Crowdfinance: Banking für Menschen


Andere Banken

Den Homo Ökonomicus gibt es eigentlich nicht und hat es nie gegeben. Er hat sich teilweise ungeplant und  unbewusst entwickelt und wurde von Menschen generiert und zu eigenen Zwecken genutzt. Auf ihm basieren Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft. Die meisten von uns halten ihn  und seine Handlungsmaximen aber für real.

Menschliches Verhalten mit ökonomischen Instrumenten zu messen, bringt wenig. Verhaltensforscher gehen davon aus, dass Menschen nach einfachsten Regeln entscheiden, den sogenannten Heuristiken, die im Unbewussten liegen und von denen wir heute noch nicht sicher wissen, wie diese funktionieren.

Die Entscheidung für eine Bank oder ein Bankprodukt ist ebenfalls überwiegend emotional geprägt. Die meisten von uns sind zufrieden damit, wenn die finanziellen Angelegenheiten geregelt sind und kein bewusstes Eingreifen von uns erforderlich wird.

Nun hat die Finanzkrise uns das Gefühl kognitiver Dissonanz vermittelt. Irgendetwas stimmt  nicht mehr. Irgendetwas ist nicht mehr wie früher. Die Finanzen sind bei manchen Banken oder bei den Banken nicht mehr sicher. Eine Geldanlage kann sich als Geldvernichtung herausstellen. Die Bank berät nicht. Sie verkauft. Nicht alle Berater haben das Interesse des Kunden im Blickpunkt bzw. stellen die eigenen Interessen über die der Kunden, womit dieser erst an dritter Stelle käme.

Kognitive Dissonanz erzeugt Aufmerksamkeit für ein Thema, ob das richtig oder falsch ist, sei mal dahingestellt,  welches normalerweise fast im Unbewussten vor sich hin dümpelt. Menschen fangen an nach Alternativen zu suchen. Zum Beispiel nach anderen Banken und neuerdings auch nach Alternativen von Banken, womit wir beim Thema crowdfinance und auch p2p finance wären.

Was anderes als Banken

Wenn Menschen ihre Geldanlagen überhaupt jemals verstanden haben, dann hat zumindest die andauernde Banken- und Finanzkrise gezeigt, dass Finanzprodukte zu abstrakt, zu kompliziert, zu unpersönlich und zu menschenfern sind.

Anja Dilk und Heike Littinger schreiben in ihrem Artikel „Die Startkapitalisten“ in der GDI-Impuls, Nummer 4.2012 sehr treffend: Der Geldanlage geht die Abstraktion verloren. Immer mehr Investoren wollen ihr Geld nicht mehr anonym in Banken und Fonds arbeiten lassen, sondern selbst sehen – und bestimmen- was damit passiert.

Mehr muss man zur Definition von crowdfinance  gar nicht mehr sagen. Allerdings darf man nicht vergessen, dass einige Modelle des crowd investing natürlich auch die Gefahr der abstrakten und rein Rendite orientierten Geldanlage mit sich bringen.

Crowdfinance Plattformen

http://www.pling.de

www.startnext.de

http://www.visionbakery.com/

http://www.seedmatch.de

http://www.bergfürst.de

http://www.unitedequity.com

http://www.companisto.de,

http://www.investiere.ch,

http://www.fundsters.de,

http://www.bankless24.de,

http://www.groupcapital.de,

http://www.innovestment.de,

http://www.deutsche – mikroinvest.de,

www. buergerkredit.info,

www.leihdeinerstadtgeld.de/

http://www.respekt.net

www.kapitalfreunde.de

Auch nicht uninteressant in diesem Zusammenhang: Zopa: p2p Erfolgsstory aus England. Artikel von Chris Skinner

Neuerfindung oder Rückbesinnung

Mitbestimmung, sich einbringen, mitgestalten, das klingt mehr nach demokratischer Bank oder auch nach Genossenschaftsbanken. Die genossenschaftliche Idee ist eigentlich die Vorwegnahme des crowdfundings, nur dass viele Genossenschaftsbanken sich von der ursprünglichen genossenschaftlichen Idee ein wenig entfernt haben und zumindest bis zum Beginn der Finanzkrise sich den anderen Banken durchaus, mehr als es wünschenswert war, angenähert haben.

