Monatsarchiv: November 2010

Triodos Bank launcht die Kreditkarte für nachhaltige Projekte

Die Triodos Bank arbeitet mit der Grünkauf AG für nachhaltige und ökologische Projekte zusammen. Gemeinsam bringt man eine Konto unabhängige Kreditkarte heraus, welche eine Kombination aus einer Bonuskarte und einer Kreditkarte bildet. Über die Karte werden bei jeder Bezahlung bei den Günkauf Partnern dort auch Bonuspunkte gesammelt. Auf das Kreditkartenkonto können auch Beträge eingezahlt werden.

Hier gibt es mehr Infos zur Kreditkarte der Triodos Bank:

http://blog.triodos.de/

Ein neuer deutschsprachiger Finance Blog

Unter dem folgenden Link findet man den neuen Finanzblog von Matthias Schubert und einen sehr interessanten Artikel zur Zukunft der Filialen. Ich denke es lohnt sich hier zukünftig häufiger vorbei zu schauen:

http://www.matthias-schubert.com/marketing/bankfilialen-verlieren-bedeutung

Die falschen Fragen

Heute melde ich mich nur ganz kurz zu Wort. Es geht um diese Umfrage: Geschäftspotenziale im Bankenvertrieb vomInstituts für Management- und Wirtschaftsförderung

Die Überschrift einer kurzen Pressemitteilung auf www.all4finance.de fasst die Ergebnisse folgendermaßen zusammen:

Kunden skeptisch gegenüber neuen Geschäftsmodellen von Banken.

Nun kenne ich die vollständigen Studienergebnisse nicht, die im Artikel dargestellten Teilergebnisse berechtigen eigentlich nicht zu dieser Überschrift. Dennoch scheinen die Studien eine willkommen Beruhigungspille für die Banken darzustellen.

So  hält sich  zum Beispiel die Bereitschaft, sich  via iPad oder iPhone zu Wertpapieren beraten zu lassen, mit nur 2,6 Prozent der Umfrageteilnehmer sehr in Grenzen. Genausowenig überzeugend sind wohl Ratenkredite in Dorgerien oder von Privatpersonen über Online Plattformen. Und auch die Akzeptanz Bargeld in Supermärkten oder an Tankstellen Geld abzuholen scheint nicht besonders groß zu sein. Wobei 13 % doch schon eine recht beachtliche Zahl sind und was ich für einen Kredit, den ich in einer Drogerie abschliesse dort kaufen sollte, erschliesst sich mir sowieso nicht. Und natürlich können sich Menschen, die in der Mehrzahl kein ipad oder iphone besitzen auch nicht vorstellen darüber Banking zu betreiben.

Und dann gibt es da noch den folgenden alten Satz von Henry Ford. Sie wissen was kommt:

If I had asked my customers what they`wanted, they would have told me a `faster horse.

Nicht das Sie mich falsch verstehen, ich halte die Einbindung von Verbrauchern bei der Entwicklung von Geschäftsmodellen, Produkten und Services für sehr wichtig. Aber so dumme, plumpe und die Antwort implizierende Fragen bewirken nichts, außer das Banken sich auf  die Position, der Kunde wolle es ja gar nicht anders zurückziehen. In diesem Falle will man dann auch gerne dem Kundenswunsch entsprechen. Was wiederum dazu führt, dass andere Unternehmen die entscheidenden Innovationen voran bringen und sich diejenigen, die solchen Studienergebnissen trauen, verwundert die Augen reiben werden, wenn das ein oder andere Licht ausgeht. Vielleicht sollte man das Geld für solche Studien sparen und stattdessen mal im Echtzeitweb nachhorchen.

In der Hoffnung, dass bei Ihnen morgen erst mal ein Licht an- statt ausgeht, wünsche ich einen schönen ersten Advent



E

We are hunted (Internet mal ohne Banken)

Als ich ein kleiner Junge war

Eigentlich war ich schon ein Teenager. Meine erste Schallplatte, es war eine Single, war von den Bay City Rollers. Gekauft habe ich diese 1974 oder 1975. Ihr Titel war „Give a little love“. Diese Schallplatte war in der Kleinstadt, in der ich aufgewachsen bin (Gummersbach) leicht zu bekommen, denn die Bay City Rollers waren damals sowas wie später Take That und in den zwei Plattengeschäften des Ortes (eines  war eigentlich eine Musikalienhandlung – es gab dort also auch Musikinstrumente und Notenhefte etc.) war die Platte auf Lager. Auf Lager waren jedoch nur Hits. Der Long Tail war sozusagen noch nicht erfunden.

