Countdown. Am 13.01.2014 ist Schluss


Kein Wüstenrot Tag. Keine letzte SEPA Aufforderung. Dieser über wordpress.com gehostete Blog ist am 13.01.2013 Geschichte. Schon seit dem 01.01.2013 gibt es das neue FINANCE ZWEINULL.

Die alte URL http://www.finance20.de wird ab dem 13.01 dann auch auf den neuen Blog umgeleitet. Neue Beiträge gibt es spästestens dann nur noch auf dem neuen Blog. Schaut Euch doch dort auch meinen heutigen Blog Beitrag an. Es geht noch einmal um die Blogparade vom 13.12.2013. Lothar Lochmeier ist meinem Aufruf gefolgt.

Alle neuen Blogbeiträge könnt Ihr dort auch abonnieren. Leider konnte ich nicht alle Abonnenten des alten Blogs übernehmen. Wer also seine Einstellungen nicht ändert, schaut ab dem 13.01. in ein schwarzes Loch. Das wäre doch schade. Oder?

Bleibt mir gewogen.

2014: Ein Meer voller Fragen


Kopfüber ins Meer

Wieder sind zwölf Monate vorbei und mit einem Meer voller Fragen gehen wir in das neue Jahr. Schon Karl Popper hat geschrieben, dass alles Leben Problem lösen ist und nicht zuletzt aus der Medizin wissen wir, dass jede vermeintliche Lösung neue Risiken und Nebenwirkungen mit sich bringt. Jede beantwortete Frage wirft somit auch schon die nächste Frage auf, wagen wir uns also in das nächste Fragenmeer. Mal sehen, wo wir wieder aus dem Wasser steigen.

Zum Abschluss dieses Jahres noch einige ganz interessante News aus der Finance 20 Welt und eine Ankündigung in eigener Sache, bevor ihr die Korken und Raketen knallen lassen oder die “Jahres”tränen der Rührung vergießen könnt. Bezüglich der Raketen eine kleine Bitte: “Investiert das Geld sinnvoller”.

Finance News

Nicht gerade eine Revolution, aber ein ganz nützliches Tool. Mit Revolution Credit kann man seinen finanziellen IQ verbessern. Dafür muss man nur einige Fragen beantworten im Gegenzug gibt es Belohnungen. Das nennt man dann wohl Gamification. Banken sollen übrigens auch davon profitieren und wichtige Hinweise für die Kreditvergabe erhalten.

http://www.revolutioncredit.com/

Mit coinding finden nicht nur die Kleinen einen einfachen Einstieg in die bitcoin Welt und wer weiss wofür es gut ist? Vielleicht sind bitcoins einmal alles was uns bleibt. Das mobile Spiel funktioniert ganz  einfach, mit dem Smartphone als coin – Magnet kann man bitcoins sammeln, während man spielt, sich bewegt oder einkauft und erhält gleichzeitig Tipps, wie und wo man diese ausgeben kann. Spielerisch zum bitcoin Propheten werden.

http://www.coinding.com/

Wealthminder ist ein weiterer PFM Dienst, der aber nach dem Prinzip eines Navigationsssystem aufgebaut ist. Sozusagen ein Wohlstands GPS. Der Nutzer legt einen Ausgansort fest, wählt eine Route, sagt wie er dorthin kommen möchte und erhält wichtige Inputs um seinen Weg korrigieren zu können. Es werden mehr als 100 Finanzinstitutionen unterstützt. Möglicherweise ein ganz spannender Ansatz für den Private Banking Bereich.

http://www.wealthminder.com/how-it-works/

Alles Neu in 2014. Der neue Blog ist da

Unter www.financezweinull.de findet ihr ab sofort meinen neuen Blog. Nun endlich selbst gehostet. Ab Mitte Januar wird dann auch die alte URL www.finance20.de auf den neuen Blog verlinken und der alte Blog wird eingestampft. Leider ist es mir beim Umzug nicht möglich gewesen alle Abonnenten meines Blog mit rüber zu nehmen, deshalb möchte ich Euch bitten mir gewogen zu bleiben und auch die Beiträge meines neuen Blogs ebenfalls zu abonnieren. Vielen Dank

