. Mixprize hat in einem kürzlich durchgeführten Hackathon mit dem Titel: Hacking HR to build adaptability advantage 12 Feinde der Anpassungsfähigkeit herausgearbeitet und diesen 12 Feinden 9 wesentliche Design Prinzipien anpassungsfähiger Unternehmen gegenüber gestellt. Diese möchte ich zum Schluss dieses Beitrages einmal kurz aufführen, da ich sie für sehr inspirierend halte und denke, dass sie für alle Unternehmen, die sich aktuell mit Wandel beschäftigen inspirierend sein können.

http://www.mixhackathon.org/hackathon/cipdhack/why-adaptabily-matters-now

Die 12 Feinde

  • Hierarchie
  • Angst
  • Befangenheit im Althergebrachten bei Entscheidungen
  • Gewohnheit/Einstellung (Fehlendes Mindset und Verhalten)
  • Zentralisierung (von Entscheidungen)
  • Unflexible Geschäftspraktiken ( zu sehr auf Effizienz getrimmt, keine Redundanzen)
  • Rigide undurchlässige Strukturen
  • Fehlende Fähigkeiten
  • Experimentieren wird durch „One best way“ Struktur unterdrückt
  • Fehlende interne Vielfalt
  • Fehlen einer geteilten Vison

Die 9 Design Prinzipien

  • Experimentieren + Lernen
  • Transparenz und Offenheit
  • Autonomie + Vertrauen
  • Vision + Bedeutung
  • Vielfalt
  • Flexibilität
  • Kreativität
  • Kollaboration
  • Natürliche Führung + Meritokratie

ich ergänze

  • Empathie und Verständnis für neurologische Prozesse bei den Beteiligten

Gar nicht so einfach. Und mal wieder sollte jedes Unternehmen seinen eigenen Weg finden. Veränderung sollte zu Einzigartigkeit und nicht in eine weitere Stufe der Austauschbarkeit führen. Diese Gefahr besteht immer dann, wenn es keine eigene Vorstellung und Auseinandersetzung von Zukunft gibt und man sich zu sehr von den Umständen und den Beratungshäusern treiben lässt. Ein wenig gesunder Menschenverstand sollte deshalb jedes Veränderungsunterfangen begleiten. Besser wäre mehr als „ Ein Wenig“

 

Veränderung braucht Veantwortung. Mike Montero. How Designers destroy the world


Wir reden viel über Veränderung, denn wir sind von ihr umgeben. Vielleicht sogar umzingelt, unsere Wagenburg bleibt aber noch undurchlässig – das sehen wir zum Beispiel an unserer Bundesregierung.
Veränderung braucht jedoch Verantwortung und das gilt auch für Design. Die folgenden knapp 50 Minuten eines Vortrages von Mike Montero sind eine Lehrstunde in Sachen Veränderung, Design, Verantwortung und Identität.

Am Mittwoch gibt es dann meinen Beitrag zur Blogparade von inkowaction.com. Da geht es dann auch um Veränderung

Auch FKK Banking bald möglich


Wer etwas bezahlen möchte brauchte lange Zeit Bargeld. Es folgten Schecks. Dann kamen  EC und Kreditkarte hinzu. Es folgte das Mobiltelefon. Watches und glasses stehen auch schon in den Startlöchern. Und während wir uns noch fragen, wie das alles gehen soll und ob wir Menschen das wirklich brauchen, hat auf der Techcrunch Disrupt SF 2013 Matthew Drake in einem hackathon gezeigt, wie man nur mit Handgesten bezahlen kann.

Wir sprechen hier noch nicht über ein serienreifes Produkt. Ob eine solche Lösung überhaupt einmal auf irgendeinen Markt kommt, können wir auch noch nicht wissen. Aber offenbar ist “fast” alles möglich. Matthew Drake hat für seinen hackathon auf   ein Zahlungsterminal zugegriffen, welches mit Secret Handshake-Software und einem Sprung-Motion-Controller arbeitet. Offenbar verfügen amerikanische Zahlungsterminals teilweise über diese Technologie. Diese Idee würde die Aufwände bei Händlern wohl extrem reduzieren. Die bei Händlern entstehenden Kosten sind ja auch hierzulande noch ein Hindernis für die Durchsetzung von mobilen Payment Systemen.

