Wir Alle lieben Facebook.
Unser natürlicher Drang nach Austausch und Kommunikation und nicht zuletzt unsere Neugier treibt uns in Scharen – fast wie Herdentiere – in die Arme von Facebook.
Soziale Netzwerke sind nichts Neues, sie gehören sozusagen zur menschlichen Natur und sogar internetgestützte sozialen Netzwerke gab es schon lange bevor Facebook zu “everybodies darling” wurde.
Mehr als 11 Millionen Menschen loggen sich inzwischen regelmässig in ihren Facebook Account ein bzw. haben sich einmal ein- und seitdem nicht mehr ausgeloggt und werfen, aufgrund der herausragenden Nützlichkeit, alle kulturell eingeübten Privatheits- und Sicherheitsregeln mehr oder weniger schnell über Bord.
Herdentiere
Und wo 11 Millionen Menschen aktiv sind, da müssen natürlich auch die Unternehmen hin, denn schließlich muss man den Menschen in seiner Rolle als Kunde überall auflaueren, wenn man in den immer stärker umkämpften Märkten noch eine Chance zu haben. Nun haben wir gelernt, dass das soziale Internet anders genutzt werden kann und – wie vielfach behauptet – auch werden sollte, als die uns bisher bekannten Kommunikationskanäle, die für Unternehmen ja vor allem Vertriebskanäle sind. Leider scheint dies aber gar nicht so einfach zu sein.
Was Ich Tue
Gehen wir aber mal kurz einen Schritt zurück. Auch ich nutze natürlich Facebook. Neben meinem privaten Profil betreibe ich dort inzwischen auch eine Art Unternehmensseite, als Ergänzung zu meinem Finance 2.0 Blog, um dort mit den Menschen, die sich ebenfalls für die von mir dort kommunizierten Themen interessieren, näher in Kontakt zu treten. Ich baue also meine eigene kleine Community auf und trenne dabei – das wird ja auch oft empfohlen – zwischen den eher privaten und den eher beruflichen Themen, wobei das eigentlich gar nicht geht.
Ich folge niemals einer Bank
Auf meiner privaten Seite bin ich vor allem mit Freunden vernetzt und mit vielen Menschen, die ich bzw. die mich während meiner Arbeit, auf Workshops, in Vorträgen oder in Beratungsprojekten kennengelernt habe(n). Darüber hinaus auch mit vielen Social Media Experten oder sagen wir besser Internet Experten. Ich folge auch einigen Unternehmensseiten. Vielen allerdings aus professionellem Interesse und nicht weil ich das Unternehmen, die Marke oder deren Produkte besonders toll finde. Den Unternehmen denen ich aus letzt genanntem Grund folge, kommen aus mich interessierenden Branchen. Es handelt sich vor allem um Unternehmen aus den Bereichen Mode, Architektur und Musik. Ansonsten folge ich Zeitungen (Verlagen), Musikern, DJs und Bands, Musikverlagen, meinem Lieblingsfussballverein, Blogs und Bloggern, etc. Ich käme aber beispielsweise nie auf die Idee meiner Bank oder überhaupt irgend einer Bank zu folgen, solange diese mir nicht wirklich wichtige und mehrwertige Inhalte anbietet, die ich nicht auch woanders bekommen könnte bzw. mir der zusätzlich gewährte Zugang nicht bisherige Möglichkeiten erleichtert oder sogar ersetzt.
In der Regel folge ich aber Menschen und die Beiträge von Menschen, deren Gesicht man vor Augen hat und über deren Persönlichkeit ich bereits etwas weiß bzw. im Laufe der Facebook Vernetzung etwas gelernt habe, finden eine viel höhere Aufmerksamkeit und sind überwiegend origineller, aufmerksamkeitsstärker, spannender und interessanter als die Beiträge von Unternehmen.
Facebook Führt Unternehmen Nicht zu Neuen ufern
Dabei ist Facebook eigentlich mit dafür verantwortlich, dass Unternehmen innerhalb des sozialen Netzwerkes prinzipiell genau so positioniert sind, wie in den uns bisher bekannten Kommunikationskanälen. Ein Unternehmen muss eine Unternehmensseite einrichten und ist damit gezwungen als Institution zu den Menschen, also den Likern, Interessenten oder Kunden zu kommunizieren. Und dadurch ist es meistens vorbei mit der authentischen und menschlichen Kommunikation. Das Unternehmen (wir) spricht mit den Kunden (du, sie)
Das Sieht Dann zum Beispiel so aus
„Wir wünschen Euch allen ein schönes und frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins Jahr 2011. Wir sehen und im neuen Jahr mit tollen Aktionen wieder – freut Euch schon heute darauf!“
„Unser Gewinnspiel ist zu Ende. Und das sind die Gewinner: xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx. Ihr habt je 2 Gästeliste-Plätze für die „xxxxxxxxxxxxxxxx“ am 12.11.2010 gewonnen!“
„bietet alle Absolventen das Schärfste, das Ihrer Abschlussarbeit passieren kann! Die besten Abschlussarbeiten aus dem Bereich „xxxxxxxxxx werden beim Karriere-Preis der xxx 2011 mit Preisgeldern von insgesamt xxxxxxx Euro sowie vielversprechenden Karrierechancen belohnt. Infos unte rxxxxxx“
„das Jahr neigt sich dem Ende zu und wir blicken auf bewegte und bewegende Monate zurück.“
„Builds Up the Largest Research Facility in the Midd
