Monatsarchiv: Februar 2011

Der Firmenkunde im Internet

Firmenkunde oder Privatkunde

Banken unterscheiden  zwischen Firmenkunden und Privatkunden. Wenn man sich – wie ich täglich und beruflich- mit der Nutzung des Internets für das Bankgeschäft beschäftigt, dann kommt der Firmenkunde meistens zu kurz. Die Suche nach der Killerapplikation für die Firmenkunden von Banken blieb  bisher erfolglos.

Eine Online vernachlässigte Kundengruppe

Vor einigen Wochen hatte ich die Gelegenheit mich im Rahmen einer Präsentation mit der Frage zu beschäftigen: Was können Banken ihren Firmenkunden im Internet bieten? Keine leichte Aufgabe, wie ich schnell feststellen musste. Schon während der Recherche für den kurzen Vortrag bei der ADG in Montabaur wurde klar: Firmenkundengeschäft ist sehr persönlich. Die Beziehung zwischen Firmenkunde und Firmenkundenberater ist eine sehr persönliche und vertrauensvolle Beziehung. Der Firmenkundenberater weiß sehr viele Details über das Unternehmen des betreuten Kunden. Insofern spielt hier die Filiale bzw. der persönliche Berater vor Ort eine sehr große Rolle.

Alte Argumente, neue Gründer

So verwundert es auch nicht, dass man in Diskussionen sehr schnell Argumente hört, die man vor Jahren auch in Sachen Privatkundengeschäft und Internet gehört hat: Firmenkunden nutzen das Internet nicht, um sich über Banken und Bankprodukte zu informieren, diese zu vergleichen, zu bewerten und auszuwählen. Wer über das Internet zum Beispiel nach einem Kredit suche, der sei wahrscheinlich auch gar nicht kreditwürdig und für die Bank deshalb auch gar nicht interessant.

Da ich selber kein gelernter Banker  bin und auch nur sehr selten mit Firmenkundenberatern in Kontakt komme, musste ich mich dem Thema sehr allgemein nähern und mich damit beschäftigen was ein Firmenkunde eigentlich ist, wie er sich verhält und was er möglicherweise erwartet? All diese Fragen habe ich versucht zu beantworten und mit den Teilnehmern der Veranstaltung zu diskutieren. In den folgenden Folien finden Sie das Ergebnis meiner Arbeit und natürlich würde ich hierzu gerne mit Ihnen diskutieren, da ich der Meinung bin, dass der Firmenkunde – den es übrigens so eigentlich gar nicht gibt – mehr Aufmerksamkeit im Internet verdient hat und jene Banken, die sich dieser Aufgabe intensiv widmen zukünftig einen Wettbewerbsvorteil haben werden. Denn machen wir uns nichts vor: Die Gründer von heute und morgen sind mit dem Internet groß geworden. Auch sie schätzen die Bequemlichkeit, Schnelligkeit, Vollständigkeit und Effizienz dieses Instrumentes und werden deshalb selbstverständlich in ihrem zukünftigen Verhalten von dieser Kultur geprägt. Sie gründen darüber hinaus Firmen, die viele Banken heute gar nicht finanzieren könnten oder würden, weil sie deren  Geschäftsmodell oder Kostenkalkulation nicht verstehen würden, denn wir kann man z. B ein Unternehmen ohne Büroräume, IT Kosten usw. betreiben?

Die Folien als Diskussionsgrundlage

Diskussion gerne auch hier:

http://www.facebook.com/diefinance20seite

Finale: Wirtschaftsblog des Jahres

Auch in disem Jahr kürt Smava wieder den Wirtschaftsblog des Jahres. Und ich freue mich natürlich mit meinem Blog schon einmal zu den 15 Blogs zu gehören, die es in die letzte Runde geschafft haben. In der Fussball Bundesliga hätte ich damit einen Abstiegsplatz vermieden und das wünsche ich mir auch für meinen Lieblings Fussball Club, mit dem zusammen ich morgen um die nächsten 3 Punkte kämpfen muss, wenn auch nur als Unterstützer auf der Südtribüne.

Wer Finance20 einen oberen Tabellenplatz gönnt, kann dies HIER beeiflussen

Und welche Blogs würde ich wählen?