LINK AUF REWORK VOLKSBANKEN RAIFFEISENBANKEN

Robert Koch, dessen Studienarbeit „Crowdinvesting und peer-to-peer lending. Genossenschaftsbanking 2.0 als neue Strategie der Unternehmensfinanzierung mir inzwischen vorliegt, schreibt: „ Einer dieser neuen Wege ist Collaborative Finance. Gemeint ist die Vergabe von Krediten von Privat zu Privat bzw. an Künstlerinnen und Künstler, Projekte und Unternehmen über Online Plattformen; dies geschieht praktisch unter Ausschluss von Banken. Collaborative Finance bietet dem Herdentier Mensch die Möglichkeit, die Produkte, die angeboten werden, wieder zu verstehen; sie bietet die Möglichkeit menschliche Instinkte wie Kooperation und Kollaboration auzuleben. Das Schöne daran ist, dass die Investments „Gutes tun“ und „Geld verdienen“ vereinen und so ein „Leben und leben lassen“ von beiden Seiten herauskommt“

So verstanden, müssten – das ist meine Meinung –bestimmte Formen von crowdfinance sogar ausgeschlossen werden, dabei muss es nicht zwangsläufig darum gehen, immer etwas Gutes zu tun. Es würde vielmehr schon ausreichen etwas von Nutzwert zu schaffen, bzw. den menschlichen Nutzen und nicht den Tauschwert in den Vordergrund zu stellen.

An gleicher Stelle schreibt Robert Koch und leitet damit auf die Möglichkeit eines crowdfinance Angebotes traditioneller Banken über: „ Dieses Phänomen , das Collaborative Finance mit Hilfe des Internets an den Tag bringt, ist eigentlich keines – es hieß bisher nur anders: Genossenschaftsbank

Und auch ich habe in meinem Artikel „crowdfunding als genossenschaftliches Prinzip“ für das im Januar erscheinende Buch „ Next Generation Finance“ darauf hingewiesen:

Würden Friedrich Wilhelm Raiffeisen und Hermann Schulze Delitzsch heute leben, sie hätten das crowdfunding erfunden oder würden es zumindest als Instrument zur Verfolgung und  Verbreitung ihrer sozialen Idee nutzen. Es ist deshalb nicht vermessen zu behaupten, dass crowdfunding genossenschaftlich ist

Exakter müsste man sagen „ sein kann“, denn damit das crowdfinance Angebot auch von den Banken Verweigerern – das ist ja schließlich kein zu unterschätzender Grund für die positive Entwicklung des p2p Finance Marktes – akzeptiert wird, muss auch die anbietende Bank oder Bankengruppe strategische und kulturelle Anpassungen vornehmen, denn wie oben bereits gesagt: Genossenschaftsbanken sind 2012 nicht mehr so wie vielleicht noch 1850 zumindest bezogen auf das sie tragende Wertkonzept. Es steht zwar noch überall auf dem Papier. Gelebt wird es jedoch nur von einzelnen Banken.

Insofern würden auch nur einzelne Banken den Schritt vom eher Spenden orientierten crowdfunding zum crowdinvesting mitgehen, obwohl sie gerade hier bestimmte Mängel des bankfreien crowdinvestings kompensieren könnten.

Crowdfinance ist Kultur

Hinzu kommt die Problematik, dass Genossenschaftsbanken das Internet in der Regel noch nicht so weit durchdrungen haben, wie die Nutzer  und Nachfrager des crowdfundings und –investings Angebot. Die heute für das crowdfunding bevorzugten Unternehmensansätze und Projektarten und –formen sind zumeist weit weg vom Alltag der Banken, die zudem akzeptieren müssten, dass selbst für das Finanzierungs- und Firmenkundengeschäft die klassische Vertriebsform Filiale eine abnehmende Bedeutung erfährt.

