Gastbeitrag: Twitter#konsolidiert: Ist jetzt die Zeit für den Einstieg gekommen?


Dies ist ein Gastbeitrag von Milena Kannen. Inhaltlich etwas ungewöhnlich für finance20, aber hoffentlich dennoch interessant für einige von Euch. Auch an dieser Stelle sei aber erwähnt, dass Gastbeiträge nicht immer die Meinung des Blogbetreibers wiedergeben. Mir ist es aber wichtig eine inhaltliche Vielfalt sicher zu stellen.

Der Börsengang der Microblogging-Plattform Twitter Anfang November war nicht nur der meist beachtete, sondern auch der erfolgreichste des gesamten Jahres. Der Ausgabepreis für die 80,5 Millionen Aktien (13% des Unternehmens) hatte bei 26 Dollar gelegen; im Vormittagshandel an der Wall Street startete das Twitter-Papier am 7. November mit 45,10 USD. Insidern zufolge war die Nachfrage so hoch, dass die Anteilsscheine 30-fach überzeichnet waren, und im Verlauf des ersten Handelstages kletterte der Kurs kurzfristig auf über 50 Dollar, bevor er später bei 45,52 USD schloss. Am nächsten Tag fiel der Preis etwas, hielt sich jedoch immer noch deutlich über dem Ausgabekurs. Aktuell  notiert die Twitter-Aktie knapp unterhalb der 42-Dollar-Marke.

Rund 1,8 Milliarden Dollar spülte der Börsengang in Twitters Kassen, und die aktuelle Marktkapitalisierung ist mit stolzen 22,5 Milliarden Dollar großzügig beziffert (zum Vergleich, das ist in etwa soviel, wie lang etablierte Konzerne wie Adidas oder Tesla auf die Waage bringen). Das von vielen Beobachtern befürchtete Facebook-Szenario – wo der Ausgabepreis deutlich über dem dem ursprünglichen Bewertungsrahmen lag und das Papier demzufolge gnadenlos abstürzte – ist damit ausgeblieben, sicherlich vor allem auf Grund der geringen Anzahl ausgegebener Aktien. Und eine brennende Frage skeptischer Investoren ist immer noch ungeklärt: Wie will Twitter eigentlich in Zukunft Geld verdienen?

Die Faszination der Anleger ist leicht verständlich, hat der Kurznachrichtendienst es doch geschafft, in den nur sieben Jahren seit seiner Gründung (laut eigenen Angaben) mehr als 230 Millionen Nutzer unter seinem Dach zu versammeln. Doch die enormen Nutzerzahlen täuschen nicht darüber hinweg, dass das Unternehmen de facto immer noch ums Überleben kämpft: Im dritten Quartal präsentierte das Unternehmen zwar einen Umsatz von knapp 170 Millionen Dollar, musste jedoch gleichzeitig auch einen operativen Verlust von rund 65 Millionen Dollar vermelden – ein Anstieg von beinahe 50%. Den mit Abstand drittgrößte Ausgabenposten stellt immer noch „Forschung und Entwicklung“, wofür Twitter im dritten Viertel über 29 Millionen Dollar verbuchte.

Das rasante Nutzerwachstum nutzt den Aktionären nicht viel, wenn es nicht mit einem proportional angemessenen Umsatzwachstum einhergeht – und noch fehlt Twitter dazu das passende Geschäftsmodell. Offiziell veröffentlichte das Unternehmen auch vor dem Börsengang dazu keine Zahlen, doch laut einer Hochrechnung des digitalen Nachrichtendienstes Quartz.com liegt der durchschnittliche Umsatz pro Nutzer weltweit bei nur etwa 0,55 US Dollar. Facebook dagegen verdient im Schnitt pro User 3,20 Dollar und Google bringt es gar auf 20 Dollar. Optimistische Investoren hoffen nun, dass Googles Gewinnmarge von 20% sich auch auf Twitter übertragen lässt, doch selbst wenn diese erreicht würde, wäre das daraus errechenbare Kurs/Gewinn-Verhältnis derzeit noch dreistellig – ein exorbitanter Wert. Selbst wenn Twitter in den nächsten Monaten seine Strategie komplett umkrempelt und sich daraufhin so erfolgreich entwickelt wie Google, ist die Aktie daher derzeit noch völlig überteuert.

Twitter ist und bleibt ein interessantes junges Unternehmen mit einem unschätzbaren Wachstumspotenzial, doch das Schicksal der jungen Aktie hängt noch von zu vielen Unwägbarkeiten ab, um als sicheres Investment gesehen zu werden. Bis es soweit ist, muss aber Niemand  auf den Handel mit Twitter-Aktien verzichten – wer eine Meinung zur kurzfristigen Kursentwicklung hat, kann dieser zum Beispiel mit CFDs Ausdruck verleihen. Mehr Informationen zum CFD Handel finden Sie unter www.ig.com/de/cfd-handel

Gastautorin. Milena KannenMilena Kannen ist Financial Writer und Researcher bei IG, Deutschlands führendem CFD-Anbieter. Nach abgeschlossenem Journalistikstudium in Leipzig schreibt sie nun aus London über CFD-Handel, Charttechnik und Handelsstrategien sowie aktuelles Börsengeschehen

Wandel lernen mit “The wizard of oz”


Ich nehme kurz nochmal das Thema Wandel auf. In meinem letzten eigenen Blogbeitrag (No.999) habe ich mich im Rahmen einer Blogparade schon intensiv damit auseinander gesetzt. Nun möchte ich einen kleinen Nachtrag hinzufügen. Dabei beziehe ich mich auf ein Musical aus dem Jahr 1939: THE WIZARD OF OZ. Dort wurden drei wesentliche Grundvoraussetzungen für Wandel genannt und musikalisch aufbereitetet. Mir erscheint es angebracht zu sein, auf diese Grundvoraussetzungen noch einmal hinzuweisen, können wir doch beinahe tagtäglich beobachten ( wir müssen aktuell ja nur nach Berlin schauen) wie Wandel scheitert oder gar nicht erst in Bewegung kommt.

Hier sind also die drei Grundprinzipien in der von mir für richtig gehaltenen Reihenfolge.

If I only had a heart (Liebe)

If I only had the nerve (Mut)

If I only had a brain (Klugheit)

http://www.youtube.com/watch?v=nauLgZISozs

By the way

Vor Weihnachten muss ich unbedingt noch einmal einen Musical Tag vor dem Fernseher einlegen. Mal sehen was die Familie dazu sagt. Vielleicht muss ich allein schauen.

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Werte, Glaube, Liebe, Hoffnung, Vision

Werte, Glaube, Liebe, Hoffnung, Vision


Marias Aufruf zur Blogparade zum Thema: Veränderung in Unternehmen, möchte ich auch gerne folgen. Der Blog www.inknowaction.com ist übrigens extrem lesenswert. Auf geht´s:

Die Jungen drängen, die Alten bremsen

Alles schreit nach Veränderung. Veränderung: Das neue Modewort der Beraterbranche. Nicht nur. Auch große Teile, der mit dem Internet aufgewachsenen Generation der “Digital Irgendwas”,  rufen nicht nur nach Veränderung, sie betreiben diese auch aktiv. Das Internet macht es möglich.