Der Song:

Mein Musikgeschmack ist in den darauffolgenden Jahren zum Glück etwas komplexer geworden. In der Kleinstadt gab es neue Plattengeschäfte, die Musikalienhandlung ging den Weg von Tante Emma und der komplexere Musikgeschmack führte zu ersten Frustrationen, denn meine Musik konnte ich im Plattengeschäft nicht mehr bekommen, weil sie zu weit weg vom Mainstream war.  Die letzte Platte, die ich ohne Probleme bekam, war glaube ich ein Album von Queen mit dem Namen All that Jazz.

Hier ein Song vom Queen Album:

Einer der Plattenhändler war dann irgendwann so freundlich, die von mir gewünschten Platten auch zu bestellen. Jedoch dauerte dies manchmal 3 -4 Wochen. Das war mir natürlich zu lange. Irgendwann folgten dann regelmässige Fahrten zu Saturn in Köln, die damals so was wie der Long Tail der 80er Jahre waren, denn dort gab es alles was mein Herz begehrte. Man musste nur in einer Musikzeitschrift die Namen der Musiker und der Platten aufschreiben, bei Saturn nach den Bestellnummern suchen und dann durch die langen Regalreihen wandern, um die entsprechende Platte zu finden. Das hatte natürlich was.

Natürlich gab es auch noch das Radio. Anfänglich Mal Sondocks Hitparade. Eine samstägliche Chart Show mit Robert Treutel, deren Namen mir entfallen ist. Später die Radioshow von Günther Jansen oder Götz Alsmann auf WDR 1 am Freitag abend oder John Peel auf BFBS

Ein Paradies für grosse Jungen

Eine lange Einleitung. Was ich eigentlich sagen wollte. Im Jahr 2010 leben Musik Interessierte im Paradies. Nahezu jedes Musikstück ist über das Internet in kurzer Zeit ohne grossen Aufwand und mit geringen Kosten zu bekommen. Man kann die Musik kaufen oder einfach nur hören und man findet über so geniale Plattformen wie last.fm, blip.fm usw. auch ganz schnell andere Menschen, welche dieselbe Musik hören. Man kann sogar mit diesen über das Internet Musik machen. Das sind dann die Momente in denen man sich wünscht doch noch mal jung zu sein. Denn das macht einfach Spass. Natürlich gibt es auch Spielverderber wie die Gema und die revolutionären Vorreiter der kostenlosen Musik, landen, weil die Gesellschaft noch nicht so weit ist, vor Gericht oder sogar im Gefängnis. Trotzdem sind die Vorteile sowohl für die Konsumenten als auch die Produzenten einzigartig. Die Filter des schlechten Mainstream Geschmacks haben ausgedient. Und das ist auch nicht mehr umkehrbar.

We are hunted

Einer dieser genialen Online Dienste ist „we are hunted„. Ich nutze diesen Dienst jetzt seit etwa 2 Jahren. Im regelmässigen Rhythmus werden auf der Internetseite Charts veröffentlicht. Die Charts ändern sich eigentlich täglich in Echtzeit.Diese Charts bilden sich aus den Aussagen von Menschen im sozialen Internet. In Blogs, bei Facebook, my space, twitter, p2p Netzwerken, Foren etc. Die Songs dieser Charts kann man zu einer eigenen Liste hinzufügen und damit seine eigenen Charts erstellen. Es ist darüber hinaus möglich die Songs über itunes und andere offizielle Musikplattformen zu kaufen, wenn sie dort bereits erhältlich sind und wenn man wie ich aus einer Generation kommt, die noch bereit ist für Musik zu bezahlen.

Das „we are hunted“ Tool wertet Sentiments, Ausdrücke und Fantbotschaften (advocacy) aus, um zu verstehen, was Menschen mögen und nicht mögen. Keine Popstars Juroren, keine Plattfirmen, Zeitungen oder andere Filter,welche Charts verfälschen. Der Künstler muss noch nicht einmal eine Platte, CD oder mp 3 bei einem Label veröffentlicht haben.

