Monatsarchiv: November 2011

Warum Banken garantiert nichts von Bayern München lernen können!

Einleitende Worte

Hans Jörg Leichsenring – geschätzter Autor des von mir sehr gern gelesenen Bankblogs – hat in einem seiner letzten Artikel mit dem Titel: Banken, Fussball und Social Media über den Multi Kanal Vertrieb von Bayern Münschen geschrieben und die These aufgestellt, dass Banken vor allem in Sachen Social Media sehr viel von Bayern München lernen können. Als Fußball Fan mit einer natürlichen Antipathie gegenüber Bayern München muss ich hierauf natürlich reagieren, auch wenn ich durchaus Verbindungen zwischen Fußball und Social Media sehe, worüber ich hier auch schon einmal geschrieben habe.

Fußball und Social Media sind immer noch wichtig

Lesen Sie aber jetzt: Warum Banken garantiert nichts von Bayern München lernen können. Oder sollte ich besser sagen: Sollten

1.  Banken und Fußballvereine haben ungefähr so viel gemeinsam wie ein Fisch und ein Fahrrad. Gut, Fußballvereine haben Geschäftsbeziehungen zu Banken und Banken sonnen sich gerne im Licht von Fußballvereinen, indem sie diese unterstützen oder sich in  deren Logen  am kalten Buffet ergötzen.

2. Bayern München hat zwar viele Fans auf Facebook und man kann insgesamt sogar sagen, dass ihre Marketing Aktivitäten sehr erfolgreich sind. Wer aber schon einmal in der Allianzarena war, stellt schnell fest, dass die Stimmung zumeist schlechter ist, als bei so manchem Dorfverein. Kein Wunder, das Stadion funktioniert nach dem Prinzip der Gewinnmaximierung. Richtige Fans werden in unattraktive Ecken gedrängt. Das zählende Opernpublikum klatscht zwar gerne, erhebt sich aber weniger gerne von seinen Sitzen und Gesang wird ebenfalls lieber gehört als praktiziert.

3. Mitbestimmung und die Einbeziehung von Kunden ist ja auch so ein USP, welchen man der Nutzung des sozialen Internets zuschreibt und der sicherlich auch vielen Banken gut zu Gesicht stehen würde. Davon hält Deutschlands erfolgreichster Fußballverein aber offensichtlich auch nicht so viel, wie man in den letzten Monaten einige Male aus der Presse entnehmen konnte. Der Transfer von Manuel Neuer war zum Beispiel nicht unumstritten.

https://www.facebook.com/koan.Neuer

4. Bayern München hat den nationalen Markt eigentlich schon lange aus den Augen verloren. Für eine weitere wirtschaftliche Expansion braucht man den europäischen Markt- also die Champions League. Das in einer globalisierten Welt regionale und dadurch vor allem individuell menschliche Werte und Interessen häufig auf der Strecke bleiben, hat uns die andauernde Finanz- und Bankenkrise ja gezeigt. Um jedes Jahr in die lukrative Champions League einzuziehen, muss deshalb natürlich auch alles versucht werden, um das Ziel zu erreichen. Ein Jahr ohne sportlichen Erfolg ist sicherlich nicht so angenehm für die Mitarbeiter. Eine Occupy Säbener Strasse Bewegung gibt es aber zum Glück noch nicht

5. Um mal etwas Positives zu sagen: Fussball ist die schönste Nebensache der Welt und sollte es auch bleiben. Im Fussball kann der David auch den Goliath mal schlagen (da war doch was am Wochenende) und dadurch ärgern. In der Bankenwelt ist dies nicht möglich und die Schadenfreude, die alle nicht Bayern Fans bewegt, wenn Bayern mal nicht gewinnt, bliebe den Bankkunden im Halse stecken. Denn wer zahlt die Zeche?

6. Bayern München wirkt sehr hierarisch organisiert und geführt, wir leben aber im Zeitalter der Netzwerk Organisation. Klassische Hierarchien und autoritär geführte Unternehmen werden zukünftig sicherlich auch Probleme bekommen. Insofern sollten sich Banken hier eher nichts abschauen. Auch der Fußball hat Probleme mit Fans, die mitbestimmen möchten. In Köln hat dies einen Präsidenten, der offenbar die Welt nicht mehr verstand, zum Rücktritt bewegt.