Ich wünsche Euch allen einen guten Rutsch in das neue Jahr und für 2014 alles Gute. Bleibt mir gewogen

Auch FKK Banking bald möglich


Wer etwas bezahlen möchte brauchte lange Zeit Bargeld. Es folgten Schecks. Dann kamen  EC und Kreditkarte hinzu. Es folgte das Mobiltelefon. Watches und glasses stehen auch schon in den Startlöchern. Und während wir uns noch fragen, wie das alles gehen soll und ob wir Menschen das wirklich brauchen, hat auf der Techcrunch Disrupt SF 2013 Matthew Drake in einem hackathon gezeigt, wie man nur mit Handgesten bezahlen kann.

Wir sprechen hier noch nicht über ein serienreifes Produkt. Ob eine solche Lösung überhaupt einmal auf irgendeinen Markt kommt, können wir auch noch nicht wissen. Aber offenbar ist “fast” alles möglich. Matthew Drake hat für seinen hackathon auf   ein Zahlungsterminal zugegriffen, welches mit Secret Handshake-Software und einem Sprung-Motion-Controller arbeitet. Offenbar verfügen amerikanische Zahlungsterminals teilweise über diese Technologie. Diese Idee würde die Aufwände bei Händlern wohl extrem reduzieren. Die bei Händlern entstehenden Kosten sind ja auch hierzulande noch ein Hindernis für die Durchsetzung von mobilen Payment Systemen.

Vielleicht bringt Drakes Idee oder soll ich lieber sagen Aktion in Deutschland  sogar den Durchbruch für geldloses bezahlen. FKK soll ja hierzulande noch recht beliebt sein und in deutschen Saunen ist Kleidung auch strikt verboten.

Weiterführende Links

Secret Handshake Lets You Pay With Hand Gestures And Leap Motion – No Phone Or Card Required

System uses handgestures for mobile payment

bitcoin economy


Auto kaufen mit bitcoin

In Australien kann man jetzt erstmals ein Auto mit bitcoin bezahlen. Allerdings handelt es sich wirklich nur um ein Auto bzw. einen Autotyp. Bei dem Auto handelt es sich – so kann man bei venturebeat nachlesen – um ein Tomcar, welches wie ein siebziger Buggy mit Mad Max Elementen aussieht.

Was aber noch viel spannender ist. Offenbar setzt das Unternehmen, welches die Autobranche in vielerlei Facetten revolutionieren möchte,  vollständig auf das Zahlungssystem bitcoin

Artikel: You can now buy a car with bitcoin in australia

bitcoin ATM

Vom ersten bitcoin Geldautomat haben kürzlich auch die deutschen Medien berichtet . Dieser steht wohl in Vancouver in einem Cafe und wurde von Robocoin entwickelt. Dort kann man bitcoins erwerben und in die (noch) reguläre Währung umwandeln und dann vor Ort damit bezahlen. Die bitcoin Automaten soll es demnächst auch an anderen Orten geben. In Deutschland wahrscheinlich aber nicht. Oder?  Wer weiss

Artikel: This is the worlds first bitcoin ATM

bitcoin Portfolio anlegen und managen

Die Geldanlage in bitcoin ist nicht mehr nur ein Geheimtipp. Menschen, die ihrer Zeit voraus sind und die sich auch mit ungewöhnlichen Geldanlagen beschäftigen, haben das schon früh erkannt. Allerdings benötigt man sicherlich umfangreiche Kompetenzen, um diesen Schritt zu gehen, den einem sicherlich kein Bankberater in Deutschland empfehlen würde.

