Monatsarchiv: Juni 2009

Out of time (Tag 4 der Protestwoche)

Heute schon wieder ein neue dumme Idee eines Politikers als Antwort auf das spickmich Urteil. Und weitere Verbote zum angeblichen  Schutz des Bürgers. Wer hier wohl wirklich geschützt werden soll?

I fought the law- The Clash (Protestwoche Tag 3)

Gegen das Neue gibt es immer auch Widerstand

Heroes

Eigentlich ein Liebeslied. Aber es passt trotzdem hierhin.

We are the people: Protestwoche

Die Protestwoche beginnt. Eine Woche kein Blogbeitrag zum Thema Finance 2.0. Eine Woche lang jeden Tag ein Musikvideo. Keine klassischen Protestsongs, die sind ja sehr häufig musikalisch eher grenzwertig. Also keine Angst Joan Baez kommt hier nicht. Stattdessen Songs mit Aufbruchstimmung und mit klugen Sätzen, die ich als Gegenmotto oder Botschaft für diejenigen verstehen möchte,

  • die das Internet kontrollieren oder zensieren möchten,
  • die mit Hilfe von Juristen, Parteien oder Lobbyverbänden ihre überkommenen Geschäftmodelle bewahren möchten,
  • die das Medium Internet verteufeln oder unter der Rubrik Kulturverfall einordnen,
  • die verständnislos den jungen Menschen gegenüber stehen, für die das Internet ein sozialer Lebensraum und keine Datenbank ist,
  • die mit Hilfe des Internets ihre unsauberen Geschäfte fortführen möchten,
  • die das Medium verteufeln und nicht den dahinterstehenden Menschen als Ursache möglicher schädlicher und negativer Entwicklungen sehen,
  • die immer zwischen Gut und Böse, Schwarz oder Weiss, wichtig oder unwichtig unterscheiden müssen,
  • die nicht aus ihren überkommenen Denkstrukturen heraus können und nicht verstehen,dass die Welt sich verändert und alles kontingent und veränderbar ist,
  • die unter Politik Stimmenfang und Regierungsverantwortung verstehen, die kein Geld für Bildung aber für viele andere Dinge übrig haben,
  • die nicht erkennen, dass wir neue Institutionen brauchen bzw. dass die institutionellen Grundlagen unserer Gesellschaften und Ökonomien von der Realtität inzwischen abgehängt wurden,
  • die Dinge machen oder Produkte und Dienstleistungen anbieten, die nicht zählen, die nicht zuhören, keine Gespräche führen, ständig senden und die kontrollieren wollen, die schon wieder weiter machen wie bisher,
  • die nicht erkannt haben, dass das Ende des Wachstums 1.0 erreicht ist,
  • die immer noch nach dem „Ich“ Prinzip handeln und das „Wir“ des Internets nicht mitgehen können oder wollen,
  • die ihr Weltbild mit Gewalt durchdrücken, manifestieren und verbreiten möchten, (es ist vorbei Mr. Ahmadinedschad)
  • die keine Leidenschaft und keinen Respekt für das aufbringen, was Sie tagtäglich tun und für die Menschen für die Sie dies tun (sollten)
  • und diejenigen die vergessen haben, dass We are the peoplesind

Passend zu meinem Anliegen hier noch einige Links auf lesenswerte Artikel zum Thema

http://blogs.harvardbusiness.org/haque/2009/06/revolution.html

http://www.fischmarkt.de/2009/06/reif_fuer_den_rueckschlag.html

http://blog.handelsblatt.de/indiskretion/eintrag.php?id=2151

http://netzwertig.com/2009/06/18/bundestag-beschliesst-internetsperren-der-anfang-vom-ende/

Listen and enjoy

Den Song fand ich übrigens schon im November oder Dezember,  als ich ihn erstmals auf BFBS gehört habe, sehr schön.

Next Banking

Ein letztes Mal beziehe ich mich hier auf die Next Banking Veranstaltung in Berlin. Ein Fazit der Veranstaltung: Die Zahl der Menschen, die sich mit dem Thema auseinandersetzen ist etwas größer geworden. Gemeinsam stellten und stellen wir uns die Frage, wie „Banking“ zukünftig aussehen könnte? Wenn man die Inhalte der next banking wörtlich nehmen würde, dürfte man noch nicht einmal den Begriff „Banking“ oder „Banken“ weiter verwenden, denn unser Denken wird zu sehr dadurch gepägt, was wir in den letzten Jahren und Jahrhunderten mit diesen Begriffen verbunden haben. Die mögliche soziale Innovation ist dadurch immer vorbelastet. Wie heisst es so schön: Das Sein bestimmt das Bewusstsein.