7. Bayern München hat möglicherweise kein besonders gutes Arbeitsklima. Hier liefert man ab und arbeitet an der eigenen Karriere, die dann oft auch ins Ausland führt und Prämien – so haben wir in der Bankenbranche gelernt, führen zu falschen und gefährlichen Allokationen. Die Bayern können also auch nichts von den Banken lernen

8. Die Gehälter sind unmoralisch hoch. Die Ablösesummen sind ebenfalls nicht ganz Ohne und das Sportliche entscheidet sich letztendlich über das Finanzielle. Aber zum Glück beschwert sich Niemand darüber. Schliesslich sonnt sich der Fan doch gerne im Erfolg seines Vereins

9. In München liebt ohnehin jeder die Sechziger und nicht die Bayern, denn die Sechziger sind die lokale Bank. Ok – lokale Banken wirtschaften zum Glück besser als die Sechziger. Aber Liebe und richtiges Fantum entsteht ohnehin nur durch Leiden.

10. Um zum Schluss nochmal auf Social Media einzugehen. 2 Millionen Fans sind eine stolze Zahl. Aber Social Media ist für bedeutende Persönlichkeiten oder auch Sportvereine fast schon ein Selbstläufer. Lionel Messi hatte innerhalb eines Tages ohne einen einzigen Post bei Facebook zu schreiben mehrere Millionen Fans.  Der CF Barcelona hat 22 Millionen Fans. Als Fan eines Fußball Vereins interessiert man sich für jeden Schritt eines Spielers und jedes noch so unwichtige Ereignis rund um den Verein. Fußball ist pure Emotion, der Doppelpass ein soziales System. Seinem Verein verzeiht man fast alles. Er verspricht auch keine Zinsen und macht in der Regel nichts, was der Fan nicht versteht. Und auch wenn es Logen gibt, ist jeder Kunde erwünscht und die C Kunden sind für den Erfolg des Teams sogar noch wichtiger, denn sie erzeugen die Stimmung im Stadion. Und last but not least: Fans lieben ihren Fussball Verein. Wer liebt schon seine Bank? Wobei, dass wäre doch mal ein Ziel.

WARTEN

Immer wieder Samstag

Am Samstag war es mal wieder soweit. Mein ansonsten recht ausgeglichenes Gemüt geriet in Wallung. Dies geschieht zum Beispiel immer dann, wenn ich ohne ersichtlichen Grund warten muss. Um halb zehn fing alles an. Obwohl ich einen Friseurtermin hatte, musste ich zunächst einmal warten. Schade, dass es da kein Alternativangebot aus dem Internet gab. Beim Bezahlen die Fortsetzung. Ich musste in einer Schlange warten. Nicht weil so viel los war. Eher weil drei Mitarbeiter hinter dem Kassentresen standen, schlecht organisiert waren und sich unterhielten, statt wartende Kunden zu bedienen. Und weil Stammkunden offenbar bevorzugt behandelt werden und an wartenden Kunden vorbei bedient wurden. Man muss dazu sagen: Mein Friseur ist ein Starfriseur.

Auf dem Rückweg schaute ich noch kurz ins Weingeschäft. Es wäre eine gute Gelegenheit gewesen den Weinvorrat mal wieder etwas aufzufrischen. Aber auch hier ein Problem. 10 Kunden im Geschäft und nur ein Mitarbeiter . Nun möchte man beim Weinkauf auch schon mal etwas probieren. Aber wie gesagt 10 Kunden im Geschäft und nur ein Mitarbeiter. Offenbar wird dieses Geschäft jeden Samstag aufs Neue davon überrascht, dass Kunden dort Wein probieren und kaufen möchten. Ich hasse warten. Natürlich habe ich keinen Wein gekauft.

Der Warten Blues

Die Story ließe sich fortführen. Ständig muss der Mensch warten. Manche warten auf Godot (Sie wissen was ich meine). Jeder fünfte gesetzlich Versicherte wartet offenbar mehrere Wochen auf einen Arzttermin (Das stand heute in der Welt). Wenn sie dann mal einen bekommen haben, warten Sie viel zu lange in der Arztpraxis. Wintersportler warten auf Schnee, die Banken auf das Ende der Krise und viele Autofahrer warten im Stau darauf, dass es weiter geht. Von der deutschen Bahn möchte ich hier erst gar nicht sprechen.

Das Internet hilft uns tagtäglich dabei die Wartezeit zu verkürzen und sogar sinnvoll zu nutzen. Wann immer man in einer Schlange steht, an einem Bahnhof und sogar in einem sogenannten Wartezimmer sitzt, kann man dieses phantastische Medium nutzen. Mal nur um die Zeit zu vertreiben, sehr häufig aber auch um zu arbeiten oder sogar, um im Weingeschäft eine Bestellung bei einem konkurrierenden Weinhändler im Internet aufzugeben, während man den Wein probiert, den man woanders bestellt.  Das mobile Internet schafft die Brücke zwischen Online und Offline und wird den Handel vor große Herausforderungen stellen. Die kurzfristigen Trends lassen sich mit den Begriffen „Mobile“, „Social“ und „Echtzeit“ ganz gut erfassen. Man könnte fast sagen, dass Internet wird menschlich. Es hat sich der menschlichen Natur angepasst, denn der Mensch ist mobil, soziale und handelt in Echtzeit.