Damit die Anlage in bitcoin und andere “Crypto-Währungen” möglichst einfach und für Jedermann zugänglich wird, gibt es in den USA bereits ein startup, welches bitcoin Portfoliomanagement ermöglicht. Das Unternehmen heißt bitblu und befindet sich noch in der Beta Phase

Link auf bitblu

bitcoin Handel mit der Fidorbank

Wenn es um moderne Finanzlösugen geht, dann gibt es nichts von obi oder ratiopharm sondern zumeist von der Fidorbank. Kein Wunder also, dass auch die Fidorbank auf den “bitcointrain” aufgesprungen ist. Vor einigen Wochen verkündete die Fidorbank eine Kooperation mit der bitcoin Handelsplattform kraken.com.

Pressemitteilung auf finanznachricten.de

bitcoin Ökonomie?

Bleibt zum Schluss die Frage, ob wir da einen Trend unterschätzt haben und wir uns womöglich auf dem Weg in die bitcoin Ökonomie befinden. Was meinen Sie?  Vielleicht hilft bei der Beantwortung dieser Frage auch noch dieser interessante Artikel von Felix Reuter Finance Blogger von Reuters.

Artikel: The bitcoin bubble and the future of currencies

Ergänzung

Offenbar plant auch ebay die Akzeptanz von bitcoin als Zahlungsmittel. So berichten zumindest die deutschen Mittelstandsnachrichten und einige andere Medien

Artikel: Online Shopping: Ebay prüft Zulassung von bitcoin als Zahlungsmittel

http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2013/11/56793/

Igaranti: Vielleicht die geilste banking App der Welt


Ein Angebot aus und in der Türkei. An der Entwicklung beteiligt Fjord. Aber sehen Sie selbst

Und wie entscheiden Sie sich?

Hier noch ein Artikel von Fjord zum Projekt

Re envisioning mobile banking

Und ich liebe den ersten Satz dieses Artikels: “Traditional banking is over”

oder um es in musikalische Worte zu fassen:

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electr(o)fying banknews. die erste smartwatch app einer bank

Neue Herausforderung für Banken: Smart watches

Wann sollte Ihre Bank spätestens mit der digitalen Transformation beginnen?


Die Frage sollte ich wohl öfters mal auf meinen Workshops oder Vorträgen vor Bankmitarbeitern stellen. Allein: Ich habe Angst vor der Antwort. Also stelle ich sie mal hier und jeder darf gerne einen Kommentar hinterlassen. Sehen Sie zusätzlich was amerikanische Unternehmenschefs auf diese Frage geantwortet haben. Und in dem Fall kann man vielleicht mal was lernen von dem Land, das uns bald in Grund und Boden “frackt2 oder “abfrackt”!

Digitale Transformation Finance20

Digitale Transformation

Die Kraft der regionalen crowd


Aus der Gegenwart in die Zukunft des Internets

Die amerikanische Altimeter group steht für echte Qualität bei der Analyse der digitalen Ökonomie. In letzter Zeit beschäftigt sich das Unternehmen verstärkt mit der „Sharing Economy“ die sie als ein weiteres Muster im Prozess der Digitalisierung ausmacht. Die bisherigen Muster:

  • Das Internet entsteht und entwickelt sich, Unternehmens Websites (Vergangenheit)
  • Social Media und dann Social Busines (Gegenwart)
  • Sharing Startups dann kollaborative Ökonomie (Zukunft)

Nicht alle Ökonomien dieser Welt sind innerhalb der Muster gleich weit fortgeschritten. Zwar kann man auch Deutschland attestieren, dass man sich in Muster 2 und damit in der Gegenwart befindet. Allerdings verharren wir wohl überwiegend in Social Media, nur wenige Unternehmen sind bereits im Bereich Social Business unterwegs. Deutschland, seine Menschen, Institutionen und auch Unternehmen tun sich schwer mit dieser Entwicklung.