Vielleicht bringt Drakes Idee oder soll ich lieber sagen Aktion in Deutschland  sogar den Durchbruch für geldloses bezahlen. FKK soll ja hierzulande noch recht beliebt sein und in deutschen Saunen ist Kleidung auch strikt verboten.

Weiterführende Links

Secret Handshake Lets You Pay With Hand Gestures And Leap Motion – No Phone Or Card Required

System uses handgestures for mobile payment

Blogparade: Social Media im Unternehmen. Darauf kommt es an?


Dr. Klein und die CreditPlus Bank haben eine Blogparade zum Thema “Social Media in Unternehmen gestartet. Ich mache da jetzt mal mit. Stelle diesen Beitrag jedoch unter das Motto. Find your own way (frei nach REO Speedwagon)

Worauf kommt es also an? 

Affen würden Social Media verstehen. Sie würden nicht fragen, worauf es ankommt, weil Social Media für sie ein Werkzeug wäre, um sich einer verändernden und sie herausfordernden Umwelt zu stellen. Das Ziel: Der eigenen Spezies das Überleben sichern. Erkennen Sie aber bitte die Betonung auf überleben der Spezies, denn wer als Spezies überleben möchte, kann nicht alles beim Alten belassen und wird Opfer bringen und Veränderungen akzeptieren müssen.

Unterstellen wir den Affen einmal vernunftbegabtes Handeln. Wie sieht es aber mit den Menschen aus, die sich Organisationen ursprünglich geschaffen haben, um menschliche Probleme besser  lösen zu können. Diese Organisationen- das wissen wir inzwischen – konzentrieren ab einer bestimmten Größe mehr als 80 % ihrer Ressourcen auf den Erhalt des Systems.  Organisationen haben sich ein Stück weit verselbstständigt und den Menschen, die für diese arbeiten, wird das gar nicht mehr bewusst. Nun haben sich die Zeiten aber verändert und alles was gut war (oder gefühlt gut war), ist auf dem Prüfstand.

Für die Organisation selber, viele Mitarbeiter und vor allem für Führungskräfte geht es um Machterhalt, was zumeist gleichzusetzen ist mit Einfluss, mehr Geld, mehr Gehör- und Realisierungschancen. Je grösser die Herde ist, die man auf die oder von der Alm treiben darf, desto grösser ist die Macht. Keine guten Voraussetzungen, um eine Lebenstechnologie im Unternehmen wirken zu lassen, die vor allem für dauerhafte Veränderung, Anpassungserfordernisse und Flexibilität steht. Es trifft also Statik auf Dynamik. Die Dynamik dringt von außen in die Kultur des Unternehmenssystems ein. Möglich macht dies die kollaborative Technologie Internet.

Es ist klar, dass jedes Unternehmen hofft Social Media nutzen zu können, ohne dass etwas verändert werden muss. Kein Wunder also, dass Social Media dann auf die Bereiche Marketing, Kommunikation und PR beschränkt bleibt und der Konsument (nein Mensch) mit Marketing blah, blah und dem was Unternehmen für Dialog halten gelangweilt wird. Im Unternehmen dürfen sich also die sogenannten Kreativen, unterstützt von den anderen Sogenannten (den Social Media Gurus), austoben und Fans sammeln, die dann ähnlich eng an das Unternehmen gebunden sind wie die typischen Erfolgsfans erfolgreicher Fußball Vereine. Also wie ein Wetterfähnchen umschwenken, wenn der Erfolg (im übertragenen Sinne) mal ausbleibt. So verstanden und betrieben,verharrt Social Media dann irgendwann in einem Zustand, der nicht mehr auflösbar ist. Es geht nicht mehr weiter. Außer Spesen nichts gewesen.