Jetzt kommt hinzu, dass wir in der Echtzeit immer weniger Zeit haben. Auch daran ist das Internet nicht unschuldig. Immer mehr Informationen stehen uns zur Verfügung und erreichen uns über unsere sozialen Netzwerke. Diese müssen immer schneller verarbeitet und auch immer schneller wieder vergessen werden. Da wird unnützes Warten direkt noch anstrengender und manchen Dingen möchte und kann man keine Zeit mehr widmen, obwohl wir wissen, dass es sich eventuell um ein sehr sehr wichtiges Thema handelt.

Ich warte also bin ich Kunde

Zum Beispiel unsers finanzielles Wohlbefinden oder, wenn man es aus Sicht des Anbieters betrachtet, Banking. Leider hat Banking in der Regel auch viel mit Warten zu tun. Schon beim Erstkontakt besteht dieses Problem. Man landet in einer Telefonwarteschleife, wartet auf eine ladendende Internetseite, findet die Seite nicht bei Google, findet auf der Seite nicht den gesuchten Inhalt oder landet mit dem Mobiltelefon auf einer Internetseite, die nicht für das Gerät optimiert ist. Ganz davon abgesehen, dass man in der Filiale meistens auch warten muss. Selbst wenn man einen Termin hat. Und wenn man dann dort warten muss, darf man entweder Nachrichtenkanäle im Fernsehen anschauen, in uninteressanten Kundenzeitungen blättern oder einfach in die Luft starren.  Wie schön wäre es da zum Beispiel, wenn man sich auf einem bereitliegenden ipad oder gar auf einem Surface- Beratungstisch schon einmal mit dem Thema beschäftigen könnte. Ein leckerer Kaffee wäre natürlich auch nicht schlecht.

Ist das ein Mehrwert?

Noch besser wäre es allerdings, wenn es keine Wartezeit mehr gäbe. Vielleicht ist es gar nicht so schwer die gefühlt anspruchsvollen Finanzkunden zufrieden zu stellen. Eventuell möchten Sie gar keinen komplizierten Finanzprodukte erklärt bekommen und berechnen, was aus Ihrem Geld in 10, 20 oder 30 Jahren geworden ist. Was sich am Rande  gesagt wahrscheinlich ohnehin immer schwieriger prognostizieren lässt. Vielleicht möchten Sie nur einfach nicht mehr warten. Und vielleicht führt auch das mit dazu, dass immer mehr Finanzprodukte im Internet nachgefragt und auch abgeschlossen werden. Was – ich prophezeie das jetzt mal – zukünftig auch für komplexere Produkte gelten wird. Da wird der ein oder andere Kunde lieber eine Videokonferenz machen, als in die Bank zu kommen. Am besten wäre es natürlich, wenn die Bank direkt in der Hosentasche wäre und jederzeit – wenn man sie braucht- hinzugezogen werden könnte. Im Hintergrund aber doch präsent. Ohne Wartezeiten in einer Telefonhotline. Auf Knopfdruck direkt in eine Videokonferenz mit einem Berater eintreten. Zum Beispiel beim Spaziergang mit dem Hund auf dem man seine zu verkaufende Traumimmobilie gesehen hat. Herausragender und menschlicher Service ist wichtiger als das Produkt und wenn menschlicher Service schlechter ist, als das was ich mittels Internettechnologien nachfragen kann, dann ja dann brauche ich doch eigentlich keine Bank mehr, die mich warten lässt.

Oder?

Aller guten Dinge sind mindestens drei 100 % mobile Banken

Eine Bank

Die japanische Sony Bank macht es schon seit 2001.  Genauso die Rakuten Bank.  http://www.rakuten-bank.co.jp/.

Alles Online. Keine Filialen. Keine Geldautomaten.

Noch eine Bank

Die Movenbank ist noch in der Alpha Phase. Sie wird schon heiß diskutiert. Filialen und auch Geldautomaten wird es wohl nicht geben. Auch kein Papier und Plastik. Wobei auch das ein oder andere Mobiltelefon zumindest teilweise Elemente aus Plastik aufweisen könnte.

http://movenbank.com/

Und die dritte Bank

Bereits im April kündigte das kanadische Unternehmen Rogers Communication die Gründung einer eigenen Bank an. Angeboten werden zunächst Kreditprodukte und das mobile Bezahlen. Es soll aber ein Full Service Bank entstehen. Ziel der Bankgründung ist es sich in der gesamten mobilen Wertschöpfungskette zu positionieren und den attraktiven Markt nicht länger anderen Unternehmen wie z.B. Apple oder google zu überlassen. Rogers Communication ist ein Telekommunikationsunternehmen, dass sich fast schon aus natürlichen Gründen in diesem Markt positionieren muss. Was für deutsche Telekommunikationsunternehmen natürlich genauso gilt.