Die crowd als Ökosystem

Ein wesentliches Element der Sharing Economy ist die crowd. Sie war bzw. ist schon für Social Media und Social Business relevant, wird auf dem Weg in die Sharing Economy aber immer wichtiger.

Jedes Unternehmen lebt in einer eigenen, nicht geschlossenen – also mit eher offenen Grenzen zu betrachtenden – Crowd, die es auf dem Weg in die Sharing Economy immer intensiver zu nutzen gilt.

Die Crowd ist möglicherweise das Überlebenselexier moderner Unternehmen. Zu dieser Crowd gehören für eine Volksbank Raiffeisenbank zum Beispiel:

  • Die Mitarbeiter
  • Die Kunden
  • Die Mitglieder
  • Die Einwohner des Geschäftsgebietes
  • Regionale Institutionen
  • Regionale Unternehmen
  • Die regionale Wirtschaft (etwas abstrakt)

Diese crowd wird nun immer mehr zur Welt der Bank. Ist also nicht mehr nur Umwelt, wobei sie natürlich Beides ist und die Zustände ständig wechseln. Diese Sichtweise ist neu, obwohl sie grundsätzlich vertraut sein sollte, die Bereitschaft die crowd wirklich zu beteiligen und ihr zu dienen, steht aber meistens nur auf dem Papier und war vor 150 Jahren wohl wesentlich ausgeprägter als  heute. Man könnte sagen: Damals wurde die crowd noch erkannt, heute scheint die gegenseitige Bedingung und Beeinflussung nicht erkannt zu werden.

Nutzung der crowd

Wie kann die Bank nun die crowd nutzen? Beziehungsweise, eigentlich müssten wir fragen: Wie muss die Bank nun die crowd nutzen?

Die crowd ist, so die Altimeter Group – die Basis für Resilienz. Sie macht Unternehmen ein Stück weit antifragil, sichert die Überlebensfähigkeit in einer niemals kalkulierbaren Umwelt. Durch die crowd  oder deren Aktivierung reduziert das Unternehmen Risiken, bewegt sich schneller und kann gleichzeitig wachsen, wobei ich „wachsen“ hier lieber durch anpassen oder wandeln ersetzen würde, da ich persönlich nicht den Wachstumsgott anbete.

  • Das Unternehmen muss die eigene crowd erschließen, indem es sich mit dem eigenen Ökosystem vernetzt, wodurch es Vielfalt erschließen und aus dieser Vielfalt neue Ideen generieren kann.
  • Die Nutzung der crowd erleichtert die Anpassung an sich verändernde Markterfordernisse. Schnelle Richtungswechsel werden möglich. Bisher untätige Ressourcen können schnell aktiviert werden. Das Unternehmen aktiviert damit Selbstheilungskräfte
  • Die Crowd kann je nach Situation und Bedarf größere Teile der Belastung übernehmen, um im Umfang zuzunehmen oder auch abzunehmen. Wachstum kann dann zum Beispiel erzielt werden, indem Aufgaben an die crowd vergeben werden.
  • Nicht unerwähnt bleiben sollte die Tatsache, dass die Vernetzung mit der crowd auch die Bindung und das Vertrauen untereinander erhöhen wird, wodurch auch schlechte Zeiten gemeinsam überstanden werden können.

Unternehmen, welche die crowd nicht aktivieren können, sind aus Sicht der Altimeter Group fragil, weil sie isoliert agieren, nur linear wachsen und auf jene Menschen angewiesen sind, die sie einstellen bzw. die bereit sind sich einstellen zu lassen.

Die Volksbanken Raiffeisenbanken

Für Volksbanken Raiffeisenbanken als eher traditionellen Player wäre also die Entwicklung eines auf dieser crowd basierenden Geschäfts- oder Organisationsmodells ein sehr empfehlenswerter, wenn nicht sogar überlebenswichtiger Schritt, dessen Ausführung ihr grundsätzlich auch  leicht fallen sollte, da die genossenschaftliche Idee das Prinzip der Gemeinschaft bereits in sich trägt. Die mehr als 150. –jährige Geschichte spricht dafür, dass der genetische Code dieser Vereinigung durchaus bereits gewisse Aspekte von Resilienz aufgewiesen hat. Es darf allerdings nicht verkannt werden, dass die Veränderungen in der Umwelt eine dramatische Herausforderung darstellen, welchen einzelne Organismen zum Opfer fallen werden, um das Ökosystem fortführen zu können.