Wer also nicht auf die Ochsentour durch Institutionen und Unternehmen gehen möchte, um die Alten und Mächtigen zu überzeugen, der gründet einfach ein Unternehmen, mit dem Potential die Welt zu verändern. Marc Zuckerberg hat das getan und den Einfluss von Facebook auf die moderne Welt kann man kaum überschätzen. Und gerade Facebook wirft  Fragen auf. Ist alles was sich verändert wirklich Fortschritt?

Veränderung vs. Wandel

Nun besteht kein Zweifel daran, dass wir in einer Zeit leben, in der sich sehr viel verändert. Und zwar in scheinbar atemberaubendem Tempo. Viele Dinge, die wir niemals für möglich gehalten hätten, wurden wahr. Vieles, das wir uns in unseren schlimmsten Träumen nicht vorstellen konnten, ist bereits bittere Realität geworden.

Veränderung trifft uns häufig unvorbereitet und unser Alltag erlegt uns eine gewisse Hilflosigkeit auf. Selbst wenn wir die Veränderungen kommen sehen und gerne mitgestalten möchten, bleiben wir meistens ungehört. Wir können der Veränderung keine Richtung geben. Unsere Institutionen und Organisationen sind auf den Veränderungsdrang ebenso wenig vorbereitet wie die meisten von uns Menschen. Sie sind überwiegend noch in einer Welt ohne Internet entstanden und auf diese ausgerichtet. Das gilt auch für die Mehrheit derjenigen Menschen, die heute an entscheidenden Positionen in Deutschlands Organisationen und Institutionen sitzen. Auch sie sind überwiegend in eine Zeit ohne Internet sozialisiert wurden.  In ihnen haben sich Strukturen und Kulturen verselbstständigt und gar verdinglicht, die sich nicht so leicht wieder aufbrechen lassen. Hinzu kommt, dass jede Veränderung immer auch individuelle Interessen berührt.

Veränderung – vor allem wenn sie von außen kommt und wir ihr scheinbar hilflos ausgesetzt sind- ist keine einfache Sache. Sowohl bei Menschen als auch bei Organisationen erzeugt sie Stress und führt zu Widerstand. Und es geht noch viel tiefer. Es geht auch um menschliche Natur

Kate Helber schreibt in einem sehr scharfsinnigen Artikel mit dem Titel The Neurosience behind change management. 

Like many people, at the time I tended to think of organizational change as a rational, logical process. That’s a great way to look at change — unless you’re the person experiencing change directly. The reality is that changes in work, environment, team, relationships or home trigger neurological and physiological responses that aren’t in our control. Resistance is actually a natural reaction that we all experience when facing change, whether that change is good or bad-

Während Veränderung uns eher überkommt, kann man Wandel aktiv gestalten. Veränderung würde beispielsweise bedeuten, sich von einer Technologie wie dem Internet einfach treiben zu lassen. Wir würden einfach hinterherlaufen, einfach machen, was die Technologie uns aufzwingt. Dies ist aber der falsche Weg.

Wir sollten also über Wandel sprechen. „Echter Wandel“, so schreibt Matthias Horx in seinem Buch des Wandels:

„beginnt erst dort, wo wir durch einen Prozess der freien Wahl, der  aufsteigenden Freiheit, des wachsenden Bewusstseins uns selbst zu verändern beginnen.“ (Seite 33).

Das klingt positiv und hoffungsvoll. Es erscheint also wünschenswert eine Kultur der Wandlungsfähigkeit zu entwickeln. Wandlungsfähigkeit macht uns freier und weniger abhängig. Wir wären organisatorischen und staatlichen Zumutungen weniger ausgesetzt. Und diese Zumutungen werden zunehmen. Solche Wandlungsfähigkeit hat jedoch Voraussetzungen

Wandel ist wirklich nicht leicht

Nimmt man ein durchschnittliches deutsches Unternehmen im Jahr 2013, dann sind die Voraussetzungen für Wandel nicht unbedingt ideal. Unternehmen existieren nicht im luftleeren Raum. Menschen natürlich auch nicht. Unternehmen greifen auf Menschen zu, die in einer bestimmten Gesellschaft und Kultur geformt wurden. Unternehmen wollen nur menschliche Teilkompetenzen nutzen und verlieren dabei den ganzen Menschen aus dem Auge. Nur das ökonomisch verwertbare wird noch benötigt. Ich glaube auch nicht, dass das Internet hier zu einer Wende führt.

Unser gesamtes Ausbildungssystem ist in den neunziger und nuller Jahren auf diese „Durch-Ökonomisierung“ ausgerichtet wurden. Viele Errungenschaften und Stärken der deutschen Gesellschaft wurden nach dem Prinzip höher, schneller, weiter zurückgefahren bzw. aufgelöst. Aus der freien Wahl und Organisation eines Studiums wurden zum Beispiel drei- oder vierjährige vereinheitlichte und verschulte Roboter Studiengänge, die den jungen Menschen zeitliche Höchstleistungen abverlangen, jedoch Tiefgang und Reflektion nicht vorsehen.

Und ältere Arbeitnehmer haben gelernt sich anzupassen bzw. erfahren, dass eigene Gedanken und Ideen entweder unerwünscht sind oder im organisatorischen Sumpf (meistens in bestimmten Führungsebenen) versickern. Über Ihnen schwebt zusätzlich das Damoklesschwert des Arbeitsplatzverlustes mit dem auf dem Fuß folgenden Hartz 4 Risiko.

Kann Wandel mit solchen Organisationen und Menschen überhaupt gelingen? Matthias Horx nennt zwei wesentliche Voraussetzungen für Wandel. Vertrauen und Resilienz.  Sind Menschen und Organisationen darauf programmiert? Besteht in unseren Unternehmen eine Kultur des Vertrauens? Sind wir in der Lage – als Mensch und Organisation – mit Unsicherheit, Unglück, Krisen und Bedrohungen umzugehen. Und erreicht man Vertrauen und Resilienz durch die Maschinerie der Angstmacherei, die Politik, Medien, Wirtschaft und andere Institutionen errichtet haben?

