Monatsarchiv: Januar 2010

Nehmen wir einmal an,…

…diese Studienergebnisse würden auch für Deutschland gelten. Also die jungen Menschen hier wären ähnlich oder gleich eingestellt, wie jene aus Neuseeland. Es geht um die Generation Y also jener Menschen, die in den späten achtziger und frühen neunziger Jahren geboren sind.

Hier ein Auszug aus dem Originalbeitrag mit entsprechender Hervorhebung der wesentlichen Aussagen der Studie

Die Generation Y geht bewusster mit Geld um, ist sparsam und will kompetente Finanzentscheidungen treffen (können)

Generation Y has become the most money-conscious and financially savvy generation following recent global downturn, according to new research.

Man ist verlässlicher in der Rückzahlung von Schulden und achtet sehr darauf, die beste Leistung zu erhalten. Ein Bankwechsel wird dabei schneller in Betracht gezogen.

Gen Y was more likely to pay off debt and prone to change financial institutions for the best deal, research firm Retail Finance Intelligence (RFI) has found.

Sparen folgt einem eher mittel – und langfristigen Lebensziel und soll weniger der Befriedigung kurzfristiger Luxusbedürfnisse dienen

„Almost three quarters of respondents said they had a savings goal and were future-focused and not interested in immediate luxuries,“ Mr Shields said.

Die Generation Y  legt viel Wert auf guten Service, Innovation und auf angemessene Preise, wenn sie ein Bankprodukt oder eine Bank auswählen.

Mr Shield said service, innovation and pricing were also considered when it came to choosing a financial product or institution.

Gen Y was more likely to have switched cards and about 68% of Gen Y respondents valued feature-packed products to a greater extent compared to the average respondent at 62%.

„They may be lured by competitive rates and features but we’ve seen from Gen Y’s switching habits that this alone is not enough to secure loyalty,“ he said.

Kunden Service ist wichtig und die Generation wäre sogar bereit mehr zu bezahlen, wenn ihnen entsprechende Online Dienste angeboten werden

„Customer service is the factor that will differentiate providers and, given this Generations belief in sharing experiences and information.“This tech-savvy generation, which was first to grow up with the internet, said they would be willing to pay more fees for online features .

Das konkrete Erleben der Finanzkrise führt innerhalb der Generation zu einem gewissen Pessimismus und weniger Vertrauen in herkömmliche wirtschaftliche Institutionen

The group is also more pessimistic than the average in their outlook on the economy and particularly concerned about the effect of interest rates and economic environment on their financial situation.

Bei der Entscheidung über Produkte spielen Empfehlungen von anderen Verbrauchern – auch über soziale Netzwerke – eine grössere Rolle

The study found that another major differences between Gen Y and their Generation X and Baby Boomer peers their willingness to act on word-of-mouth advice.

„Recommendations from friends and family came through very strongly as the largest influence for Gen Y selecting financial institutions,“ Mr Shields said.

„In this time of social networking and online research, people are much more likely to call on their networks for advice and reviews.“Almost one third of Gen Y said they would take out a transaction account based on a recommendation compared to the average of 16%.

Also noch mal zurück zur Ausgangs Annnahme. Mir liegt hier gegenwärtig kein entsprechende Umfrage aus Deutschland vor. Es ist aber gar nich so unwahrscheinlich, dass – durch u.a. durch die Erfahrungen der Finanzkrise – auch unsere Generation Y so denkt.

Zu erwarten ist dann ein gewisses Interesse an Finanzthemen und der Wunsch mehr darüber zu wissen. Das Ziel selber die Kompetenz aufzubauen bzw. auf alle Informationen Zugriff zu haben, die dafür notwendig sind eine smarte d.h. richtige finanzielle Entscheidung zu treffen, dürfte man dieser Generation unterstellen. Einer Generation, die mit dem Internet aufgewachsen ist und gelernt hat, wie schnell und einfach an Informationen kommt, die einem klassische Institutionen (hierzu zählen nicht nur die Banken sondern z.B. die Schulen) nicht mehr oder in keiner interessanten Form mehr geben können.

Diese Generation ist zwar auch an Preisen interessiert, aber sie möchte kompetent und ehrlich beraten werden. Sie möchte, dass eine Bank das Interesse des Kunden über das eigene Interesse stellt. Sie haben die Vision, dass ihre Bank auch dann Geld verdienen kann, wenn sie Dienstleistungen und Produkte anbietet die verstehbar, transparent und hochwertig sind. Weil sie selber bereit sein werden, dafür auch etwas zu bezahlen. Sie wünschen sich, dass Sie Menschen begegnen – egal ob persönlich oder virtuell – die sich in andere Menschen und Bedürfnisse hinein versetzen können und die ihren Erfolg mit dem Erfolg des Kunden verbinden.

Die Generation Y muss dabei hoffen, dass auch die älteren Generationen begreifen, welcher Segen im freien und auch kostenlosen Zugang zu allen Informationen steckt. Sterbende Geschäftsmodelle hin oder her. Mehr Information bedeutet auch mehr Freiheit. Sie muss hoffen, dass es Lobbyisten und vermeindlichen Jugendschützern nicht gelingt das Internet zu zensieren und zu filtern.  Sie muss hoffen, dass Entscheider begreifen, dass es nicht nachhaltig sinnvoll ist die eigene alte Welt zu erhalten und zu schützen und damit die Möglichkeiten zu notwendigen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Veränderungen zu beschränken.

Banken wie die Noa Bank, GLS Bank, Triodos Bank, Fidor Bank  geben der Hoffnung der Generation Y Nahrung. Die Sparkassen und Genossenschaftsbanken sollten ebenfalls ihre Chance erkennen. Und alle Banken, die denken es könne weiter gehen wie bisher, werden sich möglicherweise noch wundern. Wenn die Annahme nicht zu gewagt war.

