Gastbeitrag: Warum Nichtbanker sich mit Geldautomaten beschäftigen

von Matthias MD Pohle

Banking ist nicht mehr länger nur ein Thema von Banken. Das ist möglicherweise die für Banken problematischste Folge, welche Finanzkrise, Social Media und die technologische Entwicklung mit sich gebracht haben. Auf einmal beschäftigen sich Menschen und Unternehmen mit Banking, die bisher kaum eine Beziehung zu Banken hatten. Zum Beispiel Venessa Miemis, die sich in in ihrem herausragenden Blog emergent by design unter anderem mit der Zukunft des Bankings und des Geldes beschäftigt und im Rahmen dieses Projektes auch schon auf der SIBOS aufgetreten ist, wo sie ihre Sicht der Finnanzbranche darstellen konnte. Die Sicht eines Digital Natives.

zum Beispiel hier

Oder auch Matthias M D Pohle, der als Manager bei der swisscom arbeitet. Er betreibt die sehr spannende Facebook Seite Business Creativity und hat dort vor einigen Wochen aufgerufen Ideen für die Weiterentwicklung des Geldautomaten auszutauschen. Ich habe in einem älteren Blogbeitrag bereits darüber berichtet.

Rework ATM

Ich habe Matthias gebeten mir in einigen kurzen Sätzen darzustellen, wieso er sich mit der Neuerfindung des Geldautomaten beschäftigt, obwohl er eben nicht für eine Bank arbeitet, auch wenn man natürlich vermuten darf, dass gerade Telekommunikationsunternehmen zukünftig intensiver im traditionellen Bankenmarkt aktiv werden werden. Hier seine Gedanken und vielen Dank dafür.

Warum Nichtbanker sich mit Geldautomaten beschäftigen

Ich arbeite bei der swisscom in der Produktentwicklung. Die Buasiness Creativity Seite betreibe ich jedoch privat. Die Wortschöpfung stammt von einer Vorlesung, die ich in 2005 an der FH Coburg gehalten habe, nachdem ich dort 2004 absolvierte. Ich kombiniere Kreativitätstechniken mit Methoden aus der Betriebswirtschaft, aber auch der Konstruktionslehre im Maschinenbau, Softwareanalyse, etc. Das ganze nennt sich dann “Fusion-Modeling” oder eben Business Creativity. Mit der Seiteauf Facebook will ich die Leute für Innovation begeistern und inspirieren. Daher poste ich auch sehr viele Beispiele, die ich sehe und kreativ finde. Ich finde Innovation einfach eine einzigartige Möglichkeit für Firmen sich am Markt zu differenzieren. Hat man ein Produkt/Service das der Kunde unbedingt will und (noch) keiner der Wettbewerber hat; dann braucht man sich als Unternehmen keine grossen Sorgen um Marken- oder Kostenführerschaft zu machen. In unserer zunehmend standardisierten Welt brauchen wir einfach immer wieder neue Innovationen. Es gibt immer andere die schneller, besser und günstiger produzieren…

Auf die Idee mit der ATM Challenge bin ich zufällig gekommen. Ein Bekannter beschwerte sich über Bancomaten. Aus dem Pain heraus sind mir die ersten Ideen gekommen was man an einem Geldautomat neu, anders, besser machen könnte. Ich bin ein Ideenmensch, habe einige kleine schwarze Notizbücher voll mit Ideenskizzen. Aber ich wollte auch schauen welche Ideen andere haben; ganz im Sinne von Open Innovation und Crowdscourcing. Also hab ich kurzerhand die ATM Challenge gestartet; rein aus der Freude am Spass etwas neues zu gestalten und mit anderen Ideen zu crunchen. Aber vielleicht wird es zukünftig auch ein Thema sein daraus ein Business zu machen. Dann könnten Firmen Problemfelder, Opportunities und Challenges ausschreiben, die dann durch die Community bearbeitet und Ideen generiert werden. Aber das ist Zukunftsmusik.

Auch das Banking der Zukunft ist für mich Zukunftsmusik. Ich kenne es nicht, aber ich freue mich drauf. In meiner Vorstellung wird in einigen Jahren der Grossteil alles Finanztransaktionen elektronisch abgewickelt über mobile payment. Es wird noch Geldscheine geben, aber sie werden nicht mehr so häufig gebraucht. Damit wird es aber auch weniger Geldautomaten brauchen. Aber die Frage aus Sicht der Banken ist doch folgende “Wir interagieren heute mit unseren Kunden, wenn Sie am Geldautomat stehen und wir haben die Standorte der Geldautomaten als strategisches asset. Was können und wollen wir in Zukunft mit diesem Asset machen wenn es keine Geldautomaten zum Bargeldabheben braucht?!” Bei Telekomfirmen kam eine ähnliche Frage auf als Telefonzellen aufgrund von Mobiltelefonen immer mehr verschwanden.Keiner brauchte mehr eine Telefonzelle. Heute sind sie langsam wieder im Kommen als Stromtankstelle für Elektroautos… Die gleiche Situation wird in einigen Jahr(zehnten) auf die Banken mit Ihren Standorten für Geldautomaten zukommen. Wie können sie weiter mit dem Standort Wertschöpfung betreiben, wenn es kein oder nicht mehr so viel Bargeld braucht. Die Zukunft bleibt spannend.

Gastbeitrag von Matthias MD Pohle

Matthias M.D. Pohle

Dipl. Betriebswirt FH

Manager Swisscom Switzerland Ltd.

https://www.facebook.com/businesscreativity

Dem kann man nur zustimmen, die Zukunft bleibt spannend und braucht mehr Ideenmenschen, die eine andere vielleicht sogar eine bessere Welt wollen. Sind auch Sie so ein Ideenmensch? Dann freue mich auf Ihren Gastbeitrag in meinem Blog oder ihren Kommmentar.