Die Aktivierung der weiter oben genannten Gruppen wäre eine zu nutzende Chance. Die Vielfalt, welche die genossenschaftlichen Banken über ihre jeweils regionalen crowds hervorbringen könnte, wäre ungleich größer als die aller anderen konkurrierenden Finanzunternehmen. Wahrscheinlich wäre auch der Weg zur Aktivierung leichter, da die Beziehung zu den Gruppen in der Regel intensiver als bei anderen Finanzunternehmen sein müsste.

Nutzt die Bank die crowd, dann kann sie sich schneller wandeln. Sie kann nach Bedarf wachsen und schrumpfen. Auch Anpassungen des Geschäftsmodells können durch die enge Vernetzung mit der crowd gelingen, da Bedürfnisse und auch Potentiale nahezu automatisch in den Kern des Ökosystems eindringen können. Volksbanken Raiffeisenbanken müssten dann wirklich mehr als Geld und Zinsen bieten. Manche neue Dienstleistung ließe sich dabei sogar in der Vergangenheit finden.

Eine leidenschaftliche crowd, die hinter einer Idee steht, von der sie selber profitiert und deren Teil sie auch ist, versorgt die Bank mit einem Reservoir erneuerbarer Energien. Die Crowd erledigt den Job der Bank bzw. sie nutzt das Potential der Hilfe zur Selbsthilfe.

Die kollaborative Ökonomie ist eine Chance für die genossenschaftliche Gruppe, die allerdings beim Schopfe gepackt werden müsste. Bisher hat dies nur die Volksbank Bühl mit ihrer crowdfunding Plattform gemacht.

Quelle

Meet the resilient corporations von Jermiah Owyang

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Banken und die collaborative Economy (Teil 2)

Wenn Du mal nicht mehr weiter weißt, dann….


frage die crowd

erst am Sonntag haben wir diese crowd gefragt. Die crowd der wahlberechtigten Bundesbürger über 18 hat sich dafür entschieden den Neo Liberalismus auf die Strafbank zu schicken. Darüber hinaus fiel die Wahl auf Kontinuität: Es möge alles bleiben wie es war (ist), denn wir Deutschen lieben die Sicherheit und sind glücklich, wenn unsere Probleme von “Dritten” gelöst oder scheinbar gelöst werden. Ob das Ergebnis so gewollt wurde, lässt sich nicht nachvollziehen. Wir wissen aber, dass das Ganze mehr ist als sie Summe seiner Teile und das sich aus den intendierten Handlungen vieler Menschen nicht intendierte Folgen ergeben können, die sehr wohl die Form von das Handeln leitende Strukturen annehmen können, so wie es etwas Norbert Elias in seinen Büchern über den Prozess der Zivilisation darstellen konnte. Soweit einige tagesaktuelle Sätze als Einleitung. Denn jetzt …

fragen Banken die crowd

Auch Banken setzen verstärkt auf die Schwarmintelligenz, weil sie erkennen, dass sie – falls sie dies überhaupt mal wussten – eigentlich gar nicht mehr wissen, was der Verbraucher eigentlich von ihnen erwartet. Komisch eigentlich, da in Deutschland doch vor allem die Filialbanken den Markt dominieren. Wird denn in den Filialbanken nicht mehr miteinander gesprochen? Besuchen die Verbraucher die Filialen nicht mehr? Oder haben die Bankmitarbeiter gar keine Zeit, um mit den Kunden zu sprechen?