Und warum gerade Genossenschaftsbanken Hoffnung geben sollten und haben dürfen, vermag evenuell auch der folgende Artikel zu erklären. Allerdings muss man dann in das Dorf der jungen Menschen ziehen (Internet) und darf nicht dort bleiben, wo fast keiner mehr ist.

http://millennialmarketing.com/2010/01/why-credit-unions-are-winning-with-millennials/?utm_source=feedburner&utm_medium=feed&utm_campaign=Feed%3A+MillennialMktg+(Millennial+Marketing)&utm_content=Netvibes

Die Welt der Online Finanzen (Teil I)

Vor einigen Tagen startete der populäre amerikanische Blog Read Write Web mit einer über drei Monate angelegten Serie, die sich damit beschäftigt, wie das Internet (PC basiert – oder mobil) die Art und Weise verändert, wie wir zukünftig unsere Finanzen (als Private oder Unternehmen) managen. Dies ist unter anderem auch Thema meinesBlogs, weshalb ich diese Serie natürlich beobachten, erwähnen und hier auch darstellen möchte.

Personal Finance Management

Im ersten Teil ging es um das Thema „Personal Finance Management“ und der Blick richtete sich konkret auf den erfolgreichen Dienst Mint einen Vorreiter in Sachen Personal Finance Management. Unter Personal Finance Management versteht man dabei im weitesten Sinne die Möglichkeit die eigenen Finanzen Online zu überwachen, gestalten und zu optimieren. Dabei gehen die angebotenen Funktionen weit über die Möglichkeiten der heute üblichen Online Banking Anwendungen hinaus, die sich ja überwiegend auf Transaktionen und neuerdings auch den Produktverkauf konzentrieren. Bisher kann man deshalb nirgendwo von Finanzmanagement sprechen, zumal ja alle Banken das Problem haben immer nur über die Produkte und Services Auskunft geben zu können oder zu wollen, die der Kunde bei Ihnen besitzt. Da aber immer mehr Verbraucher auch bei mehreren Finanzdienstleistern Kunde sind, könnte Personal Finance Mangement aktuell eben nur Banken spezifisch angeboten und das Bedürfnis des Kunden nach einem ganzheitlichen Überblick nicht befriedigt werden. Die grosse Zahl überschuldeter Haushalte in Deutschland spricht ebenfalls dafür, dass es einen Bedarf für Personal Finance Management gibt ( Vom 1. bis 3. Quartal 2009 gab es insgesamt 96.864 http://de.statista.com/ )

Das Personal Finance Management in den USA durchaus nachgefragt wird, belegen die Zahlen von Mint recht eindrucksvoll. Im September 2007 gelauncht, unterstützt Mint nahezu alle amerikanischen Online Banking Anwendungen und die Anwendungen der Kredit Karten Anbieter. Inzwischen hat Mint 1,7 Millionen registrierte Nutzer wovon ca. 700.000 aktiv sind. Monatlich melden sich fast 30.000 neue Nutzer an. Offenbar bietet Mint einen Dienst an, der für den Verbraucher einen wirklichen Wert darstellt.

Neben Mint nennt Read Write Web noch weitere Anbieter der Rubrik Personal Finance Management

https://www.clearcheckbook.com/

https://www.geezeo.com/

http://www.wesabe.com/

http://www.kublax.com/ (UK)

https://money.strands.com/ (ehemals Expensr)

In den Kommentaren zum Artikel finden sich noch einige weitere internationale Beispiele, die Leser hinzugefügt haben.

http://www.moneydashboard.com/ (UK)

http://www.freeagentcentral.com/

(UK  – für Selbstständige und Freiberufler)

http://www.eebacanhelp.com/login.php

(Kein reines PFM Tool – Mobile Anwendung, aber sehr interessant und spannend – demnächst mal näher betrachten)

http://slamarica.com/

(Serbien und weitere Länder)

https://moneycenter.yodlee.com/moneycenter/mfalogin.moneycenter.do?_flowId=mfaloginflow

Die Liste ist sicherlich nicht vollständig. Sie zeigt aber recht eindrucksvoll, wie viel in diesem Segment aktuell passiert.

Nach p2p Kreditplattformen ist Personal Finance Management damit wohl der zweite Finance 2.0 Ansatz, der sich langsam in die Mitte der Gesellschaft vorarbeitet.

Personal Finance Management in Deutschland

In Deutschland kann man Kontoblick am eindeutigsten in die Kategorie Personal Finance Management einordnen. Die bisherigen Ansätze und die erkennbaren Zielsetzungen gehen eindeutig in diese Richtung. Fraglich ist allerdings, ob Personal Finance Management aktuell eine wirkliche Chance in Deutschland hat. Nach wie vor scheint für die deutschen Verbraucher eine Banklizenz Voraussetzung zu sein, um einem Unternehmen seine Finanzangelegenheiten zu überlassen. Eine Glaubwürdigkeits- und  Institutionenkrise wie in anderen Ländern scheintnoch nicht ausgebrochen zu sein bzw. noch keine Wirkung zu zeigen. Auch die Fidor Bank bietet Ansätze von Personal Finance Management und es ist wohl davon auszugehen, dass die Fidor Bank ihr Angebot hier noch erweitern wird.

Mobiles Internet treibt Personal  Finance Management weitervoran

Mit dem mobilen Internet ergeben sich weitere Möglichkeiten im Personal Finance Management. Daten können in Echtzeit erhoben und abgefragt werden. Empfehlungen und Optimierungen in Sachen Finanzen stehen damit potentiell überall und in jeder Situation zur Verfügung. Wird das Mobiltelefon dann auch noch zum Zahlungsmittel ist die letzte Lücke zum vollständigen, umfassenden  und weitgehend automatisiertem Finanz Management geschlossen.

Hier einige Beispiele aus dem Artikel:

Mint and Wesabe, bieten beide ein iphone App und einen mobilen Internetauftritt. Beide Dienste sind in der Lage Push Nachrichten auf das iphone oder als SMS zu senden. Eine solche Nachricht wird beispielsweise gesendet, wenn die Gefahr besteht das Kreditkartenlimit zu überschreiten.