Ich denke gerne über Filialen nach…

und behaupte dann, dass die Filiale keine Zukunft hat. Freitag letzter Woche berichtete auch das Handelsblatt von einer Reduzierung der Filialdichte von Banken. Viele sind schon weg rationalisiert wurden, ohne dass wir es mitbekommen haben. Viele weitere werden noch folgen. Es wird den Bankfilialen ähnlich gehen, wie den Post Filialen. Die jungen Menschen unter meinen Lesern werden noch nicht mal mehr eine klassische Post Filiale kennen.

Wenn man die Zukunft der Bankfiliale am Verhalten der Kunden festmachen würde, dann würden viele Kunden wohl eher eine Ausweitung des Self Service Bankings erwarten. Mehr und intelligentere Automaten, die auch nachts zugänglich sind und die immer mehr Routine Verrichtungen im Banking Prozess übernehmen. Menschen wollen nicht mehr Zeit mit Banking verbringen und sie möchten dafür eigentlich auch gar nicht mehr vor die Tür gehen. Warum auch, wenn das Banking überall dort möglich wird, wo man sich gerade aufhält. Das Internet macht es möglich. Und auch der Berater kommt sicher gerne zu Ihnen nach hause. Ist wahrscheinlich sogar viel gemütlicher.

Im Innovationsblog der Volksbank Bühl hat sich Thomas Hochfeld vom Innovationsteam der Bank Gedanken über die Filiale 3.0 gemacht: Bankfiliale 3.0 – Eine Zukunftsvision. Und in dieser Zukunftsvision spielt Technologie ( so nennen das die Menschen meiner Generation) eine große Rolle. Die Bank bzw. das SCRM System der Bank weiß viel über den Kunden und kann automatisierte Impulse aussenden. Das klingt ein wenig nach “Minority Report“. Aber die meisten Techniken sind ja bereits vorhanden. Nur bietet eine solche Filiale wirklich einen Anlass zu einem Besuch? Und machen wir uns nichts vor, wir hängen ja nur deshalb an der Filiale, weil sie personalintensiv ist und unsere Arbeitsplätze sichert.

Möglicherweise – so meine These – wird eine Filiale aber eine ganz andere Funktion haben. Sie sorgt für sinnliche und soziale Erlebnisse, die uns in unserem Alltag immer mehr verloren gehen, Die Bank hat die Aufgabe den Kunden von der Komplexität des Alltages zu befreien. Die Filiale sucht er nur noch auf, um sich mit anderen Kunden , Mitgliedern oder Freunden zu treffen. Er trifft sich dort mit anderen Menschen, um mitzugestalten, Erfahrungen weiterzugeben oder anderen zu helfen.Er diskutiert – vielleicht auch über Banking – und entwickelt sich und sein know how damit auf Augenhöhe. Vielleicht nutzt er auch nur die Räumlichkeiten der Bank, zum Beispiel als mobilen Arbeitsplatz oder als co working space. 

Die Technologie befreit übrigens nicht nur den Kunden sondern auch den Mitarbeiter, der so Zeit zurück gewinnt, die er beratend und lernend nutzen kann. Der Bankmitarbeiter der Zukunft wird dann aber weder Berater noch Vertriebler sein. Er wird möglicherweise eher ein Animateur sein, der Erlebnisse schafft und die Brücke schlägt zwischen Technologie und der im Banking verborgenen menschlichen Erfahrung.

So könnte es kommen. Oder nicht?

Gastbeitrag: Innovationstätigkeit- und fähigkeit -Teil 1

Zeitalter der Innovation?

Es vergeht kein Tag an dem ich nicht das Wort “Innovation” über meine Lippen kommt. Alles scheint sich zu verändern. Überall beschäftigt man sich damit, wie man auf Veränderungen innerhalb unserer Umwelt reagieren kann. Man stellt sich die Frage, ob es nicht besser wäre sich sowohl beruflich als auch privat auf ständige Veränderungen einzustellen. Wenn – was man auch überall lesen kann – Innovation überlebenswichtig für Unternehmen wird, dann kann man diese auch nicht mehr bestimmten – dafür zuständigen- Abteilungen oder Mitarbeitern überlassen – sondern muss sie im Alltag integrieren, damit Sie überall stattfinden kann und auch gefunden werden kann, ohne dass wirklich gesucht wird.

Nextmind

Mit frischen Ideen und Innovationen beschäftigt sich regelmäßig der Blog Nextmind. Hier haben sich einige Innovation Thought Leaders zusammen getan und schreiben spannende und inspirierende Artikel rund um das Thema Innovation. Ich freue mich deshalb sehr, dass sich mit Dr. Andreas Eckstein einer der Autoren bereit erklärt hat mir einen Gastbeitrag für meinen Blog zu Verfügung zu stellen.

Dr. Andreas Eckstein

Ist Präsident des Verbandes Europäischer Zukunftsforschung e.V.  Er hat Betriebswirtschaft an den Universitäten Würzburg, Osnabrück studiert und einen Master of International Business an der University of South Carolina erworben. Dr. Andreas Eckstein promovierte über die internationale Expansion mittelständischer Unternehmen an der Universität Göttingen bei Prof. Dr. W. König.
Seit 2006  ist er bei der Hannover Rückversicherung AG tätig. Schwerpunkte:
- Strategieentwicklung
- Business Development

Der hier gepostete Artikel wurde am 18. März dieses Jahres bereits im Blog Nextmind veröffentlicht. Die weiteren drei Teile werden  in den nächsten Wochen erscheinen

Innovationsfähigkeit und – tätigkeit Teil 1

von Dr. Andreas Eckstein

Innovationen

Die Innovationstätigkeit hat in den letzten Jahren eine gesteigerte Aufmerksamkeit erfahren. Dies ist einerseits darauf zurückzuführen, dass das Innovationspotenzial von KMU häufig unter- und die Innovationskraft von Großunternehmen relativ überschätzt wurden (Vgl. Zimmermann (2002): Zur Entwicklung der Innovationstätigkeit von kleinen und mittleren Unternehmen, S. 40 ff).