Affen bräuchten keine Social Media Gurus. Sie würden intuitiv erkennen, was „social“ bedeutet. Komisch das Menschen, denen wir ja unterstellen soziale Wesen zu sein und die damit immer schon „social“ waren, dies in der Regel nicht erkennen. Für uns sieht erst einmal alles wie ein Nagel aus. Also hauen wir mit dem Hammer drauf. Affen würden ihre immanente Leidenschaft sich miteinander zu vernetzen sofort in die Tat umsetzen. Bei Menschen, die sich in Unternehmen bewegen, müsste man erst einmal nach Voraussetzungen für die Aneignung von Social Media suchen.

Voraussetzungen für Social Media

Eigentlich kann man es sich ganz einfach machen. Ein  Unternehmen hat die besten Voraussetzungen für Social Media, wenn es von jungen Menschen neu gegründet wurde und diese Menschen auf das Internet setzen, um relevante Alltagsprobleme von Menschen zu lösen oder vorhandene Lösungen auf den Prüfstand stellen und damit vorhandene Geschäftsmodelle und Alltagspraxen disruptiv verändern. Die Chancen steigen, wenn sich diese Unternehmensgründer in keinem hoch regulierten Markt bewegen und der Markt nicht von Unternehmen dominiert wird, die gute Kontakte/Verbindungen zur Politik und anderen Institutionen haben, welche die Veränderung aufhalten oder sogar dauerhaft stoppen könnten.

Schlechte Voraussetzungen für Social Media bestehen dagegen, wenn…

…ihr Unternehmen sehr erfolgreich ist und das Management davon ausgeht, dass die Zukunft keinerlei Veränderungen mit sich bringen kann, welche diesen Erfolg gefährden könnten. Motto: Wir brauchen keine Autos sondern schnellere Pferde

… Sie als Führungskraft kurz vor der Rente stehen.

… Sie in einer hoch regulierten Branche agieren und deshalb bestimmte Dinge gar nicht machen dürfen oder glauben diese nicht machen zu dürfen, bzw. diese Dinge, wenn sie diese doch machen würden, ihr persönliches Fortkommen oder gar ihre berufliche Karriere gefährden könnten, weil sie sich nicht in dreijährigen Businessplänen erfassen lassen.

… Sie als  Führungskraft zwar gerne Social Media und die damit automatisch einhergehenden Veränderungsprozesse zulassen würden, aber leider nicht die entsprechenden Mitarbeiter haben, mit denen man dies bewerkstelligen könnte. Was wiederum daran liegen kann, dass in Ihrem Unternehmen keine Querdenker arbeiten oder arbeiten sollen und die entstandene Kultur dies auch nicht zulassen würde. Ihre Mitarbeiter sollen also Dienst nach Vorschrift machen und nicht nachdenken, denn nachdenken und Kommunikation kostet Zeit und bringt den Mitarbeiter ohnehin nur auf dumme Gedanken.

… ergänzend kann man hinzufügen: Die Mitarbeiter Ihrer Branche werden in speziellen, häufig selbst betriebenen Ausbildungsinstituten ausgebildet und dort haben sich die Lehrpläne in den letzten zwanzig Jahren kaum verändert. Woher sollen die Querdenker also kommen?

… wenn ihre Leistung eher schlecht ist und bei den Menschen oder Kunden nur „Pain Points“ produziert. Sie also mit der Qualitätsmaschinerie des sozialen Internets nicht mithalten können und eigentlich alle Hände voll damit zu tun haben, über ihre Fehler hinwegzutäuschen oder diese mit Marketing blah, blah zu übertünchen

… Ihr Unternehmen oder Ihre Leistung auf der anderen Seite aber leicht digitalisierbar ist.

… Sie Vorbilder und Standards brauchen, es diese aber eigentlich noch nicht gibt. Oder: Sie wollen eigentlich nur so gut wie alle anderen sein oder es so machen wie die Gurus es Ihnen erzählen. Eigentlich müssten Sie aber einzigartig und besonders sein. Aber wer ist das schon?