Das in den USA ein wahres App Fieber ausgebrochen ist, wurde hier ja schon hinlänglich berichtet. Auch klassische US Banken wie die Bank of America, Chase Mobile oder Wells Fargo besitzen sehr erfolgreiche iphone Apps. Darüber hinaus gibt es weitere nützliche Anwendungen, die beispielsweise daran erinnern, dass eine Rechnung bezahlt werden muss. Read Write Web nennt hier BillMinder and BillTracker . Es scheint so, als müsse man die einzelnen Anwendungen nur noch zusammen zu fügen, um die Bank auf Hosentaschenformat zu bringen.

Auch in Deutschland werden Apps immer beliebter, wobei man sich noch in der Phase Banking Anwendungen und Anwendungen zur Geldautomaten- und Filialsuche befindet.

Hier der komplette erste Teil der Serie:

http://www.readwriteweb.com/archives/personal_finance_20_how_the_web_is_transforming_personal_finance.php

Gesamtmarkt

Im zweiten Teil der Serie blickte Read Write Web auf den Gesamtmarkt in Sachen Online Finanzen. In einem Interview mit dem Gründer und Erfinder von Xero wurden 4 Teilmärkte für den Bereich Online Finanzen identifiziert:

Personal Finance (e.g. Mint, Wesabe, Yodlee)

Small Business Accounting (e.g. Xero, Kashflow)

Cloud ERP (e.g. Netsuite, Salesforce);

ERP (e.g. Microsoft, Oracle).

Während es im Personal Finance Management Markt bereits einige Wettbewerber gibt, existieren noch sehr wenige Lösungen und Anbieter die Online Finanzmanagement für Selbstständige oder kleine Unternehmen anbieten. Read Write Web sieht hier einen Markt, in welchem innovative Startups eine Chance haben, zumal die amerikanischen Kleinunternehmen bisher auf teure und komplexe Software Anwendungen wie MYOB, Intuit QuickBooks and Microsoft Office Accounting angewiesen sind. Darüber hinaus sei es diesen Anbietern bisher nicht gelungen nützliche Online Anwendungen anzubieten. Wahrscheinlich befürchtet man aber auch die Kannibalisierung des bisher durchaus einträglichen Geschäftes. Einer der wenigen Anbieter in diesem Segement ist das neuseeländische Unternehmen http://www.xero.com/

Xero bieten Online Finanzmanagement für kleine Unternehmen. Hier eine kurze Beschreibung von ReadWriteWeb

It may end up being Xero, a completely online accounting service which was founded in July 2006. Xero hails from New Zealand, but is aiming for global success. Full disclosure, ReadWriteWeb uses Xero to manage its accounts. We’ve found the integration with online banking systems to be impressive, the design slick, and functionality such as multi currencies useful. Perhaps most importantly, Xero has the support of many accountancy firms.

Hier die ausführlichere Beschreibung  von Xero im ReadWriteWeb Blog.

http://www.readwriteweb.com/readwritestart/2010/01/startup-finance-xero-powers-ac.php?

Auch in Deutschland ist mir kein Unternehmen bekannt, dass in diesem Segment aktiv ist oder werden will, obwohl sicherlich ein grundsätzlicher Bedarf besteht.

Und hier der zweite Teil der Serie

http://www.readwriteweb.com/archives/online_finance_ecosystem.php

Was verändern Tablet Computer

Es wird spannend sein zu beobachten, welchen Einfluss Tablet Computer, wie die für den  27. Januar angekündigte (Vorstellung) Apple Lösung, auf die oben genannten Dienste und die Finanzbranche insgesamt haben wird.

Hier die Einschätzung von Mashable:

The finance industry is a giant behemoth with many arms — trading, banking, personal finance, and investment banking, just to name a few. The tablet could have a dramatic impact on all of these areas.

Trading: Traders need to have information at their fingertips and make trades in an instant. Many use their mobile phones or specialized devices for this, but a tablet could present a lot more information and be far more dynamic. You could see tablets everywhere on the floor eventually.

Banking: Bank tellers could process information with the tablet and easily hand it over to someone else when the situation arises. A tablet would be a far more effective way of sharing financial data or even making payments. The need for paperwork would be gone.

Personal Finance: With apps like Mint () at your fingertips, managing your finances would be a snap. If tablets have a wireless way to communicate with one another, it could also prove to be the ultimate payment system.

Investment Banking: In addition to facilitating faster and more effective trading, investment banks could use them to quickly conduct research and swap notes.

The right software and the right interface could stir many financial institutions to purchase Apple Tablets in bulk.

http://mashable.com/2010/01/15/apple-tablet-revolution/

Dies sind Erwartungen bzw. Progonosen, die mir nicht zu gewagt erscheinen. Es erscheint durchaus vorstellbar, dass Apples Tablet demnächst zur Grundausstattung jedes Finanzberaters wird, der etwas auf sich hält.

Cloud ERP

Im dritten Teil der Serie geht es um Cloud ERP, das offenbar sowohl für den Bereich Personal Finance Management also auch für Small Business Accounting eine unverzichtbare Basis als auch einen wesentlichen USP darstellt. Die Frage ist, welche Finanzunternehmen die Bereitschaft mitbringen die Cloud zu nutzen. Und natürlich auch, wie sich die Verbraucher damit fühlen würden. In den USA ist die Bereitschaft offenbar wesentlich größer als in Europa und insbesndere in Deutschland.

Warum Drury Xero gegründet hat und für wie wichtig er die Nutzung von Cloud Computing hält, beschreibt Xero Gründer Drury so:

While Drury saw that a number of cloud-based personal finance companies like Mint were gaining traction with users, small businesses had been stuck with the same tired desktop accounting software they’d been using for the last ten years. Drury built Xero with the intent to help small businesses manage their accounts in the cloud.