Veränderung löst im Menschen physiologische Prozesse aus, die er selber gar nicht beherrschen kann. Dies sollte man bei allen Change Prozessen im Hinterkopf behalten. Wandel gelingt, wenn es gelingt Vertrauen aufzubauen, wenn Menschen Wandel mit Hoffnung verbinden und diesen nicht als Ausweglosigkeit wahrnehmen. Wandel gelingt, wenn man Gemeinsamkeit und Gemeinschaft erlebt, wenn Menschen eigenständig agieren und sich Wirklichkeit eigenständig aneignen dürfen. Wenn sie Erfolgserlebnisse haben, wenn sie menschlich behandelt werden, wenn es uns gelingt Empathie zu leben und diese urmenschliche Eigenschaft wieder in unsere soziale Welt zurückzuholen. Denn nach Daniel Goleman ist Emphathie das Bindemittel des sozialen Zusammenhalts, und der Mensch ist das soziale Tier par excellence.“ (aus soziale Intelligenz. Wer auf andere zugehen kann, hat mehr vom Leben, Seite 90)

Wandel ist kein Selbstzweck

Wandel ist jedoch kein Selbstzweck. Als menschliche Wesen sind wir in der Lage uns vorzustellen, was gut für uns, unsere Gemeinschaft und die nachfolgenden Generationen ist. Schon hierbei entstehen Konflikte, die Emphatie und Demut verlangen. Wir dürfen deshalb nicht alles was neu ist als Fortschritt verstehen. Ist „Fracking“ ein Fortschritt? Ist der Verlust von Privatheit und Big Data ein Fortschritt? Ist die Durch Konsumierung unseres Alltags ein Fortschritt?  Für wen ist das jeweils ein Fortschritt? Und für wie viele? Was ist richtig, was ist falsch? Wir sollten diese wichtigen Fragen nicht nur nach ökonomischen Prinzipien beantworten. Wollen wir wirklich mehr „Growthism economy“?

Umair Haque fordert in seinem Awesomness Manifest ein neues Konzept von Fortschritt. Es geht nicht um Zerstören und ersetzen des Zerstörten durch Neues von dem man noch nicht weiß, welche Katastrophen es erzeugt. Er spricht von einer qualitativen Veränderung, die eine Abkehr von Wachstum  und Wachstumsmythen impliziert und in der reale, bedeutsame Werte geschaffen werden, die bleiben und zukünftige Generationen nicht belasten.

Wandel sollten Menschen und Organisationen mit Demut begegnen. Wir sollten uns klar darüber werden, was wir wirklich erreichen oder besser machen möchten. Und ob das, was besser für uns und/oder die Organisation ist, auch besser für andere Stake Holder und unsere Umwelt ist. Diesen Weg kann man nur aus der eigenen Identität heraus gehen. Er muss auch auf Zwischenmenschlichkeit beruhen. Wer diese und eine Vision für die Zukunft nicht hat, kann Veränderung nicht gestalten, kann Menschen nicht mitnehmen, ihnen keine Hoffnung geben und keine Erfolgserlebnisse vermitteln.

Wandel gelingt mit Liebe, denn – das wusste schon Climie Fisher – love changes everything. Money verändert zwar auch, was wiederum Cindy Lauper besungen hat, aber Money grenzt Menschen aus und erzeugt keine  Nachhaltigkeit. Nur was wir aus Liebe machen, machen wir gut. Money nimmt uns die Gelassenheit und treibt uns in die Tretmühle, des höher, weiter, schneller, die uns von Tag zu Tag unzufriedener macht

Ein anpassungsfähiges Unternehmen anstreben

Bleibt noch die Frage: Wie wird ein Unternehmen dauerhaft anpassungsfähig. Wie bringen wir die Anpassungsfähigkeit in den genetischen Code? Eine schwierige Frage auf die ich ehrlich gesagt noch keine befriedigende Antwort gefunden habe. Es ist ja ohnehin so eine Sache mit den Patentrezepten. Mixprize hat in einem kürzlich durchgeführten Hackathon mit dem Titel: Hacking HR to build adaptability advantage 12 Feinde der Anpassungsfähigkeit herausgearbeitet und diesen 12 Feinden 9 wesentliche Design Prinzipien anpassungsfähiger Unternehmen gegenüber gestellt. Diese möchte ich zum Schluss dieses Beitrages einmal kurz aufführen, da ich sie für sehr inspirierend halte und denke, dass sie für alle Unternehmen, die sich aktuell mit Wandel beschäftigen inspirierend sein können.

http://www.mixhackathon.org/hackathon/cipdhack/why-adaptabily-matters-now

Die 12 Feinde

  • Hierarchie
  • Angst
  • Befangenheit im Althergebrachten bei Entscheidungen
  • Gewohnheit/Einstellung (Fehlendes Mindset und Verhalten)
  • Zentralisierung (von Entscheidungen)
  • Unflexible Geschäftspraktiken ( zu sehr auf Effizienz getrimmt, keine Redundanzen)
  • Rigide undurchlässige Strukturen
  • Fehlende Fähigkeiten
  • Experimentieren wird durch „One best way“ Struktur unterdrückt
  • Fehlende interne Vielfalt
  • Fehlen einer geteilten Vison

Die 9 Design Prinzipien

  • Experimentieren + Lernen
  • Transparenz und Offenheit
  • Autonomie + Vertrauen
  • Vision + Bedeutung
  • Vielfalt
  • Flexibilität
  • Kreativität
  • Kollaboration
  • Natürliche Führung + Meritokratie

ich ergänze

  • Empathie und Verständnis für neurologische Prozesse bei den Beteiligten

Gar nicht so einfach. Und mal wieder sollte jedes Unternehmen seinen eigenen Weg finden. Veränderung sollte zu Einzigartigkeit und nicht in eine weitere Stufe der Austauschbarkeit führen. Diese Gefahr besteht immer dann, wenn es keine eigene Vorstellung und Auseinandersetzung von Zukunft gibt und man sich zu sehr von den Umständen und den Beratungshäusern treiben lässt. Ein wenig gesunder Menschenverstand sollte deshalb jedes Veränderungsunterfangen begleiten. Besser wäre mehr als „ Ein Wenig“

 

bitcoin economy


Auto kaufen mit bitcoin

In Australien kann man jetzt erstmals ein Auto mit bitcoin bezahlen. Allerdings handelt es sich wirklich nur um ein Auto bzw. einen Autotyp. Bei dem Auto handelt es sich – so kann man bei venturebeat nachlesen – um ein Tomcar, welches wie ein siebziger Buggy mit Mad Max Elementen aussieht.

Was aber noch viel spannender ist. Offenbar setzt das Unternehmen, welches die Autobranche in vielerlei Facetten revolutionieren möchte,  vollständig auf das Zahlungssystem bitcoin

Artikel: You can now buy a car with bitcoin in australia

bitcoin ATM

Vom ersten bitcoin Geldautomat haben kürzlich auch die deutschen Medien berichtet . Dieser steht wohl in Vancouver in einem Cafe und wurde von Robocoin entwickelt. Dort kann man bitcoins erwerben und in die (noch) reguläre Währung umwandeln und dann vor Ort damit bezahlen. Die bitcoin Automaten soll es demnächst auch an anderen Orten geben. In Deutschland wahrscheinlich aber nicht. Oder?  Wer weiss

Artikel: This is the worlds first bitcoin ATM

bitcoin Portfolio anlegen und managen

Die Geldanlage in bitcoin ist nicht mehr nur ein Geheimtipp. Menschen, die ihrer Zeit voraus sind und die sich auch mit ungewöhnlichen Geldanlagen beschäftigen, haben das schon früh erkannt. Allerdings benötigt man sicherlich umfangreiche Kompetenzen, um diesen Schritt zu gehen, den einem sicherlich kein Bankberater in Deutschland empfehlen würde.