Crowdsourcing ist natürlich eine gute Sache und jede Bank, die hier einen Versuch startet, wird von mir mit Lob überschüttet. Kostet ja auch gar nicht mehr viel und soll auch nicht weh tun. Zwei crowdsourcing Initiativen sollen deshalb hier kurz erwähnt werden. Der werte Leser kann sich die Aktivitäten dann gerne näher ansehen.

Innovation Lab der Erste Sparkasse 

Die Erste Sparkasse in Österreich ( ein schönes Land, ich war da gerade erst in Urlaub) hat ein Innovation Lab gegründet – so etwas habe ich hier ja auch schon allen Banken empfohlen – und beginnt direkt einmal mit einer lobenswerten crowdsourcing Initiative. Auf https://s-lab.sparkasse.at/start.php kann man gemeinsam mit anderen Menschen nicht weniger als die Bank der Zukunft erfinden. Genauer gesagt: Man kann Vorschläge machen, Ideen generieren und in einer Community mit diskutieren. Darüber hinaus gibt es einen eigenen Blog und gezielte Fragen, mit welchen man sich Feedback abholt .

Neben crowdsourcing versucht man sich gleich auch an gamification, denn die Erste Sparkasse sucht den Helden oder die Heldin des Monats.

Das funktioniert so:

Für das Schreiben von Beiträgen oder Kommentaren, für die Bewertung fremder Beiträge und  das Kommentieren von Ideen und Verbesserungen erhält jeder angemeldete Nutzer Punkte. Mit den Punkten lassen sich verschiedene Levels erreichen. Für jedes erreichte Level gibt es einen Badge, welches beim Usernamen angezeigt wird. Erreichbar sind insgesamt 7 Levels.

Neben den Levels gibt es aber auch noch Trophäen, die aufgrund besonderer Leistungen, Beiträge oder Kommentare erreicht werden können. Die Trophäen werden durch eine Jury vergeben, können aber auch über Punkte erreicht werden. Jury Trophäen werden nach einer gewissen Zeit wieder entfernt. Gesucht werden dabei sogenannte Helden:  Idea Hero, Feedback Hero, Ambassador. Und einmal im Monat gibt es den Helden des Monats, der auf der s-lab Seite gekürt wird. Wie der Held oder die Heldin letztendlich belohnt wird, konnte ich nicht direkt erkennen. Allerdings empfehle ich der Erste Sparkasse nicht zu erwarten, die Ideen der Menschen umsonst bekommen zu können und stattdessen ein wenig von der Fidorbank zu lernen, die ja ihre Kunden innerhalb der Community auch belohnt.

Hier der Trailer zur Innovation Lab Initiative auf youtube

Barclays Your Bank Ideabank

Ebenfalls das Orakel der crowd befragt die Barclays Bank, die man ja getrost als besonders innovativ bezeichnen darf, wenn auch nicht jede dieser Innovationen als fortschrittlich im Sinne von “Awesomeness” zu betrachten ist.  Stichwort Libor Skandal

Bei Barclays kann man eigene Ideen einbringen, die Ideen anderer bewerten und verfolgen, welche Ideen letztendlich umgesetzt wurden. https://www.yourbank.barclays.co.uk/. Vorschläge können in verschiedenen Kategorien eingebracht werden:

  • Wie können wir ihnen Zeit sparen, statt Zeit zu verschwenden
  • Wie möchten Sie Ihre Filiale verändern?
  • Was gefällt Ihnen nicht am Online Banking?
  • Was verhindert, dass Ihre Bank für jeden zugänglich ist?
  • Sollte Mobile Banking ein Kinderspiel sein?