Andererseits hat die Notwendigkeit veränderte technologische und nachfrageseitige Anforderungen in einem zunehmend härteren Wettbewerb zu bewältigen, dazu geführt, dass der Neuerungsgrad von Produkten, Prozessen und Dienstleistungen für Unternehmen an Bedeutung gewonnen hat.

Dass Innovationen für Gesellschaft, Politik und Wirtschaft eine herausragende Stellung besitzen, ist keine neue Erkenntnis. Schon am Anfang des letzten Jahrhunderts verwies der österreichische Nationalökonom Joseph Schumpeter auf ihren gesamtwirtschaftlich und gesellschaftlich wichtigen Charakter als Treibkraft wirtschaftlicher Entwicklung. Nach Schumpeter kennzeichnet das Wesen des erfolgreichen Unternehmers, dass er Bestehendes durch neue erfinderische Kombinationen von Ressourcen und Fähigkeiten (Innovationen) ersetzt und dadurch neue Wertschöpfungspotenziale erschließt (Vgl. Schumpeter (1934): Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung, S. 93 ff).

Impulse zur Innovation

In Zeiten zunehmender Sättigungserscheinungen und scharfer Konkurrenz auf wichtigen Weltmärkten scheinen die Schaffung neuer erfolgreicher Produkte sowie die Verbesserung von Prozessen für immer mehr Unternehmen eine wichtige Rolle einzunehmen. An dieser Stelle werden die wichtigsten Innovationsgründe betrachtet:

Aufgrund der Tatsache, dass eine Vielzahl (zunehmend internationaler) Konkurrenten mit ähnlichen Produkten auf den wichtigsten Märkten agiert, besteht ein Anreiz zur Innovation in der Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit. Da die Position im Wettbewerb sowohl durch neues technologisches Wissen („technology-push“) als auch sich wandelnde Kundenanforderungen („demand-pull“) beeinflusst wird, bildet häufig eine Kombination aus Technologiedruck und Nachfragesog den Impuls zur Suche nach Möglichkeiten, um die Wettbewerbsposition zu stärken.

Häufig führen die Kundenwünsche dazu, dass Unternehmen nach neuen Problemlösungen suchen und gewünschte Leistungen entwickeln. Zur Suche nach innovativen Lösungen dienen sowohl von vorhandenen Kunden geäußerte Bedürfnisse als auch von neuen Kunden initiierte Anfragen. Vor allem kleinere Unternehmen meiden ohne diesen Schub vom Markt die Risiken und die hohe Ressourcenbindung, die mit der Suche nach innovativen Problemlösungen einhergehen.

Häufig sind die Abnehmer der Leistung nicht nur einmalige Auslöser von Innovationen. Viele Unternehmen suchen die Kommunikation mit Kunden auf breiter Basis, um sie in den Prozess der Findung und Ausgestaltung neuer Ideen einzubeziehen. Dabei spielen insbesondere Anregungen der Leitkunden („lead-user“), die oft über herausragende Produktkenntnisse und direkte Kontakte zum Unternehmen verfügen, eine wichtige Rolle.

Die Beschränkung der Ideensuche auf die Wünsche der Abnehmer kann jedoch dazu führen, dass die aktive Suche nach Problemlösungen eingeschränkt wird, weil die Kunden ihre Änderungswünsche an Produkten orientieren, die sie bereits kennen. Daher bildet die Suche nach neuen Verwendungsmöglichkeiten einen weiteren Innovationsanstoß. Solche Chancen sind häufig abseits der eigenen Branche zu suchen und folglich schwerer zu entdecken. Ein hierzu erforderliches systematisches „Markt- und Technologiescreening“ erfordert zumeist relativ hohe personelle und finanzielle Kapazitäten. Zudem ist die aktive Suche oft langwieriger und teurer als die Reaktion auf veränderte Kundenwünsche (Vgl. Arthur D. Little/BDI (2004): Innovation Excellence Studie, S. 34). Jedoch lassen sich die so entwickelten Neuerungen zumeist nicht nur an einen Kunden, sondern an mehrere Gruppen verkaufen.

Dr. Andreas Eckstein
Präsident Verband Europäische Zukunftsforschung e.V.
Berliner Allee 12a
30175 Hannover
eckstein@vez-online.de

Bullshit Sätze

Nochmal Nachtragend

Ein Satz ist schnell gesagt. Zum Beispiel dieser Satz: Banken wollen beraten, Kunden wollen entscheiden! Wir stellen sofort fest, dass es sich um eine polarisierende Aussage handelt, die ein konkretes Ziel verfolgt. Nämlich das Banken den Kunden eine Leistung verkaufen möchten, die diese gar nicht wünschen oder brauchen. Darüber hinaus möchte der Sprecher darauf hindeuten, dass die Beratung von Banken nicht zur Entscheidung des Kunden beiträgt.

Einen solchen Satz kann man so nicht stehen lassen, auch wenn er von einem eher bankkritschen Publikum gerne
gehört wird. Wobei einschränkend gesagt werden muss: Viele Teilnehmer der re-publica sind eher Internet euphorisch und weniger kritisch gegenüber irgend etwas.

Aber zurück zu meinem “Bullshit-Satz”: Banken wollen beraten und Kunden wollen entscheiden! Wieder wird uns eine schwarz/weisse Welt verkauft. Gibt es die Kunden? Gibt es die Banken? Wollen Direktbanken zum Beispiel wirklich beraten? Müssen Banken nicht sogar beraten, weil es (1) rechtliche Regelungen gibt und weil es (2) in der Regel auch für die Bank nicht gut sein sollte, wenn der Kunde sich verspekuliert? Wäre es ohnehin nicht besser (3), wenn der Anbieter von Finanzdienstleistungen  bzw. deren Mitarbeiter eine Beziehung zu ihren Kunden aufbauen würde? Egal,  ob dies nun eine Beziehung ist, die von Angesicht zu Angesicht oder über technologische Möglichkeiten geführt wird? Und ist es nicht so, dass die meisten Menschen sich  wünschen in Finanzfragen möglichst unkomplizierte, zukunftssichere, zeitsparenende, nachvollziehbare und vertrauenserweckende Lösungen brauchen.