Für die Banken ist es eine Technologie für den Verbraucher ….

Einer Kooperation eines Telekommunikationsanbieters mit einer Bank kann man wohl die besten Chancen zutrauen, um  zum Beispiel in Deutschland das mobile Bezahlen bzw. das mobile Banking (was viel mehr ist als der mobile Zugriff auf das Online Banking) in Deutschland für eine größere Nutzergruppe interessant zu machen.

Das Problem aber ist wohl, dass deutsche Banken und wohl auch die TK Unternehmer hierfür nie eine Vision hatten und nun eher durch die Wettbewerber in diesen – wohl unterschätzten – Markt getrieben werden.

Ganz im Gegensatz zum Beispiel zu Apple. Denn dieses Video aus dem Jahr 1980 zeigt, dass Apple bereits damals vorausgedacht hat, was wir heute als ipad oder iphone auf dem Tisch liegen haben. Allerdings konsequent aus Nutzersicht. Mobile ist viel mehr als ein neuer Kanal oder eine Technologie. Es ist ein fast natürlicher menschlicher Lebensstil:

Quelle: http://www.youtube.com/user/mamaxwell

Ich empfehle für eine umfassende Auseinandersetzung diesen Artikel aus dem Bankblog:

http://www.der-bank-blog.de/zukunft-mobile-banking-mobile-payment-digital-wallet/mobile-banking/3832/

Und jetzt muss ich noch Geld an Freunde senden mit dem neuen Paypal Facebook App (via.Mashable)

Das Dritte genossenschaftliche Barcamp

Genobarcamp

Gastbeitrag von Franz  Welter

Bereits zum Dritten mal haben sich nun Mitarbeiter aus den verschiedenen Instituten der genossenschaftlichen FinanzGruppe getroffen, um über soziale Medien und Innovationen in der Finanzdienstleistungsbranche zu diskutieren (und philosophieren). Das Barcamp fand in Münster statt und wurde von der Rechenzentrale GAD eG ausgerichtet. An dieser Stelle möchte ich mich nochmals für die tolle Organisation bedanken. Angefangenen bei der Führung im hauseigenen Innovationsforum, einer erstklassige Ablauforganisation und nicht zuletzt unser neues, gesponsertes Logo – die GAD hat sich in jeglicher Hinsicht als toller Barcamp-Organisator präsentiert.

Während des Barcamps selbst wurde wieder ein buntes Spektrum an Themen behandelt. Wie bei einem Barcamp üblich, wurden die Sessions von den Teilnehmern selbst durchgeführt. Dabei gab es im Vorhinein auch keine festen Vorgaben bzw. keine Agenda. Der Ablauf des Barcamps wurde erst zu Beginn des Barcamps festgelegt. Bei jeweils 3 parallel laufenden Sessions konnten sich die Teilnehmer dann spontan überlegen, bei welchen Sessions sie teilnehmen bzw. wann sie ihre eigene Session durchführen möchten. So kam definitiv keine Langeweile auf.

Begonnen wurde der Tag durch einen interessanten Impulsvortrag von Lothar Lochmaier. Und schon bei diesem Vortrag ließ sich erahnen, dass der folgende Tag noch die ein oder andere spannende Diskussion hervorbringen würde. Danach waren die Teilnehmer-Sessions an der Reihe. Und hier war zu spüren, dass sich die Themen weiterentwickeln. Während beim ersten Barcamp noch mehr oder weniger ausschließlich über Social Media Strategien und Einführungsprozesse diskutiert und philosophiert wurde, standen diesmal auch andere Themen wie z.B. neue Geschäftsmodelle und die Möglichkeiten für Volks- und Raiffeisenbanken auf der Agenda.

Mein Fazit:

Es war schön, viele Bekannte und einige neue Gesichter wiederzutreffen, gemeinsam zu diskutieren und Ideen auszutauschen. Das nächste Barcamp wird voraussichtlich im April/Mai bei der DZ-Bank in Frankfurt stattfinden. Vielleicht dann auch mit Ihnen?

Mehr Informationen zu Franz Welter finden Sie auch auf Xing. Lesen Sie auch regelmässig den Blog der Volksbank Bühl http://blog.volksbank-buehl.de/ . Dort finden Sie auch einen Gastbeitrag von Lothar Lochmeier zum 3. Genobarcamp der genossenschaftlichen Banken.