Und warum Cloud Computing für den Erfolg seines Produktes und Finance Management überhaupt so wichtig ist, entnehme man dem folgenden Zitat

When asked why the cloud is so important for accounting services he explains, „In the past small businesses rarely shared their business data with accountants as the majority of billable hours were spent simply extracting the right information.“ Says Drury, „The fact that your entire business can now look at your accounts in the cloud means that the accountant can finally act as a business advisor and improve your cash flow.“

Drury sieht eine Entlastung der Finanzexperten. Hinzu kommt mehr Transparenz und wohl auch eine einfachere Darstellung und damit ein leichteres Verstehen von Firmenkennzahlen, Bilanzen und anderen Planungsgrundlagen. Über die Möglichkeit externen Experten einfachen Zugriff zu gewähren möchte ich noch gar nicht nachdenken. In jedem Fall dürften Kosten Einsparungen und Effizienzgewinne recht leicht zu erzielen sein.  Nur welches deutsche Unternehmen würde heute einen solchen Dienst nutzen. Immerhin widerpricht Cloud ERP doch nahezu allen Sicherheitsregeln, die man sowohl Unternehmen als auch Privatmenschen seit Jahrzehnten anerzogen hat. Und wieder einmal wird die Veränderungsmacht und kulturelle Sprengkraft des Internets präsent.

Noch ein Nachtrag in eigener Sache: Der zweite Teil meines Gastbeitrages für den Visible Banking Blog ist inzwischen erschienen. Es geht um Finance20 in Deutschland und hier ist der Link auf  Teil 2

http://www.clanglois.blogs.com/internet_banking/blog_index.html

Gastbeitrag im Visible Banking Blog

Schon seit mehr als 3 Jahren lese ich mit Begeisterung den ausgezeichneten Visible Banking Blog von Christophe Langlois. Christophe schreibt regelmässig über Social Media in der Bankenwelt, stellt spannende Video Berichte ein und referiert über dieses Thema. Christophe bietet auch einen hervorragenden Workshop für Banken an und ich hoffe, er wird dies demnächst auch mal in Deutschland tun.

Durch Christophe, der durch meine Social Finance Liste auf meinen Blog aufmerksam geworden ist, konnte ich an der Somesso 2009 teilnehmen, wo ich Ihn und viele weitere interessante Menschen kennen lernen durfte. In Christophes Blog findet man die umfangreichste Social Finance Liste im Internet. Nahezu alle Banken und Finanzdienstleister, die Social Media nutzen, sind dort aufgeführt.

Nun hat Christophe mir die Möglichkeit geboten einen Gastbeitrag für seinen Blog zu schreiben, um dort die Social Media und Finance20 Welt in Deutschland darzustellen. Der erste Teil dieses Beitrages ist gestern im Blog erschienen. Ich würde mich freuen, wenn der ein oder andere den Blog besuchen und den Beitrag lesen würde.

Finance 2.0 in Germany: Ready for take off?… The Social Wallflower will bloom in 2010

http://clanglois.blogs.com/internet_banking/2010/01/guest-post-3-finance-20-in-germany-ready-for-take-off-by-boris-janek.html

Eine Vision die keine war

Vor gut zwei Monaten hatte ich die Gelegenheit dem Bankmagazin meine Vision der Bank im Jahr 2020 darzustellen.  Am Anfang des neuen Jahrzehnts scheint es so, dass viele von mir angesprochenen Punkte schon viel schneller Realität werden könnten. Dies betrifft besonders die technologischen Aspekte meiner Aussage, denn Banken waren gegenüber technologischen Veränderungen, welche ihnen Kosteneinsparungen und Effizienzverbesserungen versprechen, schon immer sehr offen. Aber machen sie sich selbst ein Bild:

Die Bank in der Hosentasche

Die Generation der „Digital Natives“, die mit dem Internet aufgewachsen ist, hat deutlich größeres Vertrauen in Handy-Anwendungen als die heute über 40-Jährigen. Daher wagt Boris Janek die Vorhersage: „Mit dem Smartphone – oder wie auch immer das künftige Gerät heißen wird – können alle Finanztransaktionen durchgeführt werden.“
Das gehe sogar so weit, dass „ich über mein Mobiltelefon mein Konto sperren und entsperren kann, wann immer ich es will“.

Persönliches Finanzmanagement in Echtzeit

Künftig auf einen Blick einen kompletten Überblick über alle Finanzen zu erhalten, darauf hofft Boris Janek. Seine Vision: „ Das Mobiltelefon ist direkt mit meinem Konto verdrahtet. Wenn ich also irgendwo bezahle, dann kann ich die Transaktion direkt in Echtzeit auf meinem Konto sehen. Mein Kontostand wird ständig aktualisiert. Dieser Kontostand ist unabhängig von einer Bank. Mein persönlicher Finanzmanager ist zu jeder Zeit über jede einzelne Kontobewegung auf allen meinen Konten informiert.“

Verbindung zum und Abgleich mit dem Kaufverhalten

Boris Janeks Vorstellungen gehen sogar noch weiter: „Der persönliche und mobile Online-Finanzmanager analysiert mein Kaufverhalten. Er vergleicht es mit zurückliegenden Zeiträumen, führt Prognosen durch und ist auch in der Lage festzustellen, ob es ein  ähnliches Produkt woanders zu einem besseren Preis  mit besseren Finanzierungskonditionen gibt.

Austauch mit Dritten (selbst definierte Privatheit)

Noch reine Web 2.0-Zukunftsmusik ist Janeks Vorstellung, diese Information – auf der gleichen Plattform – auch an Dritte wei-terzugeben.„Die anderen Nutzer könnten mir aus eigenen Erfahrungen heraus Tipps geben“, hofft der Volksbank-Visionär. Dabei werde sich künftig dieKommunikation über Finanzthemen längst nicht mehr nur in spezialisierten Geld-Communities, etwa Onvis¬ta, abspielen: „Kontoinformationen kann ich ebenso wie alle anderen Transaktionen über jeden gewünschten Kanal einsehen oder aus-tauschen. Mein Konto ist damit auf Twitter, bei Facebook, wo immer ich es wünsche. Der Besuch einer Banken-Website und das mühevolle Einloggen in meine verschiedenen Banking-Applikationen ist überflüssig.