Und das Tool macht Spass. Es gibt z.B. eine schön für das iphone aufbereitete Internetseite mit der ich heute auf meiner Heimfahrt von Bonn nach Düsseldorf ohne Unterbrechung über das Internet Musik gehört habe, für die ich keine GEZ Gebühr bezahlen musste, die nicht durch Moderation, Nachrichten oder Werbung unterbrochen wurde und die nicht durch die Interessen von Plattenfirmen beeeinflusst wurde.

Und dieses Erlebnis hat mich ganz einfach gefreut. Was für eine geniale Erfindung das  Internet doch ist. Das Tool „we are hunted“ macht einach Spass. Nicht mehr abe auch nicht weniger. Zumindest noch so lange bis die Spassverderber kommen und das Internet noch ein wenig löchriger machen, weil Sie sich nur so zu helfen wissen und dieses Vorgehen ja bisher auch immer funkioniert hat.

Hier geht es zu we are hunted:

http://wearehunted.com

Und hier zu meinen we are hunted Charts:

http://wearehunted.com/a/#/by/electrouncle/:

Und was ich aktuell noch ganz gerne höre, denn die Schallplatte vermisse ich schon ein wenig

Ich empfehle für heute abend. Einfach mal die alte oder auch neue Musik hören. In diesem Sinne ein schönes Wochenende

Links zum abbiegen

Der richtige Link

Schon mal über Versicherungen aufgeregt? Versicherungsvertreter werden in der Regel nicht geliebt, denn wer würde sich – wenn er nicht müsste – sich überhaupt versichern. Das unabhängige Verbraucher Portal https://www.vote4u.de/ hilft Ihnen dabei, den Richtigen zu finden. Und den Richtigen wollen wir schließlich alle finden.

Link zu Preisgekrönten

Der Forrester groundswell Award zeichnet Unternehmen für die beste Anwendung sozialer Techniken im Marketing Kontext aus. Und in diesem Jahr wurden laut netbanker neun Finanzunternehmen mit Preisen ausgezeichnet. Tut sich da was?

financial_companies_dominate_groundswell_awards_in_north_american_b2c_category.

Bankkunden gar nicht an Innvoationen interessiert?

Eine Studie von Faktenkontor zeigt zumindest, dass Bankkunden doch sehr konservativ sind. Zumindest wenn Sie in Umfragen um ihre Meinung gebeten werden. Dennoch sollte man sich davor hüten zu glauben, dass Bankkunden Veränderungen besser und schneller akzeptieren als Banken. Hier geht es zu einer kurzen Pressemitteilung zur Umfrage, die ich bei all4finance gefunden habe.

Wenn man Kunden einbindet, fallen Veränderungen leichter

Ein Beispiel könnte man sich zum Beispiel an Volkswagen nehmen, die Kunden daran beteiligen das „in car entertainment“ System der Zukunft zu entwickeln. Da ich selber einen Volkswagen fahre, hätte ich da die ein oder andere Idee gehabt, wenn der Wettbewerb nicht schon vorbei wäre, allerdings könnte auch Ihre Bank eine solche Idee verwirklichen.

Fundstelle Springwise

Last not but least

Einfaches Banking beginnt beim Kunden und damit bei allen Menschen, die etwas dazu beitragen können, um Banking einfacher und verständlicher zu machen. Deshalb ist es für ein Unternehmen, welches einfaches Banking in die Welt tragen möchte, natürlich auch sinnvoll eine offene API anzubieten, die fremden Entwicklern die Möglichkeit bietet Ihren Beitrag zu leisten. Das zu erwartende Entwicklungstempo können klassisch strukturierte und organiserte Banken sicherlich nicht mitgehen. Bank Simple stellt nun eine solche API bereit

Videos zur Zukunft der Banken

Bank 2.0 Video (überarbeitet)

Gerade bei der Vorbereitung einer Präsentation gesehen, dass Brett King sein Bank 2.0 Video überarbeitet hat. Ganz interessante und vor allem pointiert vorgetragene Fakten und Thesen.

Weitere Fragen zur Zukunft des Bankings

Dazu passt dann noch das – hier zwar auch schon gepostete  aber im Zusammenhang sinnvolle – Abschlussvideo von der SIBOs 2010.

Düstere Aussichten?