Alle Blogs haben einen Preis verdient, denn in jedem Blog steckt eine Menge Liebe und vor allem auch Arbeit. Diese Arbeit wird in der Regel nicht bezahlt und noch nicht mal in der Absicht auf Bezahlung ausgeführt. Hinter jedem Blog stecken Menschen, die sich leidenschaftlich und begeistert mit Themen auseinandersetzen, die sie für wichtig und relevant halten und über die sie sich mit anderen Menschen auseinandersetzen möchten. Dabei bringen sie nicht nur andere Perspektiven ein als die Mainstream Medien oder versuchen Dinge oder Verhältnisse zu verändern.

Es müsste mehr solcher Preise geben. Also Ihr Unternehmen und Medien zeigt den Bloggern, dass ihre Arbeit geschätzt wird.

Blog Wettbewerb von smava:

http://www.smava-blog.de/

Blog Wettbewerb der comdirect Bank:

http://finanzblog-award.de/

Schummeln ab sofort erlaubt

Finance 2.0, Banking 2.0, Social Banking, WerteHätte man Konservative noch vor einigen Wochen gefragt, ob man bei der Erstellung einer Doktorarbeit die Inhalte abschreiben dürfe ohne dies zu kennzeichnen, hätten diese ein solches Vorgehen sicherlich mehrheitlich verurteilt und zumindest die Entziehung des Doktortitels gefordert, wie es in der wissenschaftlichen Welt ja auch üblich ist.

Heute ist die Situation allerdings etwas anders. Schummeln kann man inzwischen sogar unabsichtlich und in nicht betrügerischer Absicht . Außerdem darf man offenbar gegen Regeln oder Gesetze verstoßen, wenn es (wer immer das dann auch definiert) andere Probleme gibt. Was ich ungefähr so verstehe: Ich darf ab sofort zum Beispiel bei der Steuererklärung schummeln, weil es ja andere Probleme – also Menschen die mehr Steuern hinterziehen – gibt. Sind dies die moralischen Kategorien, in welchen wir ab sofort denken und handeln dürfen?

Das ist auch Wirtschaft 1.0

Vor einigen Jahren während meines Studiums musste ich mal eine schriftliche Prüfung in Rechtswissenschaften ablegen, bei der ich die zweitbeste Note aller Prüflinge bekam. Während der Arbeit konnte ich beobachten, wie eine nur wenige Plätze neben mir sitzende Kommilitonin, die vollständige Klausur aus unter dem Tisch liegenden Unterlagen abschrieb. Die Studienkollegin schrieb die beste Arbeit und bekam anschließend vom Professor eine Stelle als wissenschaftliche Hilfskraft angeboten. Eine Stelle, die ich auch ganz gut hätte gebrauchen können, um mein Studium zu finanzieren.

Das kleine Beispiel zeigt meiner Meinung nach ganz gut, wie ungerecht es sein kann, wenn Betrug zu einem Kavaliersdelikt herabgestuft und eben einfach verharmlosend schummeln genannt wird. In diesem Zusammenhang lässt sich auch gut der Leistungsbegriff unserer Eliten entlarven. Wenn „schummeln“ erlaubt und moralisch nicht mehr verwerflich ist, dann haben wir es mit einem Leistungsbegriff zu tun, der auf Status, Erfolg und Geld setzt. Ein solcher Leistungsbegriff ist inhaltsleer. Erfolg und Geld heiligt die Mittel. Elite bedeutet damit auch: Wer aus finanziell guten Verhältnissen kommt, der kann sich seine zukünftige  gesellschaftliche  und wirtschaftliche Positionierung auch einfach erkaufen oder auch erschummeln. Irgendwo wird sich schon ein Firmenchef finden, der den Jungen oder das Mädchen aus guten Verhältnissen einstellt, weil er eben die Eltern kennt, auf derselben Schule war oder einfach an den Ruf der Eliteschule glaubt. Eine solche Gesellschaft blutet qualitativ aus und wird zukünftigen Aufgaben nicht mehr gewachsen sein.

Weiter so oder konstruktiver Kapitalismus?

Wenn sich diese für mich neue und absolut unverständliche Haltung verfestigt, dann können jene Banken und Finanzunternehmen wieder aufatmen, die Ihren Kunden undurchsichtige und virulente Finanzanlagen verkauft und damit die Welt an den Rand des Ruins geführt haben. Schließlich haben sie ja auch nur geschummelt, sind nicht ganz bei der Wahrheit geblieben oder haben bei der Darstellung der Risiken einfach ihren Text vergessen.  Und möglicherweise haben sie nicht mal absichtlich geschummelt. Das ist einfach so passiert, weil vielleicht auch ein gewisser Erfolgsdruck herrschte.

