Einleitende Worte
Hans Jörg Leichsenring – geschätzter Autor des von mir sehr gern gelesenen Bankblogs – hat in einem seiner letzten Artikel mit dem Titel: Banken, Fussball und Social Media über den Multi Kanal Vertrieb von Bayern Münschen geschrieben und die These aufgestellt, dass Banken vor allem in Sachen Social Media sehr viel von Bayern München lernen können. Als Fußball Fan mit einer natürlichen Antipathie gegenüber Bayern München muss ich hierauf natürlich reagieren, auch wenn ich durchaus Verbindungen zwischen Fußball und Social Media sehe, worüber ich hier auch schon einmal geschrieben habe.
Fußball und Social Media sind immer noch wichtig
Lesen Sie aber jetzt: Warum Banken garantiert nichts von Bayern München lernen können. Oder sollte ich besser sagen: Sollten
1. Banken und Fußballvereine haben ungefähr so viel gemeinsam wie ein Fisch und ein Fahrrad. Gut, Fußballvereine haben Geschäftsbeziehungen zu Banken und Banken sonnen sich gerne im Licht von Fußballvereinen, indem sie diese unterstützen oder sich in deren Logen am kalten Buffet ergötzen.
2. Bayern München hat zwar viele Fans auf Facebook und man kann insgesamt sogar sagen, dass ihre Marketing Aktivitäten sehr erfolgreich sind. Wer aber schon einmal in der Allianzarena war, stellt schnell fest, dass die Stimmung zumeist schlechter ist, als bei so manchem Dorfverein. Kein Wunder, das Stadion funktioniert nach dem Prinzip der Gewinnmaximierung. Richtige Fans werden in unattraktive Ecken gedrängt. Das zählende Opernpublikum klatscht zwar gerne, erhebt sich aber weniger gerne von seinen Sitzen und Gesang wird ebenfalls lieber gehört als praktiziert.
3. Mitbestimmung und die Einbeziehung von Kunden ist ja auch so ein USP, welchen man der Nutzung des sozialen Internets zuschreibt und der sicherlich auch vielen Banken gut zu Gesicht stehen würde. Davon hält Deutschlands erfolgreichster Fußballverein aber offensichtlich auch nicht so viel, wie man in den letzten Monaten einige Male aus der Presse entnehmen konnte. Der Transfer von Manuel Neuer war zum Beispiel nicht unumstritten.
https://www.facebook.com/koan.Neuer
4. Bayern München hat den nationalen Markt eigentlich schon lange aus den Augen verloren. Für eine weitere wirtschaftliche Expansion braucht man den europäischen Markt- also die Champions League. Das in einer globalisierten Welt regionale und dadurch vor allem individuell menschliche Werte und Interessen häufig auf der Strecke bleiben, hat uns die andauernde Finanz- und Bankenkrise ja gezeigt. Um jedes Jahr in die lukrative Champions League einzuziehen, muss deshalb natürlich auch alles versucht werden, um das Ziel zu erreichen. Ein Jahr ohne sportlichen Erfolg ist sicherlich nicht so angenehm für die Mitarbeiter. Eine Occupy Säbener Strasse Bewegung gibt es aber zum Glück noch nicht
5. Um mal etwas Positives zu sagen: Fussball ist die schönste Nebensache der Welt und sollte es auch bleiben. Im Fussball kann der David auch den Goliath mal schlagen (da war doch was am Wochenende) und dadurch ärgern. In der Bankenwelt ist dies nicht möglich und die Schadenfreude, die alle nicht Bayern Fans bewegt, wenn Bayern mal nicht gewinnt, bliebe den Bankkunden im Halse stecken. Denn wer zahlt die Zeche?
6. Bayern München wirkt sehr hierarisch organisiert und geführt, wir leben aber im Zeitalter der Netzwerk Organisation. Klassische Hierarchien und autoritär geführte Unternehmen werden zukünftig sicherlich auch Probleme bekommen. Insofern sollten sich Banken hier eher nichts abschauen. Auch der Fußball hat Probleme mit Fans, die mitbestimmen möchten. In Köln hat dies einen Präsidenten, der offenbar die Welt nicht mehr verstand, zum Rücktritt bewegt.
7. Bayern München hat möglicherweise kein besonders gutes Arbeitsklima. Hier liefert man ab und arbeitet an der eigenen Karriere, die dann oft auch ins Ausland führt und Prämien – so haben wir in der Bankenbranche gelernt, führen zu falschen und gefährlichen Allokationen. Die Bayern können also auch nichts von den Banken lernen
8. Die Gehälter sind unmoralisch hoch. Die Ablösesummen sind ebenfalls nicht ganz Ohne und das Sportliche entscheidet sich letztendlich über das Finanzielle. Aber zum Glück beschwert sich Niemand darüber. Schliesslich sonnt sich der Fan doch gerne im Erfolg seines Vereins
9. In München liebt ohnehin jeder die Sechziger und nicht die Bayern, denn die Sechziger sind die lokale Bank. Ok – lokale Banken wirtschaften zum Glück besser als die Sechziger. Aber Liebe und richtiges Fantum entsteht ohnehin nur durch Leiden.
10. Um zum Schluss nochmal auf Social Media einzugehen. 2 Millionen Fans sind eine stolze Zahl. Aber Social Media ist für bedeutende Persönlichkeiten oder auch Sportvereine fast schon ein Selbstläufer. Lionel Messi hatte innerhalb eines Tages ohne einen einzigen Post bei Facebook zu schreiben mehrere Millionen Fans. Der CF Barcelona hat 22 Millionen Fans. Als Fan eines Fußball Vereins interessiert man sich für jeden Schritt eines Spielers und jedes noch so unwichtige Ereignis rund um den Verein. Fußball ist pure Emotion, der Doppelpass ein soziales System. Seinem Verein verzeiht man fast alles. Er verspricht auch keine Zinsen und macht in der Regel nichts, was der Fan nicht versteht. Und auch wenn es Logen gibt, ist jeder Kunde erwünscht und die C Kunden sind für den Erfolg des Teams sogar noch wichtiger, denn sie erzeugen die Stimmung im Stadion. Und last but not least: Fans lieben ihren Fussball Verein. Wer liebt schon seine Bank? Wobei, dass wäre doch mal ein Ziel.
Irgend etwas ist anders an der jungen Generation. Aber ist die junge Generation nicht immer irgendwie anders? Die Erwartungen, die an Erwerbs- und Privatleben gestellt wurden, waren schon immer in Bewegung. Allerdings haben wir es heute mit der ersten Generation von Menschen zu tun, die mit dem Internet groß geworden sind und dieses Internet als Werkzeug des sozialen Handelns nutzen. Man nennt diese Menschen „Digital Natives“ und sagt Ihnen nach, dass sie im Berufsleben eher nach Selbstverwirklichung streben, dass sie häufige Stellenwechsel als normal empfinden, experimentierfreudig sind, flexibel bleiben und ihre Karriere liebe selbst bauen anstatt vorgegebenen Pfaden zu folgen. Und auch die Trennung von Berufs- und Privatleben möchten sie am liebsten aufgehoben wissen.


