FROHES NEUES (INNOVATIONS-) JAHR


Gute Vorsätze

Das alte Jahr endet immer mit guten Vorsätzen. Man möchte etwas neu oder anders machen. Sich zum Beispiel schlechte Angewohnheiten abgewöhnen.

Auch im Wirtschaftsleben möchte man gelegentlich etwas neu oder anders machen. Das nennt man dann zum Beispiel “Innovation” und Innovation ist aktuell schwer in Mode. Man liest und hört überall davon.

Ohne Innovation sagt man neuerdings haben Unternehmen keine langfristige Überlebenschance mehr. Unternehmen müssen innovativ sein, sich ständig verändern, immer wieder Neues hervorbringen.

Guter Vorsatz Innovation

Kein Wunder also, dass immer mehr Unternehmen Innovations – Abteilungen gründen und Innovationsmanager etablieren. Das machen jetzt sogar Banken. Insofern ist Innovation wohl auch ein Trend für das Jahr 2013. Sozusagen ein guter Vorsatz vieler Unternehmen und Unternehmer.

Aber reicht es aus Innovation an bestimmte Mitarbeiter zu delegieren?

Ein Problem besteht zum Beispiel darin, dass das Neue in der Regel nicht durch die aktuellen Führungskräften in das Unternehmen kommen wird, denn sie sind mit den alten Tugenden erfolgreich gewesen, konnten unter den alten Regeln und in den alten Kulturen glänzen. Warum sollten ausgerechnet sie den Weg für das Neue bereiten?

Das Alte wird sich wehren und es wird sich machtvoll wehren, da es über potente Mittel und ausgezeichnete Kontakte verfügt. Und es hat das Argument des Bewährten. Es wird sich vielleicht sogar solange wehren, bis es für das Neue zu spät ist und dagegen kann man nur gemeinsam ankämpfen.

Das Neue, das wir uns wünschen und das vielleicht auch wirklich überlebenswichtig ist, kann nur gegen Widerstand erreicht werden. Es erfordert die Kooperation mit den bisher eher “Ohnmächtigen” oder nicht Mächtigen und vor allem auch eine soziale Basis. 

Eine soziale Basis für Innovation schaffen

Innovation hat ja viel mit Lernen zu tun. Und die Voraussetzung für erfolgreiches Lernen und auch für Innovation ist ein sozial intelligenter Führungsstil. Emotionale Bedrängnis erstickt unsere Fähigkeit zum Lernen. Sozialer Stress, wie er häufig in Unternehmen vorkommt, ist ein Lernkiller.

Führungskräfte müssen, wenn sie sich Innovation wünschen, ein soziale Basis schaffen. Ihre sozialen und emotionalen Kompetenzen sind wesentlich wichtiger als ihre Fachkompetenzen. Innovation basiert und entsteht durch soziale Interaktionen, die von Führungskräften beeinflusst wird.

Innovation erfordert deshalb zunächst Investition in Führung. Es müssen Fähigkeiten geschaffen und Eigenschaften gefördert werden, die dazu dienen eine soziale Basis zu entwickeln. Dazu gehört die Fähigkeit auf den Mitarbeiter einzugehen, sich in ihn hineinzuversetzen, ihn ganzheitlich zu fördern und zu schützen. Aus dem Unternehmen muss ein soziales Netzwerk werden. Ein den Einzelnen und seine Ideen schützendes Miteinander. In dem Mengen – und Zeitziele z.B. eher störend als fördernd wirken. Es muss eine Vertrauensraum entstehen, der auch das Scheitern zulässt und im Falle des Scheiterns nicht nach Sündenböcken sucht

Alle sind Innovatoren

Erneuerung oder Innovation wird zur Aufgabe aller Mitarbeiter und lässt sich auf Kunden – oder nennen wir sie lieber  Presumenten und Custowner – erweitern. Und auch die Shareholder oder Interessensgruppen werden als Innovatoren für das Unternehmen relevant.