Ebenfalls interessant

Blog von Lothar Lochmeier - Social Banking 2.0

Life Incorporated meets Occupy Wall Street

Einleitung

Wir leben in Organisationen. Vom Tag unserer Geburt bis zum Tag unseres Todes. Organisationen beeinflussen was wir tun und was wir lassen und mit der Zeit beginnen Sie sich offenbar zu verselbstständigen. In Organisationen wirkt Macht und Herrschaft. In jeder Organisation werden die Herrschenden aber irgendwann zu den Beherrschten.  Wenn Organisationen wichtiger, bedeutender und offenbar mit mehr Rechten ausgestattet  sind wie Menschen, dann haben wir ein Problem. Das wir aktuell dieses Problem haben, mag folgendes Zitat aus einem Artikel von Chris Skinner verdeutlichen:

“To the question ‘can banks be good citizens?’ the answer must be ‘yes’. But I’m mindful of what was said to me three years ago:

Können Unternehmen Bürger sein? Dürfen Unternehmen die gleichen oder sogar noch mehr Rechte haben wie Menschen. Vielleicht gibt die Occupy Bewegung  eine Antwort auf diese Frage.

life inc

Das Buch von Douglas Rushkoff ist aus dem Jahr 2009. Ich habe es in diesem Jahr gelesen und ich lege es hiermit allen meinen Lesern ans Herz. Als kleinen Vorgeschmack poste ich hier ein Video:

Und noch ein sehr aktueller Auftritt von Douglas Rushkoff

Und hier geht es zum Blog von Douglas Rushkoff

Halber Mensch

Social Media nutzer sind nicht unbedingt gut

Die Bank of America wird von Zeit zu Zeit positiv erwähnt, wenn es um die Nutzung von Social Media oder auch um die Entwicklung und Bereitstellung moderner Online Technologien für das Banking geht.

Auf der anderen Seite fällt der Name aber oft auch im Zusammenhang mit der Finanzkrise, weil die Bank of America eigentlich keine gute Bank ist, zumindest nicht, wenn man unter einer guten Bank eine am Gemeinwohl orientierte Bank versteht.

Rollentheorie

Nun ist es so, dass Menschen im Leben bestimmte Rollen einnehmen und spielen müssen. Mal sind sie Familienvater, mal Autofahrer, mal Angestellter eines Unternehmens, manchmal Kunde einer Bank. So muss der Mensch – eigentlich ein ganzheitliches Wesen – tagtäglich eine Menge von Rollen spielen, für die es Drehbücher gibt. Und diese Drehbücher werden eigentlich immer schlechter, fordern immer weniger unsere wahren Werte und Talente und – wenn wir ehrlich sind – werden immer weniger von uns oder von anderen Menschen definiert sondern von corporativen Akteuren. Wir sind von unseren Rollen und Drehbüchern entfremdet.

Unternehmen und staatliche Institutionen schicken uns ständig neue Drehbücher, die wir nicht ablehnen können, auch wenn wir uns schon lange von ihnen beleidigt fühlen. Es geht uns also wie einem guten Schauspieler in einer Welt in der es nur noch Super RTL und RTL 2 gibt, die er aber benötigt, weil er sonst verhungern müsste.

Der Beweis dafür

Ja, den sollte ich noch liefern. Womit ich wieder bei der Bank of America wäre. Diese hat als Reaktion auf die Occupy Bewegung einfach mal auf die schöne Rollen Theorie zurückgegriffen. Vor dem Hintergrund einer vom Lobbyismus geprägten Welt, in der man mit viel Geld offensichtlich sogar die ausführenden Organe staatlicher Stellen  zur Überwachung schwachsinniger Regeln und Weltbilder zwingen kann, wurde also festgelegt, dass ein Protestierer nicht gleichzeitig auch ein Kunde sein kann. Aber sehen Sie selbst:

Was wir lernen

Das „Social“ in Social Media steht nicht unbedingt für gut. Es steht für viele Unternehmen noch nicht einmal für „Veränderung“ sondern für Marketing. Die Bank of America nimmt die für sich positiven Effekte von Social Media gerne an.  Social Media in der Hand und als Instrument von bzw. für Protestgruppen ist aber nicht besonders beliebt bei der „Bank of America“, es sei denn wesentliche wirtschaftliche Interessen sind betroffen und es gibt keine Möglichkeit mehr, die Realität zu verzerren oder gar zu verändern. Wie z.B. in diesem Fall

How our petition beat Bank of America

Und nun noch eine Frage: Wem hilft Social Media eigentlich?