Raiffeisen und Schumpeter sind  wieder ein Thema

Auf der next banking wurden viele interessante Ideen dargestellt. Manche waren noch wenig konkret, einige wurden schon in die Tat umgesetzt und messen sich gegenwärtig am Markt (Fidor Banking, Smava, etc.). Technologien spielten eine große Rolle und insbesondere die Frage, wie diese Technologien zukünftig unser finanzielles Handeln beeinflussen werden. Schon seit Jahren lernen wir, dass web2.o oder Social Media eigentlich nichts( oder fast nichts) mit Technik zu tun hat, aber dennoch war unsere Perspektive auf der Veranstaltung doch sehr technisch und machen wir und nichts vor: Am Ende des Tages möchten alle Unternehmen die dort vor Ort waren, mit Ihrer Idee erst einmal Geld verdienen. Eine neue soziale Idee, wie die von Friedrich Wilhelm Raiffeisen haben wir nicht diskutiert. Durch die neuen Möglichkeiten werden diese Ideen aber  wieder lebbar und haben auch in der Unternehmenswelt wieder eine Chance. Nicht nur Friedrich Wilhelm Raiffeisen wird wieder modern auch der Name Schumpeter taucht in letzter Zeit wieder häufiger auf. Soziale Verantwortung gerät wieder in den Blickpunkt. Nicht aus Nächstenliebe sondern als ökonomische, gesellschaftliche und kulturelle Notwendigkeit. In der gdi Impuls habe ich einen Artikel von  Peter Wippermann gefunden aus dem ich hier kurz zitieren möchte, denn er bringt es auf den Punkt.

Sozialer Reichtum (S.101-104,gdi Impuls, No 1 2009)

„Yes, we can“ ist das Motto des Neuanfangs nicht nur in den USA. Das „wir“ steht für Hoffnung weltweit. Mit der Finanzkrise ist der alleinige Machtanspruch des „Ich“ implodiert. Die Steigerungslust  des eigenen Ego wurde mit dem Verlust der persönlichen , unternehmerischen  und gesellschaftlichen Balance erkauft. Konsumenten, Anleger, aber auch Unternehmen und Staaten denken um. Das Soziale hat die Nische der Nächstenliebe verlassen und rückt ins Zentrum von Politik und Wirtschaft. Nach der erfolgreichen Phase des „I“ und „my“ beginnt jetzt di Suche nach dem „we“

12 Attribute, die wir für next banking benötigen

All diese Gedanken haben mich dazu bewegt, mich mit der Frage zu befassen, was wir eigentlich für next banking benötigen würden. Welche Eigenschaften, Werte oder Einstellungen sind bei Banken und Verbrauchern erforderlich, damit sich wirklich etwas verändert – einmal vorausgesetzt – dass mit next banking wirklich eine Veränderung gemeint ist und nicht lediglich ein Ausblick in die Zukunft. Meine Meinung ist damit schon hinreichend deutlich gemacht: Next Banking ist mehr als eine nur technologisch getriebene Veränderung klassischer Handlungsweisen im gesellschaftlichen Subsystem Finanzen. Next Banking bedeutet auch sich mit grundsätzlichen Fragestellungen des Wirtschaftens zu beschäftigen.

Übrigens: Next Banking ist nichts ohne das Wollen der Konsumenten. Solange die Mehrzahl der Menschen sich nicht intensiver mit dem Thema beschäftigen möchte und auch nicht den entsprechenden Druck aufbaut, wird es kaum ein next banking außerhalb der Nische geben

Hier die Folien zur Diskussion:

Und weitere Attribute bitte an mich

Links zum abbiegen

Am Sonntag ist die Woche vorbei und deshalb gibt es hier einige Links, die man eventuell mal verfolgen könnte

Der Finanzexperte berichtet über ein Finanz Quartett. Ist doch eine originelle Idee.

http://www.der-finanz-experte.de/index.php/2009/06/17/das-quartett-zur-krise/

Und wer das Spiel haben möchte:

http://www.finanzkrisenquartett.de

a1

An der Qualität der Finanzberatung soll sich durch die Finanzkrise auch nicht viel verändert haben

http://www.der-finanz-experte.de

Wer noch Beweise braucht

http://www.all4finance.de

Die aktuelle Ausgabe des Internetmagazins der VR-NetWorld GmbH. Damit informiert die VR NetWorld Volksbanken Raiffeisenbanken darüber, was in der Finanzwelt so passiert. Lesen darf aber jeder: Die neuste Ausgabe gibt es hier:

www.vr-networld-gmbh.de/banken@nternet

Mehr Bildung ist gut, hilft aber auch nicht immer

http://www.forium.de/redaktion/wie-finanzexperten-die-krise-meistern/

Too Big to fail: System theoretisch betrachtet sind große Einheiten immer schlechter als viele Kleine: Ein System muss in etwa doppelt so belastbar sein wie effizient, um seine dauerhafte Lebensfähigkeit zu sichern. In unserem Finanzsystem wurde einseitig auf Effizienz gesetzt, die Belastbarkeit kam zu kurz, da könnten kleinere Einheiten Abhilfe schaffen. Deshalb mal hier weiter lesen.