… wenn die Sharholder Ihre Aktivitäten nicht unterstützen und Investitionen nicht erwünscht sind, weil man vielleicht noch abschöpfen kann

Und es gibt womöglich noch 1000 andere schlechte Voraussetzungen. Aber es geht trotzdem. Sehr wahrscheinlich muss es sogar gehen. Nehmen wir an Sie sind auf der höchsten Führungsebene eines Unternehmens, denn ohne Executive Support geht es ohnehin nicht, dann könnten die folgenden Maximen Ihr Programm sein. Aber nicht vergessen. Nicht zu sehr auf die Gurus hören. Sie lesen jetzt (m)eine Meinung

Worauf kommt es dann also an?

  • Hab keine Angst
  • Fang an
  • Lass los
  • Stell Dich auf Überraschungen ein
  • Fördere und fordere
  • Lass dumme Regeln töten
  • Belohne die Regelbrecher und bestrafe die Besitzstandsbewahrer
  • Hör zu
  • HÖRE IMMER ZU!
  • Lerne von Jüngeren
  • Lerne von Mitarbeitern
  • Lerne von Kunden
  • Lerne von Externen
  • Lerne von anderen Unternehmen
  • Lerne von anderen Branchen
  • LERNE!
  • Werde Design Thinker
  • Extrahiere das Sinnvolle
  • Finde Deinen eigenen Weg
  • Rechtfertige Dich nicht
  • Werde einzigartig und unverkennbar
  • WIRKLICH EINZIGARTIG! (Trenne Dich also spätestens jetzt von den Gleichmachern)
  • Löse Probleme
  • Produziere herausragende Mitarbeitererlebnisse
  • Fördere Vielfalt
  • Produziere herausragende Kundenerlebnisse
  • Nutze und fördere die crowd
  • PRODUZIERE HERAUSRAGENDE ERLEBNISSE!
  • Denke mehr wie ein Mensch
  • Interessiere Dich deshalb für die Zukunft der Menschheit
  • Trage mit all Deinen Aktivitäten zu dieser Zukunft bei
  • Entwickle neue Produkte und Geschäftsmodelle
  • Sei verdammt noch mal AWESOME!
  • Setze Dir Ziele
  • Setze Dir ungewöhnliche Ziele
  • Überwache Ziele und werde jeden Tag besser
  • Etabliere den Wandel
  • DU bist am Ziel! Nein es gibt kein Ziel
  • WANDEL!
  • Sei antifragil

Schlusswort

So einfach ist das also:

Mach es, dann mit allen Konsequenzen

oder

Lass es, dann auch mit allen Konsequenzen

Gastbeitrag: Unser Banksystem im Wandel – Zwischen gestern und morgen


Bei diesem Artikel handelt es sich um einen Gastbeitrag von Daniel Stein. Gastbeiträge müssen nicht der Meinung des Blog Autoren entsprechen. Dies gilt insbesondere für in  Gastbeiträgen ausgeprochene werbliche Verweise oder Produktempfehlungen. Finance20 ist werbefrei.

Unser Banksystem im Wandel: Zwischen gestern und morgen

Die Zukunft der Finanzinstitute ist kaum absehbar. Es sind jedoch einige Entwicklungen zu erkennen. Der Konkurrenzdruck steigt immens, da die Globalisierung für offenere Märkte und mehr Wettbewerb und insbesondere das Internet für mehr Transparenz sorgt. Dadurch müssen Banken und Co. zum einen kostengünstiger arbeiten und zum anderen auch Ihre Angebotsvielfalt erhöhen, um weiterhin Ihre Kunden halten zu können oder aber neue zu gewinnen.

Wie werden Privat- und Geschäftskunden in Zukunft beraten??