Tipp: Social Stream der Occupy Bewegung. Das ist auch das Internet!

http://occupationalist.org/

Natürlich gibt es hierzu auch noch Musik. Folgt mal diesem Link zum Song von den einstürzenden Neubauten. Halber Mensch

 

 

 

6 Fragen: Thomas Jakel erklärt das Ideacamp?

Irgend etwas ist anders an der jungen Generation. Aber ist die junge Generation nicht immer irgendwie anders? Die Erwartungen, die an Erwerbs- und Privatleben gestellt wurden, waren schon immer in Bewegung. Allerdings haben wir es heute mit der ersten Generation von Menschen zu tun, die mit dem Internet groß geworden sind und dieses Internet als Werkzeug des sozialen Handelns nutzen. Man nennt diese Menschen „Digital Natives“ und sagt Ihnen nach, dass sie im Berufsleben eher nach Selbstverwirklichung streben, dass sie häufige Stellenwechsel als normal empfinden, experimentierfreudig sind, flexibel bleiben und ihre Karriere liebe selbst bauen anstatt vorgegebenen Pfaden zu folgen. Und auch die Trennung von Berufs- und Privatleben möchten sie am liebsten aufgehoben wissen.

S0lche Menschen finden auch neue Wege, um Selbstständigkeit und Lebensstil zu entwickeln und zu planen. Ein Ideacamp ist ein solcher Weg. Ich sprach mit Thomas Jakel und bekam viele spannende Informationen.

1. Was ist ein Ideacamp? Wie läuft ein Ideacamp ab? Und wer kann teilnehmen?

Das Idea Camp (www.ideacamp.de) ist ein bootcamp für Start-Up’s die als Musen konzipiert sind, sprich als Unternehmen, die innerhalb kurzer Zeit den Gründer finanzieren und dessen idealen Lifestyle unterstützen. Wenn ein Gründer beispielsweise monatelang um die Welt reisen möchte um sich seinen Lebenstraum zu erfüllen, dann wäre ein Start-Up, das seine Anwesenheit vor Ort voraussetzt unpraktisch. Die Unternehmen die wir auf dem Idea Camp mit den Teilnehmern gründen, sollen den Inhabern also nicht nur genug finanzielle Mittel verschaffen um ihr ideales Leben zu verwirklichen, sondern eben auch zeitliche Flexibilität geben, ganz im Sinne der 4-Stunden-Arbeitswoche von Tim Ferris.

Der Prozess des Idea Camps ist relativ schnell erklärt. Am ersten Tag entwickeln wir mit den Teilnehmern Geschäftsideen, am zweiten Tag machen wir dazu Research und entwickeln Geschäftsmodelle und am dritten Tag formen wir Gründerteams und definieren die ersten kritischen Schritte, die das Start-Up im besten Fall innerhalb der ersten Woche zum ersten zahlenden Kunden führen.

Unser Ziel ist es, dass die Gründer innerhalb weniger Monate finanziell unabhängig sind. Wie wir das Geschäftsmodell im Detail mit den Gründern entwickeln, haben wir in unserem Artikel zum Rooting Framework (http://ideacamp.de/blog/2011/07/rooting-das-magische-framework-zur-unternehmensgrundung-innerhalb-weniger-stunden/ )noch mal etwas ausführlicher beschrieben, der auf unserem Blog zu finden ist.

Teilnehmen kann jeder, der sich bereits entschlossen hat etwas auf die Beine zu stellen und nicht weiter im Hamsterrad der Festanstellung rennen möchte. Egal ob jemand schon eine Geschäftsidee hat oder nicht, studiert oder in Rente ist – für uns zählt nur der Gründungswille. Schließlich sollen am Ende des dreitägigen Idea Camps möglichst viele Start-Up’s bereit stehen, aufgebaut zu werden.

 2. Wie ist Euch die Idee gekommen?

Philipp Wilhelm, Katja Andes und Kalle Eberhardt, haben im April 2011 das erste Idea Camp veranstaltet, um mit ein paar Leuten ein paar interessante Geschäftsideen zu entwickeln. Als Gastsprecher wurden damals Bastian Kröhnert und ich eingeladen, da wir bereits mit verschiedenen Start-Up’s Gründungserfahrung gesammelt hatten. Wir schlugen vor auf dem Camp nicht nur Ideen zu finden, sondern auch Geschäftsmodelle zu entwickeln und tatsächlich direkt zu gründen.

Die Fokussierung auf Lifestyle Design Businesses daher, weil wir alle für uns den idealen Lebensstil umsetzen möchten, bzw. das zum Teil schon getan haben. Und da wir mit unserem eigenen Start-Up Strandschicht (www.strandschicht.de) bereits Erfahrungen im Aufbau eines Unternehmens gesammelt haben, das den eigenen idealen Lifestyle unterstützt, war sofort klar, dass wir ein solches Leben auch für unsere Teilnehmer möglich machen wollen.