Damit die Anlage in bitcoin und andere “Crypto-Währungen” möglichst einfach und für Jedermann zugänglich wird, gibt es in den USA bereits ein startup, welches bitcoin Portfoliomanagement ermöglicht. Das Unternehmen heißt bitblu und befindet sich noch in der Beta Phase

Link auf bitblu

bitcoin Handel mit der Fidorbank

Wenn es um moderne Finanzlösugen geht, dann gibt es nichts von obi oder ratiopharm sondern zumeist von der Fidorbank. Kein Wunder also, dass auch die Fidorbank auf den “bitcointrain” aufgesprungen ist. Vor einigen Wochen verkündete die Fidorbank eine Kooperation mit der bitcoin Handelsplattform kraken.com.

Pressemitteilung auf finanznachricten.de

bitcoin Ökonomie?

Bleibt zum Schluss die Frage, ob wir da einen Trend unterschätzt haben und wir uns womöglich auf dem Weg in die bitcoin Ökonomie befinden. Was meinen Sie?  Vielleicht hilft bei der Beantwortung dieser Frage auch noch dieser interessante Artikel von Felix Reuter Finance Blogger von Reuters.

Artikel: The bitcoin bubble and the future of currencies

Ergänzung

Offenbar plant auch ebay die Akzeptanz von bitcoin als Zahlungsmittel. So berichten zumindest die deutschen Mittelstandsnachrichten und einige andere Medien

Artikel: Online Shopping: Ebay prüft Zulassung von bitcoin als Zahlungsmittel

http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2013/11/56793/

Was wird aus den Filialen?


Alanus HochschuleSchön war die Zeit

Im Banking geht das Zeitalter der Filialen zu Ende. Es wird zukünftig kein Finanzprodukt mehr geben, für welches der Mensch eine Bankfiliale aufsuchen muss. Natürlich wird es weiterhin Menschen geben, die einen  Besuch der Filiale wünschen und  auch vornehmen werden, aber:

Ein Geschäfts- und Organisationsmodell, welches auf Filialen beruht und alle Handlungen, Strukturen und Planungen danach ausrichtet hat keinerlei Zukunft mehr.

Was wird also aus den zahlreichen Bankfilialen, die es in Deutschland noch gibt? Kein Zweifel. Die Zahl der Filialen wird in den nächsten Jahren zurückgehen. Viele werden geschlossen werden. Aber ist das ersatzlose Schließen wirklich die einzige Lösung. Gäbe es nicht Alternativen, mit welchen die regionalen Banken ihrer Rolle als Partner der Menschen dort besser nachkommen könnten? Mit welchen die Banken zeigen könnten, das ihre Bedeutung für regionale Wirtschaftskreisläufe nicht nur ihrem Selbstbild sondern auch dem Fremdbild der Menschen entspricht. Zumal jede geschlossene Filiale einen Sturm der Entrüstung auslösen wird, welche der Reputation der Filialbanken schaden wird.

Warum also nicht schon heute an Umnutzungen denken und regionale Laboratorien und Hubs aufbauen aus denen neues regionales Wirtschafts-, Kultur-, und Gesellschaftsleben entstehen kann?

Begreifen wir Banking als Plattform und nutzen wir die Möglichkeiten, welche die entstehende “collborative Ökonomie” auch den regionalen Banken bietet. Ein Vorbild könnten in diesem Fall die Capital One 360  Cafes sein, welche Capital One in bisher 8 amerikanischen Städten etabliert hat. Hier erinnert nichts mehr an eine Bank und hier geht es auch um mehr, als den Umbau einer Filiale in ein nettes Cafe oder eine Bar.

Die Capital One Cafes sind kreativ gestaltete Open Spaces mit Schreibtischen, Stromanschlüssen, “Lümmelecken”, geschützten Besprechungsinseln und eben hervorragenden Kaffee. Und mit – nicht zu vergessen – extrem guter und inspirierender Musik, die man in Banken nun wirklich sehr sehr selten hört. Kunden von Capital One erhalten auch bevorzugte Angebote. Zum Beispiel günstigeren Kaffee.

Die Cafes können von Unternehmensgründern auch als Co – Working Spaces genutzt werden!

Handlungsanweisung

Also liebe Banken bevor ihr über Schließungen nachdenkt, beschäftigt euch mit (regional passenden) Umnutzungen. Beginnt mit einer Experimentierfiliale, erweckt diese zu neuem Leben und erzeugt damit eine Welle der Innovation in eurem Geschäftsgebiet. Und wenn Kunden dort Bankdienstleistungen erwerben oder in Anspruch nehmen wollen, dann sollten sie dies tun können, jedoch nur noch nebenbei, denn das Geschäftsmodell der Zukunft kann nicht mehr auf der Filiale als Kommunikations- und Vertriebskanal beruhen.

Mehr zu…

den Capital One 360 Cafes:

Discovering creative ideas in San Francisco- CapitalOne 360 Cafe

http://cafes.capitalone360.com/san_francisco/

der sharing economy:

Banken und die collaborative Economy (Teil 1)

Banken und die collaborative Economy (Teil 2)

Die Kraft der regionalen crowd

das Ende der Filialen

Ich denke gern über Filialen nach

In Neuseeland bleiben die Filialen zukünftig geschlossen

Proof. Mobile banking is killing the branch von Chris Skinner

The bank branch is dead …. von Chris Skinner

Die Steinstrategie und die Raiffeisenbank Gammelsfeld


Schon wieder ein Strategiebuch

Zuerst dachte ich an einen Witz. Ein Buch mit dem Titel: Die Stein Strategie. Von der Kunst nicht zu Handeln.  Eigentlich gar keine schlechte Idee, sich einmal über die Unmengen an unnützen Alltags- und Strategiebücher lustig zu machen. Jeden Tag ein neues Tierstrategiebuch – von Mäusen, über Bären bis hin zu Igeln. Jeden Tag ein neuer Ratgeber, der uns dabei hilft unser Leben zu ändern. Denn darin besteht bei fast allen diesen Ratgebern Einigkeit. Wir müssen uns verändern, weil sich die Welt anscheinend immer schneller dreht. Eine Steinstrategie – wie sie Holm Friebe – auf 200 Seiten vorstellt, schien mir da nahezu absurd zu sein.

Aber es war kein Witz. Genauer betrachtet begegnet uns die Kunst nicht zu Handeln tagtäglich, wenn wir unsere Kanzlerin agieren bzw. – um es auf den Punkt zu bringen – nicht agieren sehen. Aber nehmen wir die Kanzlerin hier nicht als Vorbild, denn ob sie wirklich weiß, was sie tut, ist lange noch nicht ausgemacht.