Filialen

Die Bank ist entraumt“, sagt Boris Janek voraus. „Sie sucht Unterschlupf in Cafés, Einzelhandelsgeschäften und Kiosken. Es gibt nur noch wenige, aber dafür umso luxuriösere Filialen, in denen ich mich von Mitarbeitern in entspannter Atmosphäre beraten lassen kann.

In entvölkerten ländlichen Regionen werden nur noch Self Service Center existieren“, sagt „Electrouncle“ Janek voraus. Hier wird Beratung auch technikgestützt über Online-Beratungs-Terminals stattfinden. Im Zentrum aller Finanztransaktionen wird in zehn Jahren aber das Internet stehen. Jegliche Art von Finanztransaktion kann dann fallabschließend online erledigt werden, und es wird keine Altersgruppe mehr geben, die das nicht nutzt.

Bargeld

Bargeld ist nicht mehr erforderlich. Die Geldbörse ist passé.“ Derzeit wird in Deutschland noch deutlich häufiger mit Bargeld gezahlt als in vielen anderen Ländern. Aber künftig würden die meisten Bezahlvorgänge, für die heute noch Cash benötigt wird, berührungslos vonstatten gehen, meint „Electrouncle“. Auch dabei werde das Mobiltelefon eine
große Rolle spielen.

Produktverkauf

Die Mitarbeiter können mir aber alle Produkte verkaufen, die ich haben möchte. Das Girokonto von der Deutschen Bank, den Fonds von Union Investment, die Kreditkarte von Amazon, das Online-Banking von Facebook“, sagt Boris Janek voraus. „Damit wird die Bank der Zukunft auch eigentlich keine Bank mehr sein, zumindest nicht im heute üblichen Sinne.“ Jedes Unternehmen könne Bankprodukte anbieten.

Auch branchenfremde Anbieter werden sich in den kommenden Jahren im Finanzsektor ausbreiten. Janek prophezeit: „Wer regelmäßig Bücher bei Amazon oder Musik bei Apple kauft, wird von diesen Unternehmen auch kostenlose Konten usw. angeboten bekommen und diese auch dort erwerben.

Vertrauen spielt dabei durchaus eine Rolle, aber Vertrauen entsteht hier durch Zufriedenheit mit einem anderen Produkt, das einen wahren und emotionalen Wert fürden Kunden hat.“

Die eigene Bank

Konsumenten werden sich überdies vermehrt zusammenschließen, ein eigenes Bankprodukt entwickeln und dieses von einem Partner umsetzen lassen. Dies ist das aktuell als revolutionär angesehen Grund-konzept der Fidor Bank, die für jeden umge-setzten Produktvorschlag 1.000 Euro zahlt. Dabei könnten diese Finanzprodukte nach Janeks Vision sogar weiterverkauft werden. „Die Konsumenten werden so zu Produzenten, die mit eigenen Finanzprodukten sogar selber Einnahmen erwirtschaften.

Die soziale Bank

Die Bank der Zukunft wird transparent, authentisch, nachhaltig und wertorientiert sein, durch das Internet hat der Kunde die Macht übernommen. Er entscheidet wo, wie und mit wem er sich über Finanzen austauscht.

Mehr Staat

Die Bank der Zukunft wird aber nicht nur von Kunden kontrolliert sondern auch verstärkt durch staatliche Institutionen. Es gibt deshalb mehr Banken die nur für die Grundversorgung der Bevölkerung zuständig sind.

Real Banking

Andere Geldinstitute werden erkennen, das ihre eigentliche Leistung nicht nur darin besteht Finanzprodukte anzubieten. Sie kümmern sich um das finanzielle Wohlbefinden des Verbrauchers, insofern steht und fällt sie mit dem Erfolg ihres Kunden. Verliert der Kunde, so verliert die Bank. Gewinnt ein Kunde, dann gewinnt auch die Bank. Dabei sind Bank, Bankberater und deren Leistungsparameter vollkommen transparent.
Der Kunde wird sogar in der Lage sein, die Ähnlichkeit des Beraters im bezug auf seine eigenen persönlichen Wertvorstellungen zu erkennen.

Das vollständige Interview und der sehr interessante Artikel von Anja Kühner findet sich im Original in der Dezember Ausgabe des Bankmagazins und ist auf deren Internetseite auch käuflich zu erwerben.

Was ist ihre Meinung? Wie werden sich Banken und die Bedürfnisse der Kunden in den nächsten 10 Jahren verändern? Die Diskussion ist eröffnet.

Banken sind Systemrelevant – Menschen leider nicht

Zugegeben der Satz aus dem Betreff ist nicht von mir sondern aus einem Artikel aus der aktuellen Brand Eins. Gerade im Eiscafe bleiben meine Augen dann an der folgenden Schlagzeile hängen:

Banken geht das Gemeinwohl nichts an!

Sie kennen sicher alle noch den Satz von Lloyde Blankfein, wonach Banken Gottes Werk verrichten!

Und richtig auch der obige Satz stammt von einem Mitarbeiter von Goldmann Sachs. Nein vom Chef von Goldmann Sachs. Locker ausgesprochen auf einer Veranstaltung der Wirtschaftshochschule WHU in Vallendar.

Ich stelle also mal die folgende Formel auf:

Banken verrichten Gottes Werk + Banken geht das Gemeinwohl nichts an = Gott ist am Gemeinwohl nicht interessiert.

Da müssten doch einige aufschreien. Zumindest die Kirchen? Oder ?

Jetzt frage ich mich noch, wie ich reagiert hätte als Besucher der Veranstaltung? Und wie wird die VHU Vallendar reagieren, denn durch dieses Zitat ausgesprochen an diesem Ort, könnte ja der Eindruck entstehen, dort würden Menschen ausgebildet, die genau diese Position vertreten und verbreiten.

Wobei wir wieder bei dem Thema wären, dass Wirtschaftswissenschaftlern wieder der Mut zum Zweifeln vermittelt werden muss.

Was denken Sie? Ihre Meinung ist gefragt

Heisst meine Geldbörse bald Swagg?

Das amerikanische Unternehmen Qualcomm wird gegen Ende des Jahres eine Geschenkkarte für das Mobiltelefon anbieten. Dies soll aber nur ein Schritt auf dem Weg sein, Kreditkarten durch das Mobiltelefon zu ersetzen.