Die Stiftung Warentest kann sich also zukünftig Stichproben bei den Banken wieder sparen. Unsere Ministerin muss sich nicht mehr um die Rechte der Verbraucher kümmern. Es lebe die Wirtschaft Version 1.0. Thin Value rules ok! Lasst uns schummeln und wenn wir erwischt werden, haben wir das nicht absichtlich getan. Und klar – Es gibt sicherlich dann auch immer noch andere – also wichtigere Probleme – mit denen wir uns rausreden können.

Alexa Gröner erklärt Fundraising 2.0

Diesmal beantwortet Alexa Gröner meine 6 Fragen und eine Zusatzfrage. Sie hat – wie man auf der Internetseite www.fundraising20.de nachlesen kann – ein Team aus professionellen Fundraisern und  Social Media Experten zusammengebracht, um sowohl Online als auch Offline die Möglichkeiten des Internets auszuloten und auszuprobieren. Aber lesen Sie selber über eine weitere Initiative, welche die Finanzwelt verändern wird.

Bitte stellen Sie sich und die Institution für die Sie arbeiten kurz vor

Mein Name ist Alexa Gröner, nach 25 Jahren als Creative Director in fremden und eigenen Werbeagenturen mit dem Schwerpunkt Online-Strategien berate ich seit ca. 5 Jahren freiberuflich Stiftungen, Organisationen, Vereine und Projekte zum Thema Fundraising, Online-Fundraising und Corporate Identity. Meine For-Profit-Erfahrungen bringe ich optimal in den Non-Profit-Bereich ein.

Da ich zu den Internet-Pionieren von 1996 gehöre, war es für mich naheliegend, mich auf das Thema Online-Fundraising zu fokussieren: fundraising2.0 war geboren. Den Startschuss setzte ich im Januar 2010 mit dem fundraising2.0 CAMP, eine Unkonferenz mit über 150 Teilnehmern, das zweite fundraising2.0 CAMP am 21.1.2011 hatte ca. 280 Teilnehmer!

Was ist Fundraising 2.0?

Nach fast 15 Jahren Online-Erfahrung war ich während meiner Ausbildung zur Fundraising-Managerin (FA) 2009 gespannt auf den Online-Fundraising Part. Aber: Fundraising und Online gingen nicht besonders gut zusammen. Erst die sozialen Medien (facebook, twitter, blogs) mit ihrem dialogischen Ansatz brachten wieder Leben in die Online-Fundraising-Diskussion. Bis dato warenSpendenformulare und Spendenshops das Non-Plus-Ultra des Online-Fundraisings.

Fundraising 2.0 beschränkt sich aber nicht darauf, ein Instrument zur Spendenakquise zu sein, fundraising 2.0 bedeutet für die Organisation auch, sich auf einen Spenderdialog einzulassen, dem Unterstützer mehr Einblick indie Projekte zu ermöglichen. Transparenz ist das Stichwort – und auch der Umgang mit öffentlicher Kritik.

Fundraising2.0 als Marke beinhaltet das jährlich stattfindende fundraising2.0 CAMP und den führenden Online-Fundraising fundraising2.0 BLOG, den wir im kleinen Team aufgebaut haben.

Wofür benötigen wir Fundraising 2.0?

Facebook, Blogs, Online-Videos und Twitter sind wunderbare Werkzeuge um mehr von den Projekten zu erzählen, um Interessenten an den Visionen der Organisation teilhaben zu lassen. Zum einen werden (laut Statistik) aus „Freunden“ auch Spender, zum Anderen gibt es der Organisation von Freiwilligen neue Möglichkeiten. Fundraising ist „Friendraising“ – eine alteFundraiser-Weisheit, die jetzt neue Dimensionen bekommt.

Der klassische Spenden-Brief ist immer noch das Instrument Nr. 1. Zahlenprognostizieren eine Änderung zugunsten der Online-Fundraising-Instrumente frühestens in 5 – 10 Jahren. Die Hauptspendergruppe von Menschen 60+, die wenig und spezielle Online-Verhalten haben, erklärt diese Verzögerung der Online-Fundraising Relevanz.

Eine amerikanisch/kanadische Studie von 2009 zeigt allerdings, dass die Gruppe der 25 – 45 jährigen zusammen genommen gleich viel spendet wie die Gruppe der 60+ Spender. Für Deutschland gibt es solche Zahlen bisher nicht. Außerdem sind viele Online-Fundraising-Instrumente und Plattformen noch in der Findungs-Phase, es gibt viele Instrumente wie SMS-Spenden, Crowdfunding-Plattformen oder facebook-Spenden-Module die sich momentan ausprobieren. Zahlen dazu liegen auch noch nicht vor.