Was ist die Steinstrategie

Die Stein Strategie ist ein richtiges und sehr inspirierendes Strategiebuch, welches uns in Zeiten, in denen alles nach Innovation, Veränderung und Wandel schreit, innehalten lassen sollte und innehalten lässt. Anfangs mit etwas Widerwillen gelesen, denn schließlich predige ich auch überall wo ich aufschlage von Wandel, digitaler Transformation und dem Zwang sich neuen Technologien zu öffnen. Nur so könne – so meine These – die Bankenwelt auch in Zukunft noch bestehen. Die Stein Strategie steht nicht für Stillstand. Sie  – so der Autor – ist das Gegengift wider voreiligen Handelns, blauäugiger Beherztheit und konfusen Hyperaktivismus.  Es geht nicht um Faulheit, denn wer das Unterlassen zur Strategie machen möchte, sollte auch Handeln können. Er entscheidet sich sozusagen bewusst gegen das Handeln. Und die Stein Strategie fordert das Überdenken unseres Innovationsbegriffes. Jenes Begriffes also, der die Chance hat, den Begriff „Social Media“ als Hype Wort des Jahres abzulösen.

Innovation im Sinne der Stein Strategie orientiert sich eher am „Cradle to Cradle“ Prinzip oder an dem von Umair Haque geprägtem Begriff der „Awesomeness“. Holm Friebe möchte, dass wir die Frage stellen: „Sind es die Innovationen, die uns wirklich zum Glück fehlen? Und suchen wir an der richtigen Stelle danach? Sollten wir nicht viel lieber das, was schon da ist besser machen?

Mal ganz ehrlich? Was hat uns denn das Internet oder das Smartphone bisher wirklich gebracht, außer, dass wir uns inzwischen totaler Überwachung ausgesetzt sehen, dass wir ständig mit Produktangeboten konfrontiert werden, die wir nicht brauchen, oder dass wir andere Menschen gar nicht mehr treffen müssen, um mit ihnen zu kommunizieren und an ihrem Leben teilzunehmen. Immer mehr geschieht in Echtzeit, immer weniger lässt sich aufarbeiten, kann sich setzen und erzielt Wirkung. Douglas Rushkoff spricht von Present Shock als die ständige Überforderung durch den Zwang sich immer und in Echtzeit im Fluss der Weltereignisse zu bewegen.

Wenn wir mehr Lebensqualität wünschen – und immer mehr Menschen sind auf der Suche nach diesem Phänomen- man muss sich ja nur anschauen, welche Bücher unsere Bestsellerlisten dominieren – dann sollten Awesomeness – also die Schaffung realer bedeutsamer nicht zerstörerischer Werte, durch kreative Menschen, die das lieben was sie tun – und Cradle to Cradle, bei dem das Bestehende radikal anders gemacht wird, indem 90 % des in Gebrauch befindlichen weggelassen werden und die Produkte so entworfen werden, dass man am Ende problemlos  wieder an die Rohstoffe kommt- zu den Grundprinzipien unserer Ökonomie gehören.

Steinstrategie bei der Raiffeisenbank Gammelsfeld?

Die Steinstrategie. Manche Unternehmen folgen ihr, ohne dies zu wissen. So zum Beispiel die Raiffeisenbank Gammelsfeld. Eine kleine Bank in einem Dorf mit 350 Einwohnern hat in einer mehr als 120 jährigen Geschichte allen wirren Ideen der Finanzbranche getrotzt und ist der ursprünglichen Idee einer Bank und vor allem einer Genossenschaftsbank immer treu geblieben. Die Kunst nicht zu Handeln hat dieser Bank eine stets ausgeglichene Bilanz und hochzufriedene Kunden beschert. Die Entscheidung gegen das Handeln zum richtigen Zeitpunkt macht diese Bank zu einem Vorbild für andere Genossenschaftsbanken – allerdings ohne dass diese das bereits erkannt hätten. Eine herausragende und einzigartige Bank wird man nicht nur durch die Nutzung moderner Technologien. Der eigne Kern, die eigenen Werte, die grundlegende Geschäftsidee, muss man, nein darf man – wie das Beispiel Gammelsfeld zeigt-  nicht aus den Augen verlieren und leichtfertig über Bord schmeißen. Dies ist nun kein Plädoyer dafür, dass alle Genossenschaftsbanken auf das Internet und andere moderne Errungschaften verzichten sollten, aber ein Stück mehr Steinstrategie, wäre vielleicht keine so schlechte Idee. Vielfalt beibehalten  bzw. fördern, anstatt sich durch die Unternehmensberater dieser Welt in eine Einheitlichkeit treiben zu lassen, die das System fragiler machen und durch Effizienz die Selbtheilungskräfte bzw. Anpassungskräfte des Systems zerstören.

Die Steinstrategie von Holm Friebe ist ein Buch, welches ich wirklich nur empfehlen kann.

Das Awesomeness Manifest von Umair Haque

Text zum cradle to cradle Prinzip bei wikipedia

Artikel zur Raiffeisenbank Gammelsfeld in der Financial Times Deutschland

Die Steinstrategie bei amazon bestellen

Banken und die “collaborative Economy” (Teil 2)


Was Banken tun könnenBanken und die "collaborativve Economy"

Banking als eine Plattform zu verstehen oder als Bank zukünftig eine solche Plattform anzubieten, ist dabei gar nicht einmal so weit hergeholt und entspricht, wenn man es genauer betrachtet, eigentlich dem ursprünglichen Geschäftsmodell der Genossenschaftsbanken. Wobei auch die Sparkassen in dieser Sichtweise sicherlich historische Ankerpunkte finden, die eine Berücksichtigung bei der Entwicklung zukünftiger Geschäftsmodelle finden sollten.

Banken könnten nicht nur eine Plattform anbieten. Sie könnten auch eine Plattform sein. Nein. Sie sind eine Plattform

Wie war das noch liebe Genossenschaftsbanker?