Ein weiteres Video – von dem ich mich inhaltlich absolut distanziere – zeigt aber an, wie stark das Vertrauen in die Banken teilweise zerstört ist. Auch wenn wir in Deutschland jeden Tag mit Nachrichten über  eine boomende Wirtschaft erfreut werden und es den Banken – Dank Steuergeldern und geschickten lobbyistischen Schachzügen – wieder gut geht. Der Verbraucher bleibt offensichtlich irritiert und verständnislos zurück. Man könnte annehmen, es habe sich nichts wirklich substanzielles verändert.

Zu dieser These ein interessanter Gasbeitrag von Michael Moser im Social Banking 2.0 Blog:
Warum Banken aus der Krise nichts gelernt haben?

Die Vertreter extremer Positionen reagieren dann beispielsweise so wie Eric Cantona. Die Mittel sind zwar sicherlich falsch. Aber auch in diesem Beispiel lässt sich die disruptive Kraft des Internets sehr deutlich erkennen. Gleichzeitig wird auch die Hilflosigkeit klassischer Organisatoinen und Institutionen deutlich. Ich bin in jedem Fall gespannt, was am 07. Dezember in Frankreich wirklich passieren wird.

(Normale) Menschen wünschen sich natürlich eine positive Zukunft

Die Zukunft des Geldes könnte aber auch so aussehen. Das Video zum Venessa Miemis Projekt im Rahmen der Sibos 2010. Und das verursacht eigentlich keine Angst. Auch wenn eine vollkommen andere Sichtweise auf Banken und Finanzunternehmen gezeigt wird. Die im Video auftretenden Menschen stellen Forderungen und drücken Wünsche aus, die zwar eine andere Art von Banking nahe legen, möglicherweise aber genau jene Art, die wir uns alle wünschen und die für unsere Zukunft unabdingbar erforderlich ist.

Dafür muss eigentlich nur die Bereitschaft zur Veränderung gegeben sein.

PS Wie immer, wenn ich von den Banken spreche, meine ich nicht alle Banken. Es gibt sehr viele Banken da draussen und auch sehr viele Bankmitarbeiter die „verdammt noch mal“ einen sehr guten Job machen.

Auch für Banken interessant: Schönes Video zum Thema Kollaboration

Ein spannendes Buch, ein toller Blog und ein inspirierendes Video. Es hat sich schon sehr viel verändert. Wir nehmen es in unserem Alltag nur nicht so intensiv wahr. Smava und auxmoney oder social lending sind nur zwei besonders herausragende Beispiele einer Entwicklung. Digitale Technologien verändern und verbessern die Art und Weise wie wir gemeinsam kooperieren, kommunizieren, interagieren, tauschen, lernen, etc. Was für den Menschen prinzipiell gut ist, gefährdet überkommene Geschäftsmodelle und Institutionen.

Das folgende Video fasst sehr schön zusammen was alles möglich ist bzw. schon gemacht wird. Es ist der Trailer zu einem Buch, dessen Kauf ich für die Weihnachtstage wärmstens empfehle, denn was dort beschrieben wird, hat auch was mit Banken zu tun.

[Vimeo 14408878 ]

Temporäre Normalität

Spieglein, Spieglein an der Wand,

welche Bank ist die Beste im ganzen Land? Glaubt man dem webmonitoring von Faktenkontor, dann ist dies die ING Diba. Denn nur 16 Prozent der Kundenmeinungen zur ING Diba im Internet sind negativ. Auf der anderen Seite wird über die Deutsche Bank und über die Sparkassen besonders schlecht gesprochen. 60 % der Äusserungen über die Deutsche Bank und etwa 50 % der Meinungen über die Sparkassen sind negativ.

Link zur Pressemitteilung von Faktenkontor

Ganz anders fällt  jedoch das Ergebnis aus, wenn man der repräsentativen Erhebung des Marktforschungsinstitutes ICON glauben schenkt. Demnach bringen 63 % der Deutschen den Sparkassen hohes oder sogar sehr hohes Vertrauen entgegen. Und natürlich liegen die Direktbanken in dieser Umfrage an letzter Stelle.

Link zur Pressemitteilung zur ICON Studie

Internet Vertrauen vs. Filial Vertrauen

Es soll an dieser Stelle gar nicht um die Qualität oder Repräsentativität der Umfragen gehen. Wahr oder falsch ist mir egal. Offensichtlich ist es aber so, dass die Internetnutzer eher den Direktbanken vertrauen (Faktenkontor) und die eher auf die klassischen Kanäle ausgerichteten Menschen, eben genau den Banken, welche diese Kanäle in den Mittelpunkt stellen. Vertrauen wird hier einmal über den Internetkanal und einmal über die Filialen generiert.