Qualcomm möchte die mobile Geldbörse entwickeln

In einer Keynonte vom vergangenen Samstag stellte CEO Paul Jacobs diese Neuerungen und seine Vision dar:

So we can purchase and personalize gift cards, share them with our friends, exchange them with stores we like better. We can use them to buy stuff wherever we are. We can receive personalized offers, We can get loyalty points, manage our rewards programs.”

Dabei ist die Geschenkkarten Applikation im US Markt eigentlich gar keine Neuerung. Erst in Verbindung mit der Vision eine mobile Geldbörse anzubieten, gewinnt die Ankündigung an Bedeutung.

Hier geht es zur Originalnachricht

Die Bank in der Hosentasche kommt immer näher und die Enträumlichung der Bankgeschäfte nimmt damit weiter seinen Lauf, auch wenn gerade einige Banken neu an den Start gegangen sind, die vor allem auch auf Filialen setzen. Bleibt die Frage, ob sie dies tun, weil es ein sinnvolle und gut geplante Überlegung ist oder eher weil, es immer schon so war bzw. so gemacht wurde. Beide Entwicklungen wird man weiter beobachten müssen.

Das zumindest die bargeldlose Gesellschaft auch von Finanzunternehmen wie z.B. Visa (ok, da gibt es natürlich Interessen) gewünscht und erwartet wird, kann man in diesem Artikel aus dem Telegraph nachlesen.

Steve Perry, executive vice president of Visa Europe, says cash is expensive – a cost on society – and should be replaced by a cashless society.

Und noch ein interessantes Zitat aus dem Artikel, der natürlich die vollständige Abschaffung von Geldmünzen und -scheinen auch nicht in Aussicht stellt.

Jenkins believes contactless mobile phones are the future and will open the door to fully mobile banking. Soon enough, people will be receiving, making and managing their payments on mobile phones, he reckons. In Africa, six million people are already paying for goods on their mobiles, proving that electronic payment systems can be more reliable and secure than cash.

Augemented Reality without privacy

Das neue Jahr kommt mir erstaunlich schnell vor. Als habe irgendwo jemand ein Gas Pedal betätigt. Technologisch betrachtet, scheint „Mobile“ und hier vor allem „Augmented Reality“ eines der heissesten Themen zu werden. Im Blog von Chris Skinner findet man schonmal einen kleinen Anstupser für die Banken Branche. Und einige ganz schön beeindruckende Videos, die man sich auch direkt in meinem youtube Channel anschauen kann.

http://thefinanser.co.uk/fsclub/2010/01/this-years-big-thing-augmented-reality.html

Und gestern abend hat dann Facebook Gründer Marc Zuckerberg einfach mal das Ende der Privatsphäre ausgerufen und dadurch für einigen Wirbel gesorgt und einige Antworten ausgelöst. Das Zuckerbergs Aussage natürlich bestimmten eigenen Interessen geschuldet ist klar, dennoch deutet die dadurch angest0ssene Diskussion durchaus auf grundlegende kulturelle Veränderungen hin, mit denen wir uns auseinandersetzen müssen. Bezogen auf die Bankenbranche hat dies der Blog The Bankwatch in einem kurzen Beitrag getan.  Würde es diesen von Zuckerberg beschriebenen Wandel wirklich geben, wären die Banken und ihre Dienstleistungen ganz besonders betroffen, da Sicherheit, Datenschutz und Privacy wesentliche USPs der Banken waren oder sind. Hier die wesentlichen Risiken aus Sicht des Autors.

  • reputation risk: the notion that reputation is something to be controlled and kept private at all costs because to do otherwise would be to lose control
  • information risk: the reality that banks’ systems are organised around products and that customers will never be uniquely identified by the bank
  • disintermediation: banks inability to respond to removal of the middleman .. because their model is predicated on being a middleman

http://thebankwatch.com/2010/01/10/on-privacy-and-the-new-publicy-what-is-a-bank-to-do/

Wie wir zukünftig unsere Finanzen managen

In der Dezember Ausgabe des Bankmagazins durfte ich versuchen in die Zukunft zu schauen. Mein Ausblick in das Jahr 2020 war sehr technologisch ausgerichtet. Die inhaltlichen Aspekte musste ich weitgehend ausblenden, sie sollen auch hier nicht thematisiert werden.

Das, was ich für das Jahr 2020 prognostiziert habe, steht allerdings schon direkt vor der Tür und ich denke, so lange werden wir nicht mehr warten müssen, bis die ein oder andere Prognose wahr wird. Dies war mir allerdings schon während des Interviews klar, denn die Veränderungen kommen heute so schnell und zahlreich, dass es nicht gerade eine dankbare Aufgabe ist, solche Prognosen stellen zu dürfen.

Bevor ich mich hier demnächst auch mal tiefer mit dem Thema beschäftige einige Links auf Artikel, die zeigen, wie nah uns das Jahr 2020 schon gekommen ist.

MPavy

mPayy bietet seine Mobile Payment Anwendung nun als Applikation im I Tunes Store zum kostenlosen Download an. Damit rückt das mobile Bezahlen noch einen Schritt näher. Wann kommt die erste deutsche Bank mit einer sinnvollen Anwendung?

http://pymnts.com/mpayy-launches-free-iphone-mobile-payment-app-20100104005973/

Safaricom

Und gleich noch eine Erfolgsstory in Sachen mobiles Bezahlen, denn dort, wo die Infrastruktur nicht so gut ist wie bei uns (nehmen wir die EC Katen Problematik von Anfang Januar mal grosszügig aus) und wo das Mobiltelefon den wesentlichen Zugang zum Internet, wenn nicht sogar zur Welt darstellt, ist mobiles Bezahlen fast schon lebenswichtig. Hier ein kurzer Artikel von Chris Skinner über die Erfolgsstory von mpesa.

http://thefinanser.co.uk/fsclub/2010/01/mpesa-reaches-8-million-people-and-337bn.html

Checks einlösen mit dem iphone

Hier scheint schon fast ein neuer Trend in den USA zu entstehen. Der Netbanker berichtet von der Royal Bank America

http://www.netbanker.com/

Chris Skinners Ausblick in Sachen  Bank Technologie

Chris Skinner hat auch Antworten auf die Frage, was auf Banken in Sachen Technologie zukommen wird bzw. wie Banken neue Technologien anwenden werden.