Mit anderen Worten: Menschen suchen Entscheidungshilfen. Sie suchen nach Angeboten, welche die ständig wachsende Lebenskomplexität reduzieren. Und sehr viele Kunden suchen und brauchen dann eben doch Beratung. Denn bei allerBegeisterung für die Möglichkeiten des Internets: Warum haben Genossenschaftsbanken und Sparkassen noch so viele Kunden? Tendenz steigend!, wenn Kunden lieber direkt entscheiden wollen. Menschen wollen auch nicht unbedingt entscheiden, Sie müssen entscheiden und das unter immer mehr Optionen, womit die Gefahr eine folgenreiche Fehlentscheidung zu treffen zunimmt.

Retail Banken müssen – wenn sie denn auch in Zukunft noch existieren möchten – Services anbieten, welche die Komplexität reduzieren. Sie müssen die Bedürfnisse von Kunden rasch erfassen können und passende Lösungen präsentieren, die sich an den individuellen Präferenzen des Kunden orientiert. Banken müssen nicht noch mehr Optionen oder noch mehr Produkte anbieten. Sie müssen vereinfachen und Sie müssen Menschen beraten. Wie diese Beratung inhaltlich und in der Form aussieht, dass ist eine ganz andere Frage, aber Menschen greifen für Ihre Entscheidungen gerne auf vorgedachte Lösungen und vertrauensvolle Partner zurück.

Und deshalb kann und möchte ich solchen polarisierenden Bullshit nicht mehr hören, zumal es dafür doch Talks Shows im Fernsehen gibt

Was mich aufregt

Ich bin ein ausgeglichener Mensch. Manchmal rege ich mich dann aber doch mal auf.

Am Freitag war ich Gast auf der co-funding 2012 und durfte dort an einer Podiums Diskussion teilnehmen.  Auf dieser Diskussion ist mir die  eher  kommunikative Zuspitzung oder  Polarisierung aufgestoßen, der man eigentlich immer begegnet, wenn man irgendwo über Finanzthemen oder die Finanzwirtschaft diskutiert. Zumindest aber seitdem alle Menschen mitbekommen haben, dass wir in so etwas wie einer dauerhaften Finanzkrise leben.

Gerade auf Internetkongressen liegt diese Polarisierung immer im Raum. Wir Guten des Internets gegen die bösen Anderen. Da entdecke ich dann Denk- und Handlungsmuster der – ich nenne das mal – alten Welt – die – so meine Hoffnung -gerade das Internet aufzulösen in der Lage sein müsste.

Nicht alles, was mit Internet zu tun hat oder durch es hervorgebracht wird, ist automatisch gut und nicht alles, was mit der alten Welt oder auch mit Banken zu tun hat, ist automatisch schlecht.

Es gibt nicht “Die Banken”

Was mich aufregt, ist zum Beispiel, dass immer pauschal von den Banken gesprochen wird, wenn man nach Verursachern der Finanzkrise sucht. Mal abgesehen davon, dass es nicht nur die Banken waren, sollte man doch in der Lage sein zu differenzieren.

Es gibt Banken, und in Deutschland sogar sehr viele Banken, deren Handeln und Wirtschaftsweise vernünftig, realwirtschaftlich orientiert und gesellschaftlich förderlich war und ist. Und das sind vor allem die Genossenschaftsbanken und die Sparkassen.

Regeln sind nicht per se schlecht

Auch Institutionen der gesellschaftlichen und politischen Regulierung und hier vor allem der finanzwirtschaftlichen  Regulierung müssen nicht immer schlecht sein. Man muss ja fast ein wenig schmunzeln oder – wenn man eher der sanfte Typ ist, beginnt man zu frösteln, wenn von Vertretern der crowd investing Szene gefordert wird, regulatorische Regeln zu ändern, damit höhere Investitionen getätigt werden können. War der Abbau von Regulierungen nicht auch der Anfang der  Finanzkrise, die wir heute durchleben?

Crowdfunding ist nicht gleich crowdfunding

Vielfalt ist gut.Vielfalt erzeugt stabilere Systeme, also auch eine stabilere Wirtschaft. Jede Plattform, jede neue Alternative und Idee, welche entsteht, weil Menschen Banking neu erfinden, besser oder anders machen möchten, ist eine positive Sache. Entwicklungen, welche dem digitalen Darwinismus stand halten, werden die Finanzwirtschaft und die Banken verändern. Und auch Veränderung ist gut, denn Banking ist auch anders möglich.

Aber wir sollten uns auch nichts vormachen. Neue Angebote innerhalb der Finanzwirtschaft entstehen nicht, weil die Mehrheit der Menschen sie will, herbeisehnt oder sogar aktiv herbeiführt. Der durchschnittliche Finanzkunde wartet nicht sehnsüchtig auf crowdfunding oder crowdinvesting. Selbst die Mehrzahl der kleinen und mittelständischen Unternehmen schreit nicht Hurra und fragt wo sie denn bleiben, die crowdsourcing und crowdinvesting Anbieter.

Nur 4 Millionen Deutsche besitzen Aktien und genau hier liegt die Zielgruppe des gestern gelaunchten crowd investing Portals Bergfürst. Die Hoffnungen, die ich mit crowdfunding verbinde, liegen jedoch auch einer gänzlich anderen Ebene.

Was ich mir von crowdfunding erhoffe

Crowdinvesting bietet eine Chance die Menschen wieder näher an die Unternehmen und an das was sie tun, heranzuführen. Crowd Investing kann die Möglichkeit einer Harmoniniserung von Interessen herbeiführen, es bietet die Möglichkeit sich stärker an den Entscheidungden der Unternehmen zu beteiligen. Investieren sollte weniger abstrakt sein. Wer sich nur mit Geld beteiligt, ist auch nur daran interessiert  „Mehrgeld“ zu erwirtschaften.  Er setzt auf alte Mechanismen, nutzt aber dafür ein anderes, möglicherweise etwas transparenteres Tool. Das ändert aber – wenn man ewas ändern möchte- nicht viel. Durch das Angebot von crowdinvesting ist man deshalb nicht direkt ein anderer oder fairerer Banker.Es ist insofern ungerecht  und auch falsch das eigene Geschäftsmodell durch das vermeindliche Versagen der Finanzindustrie in ein besonders Licht rücken zu wollen.