Innovation ist zudem ein Wort, welches erschreckt oder falsche Erwartungen weckt. Es entsteht nicht täglich ein neues Apple oder eine neue Movenbank. Es geht vor allem auch um kleine und kontinuierliche Verbesserungen, die von jedem Menschen kommen können. Die Crowd erfordert einen ganz anderen  Innovationsprozess. Nicht die Insellösung. Also nicht die Innovationsabteilung oder den Innovationsmanager. Das Innovieren wird zu einem kollaborativen Akt. Hierzu gehört ausprobieren und das frühzeitige einbeziehen der Interessengruppen. Hierzu gehört es den Zufall und die Entdeckung für Jedermann zuzulassen.

Klima der Innovation

Unternehmen brauchen zu allererst eine Innovationskultur oder ein Klima, das Innovation fördert, ermöglicht und vorantreibt. Eine solche Kultur entsteht aber nicht durch Anordnung, durch die Gründung einer Innovationsabteilung und schon gar nicht von heute auf morgen.

Kultur entwickelt sich langsam. Die richtigen Leute sind erforderlich. Ein Schutzraum für das Neue und das Experimentieren muss entwickelt werden. Die Menschen eines Unternehmens müssen dabei miteinander reden können und dürfen. Es müssen Dialoge entstehen, die auch an den Unternehmensgrenzen nicht halt machen und  in denen man sich offen und authentisch gegenübersteht, um kooperativ neue Möglichkeitsräume zu erschließen. Das Neue muss ganz Anders sein dürfen.

Günther Dueck veröffentlicht im Januar sein neues Buch: Das neue und seine Feinde –  Wie Ideen verhindert werden und wie sie sich trotzdem durchsetzen. Es wird im Campus Verlag erscheinen und er schreibt in einem Artikel für die Welt Kompakt ( 24.12.2012):

Ich stelle mir Innovation wie ein neues Kind vor. Ein Wunschkind. Es soll etwas Besonderes werden. Es soll anders sein und für mich im Alter sorgen. Ich wünsche es mir ganz unkonventionell, ein Future Native. Es soll die alten Zöpfe abschneiden und uns Alte dafür begeistern, die Augen nach vorn zu richten. Aber dann, ach dann wird es geboren – es schmatzt und sabbert, tölpelt herum, schläft nicht, schmutzt und will immer wieder ein neues Smartphone. Dann erziehen wir es: “Pass auf, hab Acht. Sieh dich vor, lass das. Andersherum, man macht das so, du bist zu klein, das kannst du nicht und du darfst es nicht. Es ist gefährlich, alles ist gefährlich”. Es soll erst einmal so  werden wie wir – und DANN neu, frisch und risikobereit. So ist unser Innovationsverständnis. Wir wünschen uns Neues. Ganz neu soll es sein, aber lieber doch nicht  ,,völlig” anders.

So geht es natürlich nicht. Aber es ist die exakte Beschreibung unser täglichen Erfahrungen.

Milchmädchenrechnungen

Banken wollen und müssen mehr Online machen, aber der Kunde soll doch bitte weiter in die Filiale kommen und Banking ohne Filiale geht gar nicht. Da freut sich natürlich der Dritte, der seine Vergangenheit nicht mitschleppen muss und nicht über ein Heer von Menschen verfügt, die lieber an das Alte glauben, weil es ihnen bisher so dienlich war. Und wenn das Alte ins Wanken gerät, dann helfen noch die Juristen oder andere Insignien der Macht. Das ist zwar eine Milchmädchenrechnung, doch Milchmädchenrechnungen haben Hochkonjunktur und sind in Mode gekommen. Da muss man nur mal die Musikbranche, die Verlage usw. fragen.

Ob uns die Veränderung gelingen wird oder ob wir uns in die Nische der Tradition retten können? Denn jeder Trend hat ja schließlich seinen Gegentrend und Menschen brauchen schließlich Verlässlichkeit und Strukturen. Wäre doch auch mal eine Idee: Eine Retrobank in der alles so wie gestern funktioniert. So wie diese vielen schönen Wiener Traditionscafes, die ich in den letzten Tagen des alten Jahres besucht habe.

Ich wünsche Ihnen in jedem Fall einen guten Rutsch und ein frohes neues Jahr

Dieser Artikel wurde maßgeblich inspiriert durch das Buch:

Soziale Intelligenz von Daniel Goleman

und das Trendupdate Ausgabe April 2012 des Zukunftsinstituts. Titel:

Synnovation, die Zukunft der Innovation

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