Aus Sicht einer Filialbank scheint es deshalb sinnvoll zu sein, die Filiale als den entscheidenden qualativen Unterschied gegenüber den Internetbanken darzustellen. Im Umkehrschluss gilt für die Internetbanken das Gleiche.

Internet fast immer dabei

Nehmen wir nun noch eine etwas andere Studie hinzu. Die Deutsche Bank hat in Zusammenarbeit mit google herausgefunden, dass bei 50 % aller gekauften Finanzprodukte das Internet eine Rolle bei der Kaufentscheidung spielt. Mit anderen Worten ein Teil des Kaufprozesses erfolgt unter Einbeziehung des Internets, unabhängig davon, über welchen Kanal der Verbraucher erstmals mit einem Produkt in Verbindung gekommen ist.

Link zur Studie

Zurück zur Normalität

Banken und möglicherweise auch Kunden wünschen sich die Rückkehr zur Normalität oder „one best way„. Die Welt könnte so einfach sein, oh könnte sie doch wieder so einfach sein, hört man die Banken rufen.

Stattdessen leben wir in einer multioptionalen und komplexen Welt, in der mehrere – vielleicht sogar gleich gute – Lösungen – nebeneinander exisiteren und von den Menschen nach ihren Vorstellungen genutzt werden.

Nein, die Filiale ist nicht die Antwort auf alle Fragen. Nein, auch das Internet ist nicht die Antwort auf alle Fragen. Insofern sollte man sich das Geld für Studien sparen, welche den Status Quo einer nicht mehr konservierbaren Vergangenheit bewahren sollen.

In der Zukuft wird Normalität ein temporärer Zustand sein. Stattdessen werden Unsicherheiten und Instabilitäten an der Tagesordnung sein. Die Krise wird permanent und die Filiale ist nur noch eine Option

Und wo liegt das Problem?

Film ab: Brett King (Autor von Bank 2.0) im Bloomberg Interview

Eindrücke

5 Tage unterwegs. 5 Tage bei Banken, Rechenzentren und unter Software Entwicklern. Workshops zu den Themen Online Marketing, Social Media und Internet. Monologe, Diskussionen und Gespräche.

Die letzten Tage und Wochen waren auch so etwas wie ein Weckruf. Auch die regionalen Banken, für welche die Filiale seit Jahrzehnten der wichtigste Kanal ist, erkennen, dass es keine Zukunft ohne Internet mehr geben wird. Zwar steht die Filiale nach wie vor im Mittelpunkt des Denkens und Handelns. Dennoch werden Marketing Etats umgeschichtet, erste Schritte im regionalen Online Marketing unternommen und vor allem Social Media steht ganz oben auf der Tagesordnung.

Auch wenn die organisatorischen Grundlagen meistens noch nicht gelegt sind (Mangel an finanziellen und personellen Ressourcen, fehlende strategische und strukturelle Integration, etc.), die Erkenntnis das Social Media eine Chance darstellt und Online Marketing immer wichtiger wird, setzt sich durch. Der Weg zur Digitalisierung ist allerdings noch weit und nicht alle können und werden erfolgreich sein.

Auf der anderen Seite lernt man in den direkten Kontakten mit Bankmitarbeitern und Bankkunden eine ganze Menge:

  • Zum Beispiel, dass Crowdsourcing eine gewaltige Chance bietet, Produkte und Dienstleistungen anzubieten, die man alleine (als Dienstleister der Banken) nie hätte konzipieren können
  • Das die Veränderung von Banken an Kleinigkeiten scheitern kann, die man auch als ausgewiesener Branchenexperte, nie hätte erahnen können
  • Das die Notwendigkeit zur Planung von Online Marketing und vor allem Social Media in der Regel unterschätzt wird, weil es auf den ersten Blick einfach, intuitiv und vor allem günstig zu sein scheint. Aber nur wenige sind wirklich berufen
  • Das man manchmal selber daran zweifelt, ob das Internet für regionale Banken, die teilweise Marktanteile von 50 % haben, wirklich unverzichtbar ist
  • Dies aber ein Fehler ist, weil es eben nicht darum geht was für die Bank wichtig ist, sondern darum, was für den Kunden wichtig ist.
  • Und nicht zuletzt: Das Banken leidenschaftliche, wissbegierige, lernfähige und kommunikationsstarke Mitarbeiter brauchen, die das Selbstverständliche hinterfragen und sich nicht scheuen Regeln zu  brechen, wenn sie eine Zukunft haben möchten