Die wesentlichen Aussagen in der Kurzdarstellung:

  • Immer mehr werden auf Cloud Computing setzen
  • Real-time wird normal
  • Real-time zersört den Status Quo
  • Mobile Dienste werden Banking und Bezahl Innovationen bestimmen (Mobiltelefon als Mittler zwischen Bank + Kunde)
  • Kontaktloses Bezahlen wird üblicher werden bzw. wird voran kommen

http://thefinanser.co.uk/fsclub/2010/01/2010-whats-in-store-for-the-technology-of-banking.html

Das nicht nur technologische Schlüsselwort der Zukunft

Und dieses bereitet sicherlich nicht nur den Banken Probleme. Es lautet Offenheit bzw. besser „Open“ oder openess. Natürlich beschäftigt man sich bei google sehr intensiv mit diesem Thema. Im google Blog kann man nun nachlesen was google darunter versteht und die Feinde dieses Prinzips. Also alle Unternehmen und Menschen, die mehr zu verlieren als zu gewinnen haben, werden vor Angst erzittern.

There are two components to our definition of open: open technology and open information. Open technology includes open source, meaning we release and actively support code that helps grow the Internet, and open standards, meaning we adhere to accepted standards and, if none exist, work to create standards that improve the entire Internet (and not just benefit Google). Open information means that when we have information about users we use it to provide something that is valuable to them, we are transparent about what information we have about them, and we give them ultimate control over their information. These are the things we should be doing. In many cases we aren’t there, but I hope that with this note we can start working to close the gap between reality and aspiration.

Hier der gesamte Beitrag:

http://googleblog.blogspot.com/2009/12/meaning-of-open.html

Read Write Web startet eine Serie zum Thema

Read Write Web beschäftigt sich mit der Frage, wie wir gegenwärtig und vor allem zukünftig unsere persönlichen Finanzen managen werden. Im ersten Teil der Serie werden einige der recht erfolgreichen Anbieter in den USA vorgestellt. Unter anderem natürlich mint.

http://www.readwriteweb.com/

FacebookListe und YoutubeListe

Ich bin gerade dabei meine Social Finance Liste neu zu sortieren. Da immer mehr Banken nun auch bei Facebook und Youtube aktiv werden, habe ich deshalb jeweils eine eigene Liste geschaffen, in welcher die einzelnen Aktivitäten aufgeführt sind.

Wie immer an dieser Stelle mich über weitere Aktivitäten zu informieren. Als Kommentar im Block, über twitter, Facebook oder per Mail.

In der Finance20Liste sind die neuen Unternehmen aufgeführt, die neue oder andere Finanzlösungen anbieten. Darüber hinaus die eigenen Social Media Aktivitäten klassischer Finanzunternehmen, z.B. die neue Community der Union Investment. Darüber hinaus die nachhaltigen Banken.

Es wird zu weiteren Überarbeitungen kommen. Ist also ein wenig provisorisch.

Trotzdem ruhig mal reinschauen. Bei Facebook ist z.B. die Gross Gerauer Volksbank gerade neu gestartet.

Unbanking und Verlernen

Erste noch ungeordnete Gedanken zu Unbanking und Verlernen. Ordnung schaffende Kommentare erwünscht

Die Winterausgabe der gdi-Impuls hat mich inspiriert. Dort hat man sich mit der englischen Vorsilbe „UN“ beschäftigt, die uns ja im Social Media Kontext durch Begriffe wie „unfollow  oder „unfriend“ sehr häufig begegnet. Bei twitter bin ich beispielsweise mehr damit beschäftigt zu unfollowen als zu followen. Unfriend war – so steht es in der gdi_Impuls – sogar das Wort des Jahres 2009 in England.

Die beinahe inflationäre Verwendung der Vorsilbe findet seinen Grund wohl in einem Trend zur Unzufriedenheit mit dem Althergebrachten und dessen offenbar werdende Krisenhaftigkeit. Die alten Begriffe, Sichtweisen, Problemlösungen usw. führen uns verstärkt in Sackgassen und wir beginnen zu spüren, dass auch das Vertraute und Unhinterfragte wieder auf die Tagesordung muss. Das bereitet Probleme. Weil ja zumindest Zeit benötigt und  Unsicherheit erzeugt wird. Für die dann wiederum nicht auf herkömmliche Problemösungen und noch nicht mal typische Sicherheitsproduzenten wie Staat und Institutionen zurückgeriffen werden kann.

Wir leben in einer Zeit in der Erneuerung gefordert ist. Sind aber dazu ausgebildet zu verbessern, also Vorhandenes und Althergebrachtes irgendwie den neuen Anforderungen anzupassen.

Umair Haque hat im vergangenen Jahr den Begriff  und die reale Wirkung von „Innovation“ auf den Prüfstand gestellt und dabei den Begriff „Unnovation“ geprägt

Most innovation, well, isn’t: it is „unnovation,“ or innovation that fails to create authentic, meaningful value.

Wenden wir die Vorsilbe „UN“ mal auf die Finanzbranche an. Sprechen wir kurz über Unbanking. Nehmen wir dann aber direkt noch die Vorsilbe „Ver“ mit ins Gepäck. Denn in Verbindung mit dem Wort lernen, entsteht eine Tätigkeit, die uns eventuell weiter helfen könnte. Wäre der Begriff „Unbanking“ in einer Phase des (zumindest gewünschten) Übergangs in eine anderes Banking nicht sehr hilfreich.