Wo sehen Sie Mängel im traditionellen Fundraising und wie kann Fundraising 2.0 diese lösen?

Fundraising ist eine sehr vielschichtige Aufgabe in einer Organisation odereinem Projekt. Besonders bei sinkender institutioneller Unterstützung sind die Projekt-/Vereins- oder Organisationsmitglieder gefordert entweder das Projekt zu beenden oder nachhaltiges Fundraising aufzubauen. Das ist ein langwieriger Prozess. Traditionelles Fundraising fokussiert sich meist auf Spendenbriefe (Mailings) oder institutioneller Unterstützung. Fundraising 2.0 bietet neue, innovative Fundraising-Ansätze, die auf einem Dialog mit den Unterstützern basieren. Aktuell ist das eine sehr aufwendige und monetär wenig erfolgreiche Art des Fundraisings (mit Ausnahme der Katastrophen-Hilfen, hier ist das Online-Fundraising sehr erfolgreich) und die Organisationen werden in diese Instrumente wachsen. Ich bin mir sicher, dass die Möglichkeiten des Online-Fundraisings noch lange nicht ausgelotet sind.

Von welchen Unternehmen oder aus welchen Bereichen erwarten Sie die größten Impulse und besten Ideen zur Verbesserung der bisherigen Praxen?

Momentan sind drei Entwicklungen zu beobachten:

1. Die Silversurfer (+60) haben im Internet die größten Zuwachsraten. Die kombinierte On- Offline-Kommunikation gerade mit diesen Zielgruppen finde ich sehr spannend.

2. Mobile Spendenmöglichkeiten wie z.B. SMS Spenden via spendino und

3. Facebook Spendenapplikationen, die es im deutschen Markt noch nicht gibt, entsprechend Causes dem amerikanischen Markt.

Alle drei genannten Online-/Mobile-Fundraising-Instrumente sind aber nie alsEinzel-Fundraising-Lösung zu sehen, sondern immer eingebettet in eineFundraising- und Kommunikationsstrategie. Um ein Projekt erfolgreich zufinanzieren, sollte die Cross-Media-Konzeption immer die Basis sein.

Welche Rolle spielen oder können Banken beim Fundraising 2.0 spielen.

Manche Banken, wie z.B. die Bank für Sozialwirtschaft, entwickeln Schnittstellen und Widgets, die ihre Kunden kostenfrei in ihre Webseiten oder vielleicht sogar facebook-Fanpages einbinden können. Die Banken informieren ihre Kunden (besonders den Senioren) über die Sicherheit beim Online-Spenden. Die Kommunikation von Banken und ihren Kunden ist eine Verbindung, die auf Vertrauen basiert, hier können Banken ihren Kunden auf viele Arten Mut machen, auch Online zu spenden oder auch Organisationen und Stiftungen Wege zum Online-Fundraising aufzuzeigen.

Als dritten Punkt fällt mir noch die Schnittstelle zwischen Online-Spendeund Fundraising-Datenbank bzw. Buchhaltung ein. Einfache Anbindung an die Buchhaltung von Online-Formular oder anderen Online-Instrumenten wäreebenfalls eine gute Unterstützung der Banken für gemeinnützige Organisationen.

Wie sehen Sie grundsätzlich die Zukunft von Non Profit Unternehmen in Zeiten der Finanzkrise. Haben sie eine Zukunft ohne Fundraising 2.0?

Fundraising 2.0 ist ein Fundraising-Instrument, kein Allheilmittel, da die Umsätze via Online-Fundraising noch sehr gering sind (0,1%). Das liegt natürlich auch an dem Umgang der Organisationen mit dem Thema Online und Social Media allgemein. Die Finanzkrise spielt für den Durchschnittsspender keine Rolle, sondern eher für Stiftungen, die ihr Vermögen für die von ihnen unterstützen Projekte zuverlässig anlegen müssen. Hier gab es einige Absagen von Stiftungs-Anträgen mit der Begründung der Finanzkrise.

Die private Zusatzfrage:

Was machen Sie, wenn Sie sich nicht mit Fundraising beschäftigen? Sprich wie verbringen Sie gerne Ihre Freizeit.

Am liebsten schlendere ich: ich besuche Galerien, Museen, Städte, Berge, amStrand und gehe einfach spazieren und gucke. Am liebsten in Venedig, Amsterdam und New York.