 “ Und wo nicht reicht die Einzelkraft, da schar dich zur Genossenschaft, schallte es, wenn vor 150 Jahren die Jünger der neuen solidarischen Start-ups die Schulze-Delitzsch Hymne anstimmten. Der von Lasalle und anderen Sozialisten als “Sparapostel” bezeichnete Genossenschaftsgründer hatte Urmenschliches aufgegriffen – das Prinzip der Solidarität. Das >> Gefühl der Bedrohung und Bedrückung durch fremde Kräfte, denen der Einzelne machtlos gegenüberstand << sei so der bedeutende genossenschaftliche Banker und Denker Georg Draheim, >> die Hauptwurzel der Genossenschaftsbildung”

(Quelle: 40 Jahre. Genossenschaftliche FinanzGruppe Volksbanken Raiffeisenbanken, Kapitel 1 Seite 9. Autor Peter Gleber)

Die Genossen schufen damals eine Plattform nach dem Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe, die grundsätzlich eher Organisator des Geldes als Geldversorger war. Anne Pascual Design Direktorin bei IDEO  hat in einer bemerkenswerten Rede auf der wired money Konferenz in London eine Idee dargestellt, welche die genossenschaftliche Bankengruppe in helle Aufregung, Aufbruchsstimmung und Vorfreude versetzen sollte. Der Inhalt lässt sich in dem Satz zusammenfassen:

“Let´s reinvent banks as platforms”

Banken als Plattform

Um als Bank einen Wert für den modernen vernetzten Verbraucher schaffen zu können, muss man alles darauf ausrichten soziale Verbindungen zu nutzen und zu fördern. Technologie muss diese informellen Verbindungen ermöglichen und nicht verhindern. In Ihrem Vortrag, der sich um “Service Design” drehte, wies sie auf das Phänomen der Tandas in Mexiko hin.

Es handelt sich hierbei um eine Art rotierende Kreditvereinigung. Eine Gruppe von Menschen bündelt ihr Geld und leiht es dann anderen Teilnehmern. Eine Rückzahlung erfolgt in der Regel, weil man sich untereinander persönlich kennt (soziale Kontrolle). Wähle die 10 Menschen, denen Du in Deinem Leben am meisten vertraust. Nummeriere Sie von 1 bis 10 und füge einen bestimmten Geldbetrag hinzu. Damit ist der Anfang gemacht. Jedes Mitglied zahlt dann den gleichen Geldbetrag jeden Monat ein. Jedes Mitglied erwirbt die Möglichkeit oder das Recht den ganzen Pott zu erhalten. Jeder Tanda hat eine bestimmte Laufzeit, die von der Zahl der Teilnehmer abhängt. Organisator ist das Mitglied mit der Nummer1. Jede Zahl steht für eine Woche oder einen Monat. Letztendlich kann niemand mehr entnehmen, als er selber im Laufe der Zeit eingezahlt hat.

Einem ähnlichen Prinzip folgt die schwedische Jak Bank. Sie läuft unter der Rechtsform einer Genossenschaft und verpflichtet sich einem sozialen Ziel und der Solidarität unter den Mitgliedern. Auch hier werden die Kredite von den Mitgliedern selber aufgebracht. Es werden keine Zinsen gezahlt.

Zwei Verfahren, die banking als Plattform verstehen. Die Bank ist nur der Organisator. So entstand einmal die genossenschaftliche Idee und deshalb geht es wirklich um eine Wiederentdeckung oder Wieder Erfindung in einer Welt mit neuen technologischen und kulturellen Möglichkeiten. Anwendungen wie zum Beispiel lendstar, die auf den ersten Blick vielleicht noch wie eine Spielerei erscheinen, haben diese Entwicklung bereits erkannt.

Kommen wir also nochmal zurück zu Anne Pascual. Die Möglichkeit der Skalierbarkeit unter Beibehaltung der Interaktion von Mensch zu Mensch, die Vertrauen generiert, bietet neue Chancen für Finanzunternehmen. Wir sollten – so sagt sie – Finanzunternehmen “wieder” zu Plattformen machen Dabei ist der Einfluss der unmittelbaren Bezugsgruppe oder der “Peer Group” der Schlüssel zum Erfolg. Die Bezugsgruppe erzeugt Motivation und nicht die Experten sagt Anne Pascual. Die Herausforderung besteht darin diesen Aspekt zu nutzen und das soziale Element in der Entscheidungsfindung bzw. bei der Lösung finanzieller Fragestellungen zu nutzen.

Ihre Forderung:

Denkt Euer Angebot aus der Perspektive der Kunden. Welchen Wert und welches Nutzen Versprechen könnt ihr liefern? Wem hilft die Leistung? Macht diese Leistung das Leben der Kunden(Menschen) besser? Und können wir mit unseren Angeboten einen wirklichen Unterschied machen?

Dabei sollte  klar sein, dass es nicht die alten Lösungen und Leistungen sind, welche einen Wert für den modernen Menschen schaffen, denn die Welt ist nicht mehr so wie vor 10, 20 oder 30 Jahren. Vielleicht ist sie sogar wieder eher wie vor 150 Jahren als die Genossenschaftsidee entstand. Sie bietet in jedem Fall die Chance für eine neue Genossenschaftsbewegung oder eine Modernisierung dieser Bewegung. Es geht um eine Genossenschaftsidee innerhalb einer digitalen Umwelt. Da sind Unternehmen wie zum Beispiel Fairnopoly oder die Fidorbank viel weiter und wohl auch mutiger als die Genossen selber

Bank ist in jedem Fall anders als früher

Wahrscheinlich kennt Anne Pascual die Fidorbank noch nicht, die ja zweifelsohne die Bedeutung des Sozialen bereits wieder entdeckt hat. Wenn die Bedeutung der Bezugsgruppe wirklich ein Treiber zukünftiger Entwicklung ist – und ich bin mir sicher, dass Anne Pascual recht hat – dann sollten jene Banken, die heute so viel Zeit darauf verwenden allen Skeptikern an den alten Filial zentrierten Geschäftsmodellen zu erklären wie wichtig die persönliche Kundenbeziehung ist, damit anfangen sich Gedanken über die moderne Ausprägung einer funktionierenden Kunde-Bank Beziehung zu machen. Bank ist heute und zukünftig Vieles. In jedem Fall aber etwas anderes als bisher

Die neuen Wettbewerber entstehen in genau jenen Nischen oder Ökosystemen, die Banken heute nicht für wichtig erachten in denen sie aber besonders angreifbar sind. Transparenz, klarere, einfachere Angebote ohne versteckte Überraschungen, die Nutzung der sozialen Verbindungen, Hilfe zur Selbsthilfe, Unabhängigkeit, Tempo, Spaß, Gleichheit, Augenhöhe, Störungsfreiheit, Vertrauen, überall vorhanden, tief ins Leben integriert, nicht störend etc.

Mehr als Geld und Zinsen

Banking als Plattform kann und muss dann wahrscheinlich auch viel mehr als die Organisation des Geldes sein. Es geht um die Organisation einer regionalen Community. Banken sind eine Plattform und sie bieten eine Plattform. Es geht dann für Banken um nicht weniger als um Geschäftsmodell Innovation und die Suche nach neuen Wegen und neuen Angeboten, für die Menschen auch bereit sind zu zahlen.

Die Altimeter Group nennt vor allem 4 Gründe oder Vorteile, die für einen Einstieg in die kollaborative Ökonomie sprechen:

  • Größere Effizienz, weil die Crowd mithilft
  • Ein Langfrist Beziehung mit den Kunden
  • Neue Werte, die zwischen Nutzern erzeugt werden, generieren neue Erlösströme
  • Wer jetzt handelt hat vielleicht noch einen “First Mover” Vorteil

Welche Chancen haben hier zum Beispiel die Genossenschaftsbanken?