7 Fragen und eine Zusatzfrage an einen (fast) Digital Native

Die Frage, wie das Mediennutzungsverhalten der jungen Menschen, die Entwicklung von Banken, deren zukünftige Kommunikations- und Vertriebswege und deren Arbeitswelt verändert, beschäftigt mich hier in letzter Zeit häufiger. Bevor es bald den zweiten Teil meines Artikels zur Generation Y gibt, er wird von der Arbeitswelt der Banken handeln, nun ein Interview mit einem jungen Mann, der in sechs spannenden Antworten beschreibt, welche Bedeutung das Internet in seinem Lebensalltag hat und welche Erwartungen er in diesem Zusammenhang an Banken stellt. Jochen Döring ist eigentlich vier Jahre zu alt, um definitorisch noch als Digital Native durchzugehen. Sein Internetverhalten ist allerdings eines Digital Natives durchaus würdig.
Hier gibt es mehr Informationen zu Jochen http://twitter.com/#!/jochendoering

 

Und jetzt geht es los:

1. Du gehörst zu den sogenannten Digital Natives. Bitte beschreibe mir, wie Du die digitalen Medien an einem typischen Tag nutzt?

Meine ersten Kontakt mit dem Netz hatte ich 1994 im Hochschulrechenzentrum meiner Heimatstadt, da erinnere ich mich noch an Wetterkarten die abgerufen habe. Durch meinen Bruder hatte ich dann (langsamen, analogen) Zugang über das Uninetz, seitdem bin ich online. 2003 bin ich in einer Kölner Onlineredaktion quer eingestiegen. Dort  hatte ich dann Kontakt zu Marketingthemen, habe mich weitergebildet und an verschieden Projekten gearbeitet, seit diesem Jahr arbeite ich freiberuflich. Aber nun zu meinem typischen Tag. Beim Frühstück checke ich die Nachrichteneingänge und News auf den üblichen Kanälen. Normalerweise läuft immer mein Desktop-Rechner, daneben nutze manchmal parallel einen Laptop und für unterwegs ein Smartphone. Daneben tickert twitter, das schalte ich aber auch gerne mal stumm. Auch Facebook ist im Hintergrund aktiv. Obendrein habe ich häufig noch ein Instant-Messaging-Dienst offen und tausche mich mit meinem Netzwerk aus. Da ich beruflich auch viel im Netz unterwegs bin, gibt da keine klare Trennung. Für einige Arbeiten nutze ich auch noch Dropbox als Cloud und kollaborative Plattformen. Im großen und ganzen bin ich immer vom Web umgeben, wenn ich es nicht bewusst abschalte.
2. Nutzt Du noch andere Medien und welche Bedeutung haben diese im Vergleich zu den digitalen Medien für Dich?

Andere Medien? Das hat radikal abgenommen die letzten Jahre, vor 15 Jahren hatte ich sogar mal eine Zeitung abonniert, heute lese ich vielleicht mal eine Sonntagsausgabe, wenn ich auf Reisen bin. Ab und zu kaufe ich auch mal eine Zeitschrift. Einen Fernseher besitze ich derzeit auch nicht, ebenso kein separates Radio. Nichtsdestotrotz finde ich Medien wichtig, die mir Inhalte anbieten, nach denen ich Inch sowieso schon suche, z. B. Radio statt Podscast. Einen festen Platz in meiner Mediennutzung hat noch das Buch aus Papier, ob ich das einmal gegen einen ausgereiften E-Book-Reader tauschen werde, weiß ich noch nicht. Musik habe ich auch lange nicht mehr von CD gehört, meinen MD-Player habe ich vor Jahren schon verschenkt und meine MCs stauben vor sich hin. Meine Musiksammlung ist fast komplett digitalisiert und neue Musik beziehe ich auch digital.
3. Was erwartest Du von Deiner Bank?