Sehr spannend auch der ergänzende Your bank youtube Kanal:

http://www.youtube.com/watch?v=_tpsV18qfc8&list=PLecqH2uhOR0b93lgx57-ANQjtrIL1qETV

Mal abgesehen von den Ideen, die so generiert werden, sollte man nicht den Einfluss solcher Aktivitäten auf den Aufbau oder die Zurückgewinnung von Vertrauen unterschätzen. Menschen möchten ernst genommen werden, sie sehnen sich nach Signifikanz und Bedeutung. Warum also nicht die crowd nutzen, um sich auf die Suche nach Ideen zu begeben, die unser Leben besser machen. Dabei muss es sich übrigens nicht immer um neue Ideen handeln, auch in der Vergangenheit finden sich Ideen, die eine Renaissance verdient hätten oder die durch das Internet ganz neue Möglichkeiten erhalten. Man müsste wohl auch mal den Fortschritt innovieren. Aber hierzu später mehr.

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Das Awesomeness Manifesto von Umair Haque

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Denken nicht nötig. Finanztest, Verbraucherschutz und ein Kurzzeitkredit


Uns wird immer geholfen

In Deutschland werden die Verbraucher geschützt. Das ist gut! Wenn sich Verbraucherschutz aber verselbstständigt und beinahe dogmatisch und  ideologisch daherkommt, ist das nicht gut.

Wenn Verbraucherschutz den Menschen das denken abnehmen will und nicht mehr differenziert an Produkte und Leistungen von Unternehmen herangeht, läuft etwas ich die falsche Richtung.

Genauso wenig ist es gut für den Verbraucher, wenn Verbraucherschützer gar nicht erst zu verstehen versuchen, wofür ein Produkt da sein könnte und welche Nischen es zu besetzen versucht. Es ist auch kaum hilfreich ein ganz neues Produkt nur aus einer retrospektiven Sicht zu bewerten, es also nach den Prinzipien der alten Welt zu beurteilen, ohne Phantasie. Jegliche Weiterentwicklung und Erneuerung wird es so nur sehr schwer haben.

Eine Branche die Erneuerung bitter nötig hat, ist die Finanzbranche. Ein Unternehmen, welches immer wieder mit neuen Ideen kommt und eine hohe Bereitschaft zum experimentieren aufweist ist die Fidorbank.

Der Geldnotruf

Die Fidorbank hat mit dem Geldnotruf ein neues Produkt auf den Markt gebracht, bei dem es sich um eine Art Klein- und Kurzzeitkredit handelt, ähnlich wie es das britische Unternehmen wonga macht. Dieser Kurzzeitkredit wurde bei finanztest.de geprüft und bewertet.

Das Urteil:
Keine Vorteile. Nur Nachteile.

Finanztest ist der Meinung  dass dieses Produkt Menschen, die mit Geld nicht umgehen können nur noch viel tiefer in den Strudel der Verschuldung treiben würde. Damit hat man sich darauf festgelegt, dass nur arme und nicht besonders fiananzaffine Menschen Zielgruppe des Geldnotrufs sein könnten.

Hier geht es zum Test bei finanztest.de

Ist das richtig?
Ich glaube nicht.

Zunächst einmal kann man sich bei keiner klassischen Bank einfach mal 100, oder 99 oder auch nur 38, – Euro leihen. Man könnte , das empfiehlt Finanztest , natürlich den Dispo in Anspruch nehmen, was in vielen Fällen sogar günstiger wäre-  Wobei Menschen in finanziell prekärer Situation – und das scheint ja aus Finanztest Sicht die Zielgruppe zu sein, von ihrer klassischen Bank gar keinen Dispo mehr bekommen.

Wonga

Kleinkredite sind für die meisten Banken kein lohnendes Geschäft. Warum kann ich mir zum Beispiel nicht 333,- Euro leihen und zwar genau für 39 Tage? Banken bieten dies nicht an. Wonga in Großbritannien macht dies aber doch. Was könnte hier angesichts recht hoher Zinsen ein Vorteil für mich sein? 100 % Kontrolle und 100 % Transparenz! Eine schnelle Entscheidung! Durch die Brille von gestern erscheint dies unverständlich. Ehrlicherweise mir bis vor kurzem auch. Ich habe wonga dafür hier auch schon kritisiert. Aber bei welcher Bank bekomme ich diese Leistung heute?