Social Media Freunde: google nicht vergessen

Der Social Media Virus hat uns fest im Griff und die Gurus, die natürlich auch bei Banken ein und aus gehen, treiben das Fieber in die Höhe. Leider entdeckt man diese Euphorie bei – man kann fast schon sagen – klassischem Online Marketing kaum und erlebt deshalb immer wieder sehr unprofessionelles Auftreten auf den traditionellen Internetplattformen oder sogar auf der eigenen Homepage.

Die Bedeutung von google – die ja aktuell sehr viel Neues ausprobieren und experimentieren – haben viele Banken offenbar noch nicht erkannt oder sind nicht bereit diese zu akzeptieren. Nun kommt in den USA die soziale Suche und  Banken werden sich verstärkt Gedanken darüber machen müssen, wie Sie in google so angezeigt werden, dass sie hier Reputation und Vertrauen aufbauen können. Im Internet hängt eigentlich Alles mit Allem zusammen und da hilft es kaum sich nur auf die Karte Social Media oder sagen wir lieber Social Marketing zu verlassen.

Wie googles soziale Suche, wenn sie dann bald auch zu uns kommt aussehen wird, kann man in diesem schönen Video schon einmal sehen:

Die jungen Finanzblogger kommen

Die meisten mir bekannten deutschen Finanzblogger sind bereits jenseits der Dreissig und viele gibt es ja bisher ohnehin noch nicht, zumindest wenn man alle Blogs ausnimmt, die sich überwiegend mit Finanzprodukten auseinandersetzen. Um so erfreulicher, dass zwei  relativ neue Blogs aktuell aufhorchen lassen, da sie von Angehörigen jener Generation geschrieben werden, über die wir Älteren so oft in unseren Blogs schreiben, weil wir davon ausgehen, dass junge Menschen sich gänzlich anders verhalten werden wenn es um Banken und deren Produkte gilt.

Mikrospender Blog

Um so besser also, wenn man in den Blogs der Angehörigen dieser Generation authentische Ansichten und Einsichten nachlesen kann. Marco Connor betreibt den Blog Microspenden – er hat hier bereits einen interessanten Gastbeitrag geschrieben – und schreibt aktuell über die Zukunft der Filiale. Der Titel seines Beitrages: Die Filiale ist tot. Lang lebe die Filiale

Mikrospender Blog

Marco Connor erklärt Mikrospenden

Blog der Volksbank Bühl

Einen ebenfalls sehr vielversprechenden Start hat der Innovationsblog der Volksbank Bühl hingelegt, zumal man einen Innovationsblog – noch dazu einen öffentlichen – wohl eher von einer großen Bank ala Deutsche Bank oder Commerzbank erwartet hätte.

Und auch die Blogger der Volksbank Bühl sind überwiegend der Generation Y zuzuordnen. Ich empfehle auch in diesen Blog öfter mal reinzuschauen, aktuell findet man eine interessante Rezension des Brett King Buches „Bank2.0″, welches laut Brett King auch bald auf deutsch erscheinen soll. Für jeden Bankvorstand ist dieses Buch eigentlich Pflicht und der Blog möglicherweise auch.

Blog der Volksbank Bühl

Finance 2.0 Interview  mit Claus Preiss und Franz Welter

Don´t be stupid

So könnten die kürzesten Social Media guidelines klingen, die man zu Papier bringen kann.  Guidelines, die ja in der Regel dafür da sein sollten das Unternehmen, die Marke aber auch die Mitarbeiter und Kunden zu schützen, sind aber selber nicht vor der Dummheit und dem Weltbild der Menschen geschützt, welche sie enwickeln. Wobei diese Dummheit wiederum von der Kultur geprägt wird, in welcher sie heranwachsen kann. Und in manchen Branchen herrscht eben eine sehr unbewegliche, wenig durchlässige und von Ängsten geprägte Kultur

Lesen  und staunen sie bitte über einen Fall besonders kontraproduktiver guidelines für die nicht einmal der Spruch: Das Gegenteil von gut ist gut gemeint, als Erklärung herangezogen werden kann.

Bank’s Social Media Policy Says Snitch & Spy on Your Friends or You’re Fired

http://thefinancialbrand.com/16718/commonwealth-bank-social-media-policy#

Zum Trost für die Commonwealth Bank noch dieser Song.