http://www.handelsblatt.com/journal/presseschau/banken-too-big-to-win;2374003

Das Ende der Krise verbieten, meint die FTD

http://www.ftd.de/meinung/dasletzte/:Das-Letzte-Verbietet-das-Ende-der-Finanzkrise/529011.html

electrouncle

PS

Mehr Links immer auch über @electrouncle

und wer will findet mich auch bei facebook

http://www.facebook.com/borisjanek

Neu bei Twitter

Mit der Volksbank Plochingen verzeichnen wir einen weiteren Twitter Zugang in der Bankenwelt

http://twitter.com/vobaplo

Wie es zur Finanzkrise kam

Bei http://thefinanser.co.uk fand ich dieses sehr sehenswerte Video, welches die Finanzkrise erklärt. Wunderbarer britischer Humor. Das Video dauert ca. 9 Minuten.

Next Banking Berlin (2. Teil)

Hier nun der zweite Teil meiner Berichterstattung über die next banking in Berlin, die offensichtlich nicht nur von mir als ausgesprochen gelungene Veranstaltung wahrgenommen wurde. (siehe Links am Ende der Seite)

In verschiedenen interessanten Blog Beiträgen kann man heute Artikel mit ähnlichen Sichtweisen lesen.  Hier finden sich auch ganz interessante Zusammenfassungen und Beurteilungen der einzelnen Vorträge und Diskussionsrunden.

Die beiden anwesenden Finance 2.0 Unternehmen Smava und die zukünftige Fidor Bank haben mit Sicherheit neue Fans und vielleicht sogar Kunden gewinnen können. Die Vorträge von und vor allem auch die Diskussion mit Herrn Artope und Herrn Kröner hat den Teilnehmern sichtlich Vergnügen bereitet.  Es bleibt abzuwarten, ob der, während der Veranstaltung, von einem Teilnehmer getwitterte Satz, dass  die Wahrscheinlichkeit geschieden zu werden in Deutschland größer als die Wahrscheinlichkeit seine Bankverbindung zu wechseln ist, von den neuen Ansätzen falsifiziert werden kann.  Als Angestellter einer der  etablierten Bankengruppen, will ich das natürlich nicht hoffen. Natürlich ist aber auch bei uns „Etablierten“ schon lange erkannt wurden, dass man die Bank nicht unbedingt wechseln muss, um ein neues Produkt zu erwerben. Man kann vielleicht nicht zwei Parteibücher haben, aber man kann durchaus Kunde bei mehreren Banken sein. Der Erfolg der Direktbanken hat uns dies gezeigt und warum sollte der Mensch (oder Kunde) nicht die Möglichkeit nutzen, dass für die eigenen Bedürfnisse Beste Ergebnis anzustreben. Das wäre ja sogar evolutionär sehr fahrlässig. Insofern ist es natürlich an der Zeit den Menschen wieder in den Mittelpunkt des Bankgeschäftes zu stellen.

Ich habe in meinem Vortrag  versucht darzustellen, dass Genossenschaften eigentlich seit ihrer Gründung  „Social Banking“ betreiben und das, was die Sparkassen und Genossenschaftsbanken vor vielen Jahren auf die Beine gestellt haben, war damals wahrscheinlich auch Finance 2.0. Und auch damals wird es dieselben Zweifler und sicherlich auch Gegener gegeben haben. So ist das nun einmal mit Innovationen. Ein überzeugendes Best Practice Beispiel in der Nutzung von Social Media konnte ich leider nicht nennen. Wir arbeiten aber daran.

Grundsätzlich geht „Social Banking“ prnzinipell ja auch ohne Internet und „unsocial banking“  geht auch mit Internet, was Frau Rehm vom Geldmagazin in ihrem Beitrag anhand von Finanzvergleichsportalen ja auch aufzeigen konnte. Ein aktuelles Beispiel hiefür ist auch das britische Portal für Minikredite  www.wonga.com.