Hierbei wird zuerst auf den Privatkundenbereich eingegangen, da er alle betrifft. Eine bereits heute erkennbare Entwicklung ist, dass sich die Banken mehr und mehr aus dem ländlichen Raum zurückziehen. Das liegt zum einen an der demographischen Entwicklung, zum anderen am steigenden Kosten- und Konkurrenzdruck. Wenn die Dorfbevölkerung zurückgeht und gleichzeitig durch die Globalisierung immer mehr ausländische Banken den deutschen Markt betreten muss man sich auf die lukrativen Geschäftszweige konzentrieren. Schon heute trifft man in kleineren Städten und Dörfern wenn überhaupt Sparkassen und Raiffeisenbanken an. Bei diesen wiederum werden die Öffnungszeiten von Jahr zu Jahr verkürzt, was langfristig auf eine Schließung dieser Filialen hindeutet. Aufgrund dieser Entwicklungen und auch aus Bequemlichkeit und Effizienzgründen werden mehr und mehr Bankgeschäfte online abgewickelt. In größeren Städten werden sich wohl auch in Zukunft weiterhin große Banken mit Privatkundengeschäft finden, alleine schon zu Werbezwecken. Auf dem Land jedoch werden die Banken nach und nach aus dem Stadtbild verschwinden und dem Online-Banking weichen.

Business-Banking und vermögende Kunden

Für vermögendere Kunden und Geschäftskunden gelten dieselben Rahmenbedingungen, jedoch andere Gesetze. Auch hier müssen die Banken auf die Effizienz achten, jedoch ist ein vermögender Kunde oder eine mittelständische Firma weitaus rentabler zu betreuen als ein Auszubildender im ersten Lehrjahr. Hier wird die persönliche Betreuung länger anhalten und mit bspw. individuell vereinbarten Sprechzeiten gelöst werden. Schon heute gibt es bei vielen Banken eine Unterscheidung zwischen normalen, vermögenden und Geschäftskunden. Diese Differenzierung wird aufgrund des Kosten und Leistungsdrucks wohl verschärft werden.

Weitere Folgen des Konkurrenzdrucks

Ein Unternehmen, das ohne Ausnahme den Testsieger in jeder Kategorie stellt ist nahezu ausgeschlossen. Jede Bank hat Produkte, mit denen Sie Kunden gewinnt, um dann andere, gewinnbringende Produkte zu verkaufen. Die Transparenz steigt jedoch und die Kunden verstehen mehr und mehr, wie sie über den Tisch gezogen werden. Ein neutraler Makler mit einer Vielzahl an Angeboten wäre hier eigentlich die optimale Lösung. Aber gerade im Finanzbereich ist der Verdrängungswettbewerb sehr groß. Tagtäglich werden Kunden abgeworben und den Großteil der Zeit verbringt so mancher Makler mit Kundenrückgewinnung, Kundengewinnung und sehr viel Überzeugungsarbeit. Die Banken wiederum verfügen bereits über diese Kunden, jedoch nicht über die Produkte, diese Kunden langfristig zu halten. Eine sinnvolle Kombination könnte hier Abhilfe verschaffen. Die Bank könnte Makler beschäftigen, die dann eine Vielzahl an Versicherungslösungen, Geldanlageprodukten und vor allen Dingen eine sinnvolle Beratung. Wie sich Makler und Bank die Gewinne aufteilen ist dann Verhandlungssache. Auch hier werden natürlich Online-Plattformen einen Teil der Kunden gewinnen, allerdings dürfte hier die Beratungsqualität zu niedrig sein, so dass die Makler-Bank-Lösung mittelfristig höhere Marktanteile gewinnen dürfte. Das Internet wäre hierbei dann der Türöffner und Informationsgeber. Weitere Innovationen bleiben natürlich abzuwarten, wer hätte bspw. vor 20 Jahren an Online-Banking gedacht? Vielleicht werden wir bald alle unseren Bankberate auf Abruf per Video-Kommunikation kontaktieren können. Dreißig Minuten je Monat sind frei und alles darüber hinausgehend wird in Rechnung gestellt. Vielleicht werden die Vergleichsportale auch von der Beratungsqualität her besser und ermöglichen eine Interaktion mit dem potentiellen Kunden. Die Tendenz ist jedoch eindeutig: Mehr Transparenz und mehr Online-Präsenz werden das Gesicht der Finanzwelt in Zukunft prägen.