xxx announced today that it is moving ahead with the establishment of a Middle East research platform, expected to be the largest facility of its kind in the region …“
ES liest sich nicht besonders prickelnd und ist auch keine neue und andere Art der Ansprache. Es ist nicht aufregend, nicht authentisch, nicht interaktiv oder kommunikativ. Von Dialog und gleichberechtigtem Austausch keine Spur. Ok , die Gewinner sind glücklich. Aber wo kann ich heute nichts gewinnen und der Wettbewerb der Gewinnspiele wird zunehmen. An jeder Ecke findet man ein Gewinnspiel und die Erwartung auf einen Preis verleitet einen dazu seine Adressdaten (sollte eine Bank dies überhaupt tun?) anzugeben. Bisher habe ich zum Beispiel noch nirgendwo explizit gelesen, dass ein Gewinnspiel nur dem Vergnügen des Teilnehmers dienen soll und die Teilnahme vollkommen ohne Hintergedanken des Anbieters stattfindet. Es werden also keine Daten gespeichert oder der Versuch unternommen einen Teilnehmer zum Kunden zu machen.
Warunung
Eigentlich müsste ja explizit erwähnt werden, dass die Auswahl einer Bank oder eines Bankproduktes in keinem Fall aufgrund eine Gewinnspiels oder einer anderen Aktion auf der Facebook Seite der Bank erfolgen dürfe. Es sei denn die auf Facebook vollzogenen Handlungen reichen aus, um eine kompetente Entscheidung zu treffen. Oder sind die Facebook Aktivitäten nur das Spielzimmer innerhalb der Bankfiliale, in welchem sich die Kinder und Begleiter beschäftigen können, während sich die Erwachsenen über Geldthemen unterhalten.
Wir LangWeiler
Also nochmal zur Langeweile. Wir alle langweilen unsere nahen und weniger nahen Facebook Freunde nahezu regelmäßig. So ist das Leben. Es ist nicht immer interessant.Ich poste zum Beispiel gerne Kuchen Bilder. Diese erklären dann zwar meine zunehmende Körperfülle, werden aber viele meiner Freunde auf Facebook nicht die Bohne interessieren. Zum Glück gibt es offensichtlich aber Gründe, die dazu führen, dass es relativ selten vorkommt, dass Freunde mich entfolgen und wenn es nur die Bequemlichkeit ist.
Was mir aber auffällt ist, dass Unternehmen mich bei Facebook und auch bei twitter in der Regel extrem langweilen und mich sogar nerven. Und deutsche Unternehmen nerven mehr als englische oder amerikanische Unterehmen. Sie langweilen vor allem aber auch deshalb, weil sie als Unternehmen kommunizieren und nicht über die Mitarbeiter und weil Sie auch dies genau so machen wie immer.
Unternehmen VS. Mensch
Ein schönes Beispiel ist hier die GLS Bank, die ich übrigens zu den interessantesten Banken auf bzw. bei Facebook zähle. Aber auch diese dort überwiegend sehr gut agierende Bank (über 3000 Fans und vor allem viel Finanzthemen bezogener Dialog) langweilt doch sehr häufig. Im Gegensatz dazu, finde ich die Beiträge von JK von der GLS Bank in der Regel spannend, amüsant, menschlich und außergewöhnlich. Wäre JK ein Kundenberater der GLS Bank, dann hätte er eine gute Chance mich als Kunde zu gewinnen. Denn im Gegensatz zur Organisation GLS Bank hat er bzw. ist er eine Persönlichkeit. Ich fühle mich mit ihm auf Augenhöhe. Er ist ein Mensch aus Fleisch und Blut, zu dem ich Vertrauen aufbaue. Und die Kundenbeziehung mit Banken basiert immer auf einer persönlichen Beziehung zwischen mir und dem entsprechenden mir zugeordneten Mitarbeiter (Kundenbetreuer). Könnte man auf Facebook direkt über die Mitarbeiter mit einem Unternehmen kommunizieren, dann wäre es dort mit Sicherheit weniger langweilig. Da ist Xing ja eigentlich besser, denn dort ist das Unternehmen die Summe seiner einzelnen Teile und wie wir wissen noch viel mehr.
NUTZEN und WARUM?
Den wirklichen Nutzen von Facebook haben wir offensichtlich alle noch gar nicht richtig erkannt und wir bewegen uns sehr unsicher und vor allem unnatürlich darin.
Haben Sie sich mit dieser Frage eigentlich schon einmal intensiv auseinander gesetzt?
Warum soll man als Unternehmen oder Bank eigentlich Facebook nutzen?

Warum
Die Antwort weil es alle oder viele machen, greift zu kurz. Die Antwort weil immer mehr Internetnutzer bei Facebook sind, ist ebenfalls nicht hinreichend.
Was denken Sie zum Beispiel über diese Ergebnisse dieser Umfrage:
Would you friend your bank or brokerage company?

Und was machen wir Nutzer, nachdem wir ein Unternehmen z.B. aufgrund eines Gewinnspiels kurz gelikt haben. Entweder wir entliken es wieder – wenn es die Kurve zur Relevanz nicht kriegt – oder wir blockieren die Beiträge und holen uns alle paar Monate mal den nächsten Preis ab.
Und warum entlikt man ein Unternehmen?

Nicht unwichtig natürlich auch die Frage, was Menschen speziell Ihre Zielgruppe von Unternehmen und insbesondere Banken im Internet erwarten?

Noch besser: Was würde die Erwartungen der Menschen oder Zielgruppe übertreffen?
Es sieht so einfach aus. Ist es aber nicht
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