Volksbank Bühl im Finance2.0 Interview

Ein paar Worte vor dem Interview

Die Volksbank Bühl war die erste der Volksbanken Raiffeisenbanken, die sich mit dem sozialen Internet auseinandergesetzt und sich dann Schritt für Schritt tiefer in die digitalen Logiken hineinbewegt hat. Das soziale Internet hat dabei die ganze Bank ergriffen und auch ein Stück weit verändert. Heute lernen nicht nur genossenschaftliche Banken von den Fortschritten und Erfahrungen der Volksbank Bühl.

Der Mut und die Kraft Veränderungen in Bewegung zu bringen und zuzulassen, erfordert immer auch besondere Persönlichkeiten, welche das Alte hinterfragen, das Neue behutsam propagieren und voran treiben und dabei noch die Fähigkeit besitzen, die anderen Menschen mitzunehmen und zu begeistern. Ich freue mich deshalb ganz besonders, dass sich mit Claus Preiss (Vorstand)  und Franz Welter (Teamleiter E-Business) die zwei Initiatoren und Motoren der – ich nenne sie mal – Bühler Bewegung, bereit erklärt haben, meine 6 Fragen mit Zusatzfrage zu beantworten.

Das Interview mit Claus Preiss und Franz Welter

1. Die Volksbank Bühl hat im vergangenen Jahr auf sich aufmerksam gemacht. Sie sind vielleicht die bekannteste Volksbank im Internet? Bitte erzählen Sie kurz, wie sich ihr Unternehmen durch die intensive Nutzung und Integration des sozialen Internets verändert hat.

Preiss: Ob wir die bekannteste Volksbank im Internet sind, sei mal dahingestellt. In jedem Fall hat die Nutzung sozialer Medien deutliche Auswirkungen auf unser Unternehmen. Nicht nur in Bezug auf organisatorische oder rechtliche Fragestellungen, sondern vielmehr noch in Bezug auf kulturelle Aspekte. Mitarbeiter vernetzen sich mit Kunden oder mit anderen Kollegen. Teilweise nutzen wir Social Media sogar schon in internen Projekten.

Welter: Mit dem Erfolg unserer Social Media Nutzung steigt auch die interne Akzeptanz dieser Medien. Immer mehr Mitarbeiter nutzen mittlerweile Facebook & Co. Es wird immer mehr zur Normalität sich mit Neuem außerhalb des Unternehmens (und des genossenschaftlichen FinanzVerbundes) zu beschäftigen.

2. Wie reagieren Mitarbeiter, Kunden und Shareholder auf Ihre Aktivitäten?

Welter: Wie ich eben schon erwähnte, die Akzeptanz steigt kontinuierlich. Unsere Facebook-Spendenaktion hat ein überwältigendes Echo bei uns in der Region ausgelöst. Immer mehr Mitarbeiter sind davon überzeugt, dass wir mit unserer Social Media Nutzung den richtigen Weg gehen. Und auch von unseren Kunden bekommen wir ein tolles Feedback zu unserer Social Media Nutzung.

Preiss: Auch bei unseren Geschäftspartnern stoßen unsere Aktivitäten auf reges Interesse. Fast täglich erhalten wir Anrufe zu unserer Social Media Strategie. Wir begrüßen die Vernetzung im genossenschaftlichen FinanzVerbund und wollen diese weiter fördern. Letztes Jahr haben wir das erste Barcamp im genossenschaftlichen Verbund organisiert. Das Barcamp kam super an und der zweite Termin steht schon fest. Die sozialen Medien fördern also auch die Selbstorganisation und Vernetzung im genossenschaftlichen FinanzVerbund.

3. Was ist aus Ihrer Sicht der wesentlichste Aspekt von Social Media? Wo zahlt es sich am meisten aus?

Preiss: Soziale Medien sind für uns in erster Linie ein Kommunikationsinstrument. Wir nutzen die Chance, unseren Wettbewerbsvorteil – die Nähe zur Region und die Beziehung, die wir mit unseren Kunden pflegen – auf das Internet zu übertragen. Natürlich präsentiert man sich durch die Nutzung dieser Medien auch als innovatives und offenes Unternehmen.

Welter: Ich betrachte Social Media mittlerweile als ein Instrument zur Steigerung der Lernfähigkeit von Unternehmen. Man bekommt viel direktes Feedback von Kunden und unglaublich viele Ideen durch die Kontakte in den sozialen Netzwerken sowie dem regelmäßigen Lesen von Blogs & Co. Ich glaube, wenn wir es schaffen diese Ideen in unser Unternehmen einfließen zu lassen und Kunden und Mitglieder in verschiedene Prozesse zu integrieren, können wir sehr zuversichtlich in die Zukunft schauen.