Welche weiteren Folgen ergeben sich hierbei für Geschäftskunden?

Auch im Bereich Firmenfinanzierung, Business-Kundenberatung etc. wird die vermehrte Transparenz und der Wettbewerbsdruck dazu führen, dass sich die Geschäftskunden günstigere Wege suchen werden als eine einzige Hausbank. Dabei spielt auch wieder das Internet eine wichtige Rolle. Hierbei ist es jedoch mit reiner Informationsweitergabe nicht getan. Geschäftskunden erwarten mehr von einem Portal, als reine Informationen. Eine Online-Beratung, weiterführende Gespräche auf persönlicher Ebene und intensiver Austausch sind hier Voraussetzung für einen Vertragsabschluss. Ein Beispiel für diese Art der Beratung ist www.finaboo.de. hier kann eine Geschäftskunde eine kostenlose Erstberatung anfordern, Angebote über die Plattform von verschiedenen Banken und anderen Geldgebern erstellen lassen und sich schließlich den Kontakt zum passendsten Anbieter herstellen lassen.

Fazit

Die Welt rückt enger zusammen und bietet immer mehr Möglichkeiten. Das gilt auch für den Finanzbereich. Die Leistung und vor allen Dingen die Leistung je Preis wird aufgrund des Kosten- und Konkurrenzdrucks steigen müssen. Dabei können Online-Plattformen eine bedeutende Rolle spielen. Wie persönlich dabei die Beratung trotz oder gerade wegen der Online-Kommunkation wird bleibt abzuwarten.

Über den Autor

Daniel Stein

Geschäftsführer

Stein Private Banking, Mainz

http://finaboo.de/

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14 Wünsche für das 8. genobarcamp


Nach  der  7. genossenschaftliche Unkonferenz

Unkonferenzen sind keine neue Erfindung. Es gibt sie schon lange.  Man erkennt sie an der fehlenden Organisation. Wobei dies nicht ganz richtig ist, denn einerseits auch fehlende Organisation eine organisatorische Entscheidung und anderseits muss in Deutschland alles irgendwie organisiert oder angemeldet werden. Selbst bei Revolutionen würde der deutsche Bürger zur Sicherheit wohl erst einmal nach einer Genehmigung fragen. Er wurde hierfür gut konditioniert.

Die erste Unkonferenz soll 1998 in Seattle stattgefunden haben. Heute handelt es sich um ein globales Phänomen, welches auch von traditionellen Unternehmen adaptiert wurde und vor allem immer dann Anwendung findet, wenn man Mitarbeiter und/oder Kunden und Stakeholder auf Innovation und Veränderung einstellen möchte. Ich kenne nun allerdings nicht viele Banken, die Unkonferenzen durchführen. Deshalb kann ich mit etwas Stolz konstatieren, dass vor etwa zwei Wochen das inzwischen siebte barcamp  (genobarcamp) der genossenschaftlichen Bankengruppe stattgefunden hat. Als Organisator hatte sich die Volksbank Gronau Ahaus zur Verfügung gestellt, der ich an dieser Stelle noch mal danken möchte. Ihr habt Eure Sache gut gemacht.

Nun schaue ich aber nach vorn und da bald Weihnachten ist, habe ich 14 Wünsche für das achte genossenschaftliche barcamp bei der GLS Bank in Bochum.