Durch cowdfunding besteht die Möglichkeit, dass Dinge, Themen und Ideen finanziert werden, die in der klassischen Finanzwirtschaft normalerweise keine Chance hätten, weil sie zum Beispiel keine ausreichende Rendite versprechen. Crowdfunding ist eine Chance für den Erhalt des regionalen Kindergartens, die Resozialisierung des Sozialwesens, indem Menschen in Menschen und das Gemeinwohl investieren und nicht in abstrakte Geldanlagen. Es ist auch eine Chance für neue kleine Unternehmen, die nicht einem falschen Wachstumsideal hinterherlaufen. Es ist eine Chance für das genossenschaftliche Modell. Warum muss alles groß und größer werden und warum braucht Deutschland ein Start up wie Facebook. Bevor ich mich hier über zu wenig Möglichkeiten der Finanzierung beschwere, würde ich lieber mal überprüfen, ob es nicht häufig auch an der fehlenden Idee liegt. Oder daran, das nur amerikanische Ideen kopiert werden  oder noch schlimmer – direkt Amerika kopiert wird-nur weil es dort  eine erfolgreiche Online Wirtschaft hat.

Douglas Rushkoff schreibt in seinem Buch „life inc – How corporatism conquered the world and how we can take it back:

Comerce is good. It´s the way people create and exchange value. Corporatism is something else entirely. Though ot completley distinct from commerce or the free market, the corporation is avery specific entity, first chartered by monarchs for reasons that have  very little to do with helping people carry out transactions with one another. It´s purpose, from the beginning, was to surpress lateral interactions between people or small companies and instead redirect any and all value they created to a select group of inventors“

Crowdfunding sollte gerade diese laterale Beziezungsebene stärken und wiederherstellen. Es sollte Menschen mit Ideen und Ideen mit Menschen verbinden. Es sollte Investitionen erlauben, die weit über Geld hinausgehen. Es sollte Menschen und Unternehmen harmonisch in regionalen Wirtschaftskreisläufen vereinigen. Wenn crowdfunding so verstanden und praktiziert wird, dann handelt es sich um eine Veränderung, wenn es nur eine andere Form der Aktienbeteiligung wird, dann ist crowdfunding nur ein Surrogat, für eine kleine Gruppe von Menschen und einige Unternehmen. Das ist legitim. Nicht weniger, aber auch nicht mehr.

Ich würde hier gerne diskutieren, wie ein genossenschaftliches crowdfunding funktioniert.

Tanz den Mai und ein wenig Banking

Wenn die Gedanken nicht richtig fließen, mir also mal so absolut nichts einfallen will, dann muss die Musik herhalten. Einerseits zum Entspannen. Andererseits um einen regelmäßigen “Blogging”-Rhytmus einzuhalten. Denn schließlich bin ich ja nicht nur der “finance20uncle” sondern auch der electrouncle. Hier also 10 Songs, die man sich in diesem Mai mal anhören sollte:

1. Working Class Hero von John Lennon

2. Working von Nina Kraviz

3. Levi Stubbs Tears von Billy Bragg

4.Babylon von David Gray

5. The times they are a changing von Bob Dylan

6. The compete Banker von The Divine Comedy

Im Mai immer bei mir auf der Playlist

7. Forest Fire  von Lloyd Cole

Aktuell wieder in den englischen Charts

8. Together in electric dreams in der Version von Philip Oakey und Giorgio Moroder

9. Midnight Express von Himan mein Elektro Goodie des Monats

10.Der Turm stürzt ein von Ton Steine Scherben darf im Mai natürlich nicht fehlen

Wer jetzt noch was über Banking hören möchte:

Das mobile Payment Rennen in Großbritannien wird spannender. O2 ist offensichtlich mit dem bisher attraktivisten Angebot auf den Markt gekommen. Das meint zumindest Chris Skinner. Let the mobile wallet wars beginn

Mit WIkifolio gibt es einen Neuzugang im deutschen Finance20 Markt. Das Angebot erinnert ein wenig an etoro. Menschen können in Aktien investieren, indem sie erfolgreichen Handelsstrategien, sogenannten wikifolios Folgen können. Demnächst mehr

Am 04. Mai kann man mich übrigens auf der co funding Konferenz in Berlin treffen. Am 09. Mai darf ich auf der Euroforum Konferenz Baufinanzierung etwas zu Social Media erzählen und ich habe doch tatsächlich eine Anwendung für Pinterest gefunden.

In diesem Sinne. Bitte Musik hören. Geht auch auf der Republica 2012

Was hängen blieb vom 4. genobarcamp

In der vergangenen Woche fand das vierte genossenschaftliche Barcamp statt. Veranstalter war die DZ Bank in Frankfurt. Wir mussten hoch hinaus. Bis in den 50. Stock und hatten am Abend des ersten Tages einen herrlichen Ausblick auf die Bankenstadt Frankfurt. 60 Mitarbeiter aus der genossenschaftlichen Bankengruppe nahmen Teil. Soweit die statistischen Daten und nun in Stichworten, was bei mir hängen blieb:

1. Innovation und Veränderung ist eine Frage des Alters. Vor allem die Beiträge der jüngeren Teilnehmer und  die Diskussion mit ihnen fand ich besonders inspirierend.

2. Es wurde viel über Social Media aber zu wenig über die Zukunft der Banken und insbesondere der genossenschaftlichen Banken diskutiert.

3. Banken glauben an Veränderung, aber nicht daran, dass es sie ähnlich treffen könnte, wie die Kodaks und wohl auch Nokias dieser Welt.