Natürlich werden die „etablierten“ Banken und vor allem die regionalen Volksbanken Raiffeisenbanken sich stärker mit Social Media beschäftigen. Sie müssen dies auch tun, denn Märkte sind heute immer mehr online Gespräche und wer beraten will, muss sprechen. Wer nah vor Ort sein will, darf darüber hinaus den Begriff „Ort“ nicht zu eng definieren und Nähe sollte auf keinen Fall in Metern oder Kilometern gemessen werden. Nähe bedeutet zum Beispiel auch genau die Medien zu nutzen, welche die Menschen nutzen wollen. Da wäre es dann allerdings auch inkonsequent auf Filialen zu verzichten. Denn es gibt tatsächlich noch Menschen, die in die Filiale möchten oder lieber zum Telefonhörer greifen, auch wenn deren Zahl immer kleiner wird und in naher Zukunft möglicherweise nur noch die Technikverweigerer oder Kulturkritiker übrig bleiben.

Ob  und wie schnell Social Banking oder Banking 2.0 zum Erfolg wird, hängt von vielen Faktoren ab. Nicht immer setzt sich das, was die vermeindlich beste Lösung für ein Problem ist, durch und genausowenig setzen sich automatisch die Dinge durch, welche die bzw. die Mehrheit der Menschen wollen: Nicht mal in Demokratien, denn es gibt immer Menschen, Institutionen oder gesellschaftliche Gruppen, die etwas zu verlieren haben und die sich solange gegen Veränderungen wehren, bis das Pferd, auf dem sie reiten tot ist. Die hier schon zitierte aktuelle Forsa Umfrage zur Finanzkrise scheint dies zu bestätigen, denn die meisten Bankkunden wollen an ihrem Verhalten nichts ändern und außerdem ist Geld irgendwie doch ein eher unangenehmes Thema.

Mit der next banking ist ein erster kleiner Schritt getan. Das Thema bricht nun auf, um sich langsam in das Zentrum der Gesellschaft zu bewegen. Wie lange es wohl dauern wird und welche Rückschläge dabei zu bewältigen sind – denn mehr Regulierung aufgrund der Finanzkrise, könnte durchaus viele der entstehenden neuen Ansätze im Keim ersticken –kann man heute noch nicht absehen. Für uns „Etablierte“ gibt es jedoch keinen Grund, die Bedeutung der neuen Bewegung zu unterschätzen.

Weitere Next Banking Links:

http://www.next-banking.de/2009/06/ein-erstes-resumee-zur-next-banking-conference/

http://www.blicklog.com/2009/06/18/next-banking-in-berlin-ablehnen-kritisieren-nachmachen/

http://www.freitag.de/alltag/0925-bank-geld-internet-community-smava

http://www.geld-magazin.de/finanzen/aktuell/aktuell-einzelansicht/article/der-neue-trend-social-banking.html

Nach der next banking (Teil 1)

Die next banking in Berlin ist vorbei. Insgesamt eine sehr gelungene Veranstaltung mit etwa 40 Teilnehemern inklusive der durchweg sehr spannenden Referenten. Damit hatte die next banking eher Workshop Charakter, wodurch aber wiederum ein sehr reger und instensiver Austausch zwischen den Teilnehmern stattfand. Vielen größeren Veranstaltungen, auf denen ich in letzter Zeit war, ist dies nicht so perfekt gelungen. Außerdem gibt die eher geringe Teilnehmerzahl auch in etwas die Bedeutung wieder, die das Thema Finance 2.0 oder Social Banking aktuell sowohl in der Social Media als auch in der Bankenwelt hat.

An Banken Vertretern mangelete es leider auch, ein angekündigter Vertreter der Deutschen Bank erteilte den Veranstaltern wohl auch kurzfristig und unbegründet eine Absage. Was da gerade im Umfeld von Internet und Social Media entsteht wird scheinbar von vielen Finanzunternehmen keine Beachtung geschenkt oder als unbedeutend abgetan, eventuell bestehen auch gewisse Berührungsängste oder – was am wahrscheinlichsten ist – einige der etablierten Banken haben aktuell andere Probleme. Irgendwie erinnert die Abwesenheit der Banken Vertreter auch an die Zeit der Entstehung der Direktbanken, denen von den etablierten Playern damals auch kaum Chancen gegeben wurden. „Heute hat man sprichwörtlich den Salat“. Auf dem Finance Forum in Wiesbaden, wurden die auf der next banking diskutierten Themen jedenfalls nur am Rande im Vortrag von Axel Liebetrau vom Zukunftsinstitut thematisiert.

Den Veranstaltern der Next Banking möchte ich an dieser Stelle für ihre Arbeit danken. Das war wirklich gut gemacht. Ich hoffe auf eine Fortsetzung und auf eine Fortführung der vielen spannenden Gespräche, die ich auf der next banking führen durfte.

Demnächst mehr zur Veranstaltung in Teil 2