4. Wie abhängig ist Social Media von Personen?

Preiss: Ich denke schon dass die Nutzung auch von Personen abhängig ist. Ein Großteil unserer Social Media Aktivitäten findet ja auch außerhalb der üblichen Arbeitszeit statt. Dabei geht es dann weniger um Dinge wie Social Media Monitoring oder administrative Tätigkeiten. Diese Aspekte werden schon während der Arbeitszeit erledigt. Aber für das Lesen von Blogs und Büchern bzw. dem Sammeln oder Entwickeln von Ideen ist während der Arbeitszeit häufig zu wenig Zeit. Wir sind uns aber bewusst, dass diese Tätigkeiten für die Zukunftsfähigkeit der Volksbank Bühl enorm wichtig sind.

Aus diesem Grund haben wir das Projekt „Internet & Innovation“ initiiert mit dem Ziel, Trends und Innovationen kontinuierlich zu beobachten und hinsichtlich einer Nutzung in der Volksbank Bühl zu bewerten. Den Großteil des Arbeitsaufwands erledigen die Projektmitarbeiter außerhalb der Arbeitszeiten. Dafür stellt ihnen die Bank iPads zur Verfügung, und sie dürfen Vorträge und Messen besuchen oder Fachbücher bestellen. Vor kurzem hat die Projektgruppe beispielsweise das Innovationsforum der GAD in Münster besucht. Im Januar ist ein Workshop zu Thema „Banking der Zukunft“ mit T-Systems Multimedia Solutions auf der Agenda und im April geht’s zur republica nach Berlin. Natürlich ist das Engagement der Mitarbeiter ein wesentlicher Erfolgsfaktor, aber die Bank muss auch die notwendigen Rahmenbedingungen zur Verfügung stellen.

Ab Anfang Februar ist übrigens ein Blog zu dem Projekt online: blog.volksbank-buehl.de

5. Messen Sie die Ergebnisse von Social Media? Kann man dies überhaupt?

Welter: Klar messen wir die Ergebnisse. In einem Rahmen, den wir für vernünftig halten. Wir messen z.B. die Reichweite unserer Beiträge, die Feedback-Rate sowie die Entwicklung der „Likes“ bzw. Follower.  Was wir nicht messen ist so etwas wie ein ROI für unsere Social Media Nutzung. Das ist meiner Meinung nach nicht wirklich sinnvoll. Wir betrachten Social Media ja in erster Linie als Kommunikationsinstrument und für andere Instrumente wie z.B. E-Mail oder das Telefon stellen wir auch keine ROI-Analysen auf.

6. Sie haben inzwischen auch einen eigenes Innovationsteam und einen Innovationsblog ins Leben gerufen. Was sind aus Ihrer Sicht die wesentlichen Herausforderungen für eine regionale Genossenschaftsbank in den nächsten 5 Jahren?

Welter: Technologische Entwicklungen, Demographischer Wandel, Bankendichte in Deutschland, regulatorische Anforderungen, sich wandelnde Kundenanforderungen… Diese Liste könnte nahezu unbegrenzt fortgeführt werden. Im Rahmen meiner Master Thesis beschäftige ich mich mit der Innovationsfähigkeit der Volksbank Bühl. Ich bin der Überzeugung, dass es in den nächsten 5 Jahren darauf ankommt, die richtigen Weichen zu stellen, um in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben.

Preiss: Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Innovation und Tradition – das wird in den nächsten Jahren wichtig sein. Das heißt für uns zum einen die Weiterentwicklung unserer Multikanalstrategie und eine kundenorientierte Prozessoptimierung in Kombination mit wettbewerbsfähigen Kostenstrukturen. Zum anderen bedeutet das aber auch zielgerichtete Investitionen in eine moderne Personalentwicklung als der wichtigste Erfolgsgarant für die Zukunft.

Die Zusatzfrage(n):

Was erreicht der Karlsruher SC in der Saison 2010/2011 noch? Und wo haben Sie sich zuletzt erholt?

Welter: Ich hoffe, dass der KSC nicht absteigt. Zuletzt „entspannt“ habe ich in New York im Rahmen meines Studiums…

Preiss: Ich wünsche dem KSC von Herzen einen Platz vor dem Relegationsplatz. Zuletzt erholt habe ich mich beim Ski-Fahren in der Schweiz.