4. Es gibt sehr viele – zumeist externe oder extrinsische Gründe – die als Erklärung dafür herhalten können, dass man selber nichts bewegt oder bewegen kann.

5. Die wirklich wesentlichen Entscheidungen für die Zukunft der Bankenwelt fallen woanders. Sie haben viel mit politischen, wirtschaftlichen und auch technologiischen  Entwicklungen aber – so meine Meinung – wenig mit Social Media zu tun.

6. Wir haben noch nicht erkannt, dass der Kunde entscheiden wird, welche Angebote er zukünftig noch nachfragt und annimmt. Das liegt nicht daran, dass der Kunde klüger oder mächtiger wird, sondern eher daran, dass sich Banking in seinen immer komplexer werdenden Alltag integrieren können muss. Und das hat dann eben doch viel mit Technologien und wenig mit persönlicher Beratung zu tun.

7. Wir brauchen mehr Impulse von außen. Vielleicht auch Impulse von “Nicht Banken”. Mehr Impulse von Menschen und nicht von Social Media Gurus (obwohl die Keynote sehr gelungen war). Wir brauchen deshalb eine Plattform oder viele Plattformen für die Diskussion

8. Wir brauche konkrete Ergebnisse und konkrete Projekte

9. Wir haben die richtigen Menschen und die richtigen Antriebe

10. Wir brauchen Mut und Selbstbewusstsein.

Das fünfte Barcamp findet im November in Schwäbisch Hall statt. Bis dahin können wir auch hier diskutieren. Ich frage Sie: Was brauchen wir noch?

Wer was ändern will, wird Banker!

Unbehagen

Denken Sie manchmal da läuft was schief? Gibt es Tage an denen es Ihnen vorkommt, als lebten Sie im falschen Leben? Überall spricht man von Krise. Die Welt dreht sich um einen Begriff, dessen reale Entsprechung wir für überlebenswichtig halten oder halten müssen: Wachstum. Dafür müssen dann die einen sparen und die anderen werden subventioniert, weil sie das System tragen.

Das Private kommt auch immer kürzer. Eine Trennung zwischen Privatheit und Arbeit soll es bald nicht mehr geben und das wird uns auch noch als gut und richtig verkauft bzw. wir verkaufen uns das inzwischen selber als gut und richtig.Vielleicht wissen sie gar nicht mehr, was das Private ist. Die Arbeit macht eventuell noch Spaß und Sie merken gar nicht, dass ganz schön Lebenszeit für etwas drauf geht, das Ihnen vorgaukelt, dass Geld und Glück identisch seien und man nach mehr Geld streben müsse, um sein Glück zu maximieren.

Wie die Zukunft der Arbeit aussehen könnte, zeigt uns aktuell der Film: Work Hard/Play Hard

Wenn Sie dann noch unter der zunehmenden Ungerechtigkeit, der Zerstörung der Natur, der Entsozialisierung bzw. Pseudosozialisierung (durch Social Media)  der Menschen leiden, dann werden Sie von Zeit zu Zeit den Gedanken haben, einmal die Welt zu verändern.

Zur Tat schreiten

Nur wie soll das gehen? Schon die 68er Generation hat sich über den richtigen Weg gestritten. Die Mehrheit wählte den Marsch durch die Institutionen, was zahlreiche Veränderungen und Verbesserungen mit sich brachte, die Grundbedingungen aber auch irgendwie verfestigt und sogar verselbstständigt haben. Sind das Systemlogiken?

In den USA und teilweise auch bei uns entstand eine Occupy Bewegung, die zumindest in den USA noch lange nicht so tot ist, wie viele von uns vielleicht annehmen, nur weil man in unseren Medien nicht mehr viel davon hört. Wobei ja ohnehin noch nicht viel darüber berichtet wurde, denn es gilt ja auch weitere Superstars zu suchen oder volkstümliche Lieder zu trällern.

Artikel zu occupy wallstreet von Michael Moore auf the nation.com

Werdet Banker

Vielleicht gingen die 68er auch nur durch die falschen Institutionen? Wer heute etwas verändern möchte gründet ein Technologie Unternehmen. Dafür gibt es viele Beispiele. Überhaupt scheint es so zu sein, dass viele jüngere Menschen lieber etwas Eigenes machen und dies durchaus häufig mit dem Ziel etwas anders oder besser zu machen, als sich einem etablierten und verkrusteten Unternehmen anzuschließen,

Das ist gut aber auch schade, denn letztendlich gibt es Unternehmen, die eine so wichtige Rolle beim Erhalt oder der leichten Reparatur des Status Quo, der immer weniger funktionierenden prägenden Form des Wirtschaftens spielen, dass man diese verändern müsste, um wirklich etwas zu erreichen. Ich meine natürlich die Banken und manche haben damit begonnen neue Banken oder bankähnliche Gebilde zu gründen. Was schon mal ein großer Fortschritt ist.

Werdet Banker und verändert dadurch die Banken

So schizophren das aber klingt.  Die Finanzkrise macht gerade jene Banken noch stärker, deren Handeln wesentlich für die Herbeiführung dieser Krise war. Neue Regeln und Gesetze, deren Umsetzung ja in der Regel mit hohen finanziellen und personellen Investitionen verbunden sind, können diese großen Banken viel besser umsetzen. Im Notfall hilft dann noch ein großes Beratungshaus oder eben eine Finanzspritze des Steuerzahlers.

Da bleibt doch wirklich nur eigentlich nur eine Möglichkeit. Lasst uns alle Banker werden. Für die älteren unter uns ist dies keine Option, aber aller jungen Menschen, die gerade auf der Suche nach einem Beruf für das Leben sind, möchte ich nahelegen zu einer Bank zu gehen.

Stärkt die guten Banken, indem ihr dort eure Qualifikationen einbringt. Und verändert die anderen Banken indem ihr dort anheuert, um die Dinge anders zu machen. Und ordnet euch nicht in die vorhandenen Strukturen ein, lauft nicht den geraden vorgegebenen Karriereweg. Stellt Fragen, seid kritische Geister. Empört Euch! Fordert! Hinterfragt das Selbstverständliche und verändert. Tragt andere Kleidung. Nutzt die Verunsicherung, um die guten Banken noch besser und  die normalen Banken besser zu machen.