  1.  Das achte genossenschaftliche barcamp soll wieder eine echte Unkonferenz werden
  2. Alle  Teilnehmer müssen  eigene Beiträge und Impulse  mitbringen. Themen für die sie brennen und Ideen mit denen sie etwas bewegen können
  3. Dabei wünsche ich mir mehr Unfertiges, das erst in der gemeinsamen Arbeit Form gewinnt
  4. Mehr Zusammenkünfte in einer großen Runde, weniger kleine Foren und Sessions
  5. Mehr Gespräche, mehr Offenheit, mehr Kritik
  6. Konkrete Ergebnisse, die uns auch über die Veranstaltung hinaus beschäftigen und aus denen  heraus Veränderungen entstehen
  7. Die Ergebnisse jeder Session sollten festgehalten werden. Am besten als Zeichnung oder sogar als Comic.
  8. Wir brauchen definitiv mehr Vorstände und Führungskräfte als Teilnehmer
  9. Wir brauchen Störungen, womöglich von extern
  10. Menschen, die in der Facebook Gruppe mutig mit eigenen Meinungen unterwegs sind und mit Kritik nicht geizen, sollten den  Mut zur Teilnahme aufbringen. Denn wie gesagt, wir brauchen Störungen
  11. Ich finde die einzelnen Sessions  zu lang. Natürlich ist die Länge auch der überschaubaren Zahl an Beiträgen geschuldet. Aber wir sollten mehr kürzere, intensivere, noch spontanere Sessions machen. Wir brauchen mehr Kreativität.
  12. Wir brauchen mehr originelle und weitblickende Beiträge wie die von Frank Kleinert, der in jedem genobarcamp für die außergewöhnlicheren und menschlicheren Fragestellungen steht.
  13. Auch andere Banken sollten mal begeistert über erfolgreiche Projekte sprechen können. Nicht immer nur Bühl
  14. Die Teilnehmer sollen sich nicht nur wohlfühlen. Sie sollen vollgepumpt mit Schumpeterscher Energie raus in die kleine Genowelt gehen und einen Virus verbreiten, der uns gemeinsam nach vorne bringt.

Das alles und noch viel mehr wünschte ich mir, nicht nur wenn ich König von Deutschland wäre. Natürlich könnten diese Wünsche auch von der ein oder anderen Bank oder Bankengruppe erfüllt werden, die vielleicht noch nicht mal ein barcamp haben. Ich muss dann auch nicht dabei sein.

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Was aber noch viel spannender ist. Offenbar setzt das Unternehmen, welches die Autobranche in vielerlei Facetten revolutionieren möchte,  vollständig auf das Zahlungssystem bitcoin

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Vom ersten bitcoin Geldautomat haben kürzlich auch die deutschen Medien berichtet . Dieser steht wohl in Vancouver in einem Cafe und wurde von Robocoin entwickelt. Dort kann man bitcoins erwerben und in die (noch) reguläre Währung umwandeln und dann vor Ort damit bezahlen. Die bitcoin Automaten soll es demnächst auch an anderen Orten geben. In Deutschland wahrscheinlich aber nicht. Oder?  Wer weiss

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Die Geldanlage in bitcoin ist nicht mehr nur ein Geheimtipp. Menschen, die ihrer Zeit voraus sind und die sich auch mit ungewöhnlichen Geldanlagen beschäftigen, haben das schon früh erkannt. Allerdings benötigt man sicherlich umfangreiche Kompetenzen, um diesen Schritt zu gehen, den einem sicherlich kein Bankberater in Deutschland empfehlen würde.

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Wenn es um moderne Finanzlösugen geht, dann gibt es nichts von obi oder ratiopharm sondern zumeist von der Fidorbank. Kein Wunder also, dass auch die Fidorbank auf den “bitcointrain” aufgesprungen ist. Vor einigen Wochen verkündete die Fidorbank eine Kooperation mit der bitcoin Handelsplattform kraken.com.

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Bleibt zum Schluss die Frage, ob wir da einen Trend unterschätzt haben und wir uns womöglich auf dem Weg in die bitcoin Ökonomie befinden. Was meinen Sie?  Vielleicht hilft bei der Beantwortung dieser Frage auch noch dieser interessante Artikel von Felix Reuter Finance Blogger von Reuters.

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Ergänzung

Offenbar plant auch ebay die Akzeptanz von bitcoin als Zahlungsmittel. So berichten zumindest die deutschen Mittelstandsnachrichten und einige andere Medien

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http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2013/11/56793/