Mitgliedschaft ist meiner Meinung nach der einzige nicht kopierbare USP, an dem entlang eine Geschäftsmodell Innovation vollzogen werden kann. Für welche regional verorteten Bedürfnisse können Banken eine Plattform sein oder eine solche Plattform zur Verfügung stellen? Für welche wird der Verbraucher oder sagen wir das Mitglied bezahlen? Nur über die Auseinandersetzung mit Mitgliedschaft können Genossenschaftsbanken eine wirklich andere, unterscheidbare und vom Kunden nachgefragte Bank bleiben. Das ist eine Chance, die man in jedem Fall nutzen muss, denn so viele Chancen wird es nicht mehr geben

 Quellen:

Allmende 2.0. Teilen wird Trend. Karen Frick in GDI IMPULS. Nummer 2 2013

A Market Definition Report. The Collaborative Economy: Products, services, and market relationships have changed as sharing startups impact business models. To avoid disruption, companies must adopt the Collaborative Economy Value Chain. Altimeter Research Theme: Digital Economies. June 4, 2013. www.altimetergroup.com

Anne Pascual auf der wired money Konferenz:

http://www.wired.co.uk/news/archive/2013-06/20/wired-money-anne-pascual

Online Artikel über Tandas

http://www.boyleheightsbeat.com/tandas-provide-when-banks-wont-lend-645

 

Teil 1 des Artikels: Banking und die “collaborative Economy”

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Banken und die “collaborative Economy” (Teil 1)


Banken und die "collaborativve Economy"Ein Wirtschaftssystem in dem Eigentum und Zugang zwischen Menschen, Startups und Unternehmen geteilt wird, das ist die Collaborative Economy. Einem solchen Wirtschaftsmodell nähern wir uns gerade an und diese Entwicklung wirft vor allem für die klassischen, etablierten und nicht digitalen Unternehmen einige Fragen auf. Nach Social Media und der Demokratisierung von Information und Interaktion, werden nun auch Produkte und Dienstleistungen geteilt und Unternehmen, welche dieses Teilen organisieren, gewinnen an Bedeutung mit entsprechenden Konsequenzen für Unternehmen, deren Geschäftsmodelle darauf ausgerichtet sind.

Nun ist das Teilen unter Menschen keine neue Entwicklung und keine Errungenschaft der Digitalisierung. Teilen ist  – so schreibt GDI Forscherin Karin Frick in der aktuellen  Ausgabe der GDI – Impuls – das Fundament menschlichen Zusammenlebens. Wir haben das Teilen mit der Zunahme unseres Wohlstandes ganz einfach verlernt (vielleicht ist uns auch systematisch entlernt wurden?) und durch den einsamen Konsum, der uns nicht nur vereinsamt sondern auch von unseren sozialen Verbindungen entfremdet, ersetzt. Das nun die kollaborative oder teilende Ökonomie entsteht, hat verschiedene Gründe. Diese sind sozialer, ökonomischer und technologischer Natur.

Was die kollaborative Ökonomie treibt

In vielen Volkswirtschaften verschlechtern sich die ökonomischen Verhältnisse. Die bisherige Unvereinbarkeit von wachsenden Volkswirtschaften und dem gleichzeitigen Schutz und  Erhalt des Ökosystems in Verbindung mit einer weiter wachsenden Weltbevölkerung führen bei vielen, vor allem den jüngeren über soziale Medien weltweit vernetzten, Menschen zu neuen Denk- und Verhaltensweisen, die durch neue Technologien erst ermöglicht werden.

Teilen, Nachhaltigkeit, eine andere Einstellung zu und andere Erwartungen an Unternehmen und Marken stehen auf der Tagesordnung. Jüngere Generationen entwickeln auf der Suche nach Verortung, Zugehörigkeit und Identität andere Ideen vom zusammen leben und der Organisation von Arbeit und Zusammenarbeit. Viele Unternehmen entstehen nicht  nur, um dem Gründer und seinen Mitarbeitern ein Einkommen zu sichern sondern auch  weil die Gründer eine andere Vorstellung von Ökonomie haben und den etablierten Unternehmen zeigen möchten, dass wirtschaften nicht unbedingt aus Raubbau an Natur und Mensch, Egoismus und rücksichtslosem Profitstreben bestehen muss.

Die Ökonomie der Zukunft könnte wieder eine Ökonomie des Teilens werden, die – so schreibt Karin Frick – den Zusammenhalt in der Gesellschaft stärken und suffiziente Verhaltensweisen fördern werde. Die Geschäftsmodelle der „collaborative Economy“ stellen dabei eine Herausforderung für die alte Ökonomie dar. Natürlich auch für Banken

Die Altimeter Group spricht von einer nicht mehr aufzuhaltenden Bewegung und hat ca. 200 Unternehmen der Sharing Economy genauer betrachtet. Im Banken Markt sind dabei Trends wie crowdfinance, p2p lending und auch Social Banking zu erkennen, bei denen Banken als Mittelsmann ersetzt werden, bzw. dort wo es regulatorisch noch erforderlich ist, in den Hintergrund gedrängt werden. Als herausragendes Beispiel nennt die Altimeter Group lending Club, die inzwischen mehr als 2 Milliarden Dollar an Krediten vergeben – sagen wir besser- vermittelt haben. Auch weiß die Altimeter Group von ersten Banken zu berichten, die zumindest in Kooperation mit Unternehmen der kollaborativen Ökonomie getreten sind. Zum Beispiel citi:

http://citibikenyc.com/

Die Säulen der kollaborativen Ökonomie

Die Geschäftsmodelle der Unternehmen der collaborative Economy beruhen auf drei Säulen, die teilweise einzeln und teilweise auch in Kombination vorkommen. Diese Säulen sind:

  • Company as a service
  • Motivate a Marketplace
  • Provide a Platform

Um die Bank als Servicedienstleister zu verstehen bzw. zu betreiben gilt es auf die Tatsache zu reagieren, dass Verbraucher verstärkt Zugang zu Produkten und Dienstleistungen wünschen, ohne diese zu besitzen. Unternehmen müssen also die Beziehung zum Verbraucher verändern und neue Leistungen wie die Möglichkeit zum Mieten, zum Abonnieren oder kurzfristigem Leihen anbieten.

Beim zweiten Modell “Motivate a Marketplace” geht es darum einen Marktplatz zu managen oder zu organisieren, den man nicht mehr selber besitzen kann. Das Ziel besteht also darin den Menschen dabei zu helfen, die erwünschten Aktionen untereinander abzuwickeln. Man könnte also sagen sich selbst zu helfen und der aufmerksame Genossenschaftsbanker sollte an dieser Stelle aufhorchen. Für die Bank geht es dann also darum in einen Marktplatz einzusteigen, der sich in der Sharing Economy bereits entwickelt hat bzw. sich gerade entwickelt.  Hier gibt es eine Menge von Aktivitäten, die auch die Bank als Betätigungsfeld prüfen könnte. Es geht grundsätzlich um die Weiterveräußerung von Produkten, Mitinhaberschaft, der Tausch von Waren, die Kreditvergabe oder auch die Förderung gegenseitiger Schenkungen. Gerade in ländlichen Regionen wird der Bedarf nach dieser Art von Marktplatz wachsen.