Bewerbt Euch auch, wenn ihr Euch nicht in den Beschreibungen der Personaler bzw. den ewig gleichen Artikeln der Karriereratgeber und Zeitungen widerfindet. Schleicht Euch im Notfall einfach ein, haltet Euch an die Rituale, aber seid stark, konfliktfähig und überzeugend. Andere Banken gibt es nur durch andere Menschen bzw. durch den Mut der Menschen gemeinsam die eingespielten Praxen zu hinterfragen und zu verändern. Und wenn es andere Banken gibt, dann verändert sich noch viel mehr.

Am 26. und 27. April findet das 4. genobarcamp der genossenschaftlichen Gruppe statt. Ich bin gespannt wie viele andere Banker ich treffen werde. Am Freitag gibt es hier einen ersten Eindruck von der Veranstaltung.

Rework ATM

Ein Geldautomat ist ein nützliches Gerät.Mit Hilfe dieser schönen Erfindung können wir rund um die Uhr Bargeld von unserem Konto abheben, vorausgesetzt wir haben ein solches Konto und unser Kontostand lässt die Abbuchung von Geldbeträgen noch zu. Natürlich müssen wir auch erst einmal den Geldautomat unserer Bank finden. Aber dafür gibt es ja jetzt Apps.

Erfunden hat den Geldautomaten oder ATM der Amerikaner Don Wetzel. Don Wetzel war – zumindest geben das die historischen Daten nicht her -offenbar kein Banker. Stattdessen störte er sich daran für das Abholen von Bargeld bei seiner Bank in einer langen Schlange stehen zu müssen. Wie so oft bei technologischen Neuerungen dauerte es eine ganze Zeit lang, bis Banken dieses Gerät einzusetzen begannen und die Gründe hierfür kommen uns heute durchaus bekannt vor. Einerseits war die Grundidee technologisch nicht ausgereift andererseits war den Banken das Sicherheitsrisiko zu groß. Erst mit der dritten Generation der Geldautomaten kam laut der Seite http://www.atmlocator.de/geldautomaten.html der Durchbruch und damit den Siegeszug der Geldautomaten.

Interessant übrigens, dass die Idee eben nicht von den Banken selber kam. Sie waren ja auch nicht Teil sondern eher Grund für die lange Schlange. Auch heute entstehen zahlreiche technologische Ideen ebenfalls außerhalb der Bankenbranche. Ihnen wird der Mangel an Service, Bequemlichkeit, Einfachheit und Transparenz zumeist gar nicht bewusst.

Wie lange wir Geldautomaten noch benötigen, kann heute niemand einschätzen. Käme es durch die Möglichkeiten des mobilen Internets irgendwann einmal dazu, dass wir kein Bargeld mehr benötigen, dann wäre sicherlich auch das Ende der Geldautomaten gekommen. Allerdings können diese heute bereits viel mehr als nur Geld ausgeben. Sie sind zu mächtigen Selbstbedienungs-Maschinen geworden, die viele Bankprozesse- und Aufgaben automatisieren und inzwischen auch bankfremde Aufgaben – wie z.B. das Aufladen von Mobiltelefonen oder die Bestellung von Eintrittskarten – übernehmen können.

Der Trend zur Selbstbedienung – der für viele Banken nicht nur positive Folgen hat – wird sich weiter fortsetzen, da Banking besser in den komplexer und schneller werdenden Alltag integriert werden muss. Die Zeit zum Besuch der Filiale werden sich immer weniger Menschen nehmen können oder wollen. Und aus Kosten Gründen werden weitere Prozesse automatisiert werden.

Was der Geldautomat aber wirklich können soll, dass können vielleicht die Kunden viel besser einschätzen. Auf der Facebook Seite “Creativity Matters” gibt es nun die Möglichkeit eigene Ideen einzubringen. Die Seite beschäftigt sich mit Innovation und Kreativität und hat eine von einem Mitarbeiter der swisscom gestellte Frage zur Weiterentwicklung von Geldautomaten aufgenommen.

          Hier sein Aufruf im Originaltext:

His challenge is an open innovation project from within users. There is no project assignment and no client or customer who ordered it. As simple as it is, a friend complained about transaction fees after using an ATM. That was the trigger to start this challenge to create better usability, new features and ideas :-) BTW, the photo is a random picture. After deciding to create this challenge it`s been the first ATM in sight :-) Neither the UBS as a bank, nor the ATM-Manufacturer where involved in setting up this challenge. 

Fill in your ideas & share the picture with your friends. You can also tag people in the picture, who should attend this challenge :-) The more the merrier. At the end we will present all ideas to Innovation Managers from major banking companies and maybe one or the other idea will become reality soon. BTW all contributors will be credited as co-creators :-)

What are your ideas?

 
Ja wie lauten Ihre Ideen? Besuchen Sie die Facebook Seite “Creativity matters”
 
 
Oder lassen Sie uns doch hier einige Ideen diskutieren, denn wünschen wir uns nicht alle weniger Mühe und Aufwand bei der Erledigung unserer Bankgeschäfte?

Etwas Neues: Diesmal von Ihrer Bank?

Es gibt sie.

Innovative Banken. Ich meine nicht die ständige Anpassung von Konditionen oder das Angebot neuer – vermeintlich attraktiver – gut verpackter jedoch zersetzender Investmentprodukte. Auch die Möglichkeit, die Banking Pin selbst auszuwählen ist nicht gemeint. Fans und Follower sammeln schon gar nicht.