 3. Welche Ziele verfolgt Ihr mit Eurer Idee?

Im ersten Schritt möchten wir natürlich die Leute die auf das Idea Camp kommen in die finanzielle Unabhängigkeit und hin zu ihrem idealen Lebensstil begleiten. Langfristig möchten wir eine Bewegung von Menschen starten, die sich ihre Lifestyle Unternehmen aufbauen und das Leben leben, dass sie sich vorstellen. Ich bin mir sicher, dass wir damit auf viele offene Ohren stoßen.

 4. Denkt Ihr, dass junge Menschen heute noch richtig auf das spätere Leben vorbereitet werden? Wird zum Beispiel das know how oder auch nur die Einstellung vermittelt, die eigenen Ideen auch in die Tat umzusetzen und sich zum Beispiel selbstständig zu machen

Nein, leider kommen im Bildungssystem viele Dinge deutlich zu kurz. Natürlich hat Allgemeinbildung seine absolute Berechtigung. Man muss sich aber auch fragen, warum junge Erwachsene nach ihrer Ausbildung, die sie ja für den ‚Ernst des Lebens‘ wappnen soll, häufig orientierungslos sind und kaum Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten entwickelt haben. Die Vermittlung von mehr praktischem know how bzw. Methoden ist dabei sicherlich ein Faktor. Noch viel wichtiger aber scheint mir, dass das Grundvertrauen der jungen Menschen in sich selbst gestärkt werden müsste. Ich glaube das jetzige Bildungssystem nimmt die Schüler zu oft an die Hand, anstatt eigene Ideen und eigene Umsetzung zu fördern.

 5. Was versteht Ihr eigentlich unter „Lifestyle Design“?

Wir verstehen darunter sich den idealen Lebensstil zu schaffen. Um herauszufinden, was mein idealer Lifestyle beinhaltet, habe ich angefangen mir ein paar der folgenden Fragen wieder und wieder zu stellen:

Mit wem möchte ich meine Zeit verbringen?,

Was möchte ich tun?‚

Wo möchte ich leben?,

Was möchte ich besitzen bzw. nutzen?.

Das hat mir geholfen herauszufinden, was für mich derzeit den idealen Lifestyle bedeutet. Jetzt arbeite ich an der Umsetzung dieses Lifestyles.

Statt ‚einfacher‘ Berufswahl geht es also vielmehr darum sich das Leben nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten. Letztendlich ist es dafür nicht unbedingt erforderlich ein Unternehmen zu gründen. Jemand der vor allem reisen möchte, könnte als freiberuflicher Reisejournalist seiner Berufung nachgehen und das Leben leben, das er sich wünscht. Ein Unternehmen, das einem regelmäßig Einkommen verschafft und dabei nur wenig Zeiteinsatz von Seiten des Gründers erfordert, macht es jedoch häufig leichter sich das Leben nach den eigenen Vorstellungen aufzubauen.

 6. Wie sind Eure weiteren Pläne?

Auf dem ersten Idea Camp ist ein Start-Up (https://www.wechselbutler.de/) entstanden, das sich bereits über die ersten Kunden freut. Aus dem zweiten Idea Camp sind fünf Start-Up’s hervorgegangen, von denen die ersten im November live gehen werden. Ich hoffe, dass sich dieser Trend weiter fortsetzt. Erstmal geht es darum, dass wir all diese Start-Up’s in die Profitablität führen. Ich bin da aber sehr optimistisch. Ein weit schwierigerer Punkt wird es sein, aus dem Idea Camp eine Bewegung zu machen. Dazu brauchen wir noch weitere erfahrende Gründer, die in Zukunft mit das Ruder übernehmen. Bisher haben aber schon viele Freunde aus der Start-Up Szene ihr Interesse bekundet.

Ich persönlich möchte Freunden und Teilnehmern des Idea Camps helfen finanziell unabhängig zu werden. Mittelfristig wäre es für mich interessant auch Idea Camps an Schulen durchzuführen. Für nächstes Jahr plane ich eine interkontinentale Fahrradtour und meinen ersten Marathon. Außerdem suche ich derzeit nach einem humanitären Projekt, das ich unterstützen kann. Wenn sich nichts findet, was mich zu hundert Prozent begeistert, werde ich ein eigenes Projekt an den Start bringen. Was ich genau machen werde weiß ich noch nicht aber ich habe viele Ideen.

Und die private Zusatzfrage:

Habt Ihr bzw. hast Du absolute Lieblingsfilme, -bücher, – oder Musikstücke? Nennt mir doch kurz Eure/ bzw. Deine Favoriten?

Ich denke ich spreche für alle beim Idea Camp Team, wenn ich meine drei Top Bücher aus dem Business Bereich empfehle:

1. The four hour workweek von Tim Ferriss

2. Never eat alone von Keith Ferrazzi

3. Kopf schlägt Kapital von Günter Faltin

Weitere Bücher aus dem Business Bereich, die ich persönlich sehr hilfreich finde, sind:

4. How to make millions with your ideas von Dan S. Kennedy

5. Getting real (was es als kostenlose Version hier (http://gettingreal.37signals.com/toc.php) gibt)

Bücher die mich in letzter Zeit sehr inspiriert haben, die aber nichts mit Business zu tun haben sind:

6. Three Cups of Tea von Greg Mortenson und David Oliver Relin

7. Way of the peaceful warrior von Dan Millman

Das nächste Ideacamp findet übrigens vom 10. bis zum 13. November statt

Ältere Interviews aus der 6 Fragen Reihe:

Matthias Schrader Interview

smava Interview

mybankrating Interview

Stockpulse Interview Teil 1

Stockpulse Interview Teil 2

Yavalu

Buchtipp: A practical guide to social media in financial service.

Bild des BucheinbandesSocial Media ist für Finanzinstitute komplizierter

260 Seiten vollgepackt mit Informationen und Ratschlägen für die Einführung von Social Media in Banken und Versicherungen. Social Media Bücher gibt es viele, aber nur sehr wenige beschäftigen sich mit bestimmten Branchen. Dies ist aber erforderlich, da es einen allgemeinen und in jedem Unternehmen verwendbaren Weg für Social Media eigentlich gar nicht gibt. Hinzu kommt, dass gerade die Finanzbranche mit ihren schwierigen rechtlichen Rahmenbedingungen und wohl auch ihrem inzwischen nicht mehr besonders gutem Ruf, besondere Herausforderungen zu bewältigen hat.

Christophe Langlois hilft mit Praxis und Theorie

Christophe Langlois betreibt den Blog Visible Banking und dieser Blog ist die wohl umfangreichste und beste Quelle für die Social Media Aktivitäten von Finanzunternehmen.  Es gibt beinahe keine Aktivität eines Finanzunternehmens die hier nicht gesammelt, beschrieben und beurteilt wird. Der Blog und auch das Buch sind nicht nur eine hervorragende Inspirationsquelle, sie zeigen auch worauf man als Finanzunternehmen  alles achten muss und eben was funktioniert und nicht funktioniert.

Alle Fragen werden beantwortet

Christophe Langlois, der auch als Berater aktiv ist und spannende Social Media Workshops in der ganzen Welt abhält, beantwortet in 15 Kapiteln alle Fragen, die sich Unternehmen bei der Einführung und Anwendung von Social Media stellen oder stellen sollten. Das Besondere an diesem Buch: Seine Ausführungen bleiben nicht bloße Theorie. Er liefert viele Checklisten und vor allem auch Beispiele. Diese Beispiele hat er über Jahre in seinem Block und auf seinen Reisen gesammelt.

Der Autor beschreibt sehr treffend, dass Social Media einen bestimmten Geist erfordert: „…Social Media is an spirit and an approach.“ Es geht nicht darum einfach Tools zu nutzen, sondern um eine neue Kultur, eine neue Art zu wirtschaften und vor allem um eine neue Art mit Verbrauchern und Kunden umzugehen. Ich würde sagen: Verbraucher und Kunden werden wieder zu Menschen.

Lesen

Das Buch ist zwar in englischer Sprache und das ist wahrlich der einzige Nachteil. Es ist allerdings sehr einfach geschrieben und sollte bei jeder Bank zur Pflichtlektüre gehören. Das Buch ist nicht nur ein Leitfaden für die Beschäftigung mit Social Media, es ist auch eine Inspirationsquelle und der Autor wünscht sich auch die kritische Auseinandersetzung und die Diskussion innerhalb der Bank.

Christophe ist eine Social Media Enthusiast und das ist in jedem Wort, jedem Satz und jedem Absatz zu spüren.  Wer sich mit Social Media beschäftigt. Egal, ob er selber in einer Bank arbeitet oder vielleicht als Social Media Berater bei einer Bank unterwegs ist, muss dieses Buch einfach gelesen haben. Und nach der Lektüre des Buches sollten Sie zum regelmäßigen Leser des visible banking Blogs werden. Das ist ja das Schöne an Social Media. Mit dem Buch fängt der Spaß erst an.

Great Book Well done Christophe

http://www.amazon.com/gp/product/1907720154/ref=cm_cr_rev_prod_img

http://www.visible-banking.com/