Während eine Bank wie die Fidorbank bereits die Potentiale des crowdfundings erkannt und die Anlage bereits tief in das eigene Angebot integriert hat. Crowd Investitionen direkt aus dem Banking heraus, werden Vertrauen und Nutzungsquote sicherlich vergrößern und fördern, müssten Genossenschaftsbanken und auch Sparkassen zunächst den genetischen Code digitalisieren. Die Herausforderung ist damit weitaus größer und langwieriger als das Eindrehen einer neuen Schraube oder eben die Etablierung dieses neuen Angebotes

Crowdfinance ermöglicht zukunftsfähige Vermögensbildung für Menschen

Betrachten wir das crowdfinance Thema aber noch einmal aus Sicht der oder des Menschen. Banken bieten diesen Menschen immer weniger noch Produkte an, die zur eigenen Lebenssituation passen und welche die eigene Zukunft abzusichern helfen.

Auch hier hilft uns ein Artikel aus der aktuellen GDI-Impuls auf die richtige Fährte. Detlef Gürtler schreibt (The next big thing): Die Alterung der Gesellschaft und die niedrigen Geburtenraten führen dazu, dass die angesammelten Renten- und Pensionsansprüche an die Staatskassen der Industriestaaten alle Grenzen der Finanzierbarkeit sprengen werden. Der Generationenvertrag einer Rentenversicherung  ohne Kapitaldeckung wird ungültig, weil dieser Vertrag einseitig gebrochen wurde – von der älteren Generation, die sich finanzrational weigerte, zur Elterngeneration zu werden. Allerdings wird auch die kapitalgedeckte Vorsorge da wenig helfen – ob privat, betrieblich, staatlich organisiert. Denn just dann, wenn es bei der gesetzlichen Rente  massiv zu knirschen beginnt, werden auch die Vorsorgepläne in die Knie gehen, die sich auf aufgespartes Kapital stützen.

Seine Lösung: Wir kehren zurück zum Sicherungsnetz des Dorfes und der Familie. Allerdings in der Version 2.0. Neben den natürlich weiterhin vorhandenen Resten dieser klassischen Systeme – die auch wieder an Bedeutung gewinnen werden (so meine These) – werden digitale Freundschaften an Bedeutung gewinnen und einen Wert schaffen. Für unsere Zukunft – so Gürtler – werden wir verstärkt in Humankapital investieren müssen. Wir müssen in familienähnliche Bindungen investieren. In die Nachbarschaft, das Dorf, das  Kind oder die Kinder der Nachbarn, in unsere nahen und weiten oder „reale“ und digitale Netzwerke.

Und was läge da näher als an crowdfinance oder – wie ich es einmal genannt habe – community funding zu denken. Hier liegen die Potentiale für unsere soziale Sicherheit und unsere Rente. Sei es finanziell oder durch tätige Hilfe am Mitmenschen in Form eines neuen Generationenvertrages, der dann eben nicht mehr staatlich organisiert würde.

Hier liegt darüber hinaus das Potential für einen neuen Banking oder auch genossenschaftlichen Ansatz und eine ganze Menge neuer Produkte, die uns auch aus der staatlichen und politischen Umklammerung befreien könnte. Wir müssen es nur wollen. Als Mensch und als Bank.

Quellen:

GDI Impuls. Nummer 4. 2012. Dieses Heft ist ein Vermögen wert

Anja Dilk. Heike Littger – Die Startkapitalisten

Detlef Gürtler: The next big thing

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Robert Koch Crowdinvesting und p2p lending, Genossenschaftsbanking 2.0 als neue Strategie der Untenehmensfinanzierung, crowdfunding-Studienreihe Herausgeber Karsten Wenzlaff, Jörg Eisfeld Reschke

Boris Janek: Crowdfunding als genossenschaftliches Prinzip. Aus Oliver Everling /Robert Lempka (Hg) FInanzdienstleister der nächsten Generation. Die neue digitale Macht der Kunden.

4 Gedanken zu “Crowdfinance: Banking für Menschen

    • Hallo Herr Porger,

      vielen Dank. Ja das mit dem Bagger hatte ich schon gesehen und das gefällt mir auch sehr gut. Ich wollte selber, aber irgendwie finde ich nie die Zeit, um mich intensiv mit den Projekten zu beschäftigen. Zwischen den Jahren will ich aber mal meine ersten crowdfunding Investments tätigen.

      mfg
      Boris Janek

  1. Pingback: Crowdfund the world | Finance 2.0

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