Gemeint sind Banken, die damit beginnen das Banking in das mobile, komplexe und immer schneller werdende Leben der Menschen zu integrieren. Banken, die verstehen, dass sich eigentlich nur wenige Menschen intensiv mit finanziellen Fragen beschäftigen möchten und können und die verstanden haben, dass es hoffnungslos ist die Menschen umzuerziehen oder an ihre soziale Kompetenz zu appellieren. Banking kann Spaß machen. Menschen haben jedoch unterschiedliche Vorstellungen von Spaß. Es macht zum Beispiel Spaß, wenn man seine finanziellen Angelegenheiten in guten Händen weiß, wenn einen die Bank mitmachen und mitentscheiden lässt und wenn die Bank sich kümmert und nicht verkauft und vor allem auch, wenn die Bank sich verändert und nicht immer gleich bleibt. Der Mensch mag Abwechslung.

Barclays ändert etwas

Die Barclays Bank hat offensichtlich verstanden, wie man mit der Zeit geht. Kritik an deren Geschäftsgebaren und der Rolle innerhalb der Finanzkrise blende ich hier mal kurz aus. Sie wäre sicherlich mehr als berechtigt. Aber in letzter Zeit läuft mir diese Bank sprichwörtlich immer über den Weg, wenn es um technische Innovationen geht.

Bereits im Jahr 2009 hat die Bank eine Flagship Filiale in London eröffnet, in der moderne Beratungskonzepte ebenso erlebbar sind, wie eine neue Generation von Selbstbedienungsterminals. Das Ganze gepaart mit einer beeindruckenden Architektur. Eine Filiale mit Ambiente, die man auch gerne einmal besucht, wenn man keine finanzielle Entscheidung treffen muss.

Vor einigen Wochen dann eine neue Kreditkarte mit Community Ansatz. Eine soziale Kreditkarte also. Die Inhaber der Kreditkarte ist Teil einer Community, welche Ideen zur Weiterentwicklung des Angebotes einbringen kann. Zusätzlich können Sie jederzeit die finanziellen Ergebnisse der Karte einsehen, werden also informiert wie die Bank damit Geld verdient und erhalten Anteile des erzielten Gewinns.

Die soziale Kreditkarte von Barclays

Auch das kontaktlose Bezahlen mit dem Mobiltelefon wird getestet. Barclaycard Inhaber können mit Hilfe eines Aufklebers, dem sogenannten Pay Tag auf der Rückseite ihres Mobiltelefons bezahlen. Allerdings bisher nur geringe Beträge. Dafür ist das Angebot kostenlos für Barclaycard Inhaber und in Großbritannien kann immerhin schon in der U-Bahn kontaktlos bezahlen.

So bezahlt man bei Barclays kontaktlos

Mit Pingit wurde nun eine Anwendung entwickelt, mit welcher Kunden und Nichtkunden Geldbeträge bis zu 300 Pfund per Mobiltelefon auf das Konto einer Person überweisen können, die diese dann von einem Geldautomat abholen kann. Täglich sollen sich 10.000 Menschen bei diesem neuen Dienst anmelden. Besonders junge Menschen interessieren sich für den Dienst, der aber bisher noch Personen vorbehalten ist, die älter als 18 Jahre sind. Schon bald – so Barclays – wird mobile Banking in der Zielgruppe der 16 -35,- jährigen die Banking Methode No.1 sein. Und dann muss dieser Zugang mehr leisten als das allseits bekannte und – sagen wir es ehrlich- extrem langweilige Online Banking

Artikel zu ping it aus dem Independent

Damit hört die Menge der Innovationen aber noch lange nicht auf. Zudem spürt man, dass es sich hier nicht nur um schlecht durchdachte Experimente handelt bzw. die Bank jeder technologischen und marketingtechnischen Kuh folgt, die gerade durch das Dorf getrieben wird. Die Bank hat eine Vision und folgt einer Strategie. Dabei spielt die mobile Technologie eine entscheidende Rolle. Banking wird beweglich. Nicht nur die Kunden auch die Mitarbeiter der Bank werden verstärkt Smartphones und Tablets nutzen, um ihre tägliche Arbeit zu erledigen. Die Bank entwickelt sogar einen eigenen internen App Store. Die Arbeitsprozesse der Berater und Angestellten werden App fähig gemacht und das funktioniert nur weil die Mitarbeiter an der Kundenstelle und die Entwickler ganz eng zusammen arbeiten. Die direkte Beobachtung der Arbeit und des Kunden, sowie der direkte Dialog führen zu einer Lösung und nicht das endlos beschriebene Papier der Pflichten- und Lastenhefte.

Lesen Sie das Interview mit Shaygan Kheradpir C00 von Barclays bei computing.co.uk

Fidorbank

Auch in Deutschland gibt es zumindest eine derart innovative Bank. Gemeint ist natürlich die Fidorbank, die glücklicherweise keine seit Jahrzehnten eingespielten und lange Zeit erfolgreichen Prozesse, Verfahren, Tlechnologien und Kulturen und deshalb wohl auch keine dadurch geprägten Mitarbeiter hinter sich herziehen muss. Veränderungen und neue Ideen sind demzufolge beinahe der Normalzustand. In dieser Woche wurde der „Like“ Zins ins Leben gerufen. Kunden können den Zins ihres Tagesgeldes beeinflussen, indem sie Fan der Facebook Seite werden. Wenn man so will eine Form des „Group Buying“. Das hat natürlich viel mit Marketing zu tun, macht auf der anderen Seite aber Spaß und vermittelt dem Verbraucher ein gutes Gefühl für die menschliche Konstruktion des Bankings. Denn wie viele Menschen und Banker halten den aktuellen Mainstream des Bankgeschäftes für eine beinahe natürliche Gegebenheit, die man nicht ändern kann. Dabei kann man sie nur deshalb nicht ändern, weil überall noch ein Mann von Goldmann Sachs sitzt.

Hier finden Sie mehr Infos zur Fidorbank und zum gefällt mir Zins

Und nun frage ich Sie – egal ob Sie Kunde oder Mitarbeiter einer Bank sind: Ist ihre Bank innovativ genug?

PS – Danke für die Inspiration an Chris Skinner und seinen The Financial Services Club Blog

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