Wonga verfügt über eine hochmoderne und kostengünstige IT, über ein einfaches, verständliches und flexibles Modell und ein übersichtliches Produktportfolio. Die Nachfrage nach wonga Krediten ist groß, die Ablehnungsquote hoch, die Ausfallquote geringer als bei den meisten traditionellen Banken?

Offensichtlich also kein Produkt für Menschen, die arm sind, die dann aber trotzdem loslaufen ,ein Produkt nach dem anderen kaufen und schliesslich  bei RTL 2 zu Herrn Z müssen. Übrigens nehmen viele Unternehmen das Angebot in Anspruch  und mit Zazma gibt es inzwischen einen Anbieter, der einähnliches Angebot speziell für gewerbliche Kunden anbietet. Schon die Internetseite von Zazma und wonga zeigen wie einfach und selbsterklärend banking sein kann und einfaches banking ist faires banking.

Ist der Geldnotruf böse?

Ist also das ähnliche Produkt der Fidorbank wirklich ohne Vorteile? In einer Notlage – die könnte ja sehr kurzfristig sein- wäre es doch gar nicht schlecht einfach so 100,- oder 200 Euro leihen zu können. Zum Beispiel, wenn man irgendwo sein Geld verloren hat und  keine andere Möglichkeit besteht an Geld zu kommen. Soll ich dafür einen Privatkredit aufnehmen und meine Schufa belasten? Normalerweise würde ich mir das Geld vielleicht bei einem Familienmitglied oder einem Freund leihen. Immer mehr Menschen wünschen sich keine langfristige Abhängigkeit, zum Beispiel für 12 Raten von einer Bank. Früher hat man den Kredit doch auch kurzfristig bei Tante Emma bekommen: einfach Anschreiben lassen.Oder nehmen wir den guten alte Deckel in der Stammkneipe.
Ist es denn wirklich schlecht, wenn das Angebot an Finanzierungslösungen sich vergrößert? Mehr Wettbewerb. Mehr und neue Produkte? Was ist daran falsch?
Um noch einmal  auf das Geld leihen von Freunden zurückzukommen. Wenn ich wieder flüssig bin, gibt man dem Menschen, der einem aus der Not geholfen hat  vielleicht einen aus oder lädt ihn zum essen ein. Das ist doch durchaus nicht unüblich!, wenn man sich Geld im Freundes- oder Verwandten Geld leiht. Oder? Wenn man diese Investition in Zinsen umrechnen würde, dann ist das normalerweise sogar teurer als bei der Fidorbank. Und in unserer digitalisierten und individualisierten Welt fehlt es eben an nahen Menschen, die einem aus der Patsche helfen können.

Kommentare löschen ist auch nicht gerade fair

Liebe Mitarbeiter von Finanztest. Mal am Rande! Kommentare zu löschen, weil sie nicht gefallen oder weil der Kommentator zu der Bank gehört, deren Produkt man kritisiert hat, kann ich irgendwie gar nicht nachvollziehen.
Ich finde es toll, dass ihr uns Verbraucher schützt, aber die Welt ist nicht schwarz/weiß. Sie ist vielfältig und es leben unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen in ihr. Sogar in Deutchland soll es Menschen geben, die selber entscheiden möchten.

Der Fidor Geldnotruf ist sicherlich kein toxisches Finanzprodukt, zumal das Produkt viel leichter zu begreifen ist, als so manches klassische Finanzprodukt. Man kann es ohne Beipackzettel verstehen. Sicherlich kann man das ein oder andere kritisieren und auch verbessern. Aber die kategorische und undifferenzierte  Ablehnung erscheint mir überzogen zu sein. Manchmal ist es einfach besser etwas genauer hinzusehen und die eigene festgefahrene Meinung ein wenig zurückzustellen.

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