Und schließlich – in der dritten Phase – kann das Unternehmen oder die Bank eine Plattform anbieten, welche das Ziel verfolgt die eigenen Kunden bzw. die Verbraucher zu stärken und diese dazu führt zukünftige Produkte und Services selbst zu erstellen. Stichworte wären: Kollaboration, Cofunding, Cobuilding, Codesign, Coselling, CoRevenue Sharing usw.

Ende Teil 1

Lesen Sie am Montag den zweiten Teil: WAS BANKEN TUN KÖNNEN

Eine Herausforderung für uns alle: Führung


Überall wird über Führung geklagt

Man liest viel über Führung. Also wird viel über Führung geschrieben. Das hat einen Grund. Immer mehr Menschen haben das Gefühl, dass Führung – so wie wir sie selbst tagtäglich erleben- immer weniger zu funktionieren scheint. Die Nachrichten über Unternehmen, die aufgrund von Managementfehlern gescheitert sind, häufen sich. Darüber wird gerne geschrieben, denn Scheitern lässt sich gut verkaufen und Sündenböcke finden sich immer. Das gibt uns ein beruhigendes Gefühl. Im Fußball funktioniert dieses Prinzip nahezu perfekt. Wenn die Ziele nicht erreicht werden, dann wird einfach der Trainer entlassen und die Fans haben wieder ein gutes Gefühl.

Versagen aber wirklich die Führungskräfte oder erwarten wir ganz einfach zu viel?  Müssen wir uns vielleicht sogar ganz von Führung verabschieden? Ist die Welt zu schnelllebig und komplex für große Weltbilder, langfristige Lebensverläufe und Menschen und Ideen, die einem den Weg weisen, dem man dann sorglos folgen kann? Ist die Suche und Forderung  nach neuen Führungsprinzipien deshalb vollkommen überflüssig und vielleicht sogar selbstsüchtig, weil ein anderer das für uns tun soll, was wir selber nicht hinbekommen? Und können wir von diesen anderen Menschen überhaupt noch Führung erwarten?

Das Versagen von Führung beobachten wir gegenwärtig vor allem in der Politik. In nahezu jedem Land dieser Erde hat die politische Elite ihren Führungsanspruch verloren, weil sie nicht mehr in der Lage ist, die vielfältigen und immer neuen Probleme der Menschen zu lösen. Überall müssen sie Finanzprobleme bewältigen, Banken retten oder aufkeimende Demokratieansprüche der Bevölkerung bewältigen. Dabei entsteht dann zu Recht der Eindruck, dass die Politik nicht mehr für den Souverän (also das Volk) arbeitet sondern nur noch für das Kapital, die Unternehmen und Institutionen der eigenen Welt und damit auch für den eigenen Machterhalt.

Umair Haque hat dies in dem Aritkel „The great dereliction“ eigentlich auf den Punkt gebracht:

I’d like to advance a simple thesis: today’s leaders are failing on a grand, epic, global, historic scale — at precisely a time when leadership is sorely needed most. They’re failing me, everyone under the age of 35, and everyone worth less than about $50 million. I can excuse leaders who are boring, mean, stingy, greedy, uninteresting, self-obsessed, vacuous, and generally lame. I can even excuse lying, cheating, and stealing. But I can’t excuse the fact that they’ve failed

Auf der anderen Seite sollten wir inzwischen wissen, dass es richtige Problemlösungen eigentlich gar nicht gibt, denn das Leben zeigt uns: Jede Problemlösung erzeugt ein neues Problem. Spätestens die Finanzkrise führt uns diese Tatsache tagtäglich vor Augen: Scheint das eine Problem gelöst, taucht irgendwo ein neues Problem auf und wieder muss man diesem Problem einen Haufen Geld hinterherwerfen, den man eigentlich gar nicht hat und sich bei den Bürgern und nun schon, bei den noch nicht geborenen Bürgern, leihen muss.

Wir sind Führung

Unsere Führungskrise ist in Wirklichkeit ein sich stetig verschärfender Kontrollverlust, der nun von den Führungskräften gelöst werden soll. Vergessen wir das. Entwickeln wir ein Verständnis für die Fehlbarkeit des Menschen und erlernen wir deshalb selber die Fähigkeit zu verändern und zu gestalten.  Gestalten wir Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Unternehmen, indem wir uns professionalisieren.

  • Eine moderne Führungskraft muss lernen, dass sie nicht alles wissen kann oder muss und dass sie scheitern darf
  • Sie muss das Vertrauen haben, nicht alle Probleme alleine lösen zu müssen. Sowohl Vorgesetzte als auch Mitarbeiter dürfen diese Erwartung nicht stellen.
  • Moderne Führungskräfte sind keine Profit maximierenden Einzelkämpfer sondern am Wohl der internen und externen Stakeholder orientierte Mentoren, die Menschen fördern und in ihrer Entwicklung weiter bringen.
  • Sie bringen deshalb Empathie mit, um mit den Bedürfnissen und den wachsenden Ansprüchen umgehen zu können und das Gemeinwohl über den Eigennutz zu stellen
  • Moderne Führung motiviert und lädt zur Teilnahme ein. Sie stiftet und bildet Identität und bewegt Menschen
  • Moderne Führung ist vernetzt und fördert die Vernetzung nach innen und nach außen. Sie stellt deshalb auch Kooperation vor Wettbewerb
  • Moderne Führung unterstützt den Wandel und erhöht die Anpassungsfähigkeit des Unternehmens durch Vielfalt
  • Moderne Führung ist möglichst offen und transparent und lässt sich helfen
  • Moderne Führung stellt den Status Quo in Frage und ist an Veränderung und Wandel interessiert
  • Moderne Führung wechselt je nach Problem und Kompetenz
  • Sie ist deshalb nicht an Macht und der Durchsetzung ihres Willens interessiert
  • Jeder von uns kann sie ausüben, denn jeder sollte sich professionalisieren
  • Sie darf nicht länger auf Seniorität beruhen. Gerade heute gilt es von den jungen Menschen zu lernen insbesondere im Hinblick auf die Digitalisierung
  • Führung ist keine Ausrede für den „Geführten“
  • Führung beginnt mit Menschenwürde und Respekt

Führung fängt allerdings bei den kleinen Dingen an. Hier einige einfache Regeln oder Weisheiten, deren Befolgung ganz einfach erscheint. Es folgt ein Dokument der Antwerpen Management School.

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Umair Haque: The great dereliction