UN“ symbolisiert den Beginn eines Wandels. Durch die Vorsilbe UN erfolgt der Bezug auf eine Vergangenheit, die in vielerlei Hinsicht mehr Probleme als Lösungen geschaffen hat, auch wenn diese Probleme 1. Nicht alle Menschen gleichermassen betraf oder betrifft und 2. Diese Probleme lange Zeit nicht wahrgenommen wurden und auch heute noch 3. zu verdrängen gesucht werden

Unbanking wäre dann in Anlehnung an Unnovation: Banking that fails to create authentic, meaningful value.

Banking wäre dann wohl das Gegenteil

Das hört sich doch einfach an.  Ist es aber wohl nicht, wie uns die letzten Monate gezeigt haben. Offensichtlich gibt es jedoch eine größer werdende Zahl von Menschen und Unternehmen, die sich durchaus Gedanken darüber machen: Welche Finanzdienstleistungen wirklich authentischen und bedeutsamen Wert für Menschen produzieren und welche Aufgaben Banken übernehmen sollten.

Unbanking bietet als Begriff auch die Möglichkeit bei der Suche nach Lösungen nicht nur in die Zukunft und ausschliesslich nach dem Neuen zu schauen. Er verweist darauf, dass auch in dem Banking – welches heute sofort unter dem Generalverdacht der Gier, Selbstsucht und Rücksichtslosigkeit steht – gute und erhaltenswerte oder eventuell wieder zum Leben zu erweckenden Bestandteile stecken. Dies würde dann z.B. bedeuten, dass Banken, deren traditionellen Werte, im Zuge der Bankindustrialisierung und des weltweiten Wettbewerbs über Bord gegangen oder die in Vergessenheit geraten sind, wieder den Mut haben könnten und sollten sich zu diesen Werten zu bekennen und diese als Wettbewerbsvorteil sehen können und wieder sehen können sollten.

Um Social Banking zu betreiben, muss möglicherweise gar keine neue Bank gegründet werden. Natürlich ist es wünschenswert , wenn neue Player mit genau diesem Ansatz in den Markt treten. Für die traditionell den Menschen und deren Bedürfnissen näher stehenden Banken sollte „Unbanking“ aber gerade auch auf die Möglichkeit hinweisen, wieder zu sich selbst zu finden und dies auch entsprechend selbstbewusst darzustellen.

Dafür reicht  es dann allerdings nicht aus die Lösung in einer Verstärkung von Marketing Aktivitäten zu suchen. Offener Dialog unter Mitarbeitern aber auch mit Kunden und Verbrauchern wäre der richtigere Weg. Man brachte und bei, dass es nicht schlimm ist Fehler zu machen, wenn später zu diesen steht und daruas lernt. (Dennoch gibt es keine etablierte Irrtumskultur in Deutschland) Wenn ein Mensch allerdings immer wieder den selben Fehler macht, dann nimmt dasss Misstrauen in die Person zu. Da kann diese Person noch so häufig ausrufen, Sie sei selbst in der Lage ihr Handeln zu verändern.

Nur ein Beispiel: Ein neues Logo und das Hinzuziehen des Marktforschungs Orakels (Commerzbank) zeugt nicht von tatsächlicher Veränderung. Der offene Dialog mit den Kunden und zwar mit allen Kunden wäre eine tatsächliche Veränderung.

Kleine Bemerkung: Marktforschung ist immer ein wenig hinterher und dieses wenig wird im Zeitalter des Echtzeitinternets immer grösser

Ein Kundenbeirat ist zwar keine schlechte Idee. Aber auch dieser ist eben nur  ein Werkzeug aus der Kategorie 1.0

Auch Kampagnen, welche die eigentlichen Fragen nicht aufwerfen oder das Thema Finanzen ganz ausklammern, sind zumindest hinterfragbar.

Was uns an der Veränderung hindert, ist unsere Vergangenheit und eine besondere Fähigeit. Wir wissen wie man lernt, aber niemand hat uns im Elternhaus, in der Schule oder an der Universität beigebracht wie man wieder verlernt. Die meisten Dinge, die sich in unserem täglichen Leben ereignenm, die meisten Handlungsweisen, die wir praktizieren, sind so tief in uns angelegt und so unhinterfragt, dass wir sie – selbst wenn sie kurzfristig (z.B. durch externe Stimuli) wieder ins Bewusstsein geraten – nicht oder nur sehr schwer verändern können. Darüber hinaus ist die Vergegenständlichung der menschlichen Handlungen so weit fortgeschritten, dass ein Zurück oder ein Anders Handeln, kaum funktionieren würde.

Verlernen ist die uns weitgehend fehlende  Schlüsselkompetenz zur Veränderung. Diese Schlüsselkompetenz müssen wir ( die wir vor dem Internet, vor der Klimakrise und vor der Finanzkrise geboren wurden) schleunigst erlernen.

Hinzu kommen muss die Fähigkeit, die von der jungen Generation hervorgebrachten Ideen und Veränderungen zu akzeptieren und zu fördern. Zweifeln ist erlaubt, diskutieren erwünscht und notwendig. Wir dürfen diese Produktivität nicht durch unsere mangelnde Fähigkeit zur Veränderung und der Angst vor der Zukunft erdrücken. Wir müssen unsere Erfahrungen mit der spielerischen Entdeckungsfreude der jungen Menschen verbinden. Alles ist kontingent. Nichts ist für die Ewigkeit und was heute richtig ist kann morgen schon falsch sein. Noch nie war das Tempo der Veränderung so schnell.

Clay Shirky bringt diese Erkenntnis in seinem herausragenden Buch: Here comes everybody auf den Punkt:

When I spend time  thinking about technology, I now spend more energy on weeding than planting, which is to say more energy trying to forget the irrelevant than learning about the new

Meanwhile, my students, many of whom are fifteen years younger than me, don´t have to unlearn the thousands of things I do, because they never had to learn them in the first place.

Machen wir uns grundsätzliche Gedanken darüber, warum es uns in der Finanzbranche immer weniger gelingt wirkliche Werte zu produzieren. Lernen wir zu verlernen und hinterfragen wir auch die Dinge, die uns allen so selbstverständlich erscheinen. In dieser Phase ist alles erlaubt.