Anmerkung: Auch der Autor dieses Blogs wünscht dem KSC das er nicht absteigt und hofft natürlich auch das sein eigener Lieblingsverein nicht absteigt

Die Volksbank Bühl in den sozialen Medien

http://www.volksbank-buehl.de/homepage/social_media0.html

und als Toparbeitgeber bei kununu

Last but not least auch im TV

Wie man Claus Preiss und Franz Welter auf twitter erreicht

@fsw

@claus_preiss

In diesem Zusammenhang habe ich übrigens heute festgestellt, dass Claus Preiss bei fourthsquare Mayor im Genohaus in Stuttgart ist. Das muss sich ändern :-)

Die Interviews aus dem letzten Jahr

finden Sie hier:

http://www.scribd.com/doc/46314339/Finance20-Interviews2010

Finovate: Goldene Zeiten durch die Fidorbank

Gestern war die erste Finovate in Europa und es war hoffentlich nicht die Letzte. Nicht ganz unerwartet war die Beteiligung deutcher Unternehmen recht überschaubar. Lediglich die Fidorbank war vertreten. Diese ist auf der Konferenz allerdings sehr gut angekommen, wenn es auch nicht ganz zum „best of the show“ Preis gereicht hat. Diese Ehrung ging an etoro.

Auf der finovate stellte Mathias Kröner in gewohnt eloquenter und unterhaltsamer Art ein spannendes neues Produkt vor.

Die Fidor Bank AG (http://www.fidor.de)  bietet Kunden  über das  Online-Payment-Angebot FidorPay-Konto (https://banking.fidor.de/fidorpay)   den direkten Kauf und Verkauf von Edelmetallen ab 1 EUR an. Damit bekommen auch Kleinsparer direkten Zugang zu Edelmetall. Wie immer setzt die Fidorbank dabei auf Einfachheit, Transparenz und Vergleichbarkeit unterwirft sich also dem Wertesystem des Internets.

Der besondere Clou ist allerdings, dass Edelmetalle auch einfach per Mouseclick an andere überwiesen werden können. Die Fidorbank kooperiert zur Abwicklung dieses neuen Angebotes mit dem Unternehmen GoldMoney zusammen.

Wer mehr über den Verlauf der Finovate erfahren möchte sollte sich mal den netbanker twitter Account anschauen. http://twitter.com/Netbanker.

Folgen Sie auch meinem Bankinbuzz Daily. Dort werden sich demnächst sicherlich auch Nachberichte der Veranstaltungen finden.

http://paper.li/electrouncle/bankingbuzz

Silos zerstören mit qwiki

Wo ist das Wissen?

Es ist ein Ihnen allen bekanntes Problem. Das Wissen ist innerhalb Ihres Unternehmens verteilt und verborgen und es ist mitunter kompliziert und aufwändig, dieses – zum Beispiel im Kundenprozess erforderliche -  Wissen im richtigen Augenblick zur Verfügung zu haben. Neben Ihren Mitarbeitern ( in deren Köpfen u.a. große Teile des Wissens verborgen sind) sind Ihre IT Systeme und die sonstigen (auch analogen) Möglichkeiten der Wissensspeicherung das Problem. Nicht zu vergessen, dass mit dem Ausscheiden von Mitarbeitern häufig eine ganze Menge Wissen direkt mal verloren geht. Und hier ist der Wert des informellen Wissens nicht zu unterschätzen.

Enterprise 2.0

Die sozialen Technologien sind nun in vielerlei Hinsicht eine Möglichkeit, um dem Problem der Silos und dem Trend zur Echtzeitreaktion und  -interaktion zu begegnen. Das Tool qwiki, welches bisher gar nicht als Enterprise 2.0 Tool angelegt ist, könnte hier einen ersten Ausblick in eine veränderte Informationssuche (eher Findung) – darstellung, -aufbereitung sein.

Aber probieren Sie es am besten selbst einmal aus. Denn die Nutzung macht viel Spass und man kann sich gut vorstellen, welche Möglichkeiten hier noch bestehen. Vielleicht auch für die Information des Verbrauchers zu Finanzfragen.

http://www.qwiki.com/

Und hier der Ausblick

[Vimeo 15829153]

Post Scriptum

In Sachen Enterprise 2.0 gibt es hier demnächst ein Interview mit Matthias Berger von der Agentur Berger,Baader, Hermes, die das interne Crowdsourcing Projekt der Hypovereinsbank konzipiert haben.

Hier mein kurzer Artikel dazu: