Monatsarchiv: September 2011

Google wird nicht zur Bank

Nein, google beabsichtigt nicht eine Bank zu werden und möglicherweise ist das Unternehmen noch nicht einmal daran interessiert mit Zahlungsverkehr Geld zu verdienen. Offenbar soll google wallet die Brücke zwischen Online und Offline herstellen. Google erschliesst sich also den Offline Kanal um noch mehr Geld mit Werbung zu verdienen. Dafür muss google seinen Werbekunden einen USP bieten, der offenbar in den Daten besteht, welche den Händlern zukünftig über die google wallet zur Verfügung stehen werden, welche diesen wiederum helfen strategischere Entscheidungen zu treffen. Zukünftig weiss der Werbetreibende dann auch, welche Werbegelder er wo verschwendet :-) .

Schon heute kann google sagen, welchen Einfluss Online Werbung auf den Offline Kauf hat. Diverse Studien, wie z. B die Ropo Studie oder auch der Zero Moment of Truth Blog lassen sich als Beweis heranziehen. Die Verwendung der google wallet wird dann noch vorhandene Informationslücken schliessen. Die Wallet wertet Impressions, Klicks und Coupons aus, die in der wallet gespeichert werden und der Händler liefert die Daten am Point of Säle. Diese Daten sollen zunächst händisch später wohl auch automatisiert ausgewertet werden. Statt dem Klick auf eine Anzeige wird z.B. ein in die wallet geladeneren Coupon mit entsprechenden Vorteilsangeboten im lokalen Handel eingelöst und direkt mit der wallet bezahlt. Es gibt prinzipielle keine Informationslücke mehr. Der Händler kann wertvolle Kunden identifizieren und entsprechend belohnen. Website Kauf und Offline Kauf können über die wallet miteinander verbunden werden.

Marc Freed-Finnegan, Google’s Senior Business Product Manager for Google Wallet erklärte diese Zusammenhänge unlängst für Mediapost. Und der Begriff bezahlen oder Zahlungsverkehr fiel erstaunlich selten.

Dennoch besteht für Banken kein Grund zur Entspannung, denn einerseits wird google in jedem Land nur mit einzelnen Unternehmen kooperieren, da zu viele Partner natürlich auch den Nutzungsprozess erschweren könnten. Auch die Konzentration auf Kreditkarten und ein eigenes Kartenangebot scheint nicht in Stein gemeisselt zu sein.Terminals lassen sich vermutlich nachrüsten oder könnten auch einfach verschenkt werden. Selbst der Sicherheitsaspekt ist keine wirkliche Hürde für die Nutzung. Und die Bank gibt auch als Partner wesentliche Teile Ihrer Kernkompetenz an den Partner ab, die Kundenbeziehung wird weiter geschwächt und in jedem Fall ist die Bank nur Juniorpartner. Wohin führt der Weg der Banken?

Quelle: http://www.mediapost.com/publications/?fa=Articles.showArticle&art_aid=159275&nid=131532

Die Zukunft von Facebook

Wird Facebook das größte Werbenetzwerk der Welt, worauf einige der geplanten Neuerungen hindeuten. Oder ist Facebook doch viel mehr und sorgt tatsächlich für disruptive  Veränderungen, die Menschen ganz neue Möglichkeiten für Zusammenarbeit, Organisation, Kollaboration und Veränderung bieten. Macht Facebook uns glücklicher und freier oder unglücklicher und unfreier? Furturist Venessa Miemis hat sich auf der sibos 2012 mit dieser Frage beschäftigt und dieses interes?ante Video erstellt.

Welchen Weg wird Facebook gehen?

Kleine Polemik: Wie Facebook mich verstimmte

The unsocial network

Gestern fand die groß angekündigte Facebook Entwicklerkonferenz f8 statt. Und Facebook hat uns nicht enttäuscht: Marc Zuckerberg will offenbar die Weltherrschaft. Was einige Blogs oder auch Presseportale lapidar unter der Überschrift abtun, dass Zuckerberg Facebook zu unserem Tagebuch oder besser zu unserem „Lebenstagebuch“ machen möchte, ist nichts anderes als die vollständige Durchkommerzialisierung des Lebens. Marc Zuckerberg macht aus jedem unserer Atemzüge und aus jeder menschlichen Entäußerung eine potentielle Chance auf den Verkauf eines Produktes oder einer Dienstleistung für irgendein Unternehmen auf der Welt. Gleichzeitig nimmt er uns das letzte Fünkchen  Hoffnung auf die verändernde Kraft des Internets. Dabei gibt Facebook die Regeln vor und die Unternehmen müssen mitmachen. Bei nunmehr 800 Millionen Nutzern weltweit gibt es für keine Branche mehr eine Chance sich nicht irgendwie auf Facebook und Zuckerberg einzulassen. Viele Unternehmen werden profitieren, die meisten Menschen werden dagegen verlieren, es sei denn Sie verzichten darauf Mitglied des Netzwerkes zu sein.

Werbenetzwerk statt soziales Netzwerk

Facebook schafft das größte Werbenetzwerk der Welt. Prinzipiell wird alles zur Werbung. Facebook wird ein weltumspannender Fernsehsender und der Mensch landet wieder auf der Couch, wenn er sie denn jemals verlassen hat. Wir können konsumieren und haben gleichzeitig noch den Eindruck selber etwas zum Programm beizutragen, indem wir gefällt mir oder zukünftig auch: gesehen, gefühlt, oder gekocht, klicken dürfen. Oder wie Douglas Rushkoff in seinem Buch Life Inc. schreibt:

Yes, we are using media differently, sitting in chairs and uploading stuff instead of sittin on couches and downloading stuff

Big Brother oder die Berlin WG von RTL 2 können wir nun live und in Farbe zu jedem Zeitpunkg und aus jeder Wohnung der Welt sehen und nebenbei katalogisieren wir jede unserer Regungen für alle, an unseren Daten interessierten Stellen: Staat, GEZ, Finanzbehörden etc. ,direkt noch mit.

Und als nächstes brauchen wir auch keine Staaten und Regierungen mehr. 800 Millionen weltweit vernetzte und wohl auch kontrollierte Menschen, dass können Staaten nicht leisten. So etwas funktionierte bisher nur über Kriege oder mühsame und teure Globalisierungsstrategien. Zukünftig kann dies ein soziales Netzwerk und deshalb beginnt nun der letzte Kampf der Giganten. Staaten vs. Facebook

Ich bin verstimmt. Spätestens jetzt gibt es für kein Unternehmen mehr eine Ausrede die sozialen Medien nicht zu nutzen. Wer weiter dabei bleiben möchte, muss sich anmelden. Aber es gibt auch eine gute Nachricht für Unternehmen. Die Regeln für Marketing, Vertrieb und Kommunikation haben sich eigentlich doch nicht geändert.

Und jetzt muss ich mich entscheiden: Bleibe ich dabei oder melde ich mich ab. Wie entscheiden Sie?

Alle Facebook Pläne auf einen Blick bei allfacebook.de

Jauchzet und frohlocket: Google mobile wallet ist gestartet

Seit gestern kann man in Seattle mit der sogenannten mobile wallet von google bezahlen. Verschiedene amerikanische Blogs und Medien berichten darüber. Sehr ausführlich zum Beispiel:

 

Google Blog

Mashable

Techcrunch

Nicht uninteressant auch, dass Visa – trotz eigener  mobile Payment Aktivitäten – ab sofort mit google kooperiert, was durchaus zu einer schnelleren Akzeptanz des mobilen Bezahlens in jenen Regionen führen könnte, die eigentlich mit einer sehr guten Payment Infrastruktur ausgestattet sind. Also zum Beispiel in Deutschland.

Hier das offizielle Video zum google wallet Angebot

Hier der erste inoffizielle google Wallet Nutzer

Und im Blog Engadget gibt es einen sehr schönen Artikel mit dem Titel:  A week with google Wallet. Dieser enthält ein kurzes Video sowie eine ausführliche Beschreibung der Funktionalitäten sowie einen Erfahrungsbericht

A week with google Wallet

Damit beginnt das Warten. Wann können wir in Deutschland erste praktische Erfahrungen mit der google wallet machen. Oder kommt eventuell Paypal dem Konkurrenten zuvor. In dem folgenden Video kann man in jedem Fall sehen, wie sich Paypal die Zukunft des Einkaufens und des Bezahlens vorstellt.

Bei aller Begeisterung für das mobile Bezahlen frage ich mich jedoch auch, welche Folgen das entstofflichte Bezahlung für unseren sozialen Verbindungen haben wird? Der Wert der in Waren und Dienstleistungen steckenden Arbeit wird damit noch unsichtbarer. Die Beziehung zum Produkt und zur Dienstleistung und vor allem zu den Menschen, die das Produkt herstellen und im Geschäft verkaufen (also den Wertproduzenten) wird noch oberflächlicher und verschwindet ganz. Das mobile Bezahlen wird aus kultureller und gesellschaftlicher Perspektive zu einer weiteren Individualisierung führen, es wird den einzelnen Menschen weiter aus sozialen Zusammenhängen herauslösen. Der einzelne Mensch wird immer schwächer, er wird definitorisch auf sich Selbst gestellt ohne es überhaupt noch zu merken.Auf der anderen Seite werden Unternehmen und Institutionen  stärker. Die Fremdbestimmtheit nimmt zu. Da bleibt die Frage wie wir zukünftig leben wollen und müssen natürlich auf der Strecke. Beziehungsweise können wir diese Frage immer weniger individuell, persönlich und aus menschlicher Sicht beantworten.

Ihre Meinung würde mich interessieren

Gastbeitrag: Nachbericht zur Next Finance in Frankfurt

Dies ist ein Gastbeitrag von Christine Fettich. 

Am vergangenen Donnerstag lud SinnerSchrader zum 10-jährigen Jubiläum des Frankfurter Büros und zur NEXT Finance ins neue Büro im Frankfurter Ostend ein – und Dank des von @electrouncle verlosten Tickets war ich mit dabei.

Leider ging wohl das Einladungskonzept anscheinend nicht richtig auf, da die Räumlichkeiten – übrigens neu und sehr schön clean – hauptsächlich von SinnerSchrader Mitarbeitern aufgefüllt werden mussten.

Der Inhalt der Vorträge wurde leider zum Ende hin immer schwächer, aber die Keynote von Chris Skinner war definitiv ein Highlight.

Highlight Chris Skinner Keynote

Auf den kurzen Abriss der Entwicklung der Internetgiganten Apple, Amazon, Ebay und Google vom SinnerSchrader Standortleiter Dirk Hibbeler, folgte Chris Skinner mit seiner Keynote „why banking will disappear, but banks will not“.

Der Service wandelt sich seiner Einschätzung nach von „human“, also menschlich, hinzu „self“, also selbstbestimmt. Es geht um die Kunden-“Experience“, also dass der Kunde selbstbestimmt machen kann, was er will, wo er will und wann er will im Bereich Banking. Mit dieser Einschätzung erinnert Skinner stark an Brett King und sein Buch „Bank 2.0″. Skinner sagt vorher: „Branches will disappear because of selfservice (online)“ und hält „augmented service“ für den neusten Trend.

Pelle Braendgaard von Picomoney wies treffend auf die Möglichkeiten hin, die sich durch die relativ leichte Erstellung von virtuellen Währungen ergeben. Ebenfalls berichtete er von open universal transaction standards, die jeden in die Lage versetzen könnten, genauso sicher wie Banken, Transaktionen durchführbar zu machen. Zudem zeigte er interessante Beispiele zu Crowdfunding, die jedoch ein wenig an smava und kiva erinnerten.

Was können Banken tun?

Zum Schluss gab er konkrete Hinweise, wie Banken ihren Status sichern können:

  • Das Kerngeschäft sollte ins Web migriert werden, nicht nur kleine Funktionalitäten
  • Das Risiko sollte (online) minimiert werden, z.B. durch den Verzicht auf Kreditkarten
  • 100% der vorhandenen Infrastruktur sollte verwendet werden, dabei kann man von Google lernen
  • Um Sabotageversuche (va durch die IT-Abteilung) bei Innovationen zu verhindern, sollten man sich Support vom Vorstand holen
  • Innovationen, die nicht in die eigene Kernkompetenz fallen, sollte man sich einkaufen

Google Wallet

Nach einer kurzen Kaffeepause erklärte Salvatore Pennino, Produkt Manager bei Google, das Prinzip von Google Wallet, ließ sich jedoch nicht auf Nachfragen zur Monetarisierung ein. Er präsentierte die 3 Hauptfunktionalitäten: Transaktionsfunktion, Google Offers (lokale Angebote) und ein Bonusprogramm für Käufer á la Payback.

Nur eines stellte er hinsichtlich der Monetarisierung klar: Google wird nicht durch Provisionen Geld verdienen und plant auch nicht die Banken zu ersetzen. Meiner Einschätzung nach, möchte Google an den „offers“ verdienen als auch an der Erstellung von Konsumentenprofilen zur Marktforschung. aber die Zeit wird dies zeigen…

Seine Tipps für Unternehmen:

  •  “Integrieren sie online“
  • „Test and learn“ (Neues ausprobieren und verbessern)
  • „Seien Sie opportunistisch/kooperativ“ (d.h. Partner suchen)
  • „Seien Sie schnell und risikobewusst“ (d.h. Nicht jeden Trend mitgehen, aber dennoch Dinge schnell umsetzen)

Paypal

Auf Pennino folgte Matthias Setzer von PayPal, der kurz die Geschichte von PayPal zusammenfasste und dann mit interessantem Zahlenmaterial aufwartete: Monatlich werden 55.000 Transaktionen über PayPal durchgeführt von denen 15.000 mobil erfolgen, Tendenz steigend. Und das, obwohl die meisten Shopping-Seiten nicht für die mobile Nutzung optimiert sind. Seine Folgerung daraus: „ecommerce ist tot“ und xcommerce (Shopping über alle Kanäle) lebt.

Fred Schuster von der Deutschen Bank versuchte die Implementierung von Design Thinking als Neuerung darzustellen, was es auch ist, wenn man die Tatsache anerkennt, dass Banken nicht die schnellsten bei der Einführung neuer Prozesse sind.

Friendsurance

Als smarte Alternative zu schwerfälligen und vor allem teuren Versicherungen präsentierte Sebastian Herfurth friendsurance, eine Versicherung unter Freunden, die bei auszuzahlenden Summen bis 250€ sinnvoll scheint. Topargument hier: Betrugsfälle nehmen ab, denn „Freunde betrügen ihre Freunde nicht“. Um herauszufinden wie der mögliche Kunde tickt, nutzt mein bei friendsurance Personas, in diesem Fall „Anna“, deren Hauptaussage war: „Ich hasse Versicherungen.“ Die Gründe dafür umgeht friendsurance geschickt durch Ersparnismöglichkeiten für die Kunden und Vereinfachung des Versicherungsprozess.

Zu guter Letzt zeigte Ralf Weitz von ImmobilienScout24 wie erklärungsbedürftige Produkte (hier Immobilienfinanzierungen) dennoch online platziert werden können.

Er hielt fest, dass der Kunde entscheidet, wer sein Finanzierungspartner sein soll, da er recherchieren und vergleichen kann. Seine Folge daraus war, dass man dorthin muss, wo die Kunden sind: Ins Web. Ein Praxisbeispiel dafür ist Meine-baufinanzierung.de

Anschließend lud SinnerSchrader zum kleinen Get together mit interessanten Gesprächen und warmen Imbiss in den Hof.

Fazit

Alles in allem war es eine kleine feine Veranstaltung, die jedoch thematisch hätte mehr bieten können.

 Zur Autorin

„Christine Fettich ist ein Digital Native und ein Kind der Medienbranche, das von seiner Arbeit unter anderem als Jr. PR Manager bei amiando und als Mitarbeiterin im Trademarketing bei Condé Nast Digital Germany geprägt wurde. Aktuell ist sie in der Finanzbranche tätig und beschäftigt sich eingehend mit dem Thema Social Media im Bereich Investor Relations, dem sie auch ihren Blog  http://social-media-for-ir.tumblr.com widmet.“

Banker schaut auf dieses Video

Wieder einmal ein schönes Video, welches kurz und knackig zusammenfasst, wie das Internet Branche um Branche disruptiv verändert. Diesmal geht es um die arg gebeutelte Musikbranche und in einigen Jahren werden wir ein solches Video sicherlich auch zur Bankenbranche finden.

Und Musik treibt mich hier ja auch immer wieder um. Zum Beispiel in meinen bankercharts

Ich war in Griechenland: Gedanken teil 1

Ich war in Griechenland

Mal nach der Finanzkrise schauen. Genauer gesagt: Ich war auf der Sonneninsel Rhodos, welche wir, der Mythologie nach, dem griechischen Gott Helios zu verdanken haben. Und weil Helios der Sonnengott war, scheint auf Rhodos an 260 von 365 Tagen die Sonne. Da die gesamte Zeit meines kurzen Aufenthalts von 10 Tagen die Sonne schien, macht Helios offenbar einen guten Job. Endlich mal ein Grieche, auf den die anderen Europäer und die Vertreter der Weltwirtschaft nicht mit dem Finger deuten können, um ihm die Schuld zu geben.

Wobei  es vielleicht ja sogar besser wäre, wenn man einem Gott die Schuld an dem ganzen Desaster geben könnte. Vielleicht werden die Reiseführer in einigen hundert oder tausend Jahren – falls der Mensch noch so lange auf diesem Planeten verweilen darf – aber auch von einem Gott oder gottähnlichen Gebilden, die man dann Kapitalismus, Euro oder  vielleicht auch Corporatismus nennt, als Mythologien unserer Zeit sprechen. Corporatismus meint  hier übrigens die Tatsache, dass Menschen immer stärker nach unternehmerischen Logiken handeln, auf die Sie von Staaten und Unternehmen über Jahrhunderte zugerichtet wurden. Social Media scheint dabei nur eine weitere Stufe der Vereinzelung und Individualisierung zu sein, welche die Menschen eher  weiter trennt, als sie wieder in soziale Zusammenhänge einzubinden.

Ich war also in Griechenland…

und habe dort Costas, Nikos und Wassily kennengelernt. Drei Mitarbeiter des Hotels, in welchem wir gewohnt haben. Drei Menschen die – und das ist nicht gelogen – mindestens sechs Tage in der Woche von 8.00 Uhr bis 22.00 Uhr abends gearbeitet haben. Wir trafen Sie morgens beim Frühstück, zum Mittagessen und zum Abendessen. Und wir haben uns angefreundet. Irgendwie fühlt man sich nicht besonders gut, wenn man die Menschen hinter dem Wort sieht, welches von morgens bis abends unsere Nachrichten bestimmt. Die Griechenlandkrise, das böse Griechenland und die bösen Griechen. Dabei ist die Griechenlandkrise doch auch nur eine Staaten und Bankenkrise, die eigentlich damit begann, dass Maggie Thatcher, Clinton und auch Schröder den Banken freie Hand gaben und ihnen Möglichkeiten und Aufgaben zuteilten, die sie vorher nie zuvor hatten. Die Betonung liegt auf Staaten-  und Bankenkrise, denn diese sind untrennbar miteinander verbunden und feuern sich gegenseitig an. Eigentlich handelt es sich um eine Systemkrise. Krisen gehen normalerweise auch irgendwann einmal vorbei. Weshalb wir eigentlich auch nicht mehr von Krise sprechen dürften.

Griechenland blickt auf eine lange und abwechslungsreiche Geschichte zurück. Das Land verfügt über eine gewachsene Kultur, die im Rahmen der Europäisierung auch unter dem Motor der Vereinheitlichung leidet. Alles wird gleich, von allen Menschen wird das gleiche Verhalten verlangt. So gleichen spanische, griechische, italienische und auch deutsche Innenstädte wie ein Ei dem anderen. Überall  die gleichen Geschäfte. Bezahlt werden, muss überall mit dem Euro und auch Service Qualität und Freundlichkeit bzw. Unfreundlichkeit gleichen sich an. Dabei kann man aus den Griechen keine Deutschen machen und aus Deutschen keine Griechen. Ich wünsche mir, dass Costas, Nikos und Wassily so bleiben wie sie sind. Lassen wir uns von Staat, Politik, Institutionen und Unternehmen als Menschen nicht weiter auseinander definieren. Das der Mensch immer Sündenböcke benennen muss, um Geschehnisse zur rationalisieren und diesen auch die Bedrohlichkeit zu nehmen, ist hinlänglich bekannt und wissenschaftlich bewiesen. Dieses Spiel sollten wir aber nicht weiter mitspielen. Stattdessen sollten wir unsere Fähigkeit zur Differenzierung und zur Kontingenz schärfen, um unsere Abhängigkeit von Organisationen, Institutionen und Unternehmen zu reduzieren.

Seit Donnerstag bin ich wieder in Deutschland

Der Temperatursturz von 20 Grad hat mir eine Erkältung beschert. Auf dem Bus vom Flughafen zu meiner Wohnung, gab es dann direkt eine Lehrstunde Deutschland. Dann die Nachrichten im TV und ein Fußballspiel. Ach wäre ich doch in Griechenland geblieben.