An erster Stelle Seriosität und Verlässlichkeit. Das Vertrauen in Banken hat in letzter Zeit natürlich gelitten, deshalb finde ich auch neue Ansätze wie smava interessant. Für den Zahlungsverkehr habe ich bisher keine Alternativen, da besteht ein klares Abhängigkeitsverhältnis.  Eigentlich kann ich nur die Leistungen vergleichen und gucken, ob es eine ‘ethics policy’ gibt, mit der ich Leben kann. Banken wie die GLS-Bank sind da sicher Vorreiter, alleine die Konditionen halten mich dann (bisher) doch ab. Eine gute Nutzbarkeit, vor allem beim Onlinebanking (benutze auch eine mobile App), ist mich wichtig, da habe ich schon einige lästige Überraschungen erlebt. Die Sicherheitstandards beim Onlinebanking sind auch entscheidend, da wundert doch  z. B., das viele Banken noch vierstellige numerische PINs zum anmelden vorgeben.
4. Soll diese so bleiben wie sie ist oder erwartest du diese auch in sozialen Netzwerken oder bei twitter treffen und ansprechen zu können?

Einen Gefällt-mir-Button für meinen Kontostand brauche ich sicher nicht;)  Wenn es Banken aber schaffen sollten, sich durch ihre Präsenz den Kunden gegenüber zu öffnen und eine ernsthafte Transparenz schaffen, dann wäre es doch ein Versuch wert. Zurzeit bin ich aber noch weit davon entfernt, mich mit einem klassischen Bankinstitut als Freund z. B. auf Facebook zu „befreunden“. Und wenn SM-Kanäle bedient werden, dann sollten sie auch bespielt werden, bei einer Anfrage zur Usability bei der Commerzbank habe ich schlicht keine Antwort erhalten, das bleibt natürlich negativ hängen. Grundsätzlich begrüße ich zusätzliche und unbürokratische Kanäle.
5. Wie sähe Dein bevorzugter Arbeitsplatz aus?
Idealerweise so: klare Strukturen und organisatorische Absprachen, echtes Teamplay, genug Freiheiten bei der Arbeitsgestaltung, flexible Arbeitszeitkonzepte und die Möglichkeit out-of-office zu arbeiten sowie attraktive Entwicklungsmöglichkeiten. Zudem ein zentrales Büro in einer Großstadt mit angenehmen ‘workspace’, das ich mitgestalten kann.
6. Wäre eine Bank ein potentieller Arbeitgeber und wenn nein – warum nicht?

Ja, warum denn nicht? Wenn es dort Arbeitsplätze gibt, wie ich sie eben beschrieben habe.
7. Wenn Dir ein anderes Unternehmen Finanzprodukte anbieten würde (z.B. Apple) würdest Du diese nutzen?

Eher nein. Angebote wie die z. B. die C&A Bank überzeugen mich nicht, da denke ich „Schuster bleib bei deinem Leisten“, da bin ich eher konservativ und vertraue eher etablierten Instituten. Bei Mikropayment sieht das etwas anders aus, ein vernünftiges Mikropayment-System (sicher, einfach und schnell) würde ich  z. B. auch von Apple nutzen.
Die Zusatzfrage:
Welchen Film hast Du zuletzt geschaut und welche Musik hörst Du gerade.

Tatsächlich: The Social Network. Musikalisch begleitet mich gerade „Wrong Shirt EP“ von Till Krüger auf meinem Lieblingslabel „200 Records“

Hier die weiteren Interviews aus der Serie:

Die weiteren Interviews der Reihe

Marco Ripanti ( ekaabo GmbH, Yiid.com)

Katharina Beck (Institut für Social Banking)

Axel Liebetrau (Zufkunftsforscher und Managementberater)

Matthias Kröner (Fidorbank AG)

Thorsten Hahn (Banking Club)

Frank Kleinert ( Innovationsmanager bei einer Rechenzentrale)

Alexandre Janicki (Credible Finance)

Herr Carlo Bewersdorf (Asstel ProKunde)

Florian Schwarz und Florian Schwarzbauer (Die Bankonauten)

Marko Haschej (Raiffeisenbank Eberndorf)

Guido Augustin (Bürgschaftsbank Hessen)

Lothar Lochmaier (Social Banking 2.0)

Suitbert Monz (R+V)

Dr. Harald Meissner (Hochschulprofessor und Unternehmer)

Mustapha Behan (whofinance)